09.04.2010, 17:05
Leider agiert Israels Regierung so, dabei ist mir der Staat als solches durchaus sympathisch - und ich hab inzwischen ein Vorurteil gegen Nightwatch
Erich schrieb:"Verbrechen" anzuprangern ist also Landesverrat?Die Uhren ticken richtig.
Derjenige, der Mist aufdeckt und ausmistet macht sauber - derjenige, der Mist produziert ist der Nestbeschmutzer .... aber in Israel ticken die Uhren anders :roll:
Zitat:..nachLesen und nachDenken fördert das Urteilsvermögen :roll:
Die Frau soll ... Dokumente über Verbrechen von Soldaten weitergegeben haben.
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... die Tageszeitung "Haaretz" ... hatte im November 2008 einen brisanten Bericht unter dem Titel "Lizenz zum Töten" veröffentlicht. Darin hieß es, israelische Soldaten würden im Westjordanland - entgegen eines Urteils des Obersten Gerichtshofs - gezielt palästinensische Extremisten töten, statt sie festzunehmen. ...
Zitat: Och, da kann man den Israelis nun wirklich keinen Exklusiv-Strick draus drehen. Bei uns sind schon Leute für weniger in den Knast gewandert ("Bedingt abwehrbereit" und ähnliches).Auch wenn ich einen süffisanten Beigeschmack nicht ausblenden will, so muss man hier aber anmerken, dass a) diese Affäre vor fast 50 Jahren geschah, und vor 50 Jahren war auch das Demokratieverständnis in Deutschland noch ein anderes als heute. Zudem ist b) der Fall heute auch anders gestrickt. Damals ging es um eine Schwäche der Bundeswehr, was aber kein Verbrechen an sich ist, die Informationen von heute, die den Zwist in Israel verursachen, sind aber solche, die sich auf Verbrechen oder zumindest nichtkonformes (auch im israelischen Sinne) Verhalten beziehen. Das ist insofern zu unterscheiden.
Zitat: Wo soll hier ein Problem sein?Hat sie das? Sagen wir so: Ja, sie hat einen Verrat begangen, aber m. Mn. nach keinen Landesverrat. Und den Verrat, den sie begangen hat, ist eigentlich einer, den man schlichtweg begehen muss. Zumindest ist das meine Sichtweise. Wenn ich Verstöße oder Verbrechen nämlich mit der Begründung eines möglichen Landesverrates zudecke und deswegen selbst nicht die Wahrheit sage, oder zumindest die Sache mit totschweige, so habe ich selbst eine gewisse Mitverantwortung an der Verschleierung oder Vertuschung von etwaigen Verstößen. Ich sehe es deswegen eher sogar so, dass Frau Anat Kamm Zivilcourage bewiesen hat, gerade weil sie nicht geschwiegen hat. Oder andersherum: Käme nach vielen Jahren ans Licht, dass alle Mitwissenden die Vorfälle mit verschwiegen hätten, so würde ich mir Gedanken machen um den Zustand einer Gruppe (ich habe jetzt bewusst diese Formulierung gewählt). Die Tatsache aber, dass in Israel immer wieder Leute Missstände oder Skandale mit aufdecken (und damit meine ich jetzt nicht Leute wie Vanunu, der übrigens meiner Meinung nach einen richtigen und populistischen sowie sehr medienwirksamen Landesverrat begangen hat – soviel auch zum Vergleichswert dieses Begriffes), etwa auch Luftwaffenpiloten, ist für mich ein Zeichen, dass in Israel die demokratischen Uhren richtig ticken. Insofern mache ich mir um Israel als Demokratie keine Sorgen, umgekehrt – wenn alle tarnen und täuschen (würden) – würde mich dies eher mit Sorgen erfüllen.
Anat Kamm hat sich eindeutig des Landesverrats schuldig gemacht.
Erich schrieb:aus dem Link von Schneemann:Komplett am Kern des Problems vorbeigerasselt.
Zitat:..nachLesen und nachDenken fördert das Urteilsvermögen :roll:
Die Frau soll ... Dokumente über Verbrechen von Soldaten weitergegeben haben.
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... die Tageszeitung "Haaretz" ... hatte im November 2008 einen brisanten Bericht unter dem Titel "Lizenz zum Töten" veröffentlicht. Darin hieß es, israelische Soldaten würden im Westjordanland - entgegen eines Urteils des Obersten Gerichtshofs - gezielt palästinensische Extremisten töten, statt sie festzunehmen. ...
Zitat:According to the Shin Bet, close to 2,000 documents were copied by Anat Kam when she served as the assistant to the bureau chief of OC Central Command Maj.-Gen. Yair Naveh between 2005 and 2007. The documents contained top secret information concerning General Staff orders, personnel numbers in the Central Command, intelligence information, information on the IDF doctrine and data pertaining to central sensitive military exercises, weaponry and military platforms. The files also contained details on what the Central Command does in the event of a major escalation – how it deploys forces to the West Bank and where it stations them there.Former IDF soldier accused of espionage for leaking intel
Zitat:...central sensitive military exercises, weaponry and military platforms.Zugegeben, da hört der Spaß auf. Das wusste ich aber so auch nicht. Und wenn das so stimmt, wäre eine Verurteilung fällig.
Nightwatch schrieb:....Gut, das liest sich anders als die bisherigen Informationen im Forum. Ansonsten bin ich mit Schneemann konform.
