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Normale Version: United States of America
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Wenn auch keine wirklich neutrale Quelle, trotzdem erschreckend:
http://english.aljazeera.net/NR/exeres/ ... DFB2ED.htm
Zitat:jo, die Gewalt wird in vielen US-Medien regelrecht "verherrlicht"; von den alten Western über Kriegsfilme bis hin zu SF - und Computerspielen. Gewalt ist tagtäglich (ich erinnere mich da an die Lokalnachrichten bei meinem letzten Aufenthalt in NY - brrrr) und damit wird die Hemmschwelle immer weiter heruntergesetzt
Wenn die Hemmschwelle zur Gewalt sinkt, dann hat das etwas mit schwachem Charakter, geistiger Labilität verursacht durch unzureichende Erziehung seitens der Eltern (bei Kindern) und/oder einem destruktiven sozialen Umfeld zu tun. Ich kann es langsam net mehr hören, dass man jeden Film, der einem grade vor das Visier kommt, sei es Matrix damals in Littleton, oder Computerspiele wie Counterstrike in Erfurt auf Schafott gezerrt werden, nur weil die Menschen einfach nicht in der Lage sind, jemandem, der gewalttätig geworden ist, die entsprechende persönliche Verantwortung zuzusprechen. Es ist die absurdeste Heuchelei, die in unserer heutigen Gesellschaft passieren kann, in der einerseits, natürlich angesichts knapper Kassen betont wird, wie wichtig es doch ist, dass jeder Mensch selbst die Verantwortung für sein Leben und Glück zu übernehmen hat, diese sich aber in solchen Situationen auf mysteriöse Weise wieder in Luft aufgelöst hat.
Turin, ich kann jetzt nicht mit empirischen Daten arbeiten - nur mit einer persönlichen Erfahrung:
Dinge, die mir früher als ungeheuerlich erschienen sind, regen mich heute nicht mehr so auf - man stumpft ab, und ich denke, diese Aussage lässt sich verallgemeinern;
je mehr Bilderflut auf uns einprasseln, desto mehr wird der Inhalt der Bilder als normal(er) empfunden
Ja, bloß Erich, was mich daran stört, ist die Überleitung, die heute als automatisch hergestellt wird: Oh, dieser Mensch hat Gewaltspiele gespielt. Er hat "Natural born Killers" gesehen. Na da ist es ja kein Wunder, dass er seine Arbeitskollegen plötzlich erschießt...o.ä.
Ich habe so ziemlich alle der berüchtigten Computerspiele gespielt, viele davon, als ich noch nicht mal erwachsen war. Ich habe jede Menge Filme gesehen, wo Gewalt zumindest einen gehörigen Anteil an der Handlung hatte. Bin ich deswegen mit ner Schrotflinte (mal abgesehen davon, dass ich keine habe) oder einem Samuraischwert in die Schule gegangen und habe meine Lehrer ins Jenseits befördert? Nein. Warum nicht? Könnten andere Faktoren der Auslöser (und um den geht es ja hier, ich will zwischen Ursachen und Symptomen differenzieren) sein?

Aber ich schätze mal, das geht jetzt alles ot.

Natürlich ist die Gewalt in den US-Städten ein Problem insofern, dass die Menschen damit u.U. tagtäglich konfrontiert werden und daraus ein Moloch der Gewalt enstehen kann, Menschenmassen mit herabgesetzter Gewaltschwelle. Aber sind deswegen Filme oder Computerspiele wirklich der Grund, wo ist da die logische Überleitung!? Oder ist es eine Umgebung, die an sich gemütsfeindlich ist, eben zB. die reale Gewalt in den Städten? Führen Pixel zu Blutwahn? Die Schüler in Littleton waren Außenseiter, wenige oder keine Freunde. Warum? Weil sie gern in schwarzen Mänteln herumgelaufen sind? Oder war das nur eine Reaktion? M.E. werden hier zu oft Ursache und Wirkung verwechselt, und das wird getan, weil es so einfacher ist. Lieber das böse Computerspiel verdammen, als sich zu fragen, was in der Gesellschaft nicht stimmen kann, was letztendlich vielleicht im Elternhaus nicht stimmen kann, etc.
Deine Fragen sind durchaus berechtigt
- es kann sogar sein, dass die reale Gewalt in den Städten durch "gespielte Gewalt" verarbeitet werden muss, das kennen wir von Kindern bis hin zu der Betreuung von US-Soldaten, die traumatisiert aus dem Irak zurück kommen;
- möglicherweise ist das ganze auch ein "Teufelskreis"
- reale Gewalt wird öffentlich in den Medien dargestellt, damit für die Betroffenen z.T. kompensiert und die Gewohnung an Gewalt andererseits erleichtert und die "Hemmschwelle" zumindest bei Personen, die leicht "umkippen" und ein labildes, wenig tragfähiges ethisches Gerüst haben unbewusst abgesenkt.

