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Zitat:Japan treibt Wende zu offensiverer Militärpolitik voran

Tokio (Reuters) - Japan treibt seine Kehrtwende zu einer offensiveren Militärpolitik voran.

Ein entsprechendes Gesetzespaket, das in eine Erlaubnis für den ersten Auslandskampfeinsatz japanischer Soldaten seit dem Zweiten Weltkrieg münden könnte, nahm am Mittwoch eine wichtige Hürde im Parlament: Nach hitziger Debatte stimmte ein Ausschuss im Unterhaus für das umstrittene Vorhaben. [...]

Kritiker sehen in dem Vorhaben eine Verletzung des in der Verfassung verankerten Pazifismus und fürchten, dass Japan in internationale Militärkonflikte der verbündeten USA hineingezogen wird. Ministerpräsident Shinzo Abe hält dem entgegen, dass nicht zuletzt die wachsende Macht Chinas eine neue Politik erfordere.

Die USA begrüßen das Vorhaben, das die japanische Bevölkerung Umfragen zufolge mehrheitlich ablehnt. Unzufrieden sind viele Japaner vor allem damit, dass das Verbot der "kollektiven Selbstverteidigung" aufgehoben werden soll. Danach darf Japan bisher angegriffenen Verbündeten nicht militärisch beistehen. [...]
<!-- m --><a class="postlink" href="http://de.reuters.com/article/worldNews/idDEKCN0PP0SP20150715">http://de.reuters.com/article/worldNews ... SP20150715</a><!-- m -->

Schneemann.
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.tagesschau.de/ausland/fukushima-rueckkehr-101.html">http://www.tagesschau.de/ausland/fukush ... r-101.html</a><!-- m -->
Zitat:Japan will Fukushima-Region wieder besiedeln
Rückkehr in ein verstrahltes Gebiet

Stand: 19.07.2015 11:41 Uhr
Die Fukushima-Katastrophe ist keine fünf Jahre her, dennnoch sollen die Anwohner bald in die betroffene Region zurückkehren. Die Regierung gibt vor, die dekontaminierten Flächen seien sicher. Messungen von Umweltschützern zeigen etwas anderes.
...
(Link auf Video)
Im Strang über die Migration wurde kürzlich die anscheinend guten Aussichten Japans im Zusammenhang mit wirtschaftlicher Entwicklung und Einwanderung etc. angemerkt (ich glaube von Mitleser). Aus aktuellem Anlass hierzu:
Zitat:Japan's economy falls back into recession again

Japan's economy has fallen into recession again after it shrank 0.8% on an annualised basis in the third quarter. The preliminary data means the world's third-largest economy has contracted for a second consecutive quarter, marking a technical recession.

Growth was expected to decline after it fell a revised 0.7% in the second quarter on weak domestic demand. Japan has been in recession four times since the global financial crisis. On a quarterly basis, growth fell 0.2% in the third quarter from the previous one, weaker than forecasts of a 0.1% decline. [...]

Business spending fell 1.3%, against forecasts of a 0.4% decrease. It also marked the second quarter in a row of declines. But, private consumption, which accounts for 60% of the economy rose 0.5% from the previous quarter. Consumer spending has picked up from the hit it took last year from an increase in sales tax in April, which contributed to the recession in 2014.
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.bbc.com/news/business-34829408">http://www.bbc.com/news/business-34829408</a><!-- m -->

D. h.: Auch wenn es kleinere Phasen der Erholung gibt, so hangelt sich Japan langfristig quasi von einer Rezession zur nächsten. Damit werden jedoch weder demographische noch schuldenspezifische Probleme behoben, es ist vielmehr ein schrittweiser, ja schleichender Niedergang auf Raten zu beobachten...

Schneemann.
Zur schwelenden (besser: schwankenden) Dauerminikrise in der japanischen Wirtschaft: Die japanischen Exporte sind aktuell so stark im Minus wie seit drei Jahren nicht mehr. Gründe dafür sind u. a. die gesunkenen Nachfragen in China, das ebenfalls gerade mit seinen Börsen hadert, und den USA.
Zitat:Japanische Exporte kräftig gesunken - China kauft weniger

Tokio (Reuters) - Die japanischen Exporte sind im Dezember wegen einer schwachen Nachfrage aus China und den USA so stark gefallen wie seit über drei Jahren nicht mehr. Sie sanken um acht Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, teilte das Finanzministerium am Montag mit. Das war nicht nur das höchste Minus seit September 2012, sondern bereits das dritte in Folge und überdies größer als von Experten vorausgesagt. [...]