Den genauen Wortlaut der Anklageschrift kann man übrigens hier nachlesen:
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.haaretz.com/hasen/spages/1161733.html">http://www.haaretz.com/hasen/spages/1161733.html</a><!-- m -->
Das geht alles seinen rechtstaatlichen Gang.
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Nightwatch schrieb:Es gibt keine Vertreibungen im Jahre 2010.so so <!-- m --><a class="postlink" href="http://www.tagesschau.de/ausland/westjordanland104.html">http://www.tagesschau.de/ausland/westjordanland104.html</a><!-- m -->
Diskriminierung, mein Gott, ....
Zitat:Neue Aufenthaltsbestimmungen für Palästinenser
Tausende von Ausweisung betroffen
Israel will nach Darstellung von Menschenrechtsgruppen zahlreiche Palästinenser aus dem Westjordanland vertreiben. Nach den neuen Regeln drohen jedem, der ohne israelische Genehmigung dort lebt, die umgehende Ausweisung oder bis zu sieben Jahren Haft.
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Im Vorgehen der israelischen Armee gegen die palästinensische Bevölkerung sei nun eine neue, sehr besorgniserregende Qualität erreicht, sagt der Jurist Eldad Cahanan von der Menschenrechtsgruppierung Hamoked: "Die wesentliche Neuerung ist, dass zum ersten Mal Palästinenser nach dieser Definition als Eindringlinge in ihrem eigenen Land gesehen und dafür ausgewiesen und bestraft werden können."
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Stand: 13.04.2010 19:12 Uhr
Nightwatch schrieb:... lohnt ein Blick auf die Quelle.Von Tim Aßmann, BR-Hörfunkstudio Tel Aviv
Nightwatch schrieb:....über eine kontroverse Diskussion in Israel selbst berichtet inzwischen die Tagesschau:
Den genauen Wortlaut der Anklageschrift kann man übrigens hier nachlesen:
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.haaretz.com/hasen/spages/1161733.html">http://www.haaretz.com/hasen/spages/1161733.html</a><!-- m -->
Das geht alles seinen rechtstaatlichen Gang.
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Zitat:Der Fall "Anat Kam"an diesem Fall kann man auch wirklich den Sinn und Unsinn von "Staatsgeheimnissen" diskutieren.
Hitzige Diskussion über Hochverrat in Israel
2000 streng geheime Armee-Dokumente hat Anat Kam während ihres Wehrdienstes auf zwei CDs gebrannt. Kurz darauf erschienen Teile daraus in einer Tageszeitung. Der Geheimdienst entdeckte das Leck und wirft der 23-Jährigen Hochverrat vor. Nun wird in Israel kontrovers darüber diskutiert.
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Hochverrat oder Recht zum Dokumentendiebstahl?
Anat Kam gab zu Protokoll, sie habe Gesetzesverstöße durch die Armee aufdecken wollen. Auch das gab ihr aber nach Ansicht vieler ihrer Landsleute nicht das Recht zum Dokumentendiebstahl. So sieht es auch der politische Kommentator des Fernsehsenders "Kanal 2", Amnon Abramovitch. Auch wenn er den Vorwurf des Hochverrats für unberechtigt hält: "Die aktuelle Definition von Spionage im Gesetzbuch ist künstlich und absurd. Die Spitze der Staatsanwaltschaft und die besten Juristen des Landes denken, dass man das Gesetz ändern und anpassen muss. Was die Tat von Frau Kam angeht, geht es hier um wahllosen Massendiebstahl von allem, was ihr in die Hände fiel. Die Presse kann keine Zuflucht für Kriminelle sein."
Das Schicksal seiner Informantin vor Augen, hält sich Haaretz-Reporter Uri Blau in London auf und meidet die Heimat.
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Blau hatte in seinem Artikel illegale Tötungen von Palästinensern durch israelische Truppen im Westjordanland aufgedeckt. Der Text hatte die bei solchen Themen in Israel übliche Militärzensur passiert. Aber der Geheimdienst machte nachträglich Druck auf den Autor und wollte seine Quelle sowie alle Dokumente. Blau schloss ein Abkommen: Rückgabe des Materials gegen Quellenschutz. Der Geheimdienst habe mit der Verhaftung Anat Kams diesen Deal gebrochen, sagt nun Journalist Blau. Sein Kollege, der Redakteur für Militärthemen des Fernsehsenders "Kanal 10", Alon Ben David glaubt dagegen, Blau habe das Abkommen verletzt: "Er übergibt dem Inlandsgeheimdienst nur 49 Dokumente, obwohl er mehr als 2000 hat. Wir sprechen hier auch von Operationsplänen, die noch nicht durchgeführt wurden. Dokumente, die der Chef des Geheimdienstes als lebensgefährlich für Soldaten und Bürger einstuft, wenn sie in die Hände des Feindes fallen würden."
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Der israelische Presserat verurteilte allerdings, dass Journalisten wegen der Veröffentlichung geheimer Dokumente strafrechtlich belangt werden. Viele Israelis sind aber der Meinung, dass der Staat Recht hat, wenn er die Pressefreiheit in Sicherheitsfragen stark einschränkt. Dass die Behörden jedoch über Monate eine strikte Nachrichtensperre verhängten und jede Berichterstattung aus Israel über den Fall Kam verhinderten, geht nach Einschätzung aller Medien aber viel zu weit.
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