„Broensen“ schrieb:Für Aegis ist das bekannt, für's Mk.41 höre ich das zum ersten Mal.
Grundsätzlich gilt das tatsächlich für so ziemlich jede Technologie, die irgendwann mal spezifisch für die USN entwickelt wurde. Entweder indem das Patent für das Produkt selber direkt besessen wird (was bspw für AEGIS der Fall ist) oder indem über dem eigentlichen Produkt eine Art Platzhalter-Patent geschaffen wird, womit die Technologierechte des Produkts beim Hersteller verbleiben, das Produkt als Produktkategorie aber weiterhin vom M.o.W. besessen wird (was bspw beim Mk41 der Fall ist). Hat mich auch überrascht als ich darüber gestolpert bin aber abseits von internationalen Kooperationen gibt es tatsächlich nur wenig Produkte in den US-Streitkräften, die nicht direkt oder über Umwege als Systemart Staatseigentum sind.
Zitat:Weil sie länger ohne Nachversorgung operieren können und in ihrer Anzahl nicht von Trägerplattformen abhängig sind.
Von den Trägerplattformen nicht, aber doch wohl von den Versorgern? Die ja dann wiederum nicht nur 10-15x MSC versorgen müssen, die wenn sie als Einzelfahrer operieren ja relativ disloziert sind und ein Versorger entsprechend Meter machen muss, sondern auch nochmal die gleiche oder eine höhere Anzahl von UUV, die dann definitiv als Einzelfahrer irgendwo im nirgendwo operieren. Da kämen wir mit 3x EGVs nicht aus, auch nicht 6x, da bräuchten wir vermutlich eher um die 9-12x. Sei mal dahingestellt ob das EGVs in der Größe der Berlin Klasse sein müssten, sowas Richtung MuSE dürfte teilweise auch gehen, aber zusätzlich zu den Tendern blicken wir dann wahrscheinlich auf die 15x Unterstützungseinheiten insgesamt. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass das realistisch ist.
Zitat:Weil die Anzahl von MSC begrenzt ist und sich dadurch immer nur begrenzte Bereiche durch sie überwachen lassen. Auch mit UUV an Bord bleibt das so, denn eine Fregatte wird nur eine sehr geringe Anzahl solcher UUV tragen können. Eine zweistellige Anzahl von größeren XLUUV mit leistungsfähigem Schleppsonar wäre hingegen in der Lage, einen erheblich größeren Seeraum zu überwachen, als es unsere paar Fregatten könnten, selbst wenn diese mit in ihrem näheren Umfeld operierenden UUV ausgestattet sind.
Okay, ich glaube ich verstehe langsam, was du meinst.
Ja, das sehe ich, XLUUV werden ein deutlich größeres Seeraumgebiet überwachen können, als eine Kombination aus Fregatten und kleineren UUV. Zumindest perspektivisch sollte das möglich sein.
Das wäre meines Erachtens nach aber nur dann relevant, wenn das Seegebiet auch wirklich zu groß wäre, um das mit Fregatten (sowohl mit unseren wie auch mit Verbündeten) stemmen zu können, was ich aber persönlich nicht für gegeben halte. Und der Grund dafür ist das hier:
https://www.ngdc.noaa.gov/mgg/bathymetry...n11024.jpg
Denn die GUIK-Gap hat einen kleinen Bruder im europäischen Nordmeer. Die sog. „Bear Gap“ zwischen Spitzbergen und der norwegischen Küste und die Framstraße zwischen Spitzbergen und Grönland. Da das ganze soweit ich weiß keinen offiziellen Namen hat, nenne ich diese Region persönlich die „NORSG-Gap“ (Norway - Svalbard - Greenland).