Japan macht derzeit die schwache Nachfrage aus Asien zu schaffen, wohin mehr als die Hälfte der Exporte gehen. Die Ausfuhren nach China brachen um 8,6 Prozent ein, die nach Asien insgesamt gaben sogar um mehr als zehn Prozent nach. Besonders Chemikalien und elektronische Bauteile wurden weniger nachgefragt. Die Exporte in die USA schrumpften um 3,4 Prozent und damit erstmals seit fast anderthalb Jahren.

Die Importe fielen im Dezember um 18 Prozent. 2015 insgesamt nahmen sie insgesamt um 8,7 Prozent ab. Grund für den ersten Rückgang seit sechs Jahren ist der Einbruch der Ölpreise.
<!-- m --><a class="postlink" href="http://de.reuters.com/article/topNews/idDEKCN0V30KJ">http://de.reuters.com/article/topNews/idDEKCN0V30KJ</a><!-- m -->

Gewiss kann man diese Entwicklung wiederum als eine Schwankung abtun, hinsichtlich der japanischen Schuldenproblematik und einer stark überalternden Bevölkerung sowie der Krisen in China könnten sich diese "kleinen Schritte nach unten" irgendwann jedoch massiv aufsummieren - und dann steckt das Land mitten in einer sehr tiefen Rezession, die schwerer wirken wird als die Krisen von 1997/98 oder ab 2007. Dieses Risiko sehe ich durchaus, zumindest teile ich nicht den Zweckoptimismus einiger hier was Japans Wirtschaftskraft betrifft...

Schneemann.
Zum Problem der Überalterung der japanischen Gesellschaft:
Zitat:Bevölkerungsschwund: Japan verliert fast eine Million Einwohner [...]

Das hat es seit Beginn der Volkszählungen im Fünfjahresabstand 1920 in Japan nicht gegeben: Die Bevölkerung ist geschrumpft. Lebten in Japan 2010 noch 128,1 Millionen Menschen, sind es mittlerweile etwa 947.000 weniger. Das geht aus dem jüngsten Zensus für 2015 hervor, der nun veröffentlicht wurde. Das bedeutet einen Bevölkerungsrückgang von 0,7 Prozent. [...]

Innerhalb des Landes gibt es durchaus unterschiedliche Entwicklungen. Große Städte wachsen, weil vor allem junge Menschen ländliche Regionen und kleinere Städte verlassen, um in Metropolen Arbeit zu finden. So ist die Einwohnerzahl der Hauptstadt Tokio in den vergangenen fünf Jahren um 2,7 Prozent auf 13,5 Millionen Menschen gestiegen. Viele Dörfer sterben hingegen buchstäblich.
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/japan-schrumpft-fast-eine-million-einwohner-verloren-a-1079506.html">http://www.spiegel.de/panorama/gesellsc ... 79506.html</a><!-- m -->

Schneemann.
Zitat:Der Super-GAU in den Köpfen

Japan auf Jahrzehnte verseucht, Hunderte verstrahlt, Unzählige an Krebs gestorben. So stellte man sich die Folgen von Fukushima vor. Doch vieles ist anders gekommen.
<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.zeit.de/wissen/2016-02/fukushima-jahrestag-atomkraft-tsunami">http://www.zeit.de/wissen/2016-02/fukus ... ft-tsunami</a><!-- m -->
Ziemlich dämlicher Artikel. Das Problem von Atomkatastrophen ist ja nicht der menschliche Schaden, sondern dass die Gebiete nicht mehr bewohnbar sind. Es gehen 100.te Milliarden $ an Bausubstanz verloren, die natürlich keine Versicherung bezahlen muss, weil jeder privat dafür haftet / es den Betreiber des Kraftwerks sowieso sofort in den Ruin treibt (GAU).

