25.01.2026, 10:28
(25.01.2026, 09:44)DeltaR95 schrieb: Wie @Helios und ich das schon mehrfach debatiert haben, aber meine Meinung ist und bleibt, wenn die bestehenden verfügbaren Lfk-Familien für die maritime Verwendung hinreichend für den operativen Bedarf sind, dann braucht es nicht noch IRIS-T.
Auch in der Debatte wird immer IRIS-T gefordert und als "operativ unabweisbar" dargestellt, dabei ist diese ganze Navalisierung von IRIS-T eine reine industriepolitische Nummer - oder sind mir die öffentlichen Leistungsnachweise entgangen, dass IRIS-T alle anderen maritimen AAW-Lfk "outperformt"?
Wir haben das tatsächlich schon oft diskutiert und werden da nicht auf einen Nenner kommen, aber die Forderung nach IRIS-T als industriepolitische Nummer zu bezeichnen ist rein sachlich nicht haltbar. IRIS-T ist der Standard-Luft-Luft-FK der Bundeswehr für kurze Distanzen und wird der Standard-Boden-Luft-FK (landgestützt) der Bundeswehr für kurze und mittlere Distanzen. Aus logistischen und kriegswirtschaftlichen Gründen ergibt es völlig ohne jegliche industriepolitischen Aspekte sehr viel Sinn, wenn IRIS-T auch der Standard-Boden-Luft-FK (seegestützt) wird. Es ist auch eine industriepolitische Entscheidung, aber ganz sicher keine reine.
Und da du deinen Standpunkt hier im Zusammenhang mit unserer Argumentation hervor bringst, möchte ich auch meinen Wiederholen, dass die aktuelle FK-Situation für kurze und mittlere Distanzen ein gutes Beispiel dafür ist, wie wenig Interesse es für eine europäische Harmonisierung gab und gibt. CAMM und MICA existieren nicht, weil sie besser sind als IRIS-T, sondern weil die Herkunftsländer sie auch aus industriepolitischen Gründen gefördert haben. Das ist auch der einzige Grund, warum sie jetzt hier als "sinnvollere Alternative da Marktverfügbar" angeführt werden können. Es ist ein legitimer Standpunkt, die Forderung, IRIS-T müsse besser sein um eine Berechtigung zu haben ist es in meinen Augen aber deutlich weniger (auch, weil dadurch wieder viel zu sehr auf vermutlich geringe Leistungsunterschiede abgezielt wird).
Das ganze Problem an der aktuellen Situation ist, dass es keine wirklich gemeinsamen Projekte in dem Bereich gibt, und die Nutzung eines europäischen Standards für uns bedeutet, entweder französische oder britische Produkte statt US-amerikanischen zu kaufen, oder einen nationalen Einstieg in diesen Markt zu unterstützen und dadurch die europäische FK-Landschaft weiter zu diversifizieren. Die allseitigen Fehler der Vergangenheit fallen uns (Europäern) jetzt auf die Füße, wir lernen aber auch nicht daraus, wie die rein aus industriepolitischen Gründen parallel aufgelegten Programme beispielsweise für BMD-Effektoren zeigen.
Solange es also keine ernstgemeinte, zukunftsorientierte Initiative zur gemeinschaftlichen Entwicklung entsprechender FK gibt, die vor allem auf nationalem Verzicht aufbauen muss um endlich eine Konsolidierung zu erzielen, ist der Hinweis auf andere nationale Programme als alternative zu unserem nationalen Programm in meinen Augen wenig zielführend, und ganz bestimmt nicht "europäisch" gedacht, egal wie sehr das auch betont wird.
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Und ganz allgemein und die letzte Warnung:
Kommt wieder zu einem potenziellen F126-Ersatz zurück, oder ich mache das hier zu und dann bleibt das Thema auch zu. Ihr könnt mir doch nicht erzählen, dass Beiträge in der Länge von Taschenbüchern weniger Arbeit sind als die richtige Einsortierung eurer Gedanken in die passenden Stränge. Hier geht es nur um realitätsnahe Möglichkeiten, für alles andere gibt es das Wunschkonzert oder andere Systemstränge.
Edit: Immerhin einer hat es verstanden, die Beiträge sind hier hin verschoben.