Anders als der Großteil des norwegischen Meers, das normalerweise mehrere Kilometer tief ist, wird diese Region durch teils extrem flache Gewässer charakterisiert, besonders die Bear Gap, dessen Wassertiefen im Süden bei rund 200-300m liegen, im Norden teilweise sogar auf 50-20m abflachen. Auch die Framstraße sitzt ungefähr zur Hälfte auf diesem Plateau bei Wassertieren von rund 300m, senkt sich erst im Norden massiv ab. Beide Seewege sind zudem nicht breit, rund 650km für die Bear Gap und rund 400km für die Framstraße. Die Distanzen sind nahezu identisch (bzw. im Falle der Bear Gap sogar leicht geringer), als die der GUIK-Gap. In der Mitte geteilt durch Spitzbergen, NATO-Standort für Frühwarnungssensorik. Tatsächlich war die Beherrschung dieses Seegebiets auch Eckpfeiler der sowjetischen Nordmeerdoktrin, da das Gebiet effektiv als Tor zur Barentsee und damit zum russischen Hinterland gilt.
Das ist
ideales U-Jagd-Revier.
Und nicht nur das, eine Sperrung dieses Seegebiets hält nahezu die gesamte norwegische Küste „steril“, sichert entsprechend die Nachschublinien in den Norden und verhindert seeseitgen Support des Gegners, der in Norwegen vital ist um Boden gut zu machen. Hat auch den netten Nebeneffekt, dass alles was luftseitig gen Süden möchte (seien es Flugzeuge, Drohnen, Marschflugkörper oder Seezielflugkörper) diese Lücke überfliegen muss und von den dortigen Einheiten abgefangen werden kann. Die NORSG-Gap macht damit sozusagen das selbe für das norwegische Meer, wie die GUIK-Gap für den offenen Nordatlantik.
Vital ist aber eben, dass diese flachen Gewässer ausgenutzt werden, soll heißen die Bekämpfung muss ebenfalls dort stattfinden um dem Gegner sein Leben möglichst schwer zu machen. Bemannte MSC müssen dafür Lokal in diesem Gebiet oder direkt dazu angrenzend operieren. Wenn sie hunderte Kilometer dahinter stehen, wird eine Bekämpfung entsprechend schwer da wieder mit Wassertiefen in den Kilometern zu rechnen wäre. Soll heißen allzu viel Platz für große, unabhängig operierende XLUUV würde dort meiner Auffassung nach kaum bleiben, da man selbst mit den bemannten Einheiten quasi mit einem Bein im russischen Vorgarten steht. (Was auch nebenbei der Grund für meine Forderung nach teifgreifenderen Luftverteidigungsfähigkeiten ist, denn hier befinden wird uns mitten im feindlichen A2/AD-Komplex).
Um das ganze in Perspektive zu setzen, die Sonarperformance eines CAPTAS-4 wird nach Broschüre im rund 150km Detektionsweite angegeben. Das werden in Realität etwas mehr sein, solche öffentlich verfügbaren Daten untertreibt man üblicherweise, aber das gilt eben auch nur für Idealbedingungen, weshalb ich hier jetzt einfach mal näherungsweise 100km Detektionsweise annehme. Rechnen wir das auf die tatsächliche Breite der beiden Seewege stelle ich persönlich fest, dass das durchaus realistisch annehmbare Stückzahlen an Fregatten bedarf. Nicht wenig, da man natürlich auch eine gewisse strategische Tiefe benötigt, aber eben auch nicht Dutzende.
D.h. idealerweise würde ein solcher ASW-Komplex mMn zum einen aus einigen wenigen XLUUV bestehen, vorausstaioniert in Norwegen, die wie du angeführt hast Frühwarnung und ggf. Verfolgung wahrnehmen kann (über die Stückzahl kann man streiten, persönlich würde ich nicht mehr als 10x Plattformen für sinnvoll erachten von denen 6 bis 7 einsetzbar wären, aber darüber lässt sich diskutieren) . Die operieren unabhängig in der Barentsee.