Ich bin zu wenig Psychologe, um das genauer analysieren zu können,
aber die zunehmende Gewalttätigkeit und Enthemmung (schon beginnend auf dem SChulhof) gibt mir zu denken.

Ist das wirklich nur durch ein destruktives soziales Umfeld zu erklären? Spielt nicht beides zusammen? Ich meine, an meine Kindheit in einer absolut tristen Bergarbeitersiedlung zurück denkend, dass so doll die (Nachkriegs-)Umgebung ja auch nicht war.

Oder verklärt sich in der Erinnerung die Vergangenheit? Haben wir uns als Kinder nicht auch geprügelt?

Jo, haben wir, aber ohne Messer und Pistolen, wie man das heute zunehmend erfährt .... und da fällt mir ein TV-Bericht von Michael Moore ein, Ihr wisst schon, dem überaus sarkastisch wirkenden Bush-Kritiker - konkret:
Bowling For Columbine; Moore beleuchtet dabei die Frage, warum in den Vereinigten Staaten überpropotional viele Menschen durch Schusswaffen ums Leben kommen

- ist diese Kausalität zwischen der Waffen-Kultur der USA und den überproportional hohen Gewalttaten in den USA wirklich abzuweisen :frag:

- ist es wirklich so abwegig, von der Waffen-Kultur in den USA auf eine geistige Grundeinstellung zu schließen, die sich politisch in den globalen Interventionen der USA - von Vietnam bis Irak - und den Drohungen gegen Iran ebenfalls zu äussern scheint :frag:

Ich habe den Eindruck, dass da zu viel Gewaltbereitschaft und zu wenig Respekt und Toleranz gegenüber anders denkenden ein kaum entwirrbares Gemengeknäuel verursachen.

Dies bringt mich dazu, meine Thesen etwas zu konkretisieren:
die Gewalt-Spiele auf PC, TV und und und sind wohl nicht Auslöser der Gewalt, aber Teil einer spezifischen Waffen-Kultur, die ich auch als Gewalt-Kultur bezeichnen würde, und die sich via TV-Serien und was weiss ich noch alles weltweit einschleicht oder breit macht.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Stammtischniveau gibt es auch woanders, und das kann durchaus zu der einen oder anderen Wirtshausprügelei führen - aber in den USA sind die Stammtischbrüder mit Knarren ausgerüstet.
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edit: dazu die neueste Nachricht aus den USA
Zitat:Wenn Journalisten die Aussicht versperren:
Genervt: Bush-Nachbar greift zur Flinte
Er ist ein einfacher Farmer in Texas. Sein Pech: Larry Mattlages Gehöft liegt neben der Ranch des US-Präsidenten. Und weil Bush gerade dort Urlaub macht, lungern Hunderte Journalisten in der Gegend herum - fünf Wochen lang. Nun hat Larry versucht, sie zu vertreiben - auf ur-amerikanische Art. [mehr http://www.tagesschau.de/aktuell/meldun ... AB,00.html ] - Stand: 15.08.2005 03:48 Uhr
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,370261,00.html
Zitat:18. August 2005

RENTE ADE

Mehr Amerikaner müssen arbeiten bis zum Tod

Unter US-Arbeitnehmern sinkt das Vertrauen in den wohlverdienten Ruhestand. Eine Studie zeigt, dass eine steigende Zahl von Amerikanern damit rechnet, bis zum Lebensende arbeiten zu müssen.