Hier haben wir jetzt den Fall, dass die Tsunami-Katastrophe den Atom-Schaden diesbezüglich maskiert. Man kann sagen, das was grossflächig schon vom Tsunami zerstört wurde, wird man allenfalls in einer Mischrechnung dem GAU anrechnen. Die Bausubstanz ging erstinstanzlich wegen der Tsunamikatastrophe verloren und erst in zweiter Linie durch den GAU ... der Schaden wird diesbezüglich nur so beziffert, dass man auf längere Zukunft nicht mehr dort bauen kann. Wäre nur der GAU gewesen, wäre die Substanz 1:1 wegen dem GAU nicht mehr nutzbar gewesen und die finanzielle Katastrophe könnte man nicht dem Tsunami zuschreiben. Aber die Verunmöglichung der Nutzung wäre so oder so eingetreten ... ist natürlich ein glücklicher Umstand für die Atomlobbyisten, dass der GAU nicht für den gewaltigen Wertverlust verantwortlich gemacht werden kann.

Und übrigens ... viel Radioaktivität wurde grossflächig aufs Meer verteilt, weil zufällig die Winde günstig standen, aus diesen glücklichen Umständen einen Präzedenzfall zu machen, wäre ziemlich dumm. Wäre der ganze radioaktive Niederschlag in die Region Tokio geweht worden, käme dieser Artikel in der Form sicher nie zustande. Es war einfach nur ein glücklicher Zufall in der gesamten Katastrophe.
Eine interessante Kolumne der Japan Times, welche ein viel vielseitigeres Bild des Landes bietet als der übliche Heile-Welt-Kitsch (Kawaii) mit dem sich Japan ansonsten üblicherweise der Welt präsentiert:

<!-- m --><a class="postlink" href="http://www.japantimes.co.jp/news/column/dark-side-of-the-rising-sun/">http://www.japantimes.co.jp/news/column ... ising-sun/</a><!-- m -->
Es hat sich diese Entwicklung ja schon seit einiger Zeit abgezeichnet, nun könnte die Abkehr Japans von einigen Punkten der 1947 verfügten bzw. begründeten Nachkriegsverfassung (besonders der Artikel 9, der Japan faktisch es nicht erlaubt, eigene Streitkräfte - bzw. Streitkräfte, die als solche definiert werden - zu unterhalten und militärische Maßnahmen anzudrohen, war ja immer schon, besonders seitens konservativer oder nationalistischer Kreise stark umstritten) aber tatsächlich in den nächsten Jahren erfolgen.

Vor allem die aktuelle Bedrohung durch das unberechenbare Nordkorea dürfte hierbei eine starke Rolle spielen. Indessen wird dieser Schritt Tokios Politikern sicher nicht leicht fallen, steht doch der Großteil der Bevölkerung noch hinter dieser als vorbildlich pazifistisch angesehenen Verfassung (s. Artikel).
Zitat:Shinzo Abe Announces Plan to Revise Japan’s Pacifist Constitution

TOKYO — Prime Minister Shinzo Abe of Japan announced on Wednesday a plan to revise a pacifist Constitution that has been in place since it was enacted by American occupiers in 1947.

In a video message delivered at a celebration of the 70th anniversary of the Constitution, Mr. Abe said he wanted to make “explicit the status” of the country’s self-defense forces, as Japan’s military is known, by amending the Constitution by 2020. [...]

Japan has stepped up its show of military force amid concerns about North Korea’s provocative behavior, sending two naval destroyers to join the American aircraft carrier Carl Vinson in exercises off the Korean Peninsula. And on Monday, a Japanese warship accompanied a United States Navy supply ship headed to join the Carl Vinson and three other warships in a strike group. [...]

Previous calls to revise it have been met with skepticism in Japan and in countries including China and South Korea that object to any signs of Japan’s remilitarization. [...]

Analysts said it was a shrewd calculation intended to reassure skeptics and set a precedent for revision. Mr. Abe and his cabinet “are aware that Article 9 is very popular, and revising Article 9 is going to be alarming to many countries around them,” said Koichi Nakano, a political scientist at Sophia University in Tokyo. Just last week, a survey by the public broadcaster NHK found that 82 percent of respondents were “proud of the current Constitution that advocates pacifism.”
https://www.nytimes.com/2017/05/03/world....html?_r=0

Schneemann.
Eine kleinere, national-populistische Partei, aber dennoch bezeichnend für ein Land, das 1945 nach den atomaren Angriffen auf Hiroshima und Nagasaki Atomwaffen generell abgeschworen hatte. Inwieweit allerdings hier wirklich der Ukrainekrieg eine Rolle spielt - oder ob nicht auch nach Nordkorea geschaut wird - muss offen bleiben...
Zitat:Nippon Ishin calls for ‘nuclear sharing’ talks for Japan’s defense

Opposition Nippon Ishin no Kai (Japan Innovation Party) said Japan should discuss “sharing” the possession of nuclear weapons and reassess its long-held three non-nuclear principles in light of Russia’s invasion of Ukraine.