Und aus einer groß angelegten, gestaffelten ASW-Sperre aus kleinen (auf Schiffen mitgeführten) UUV die Lokal als „erste Kontaktlinie“ fungieren, ggf. auch als Lückenfüller bei blindsports zwischen bemannten Einheiten, und eben den MSC selber die etwas dahinter stehen und als zweite Kontaktlinie fungieren, Kontakte also sowohl bekämpfen wie auch selber aufklären falls es ein Kontakt unentdeckt durch die erste Linie geschafft hat.
Zitat:Größer denken. Nicht die Versorger pendeln, die XLUUV steuern Versorgungspunkte an, primär landgebunden, evtl. aber auch durch spezialisierte Tender bereitgestellt.
Das halte ich auch für eine gute Idee, abseits vlt spezialisierten Tender (von Singularbefähigungen bekomme ich bekanntlich Albträume

). Bei einem Fall habe ich allerdings noch wirkliche Lösung gefunden und das wäre eine Beschädigung dieser XLUUV im feindlichem Gebiet. Da die keine Besatzungen an Bord haben wirds mit selbstständigen Reparaturen eher Mau aussehen und eine ganze Task Force zusammenzustellen die einmal durch die Barentsee fährt um das UUV zu reagieren, ist glaube ich auch keine Option. Einfach zurücklassen wäre aber vermutlich auch nicht gut, da die Einheit ja potenziell vom Feind entdeckt und gehoben werden könnte.
Also… im Beschädigungsfall im Feindesland selbstständig sprengen?
Zitat:Warum? Wenn ein großes und ein kleines UUV die gleichen Fähigkeiten tragen und sich lediglich in ihrer Größe unterscheiden, um eine größere Reichweite oder eine höhere Sonarleistung zu erzielen, dann unterschiedet sich doch deren Equipment nicht im Umfang, sondern lediglich in Größe/Leistung.
Größe verursacht gleichzeitig aber auch mehr Bedarf für die Bordtechnik, denn die Komponenten müssen leistungsstärker sein und zahlreicher vorgehalten werden. Ein größeres UUV benötigt bspw mehr Batteriespeicher und mehr Brennstoffzellen, mehr Technik um diese betriebsbereit zu halten, womit inhärent mit größerer Störanfälligkeit zu rechnen ist.
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„Leuco“ schrieb:Für die SLX wäre das für mich nachvollziehbar. Liegt bereits die SLM deutlich über der ESSM was die effektive Reichweite anbelangt - ich meine nein? Auch wenn die SLX in dem Artikel nicht explizit erwähnt wird, könnte man einen Bedarf an Flugkörpern zwischen ESSM und SM2 aus dem Artikel herleiten. Vorstellbar dass das Thema „weiter in den Mittelbereich“ perspektivisch die SLX meint.
Ich glaube ehrlich gesagt, dass der Autor hier einfach ESSM mit NSSM verwechselt hat.
„ESSM Block 2 ist ein schiffsgestützter, hochagiler Interceptor gegen Seezielflugkörper, Flugzeuge, Hubschrauber und Drohnen und reicht vom Nahbereich bis knapp in den Mittelbereich (beginnend bei 10 NM) hinein.“
https://marineforum.online/flugkoerper-v...teidigung/
Denn das angesprochen NSSM trifft das ja durchaus zu. Die NSSM hat eine Reichweite von rund 20km und reicht damit bis knapp in den Mittelbereich. Das würde auch das erklären:
Dadurch verfügen die mit ESSM in Mk-41-Startern ausgestatteten Fregatten der Klassen F123, F124 sowie künftig F127 und F128 über eine erhöhte Feuerkraft.
https://marineforum.online/flugkoerper-v...teidigung/
Was ja so definitiv nicht stimmt, die F123 sind aktuell mit NSSM ausgerüstet und werden erst zukünftig ESSM verschießen können. Dann erscheint die Aussage hinsichtlich SLM auch logischer, den verglichen mit der NSSM reicht die SLM deutlich weiter in den Nahbereich hinein. Die Tabelle weiter unten im Artikel scheint das auch nochmal zu bestätigen, der verwechselt hier die RIM-162 mit der RIM-7.