....
Zitat:- ist diese Kausalität zwischen der Waffen-Kultur der USA und den überproportional hohen Gewalttaten in den USA wirklich abzuweisen

- ist es wirklich so abwegig, von der Waffen-Kultur in den USA auf eine geistige Grundeinstellung zu schließen, die sich politisch in den globalen Interventionen der USA - von Vietnam bis Irak - und den Drohungen gegen Iran ebenfalls zu äussern scheint
Ich denke, da kann ich dir uneingeschränkt zustimmen. Allerdings würde ich hier nochmals unterscheiden: die Waffenpräsenz in den USA ist Verursacher der massiven Zahl an Gewaltverbrechen. Die Menschen könnten sich schlicht gesagt weniger tun, bzw. wäre die Hemmschwelle höher, müssten sie mit bloßen Fäusten oder selbst einer Klinge bewaffnet aufeinander losgehen. Die Schusswaffen als "sterile" Tötungsmittel, oft auf Distanz, und quasi ohne sich richtig die Hände schmutzig zu machen, sind daher ein sehr wirksamer Katalysator für ein Gewaltpotential, was schon präsent ist.
Und das ist der zweite Punkt: Die Schusswaffen erzeugen m.E. nicht die Gewalt, sondern sie wirken als ein erleichternder Katalysator, ein Weg, dieser Gewalt Luft zu machen.
Wobei vermutlich nicht von der Hand zu weisen ist, dass die auf absurde Weise historisch in der Verfassung verankerte Berechtigung, Waffen relativ frei zu erwerben und zu besitzen, im Laufe der Zeit dazu beigetragen hat, dass so mancher US-Bürger den Eindruck bekommt, Schusswaffen wären ein legitimes Instrument im Alltagsleben. Hier hat man also zumindest teilweise so etwas wie einen Teufelskreis, aus dem der Ausbruch bekanntlich schwerfällt.
Zitat:- ist diese Kausalität zwischen der Waffen-Kultur der USA und den überproportional hohen Gewalttaten in den USA wirklich abzuweisen
Will da meinem Vorredner eigentlich nur zustimmen, auch wenn ich es mal etwa schärfer formulieren will: Eine direkte Kausalität ist es nicht, nur korreliert es doch zumindest ziemlich stark. Man kann ja gerne so viele Waffen haben wie man will, ohne den Grund diese nutzen und deren sie deren tödliche Wirkung entfalten zu lassen, würde man sie trotzdem nicht nutzen.
Die grundsetzlichen Probleme sidn eher die Armut, die Perspektivlosigkeit breiter unterer Bevölkerungskreise, eine miese staatliche Bildung etc.
Darin liegt die Kausalität, die Wafen sidn nur extrem starke Katalysatoren für den Prozess,wie Turin schon sagte.

Zitat:- ist es wirklich so abwegig, von der Waffen-Kultur in den USA auf eine geistige Grundeinstellung zu schließen, die sich politisch in den globalen Interventionen der USA - von Vietnam bis Irak - und den Drohungen gegen Iran ebenfalls zu äussern scheint
Ich wäre etwas vorsichtig bei solch Formulierungen. Sicher steckt da schon ein Kern Wahrheit drin, aber diese Waffenkultur ist letztlich nur Ausdruck:
-eines sehr starken individualistischen, freiheitlichen Selbstbildes
-einer durch Gefahren und Wildheit gekennzeichneten Siedler und Pioniervergangenheit.
Auch hier ist die Waffenkultur ein selbstständiger Grund oder so, sondern ein Merkmal, dass sich durch die amerikanischen Besonderheiten herausgebildet hat.
In der Neuen welt, wie sie ein Alexandre de Toucquille beschrieben hat, war der Einzelne auf sich und seine Prizipien beschränkt und mußte mit jenen und seinen persönlichen Fähigkeiten für sich selbst sorgen.
Dieses Pionierbild hat seine tiefen Spuren in der amerik. Kultur und in der amerik. Gesellschaft hinterlassen. Diese Geiteshaltung aber nur auf eine Waffenkultur oder gar eine Kultur des Todes zu beschränken, das wird weder der amerik. Kultur und Gesellschaft gereht, noch ist dies das ganze Bild.
@Thomas Wach
Zitat:Die grundsetzlichen Probleme sidn eher die Armut, die Perspektivlosigkeit breiter unterer Bevölkerungskreise, eine miese staatliche Bildung etc.
Darin liegt die Kausalität, die Wafen sidn nur extrem starke Katalysatoren für den Prozess,wie Turin schon sagte.
Stimmt! In Kanada sind auch Schußwaffen genauso frei erhältlich wie in den USA, aber in Kanada ist die Zahl der Menschen, die pro Jahr dem Einsatz von Schußwaffen zum Opfer fallen, weitaus geringer als in den USA.
Als Ergänzung:

Diesen Umstand hatte auch Michael Moore in seinem Buch bzw.auch in seinem Film "Bowling for Columbine" gezeigt.