The Osaka-based party will submit its emergency proposals to the government on March 2. The proposals said that one lesson learned from Russia’s full-scale military assault on Ukraine is that “a non-nuclear-weapons state is at higher risk of being invaded by a nuclear state.” [...] On Feb. 28, party leader Ichiro Matsui suggested a rethink was needed for the three non-nuclear principles of not possessing, not producing and not permitting the introduction to Japan of nuclear weapons.
https://www.asahi.com/ajw/articles/14561716

Schneemann
Zitat:Japans Ex-Regierungschef Abe bei Attentat offenbar lebensgefährlich verletzt

Der frühere japanische Regierungschef Shinzo Abe ist Medienberichten zufolge bei einem Angriff lebensgefährlich verletzt worden. Die japanische Nachrichtenagentur Kyodo und der öffentlich-rechtliche Sender NHK berichten, bei einer Wahlkampfveranstaltung in der Region Nara sei ein möglicher Schuss zu hören gewesen. Die Nachrichtenagentur Jiji berichtete unter Berufung auf Parteikreise, Abe habe daraufhin am Hals geblutet und sei zusammengebrochen.

Der 67-Jährige soll keine Vitalfunktionen mehr zeigen [...]. NHK berichtete, ein Mann sei festgenommen worden. Abe war zunächst von 2006 bis 2007 und dann von 2012 bis 2020 Regierungschef Japans.
https://www.faz.net/aktuell/eilmeldung-j...58076.html

Schneemann
Abe ist im Krankenhaus verstorben. Und es gibt nun sehr viele Nachrufe, weltweit. Tatsächlich hat Abe (bis 2020 im Amt), einer der am längsten im Amt weilenden japanischen Regierungschefs, Japan in gewisser Weise durchaus verändert, auf eine selbstbewusstere, aber auch weniger pazifistischere Art. Und er hat damit auch an den Wurzeln der Nachkriegsordnung gerüttelt.
Zitat:Internationale Reaktionen zum Tod von Shinzō Abe

»Fassungslos und tieftraurig«

In aller Welt zeigen sich Politikerinnen und Politiker erschüttert über den Anschlag auf Shinzo Abe und verurteilen die Tat. [...] Der 67 Jahre alte Politiker war einem Attentat mit einer offenbar selbst gebauten Waffe zum Opfer gefallen. Bei dem Attentäter soll es sich um ein 41 Jahre altes früheres Mitglied der Selbstverteidigungsstreitkräfte Japans handeln. [...]

Bundeskanzler Olaf Scholz schrieb auf Twitter, das Attentat mache ihn »fassungslos und tieftraurig«. Er richtete sein tiefes Mitgefühl an Abes Familie und den japanischen Premierminister Fumio Kishida. [...] Auch EU-Ratspräsident Charles Michel kondolierte. Europa trauere mit Japan, schrieb er auf Twitter: »Ich werde die brutale Tötung dieses großartigen Mannes nicht verstehen.«
https://www.spiegel.de/ausland/shinzo-ab...692ef6ee70

Schneemann
Abes Verdienste für die japanische Nation und sein Versuch diese wieder zurück in die Normalität zu führen sind beachtenswert! Es hat schon seinen Grund, warum er sich derart lange an der Macht halten konnte. Sein Tod ist nicht nur für Japan ein großer Verlust.

Das inzwischen genannte Mordmotiv ist obskur:

https://www.spiegel.de/ausland/shinzo-ab...0b6c617810

https://www.n-tv.de/politik/Abe-Attentae...53526.html

Hier gibt es unter anderem ein Bild der Mordwaffe:

https://cdn.cnn.com/cnnnext/dam/assets/2...ge-169.jpg

https://edition.cnn.com/2022/07/09/asia/...index.html
Der Mord an Abe vor vier Wochen hat im japanischen Politalltag für eine gewisse Unruhe gesorgt, vor allem da (allem Anschein nach) durch die Ermittlungsbehörden selbst Informationen zum Motiv des Täters an die Medien weitergegeben wurden. Hierbei fokussierte sich die Aufmerksamkeit auch auf einen Aspekt, der seitens der Politik gerne etwas im Hintergrund belassen wurde - nämlich der mögliche Einfluss neureligiöser Organisationen auf die Parteienlandschaft. Ehrlich gesagt war mir dies bislang auch nicht geläufig...
Zitat:JAPAN NACH MORD AN ABE

Die Partei und die Sekte

Japans Ministerpräsident forciert eine Trennung zwischen seiner Regierungspartei und der religiösen Sekte der Vereinigungskirche. Denn seine Umfragewerte sind auf einem bisherigen Tiefstand. [...]

Mehr als 80 Prozent der Befragten erklärten gerade in einer Umfrage des öffentlich-rechtlichen Fernsehsenders NHK, dass die regierende Liberaldemokratische Partei (LDP) ihre Verbindungen zur religiösen Sekte der Vereinigungskirche, die sich heute Familienföderation für Weltfrieden und Vereinigung nennt, nicht hinreichend offengelegt hätte. Das Misstrauen der Bevölkerung sitzt tief. In den vergangenen drei Wochen fiel die Zustimmung zum amtierenden Ministerpräsidenten Fumio Ki­shida von 59 auf 46 Prozent. Zu der Unzufriedenheit tragen auch steigende Covid-Infektionen in der siebten Welle und die hohe Inflation bei. Ein so schlechtes Umfrageergebnis hatte Kishida, der seit Oktober regiert, noch nie. [...]

Der Täter gibt nach den Informationen, die von den Ermittlungsbehörden durchgestochen wurden, als Grund für die Tat seine Wut auf die religiöse Sekte an. Seine Mutter soll schon vor vielen Jahren 100 Millionen Yen (etwa 720.000 Euro) an die Sekte gespendet und die Familie in den finanziellen Notstand geführt haben. Auf Abe geschossen haben will der Täter, weil er über das Internet von einer Verbindung des einflussreichen Politikers zu der Sekte erfahren hatte. [...]

Als sei ein Schleier weggezogen worden, löste diese Information in Japan einen unerwarteten Fokus der Massenmedien auf die Beziehungen der Vereinigungskirche zur Politik aus. [...] Nach manchen Recherchen haben Dutzende führende Politiker der LDP und auch von einigen anderen Parteien Beziehungen zu der Sekte. Wieder und wieder versicherte der Generalsekretär der Liberaldemokraten, Toshimitsu Motegi, dass es keine systematischen Beziehungen der Partei zu der Sekte gebe und künftig nicht geben werde. [...]

Kishida versuchte am Mittwoch mit einer vorgezogenen Kabinettsumbildung einen Befreiungsschlag. Der Ministerpräsident beansprucht, dass er nach bestem Wissen selber keine Beziehungen zu der Vereinigungskirche unterhalte. Von den Ministern im neuen Kabinett verlangte er, dass sie mögliche Beziehungen untersuchten, offenlegten und künftig Vorsicht im Umgang mit „sozial problematischen“ Organisationen übten. Das hätten alle neuen Minister zugesichert. Ob das reicht, um das Misstrauen einzudämmen, ist fraglich. Die Opposition kritisierte, dass die versprochene umfassende Aufklärung ausgeblieben sei. [...]

Der Präsident der japanischen Sektion der Familienföderation, Tomihiro Tanaka, kritisierte es am Mittwoch vor Journalisten als „unglücklich“, dass Kishida die Bande zu Politikern kappen wolle. Tanaka verwies darauf, dass die Mitglieder der Föderation als Bürger das in der Verfassung garantierte Recht hätten, sich an Wahlen aktiv zu beteiligen. Die Föderation unterstütze keine spezifische Partei, doch seien wegen ihrer antikommunistischen Haltung mehr Schnittmengen mit Politikern der LDP gegeben.
https://www.faz.net/aktuell/politik/ausl...34935.html

Schneemann
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