Wird schon was dran sein, zumal die USA dank neoliberlaer Wirtschaftsordnung sich ein Heer arbeitender, aber grotten mies bezahlter working poor hält.
Dann noch die ganzen Probleme hinsichtlich der Behandlung von Minderheiten usw..

Aber nochmal zur Korrelation von Waffenkultur und außenpolitischer Aktionsweise:
Bedingt, aber vorhanden mein bescheidenes Urteil.
Die USA hatten schon immer ein starkes Sendungsbewußtsein und gingen Dinge gerne direkt an.
Andererseits sollte man auch nicht übertreiben.
Diese moderne Form der Kanonenbootdiplomatie wurde schließlich zuerst von den imperialsitischen Europäern so richtig perfektioniert und zahllos angewendet.
Und damals gab es sicher keien so ausgeprägte Waffenkultur in Europa ( ich stells mir gerade vor, die proletarischen massen in einem preußisch-dominierten Obrigkeitsstaat bis an die Zähen bewaffnet:laughSmile.
Also bei der Bewertung der Außenplitik sollte man da sicher sich nicht so weit vorwagen.
Zitat:Erich postete
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,370261,00.html
Zitat:18. August 2005

RENTE ADE

Mehr Amerikaner müssen arbeiten bis zum Tod

Unter US-Arbeitnehmern sinkt das Vertrauen in den wohlverdienten Ruhestand. Eine Studie zeigt, dass eine steigende Zahl von Amerikanern damit rechnet, bis zum Lebensende arbeiten zu müssen.

....
tja die sind realistisch, die meisten deutschen glauben noch immer das staatliche Rentensystem würde ihnen eine Rente zahlen.
Zitat:Anderman postete
....tja die sind realistisch, die meisten deutschen glauben noch immer das staatliche Rentensystem würde ihnen eine Rente zahlen.
dass es eine staatliche Rente geben wird ist sicher, fraglich ist, wie hoch ...

Die staatliche Rente entwickelt sich immer mehr zu einer Grundversorgung, die irgendwann einmal von jetzt noch rund 60 % des letzten Nettoeinkommens weiter - möglicherweise auf eine Basisrente - absinken wird.
Ich schätze, es läuft langfristig europaweit auf das "Schweizer Modell" raus:
- die staatliche Grund- oder Basisrente
- eine verpflichtende Betriebsrente und
- eine Eigenvorsorge (Riester-Rente, Eichel-Rente sind der Ansatz)
mit denen jeweils etwa 1/3 des Nettoeinkommens finanziert werden kann.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 32,00.html
Zitat:US-Regierung distanziert sich von Mordaufruf

Im Fernsehen hatte der ultra-konservative amerikanische Fernsehprediger Pat Robertson zur Ermordung des venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez aufgerufen. Die US-Regierung nennt den Mordaufruf nun "unangebracht".
Auch das US-amerikanische KZ auf Guantanamo sorgt wieder für Schlagzeilen:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 33,00.html
Zitat:USA halten 15 Chinesen weiter in Guantanamo fest

Schon vor zwei Jahren hatte das Pentagon ihre Freilassung gebilligt - trotzdem werden 15 Muslime aus China weiter auf dem US-Stützpunkt Guantanamo festgehalten, so ein amerikanischer Zeitungsbericht.
und siehe hier, ein fernsehprediger ruft mitten in einer fernsehsendung zum mord am venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez auf. was soll ich mir noch denken ("Attentat ist billiger als Krieg").

in den usa herschen genau die strukturen der macht, die in europa 2 verherende weltkriege ausgelöst haben und sich damit quasi selbst entmachtet haben.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 32,00.html
@ pio:

Augen auf! Erstens wurde diese Meldung bereits gepostet, und zwar nur einen Beitrag über dir!

Zweitens sollte klar sein, dass gerade in den USA die radikalen Christen immer wieder mal irgendwelchen Schwachsinn vermelden, der dann von den Sendern in Erwartung großen Interesses freudig in den Äther getragen wird. Was hat das bitte mit irgendwelchen Strukturen der Macht zu tun?? Solche Fundamentalisten gibt es dort, seit die Verfassung gebilligt wurde, das hat trotzdem in 200 Jahren zu keinem NS-Staat geführt. :pillepalle: