Jüdische Einwanderung zur Gündung des Staates Israel
#1
Jüdische Einwanderung zur Gündung des Staates Israel
aus Anlass der Diskussion hier zum aktuellen Nahostkrieg

Ein kurzer Abriss:
Als es 1921 zu ersten Aufständen kam, wurde die jüdische Einwanderung erstmals minimal eingeschränkt. Das hat keine "Abhilfe" gebracht Alleine die 4. Aliyah (1924–1928/29) brachte in Zusammenhang mit der polnischen Wirtschaftskrise (1926-1927) rund 82.000 überwiegend polnische Juden ins Land - vor allem nach dem bereits in der Diskussion genannten Tel Aviv - und im Jahr 1929 wurde die zionistische Jewish Agency for Israel gegründet mit dem Zweck, das jüdische Nationalheim auf der Grundlage der Mandatsverfassung zu errichten.
Die fünfte Alija erstreckte sich über den Zeitraum von 1930 bis 1939 und brachte weitere 250.000 Einwanderer. Sie kamen überwiegend aus Polen, Deutschland, Österreich, Rumänien, Griechenland, Jemen und Irak.

Dem folgte in den Jahren 1936–1939 ein bewaffneter arabischer Aufstand gegen die britische Mandatsherrschaft und die zionistische Landnahme.
Am Vorabend des Zweiten Weltkrieges lebten schon 475.000 Juden in Palästina, ungefähr vierzig Prozent der Gesamtbevölkerung des Landes (Quelle).
Insgesamt erreichten zwischen 1934 und 1948 weitere 115.000 illegale Einwanderer das Land, während 51.000 von den britischen Behörden in Britisch-Zypern festgehalten wurden und erst nach der Unabhängigkeit des Staates Israel einreisen konnten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde das Anglo-American Committee of Inquiry gegründet, das vorschlug, zumindest 100.000 Juden die Einreise zu ermöglichen, das Mandat zehn weitere Jahre fortzusetzen und Verhandlungen zwischen Arabern und Juden zu beginnen. Dafür forderten die Briten die Entwaffnung der jüdischen Milizen, unter ihnen der Hagana - was von den Milizen abgelehnt wurde. Die Folge dieser Politik war ein bewaffneter Aufstand der drei größten Gruppen Hagana, Irgun und Lechi gegen militärische Ziele der Briten. Die Hagana versuchte mit allen Mitteln die illegale Einwanderung zu verstärken, attackierte britische Radaranlagen, die den Schiffsverkehr überwachten, und befreite Flüchtlinge aus den Internierungslagern.

Ab Mai 1946 förderte Ben-Gurion nach dem Pogrom im polnischen Kielce die Einreise von osteuropäischen Juden nach Deutschland, Österreich und Italien, damit diese in US-amerikanischen DP-Lagern unterkämen und die USA damit zum Handeln zwängen (Bricha-Bewegung). Auf das Lager "Föhrenwald" südlich von München hatte ich ja bereits hingewiesen.
Zitat:Es wird geschätzt, dass zwischen 1944 und 1948 etwa 250.000 Personen Osteuropa verließen, von denen mindestens 80 % mit der organisierten Hilfe von Bricha ihre Flucht fortsetzen konnten.
Von 1945 bis 1948 erwies sich die jüdische Flüchtlingsbewegung aus Europa als wesentlicher Faktor im Kampf um die Errichtung des Staates Israel.
(Zitat)
Im Lande wurden jüdische Siedlungen an strategisch wichtigen Orten eingerichtet. Beispielsweise wurden an Jom Kippur 1946 an elf Punkten im nördlichen Negev Siedlungen gegründet. Gleichzeitig begannen die jüdische Vorbereitungen für den Krieg. Die jüdische Bevölkerung in Palästina stieg bis 1948 auf 650.000 Juden an Quelle wie vor).

Ich weiß nicht warum Du diese längst allgemein anerkannten und belegten historischen Fakten verleugnest. Im Gegensatz zu jüdischen Zuwanderern aus arabischen Ländern, die im arabischen Kulturkreis integriert waren, handelte es sich dabei zudem um Migranten einer völlig anderen kulturellen Sphäre.

Deine so in den Vordergrund gespielten jüdischen Migranten aus den arabischen Ländern kamen im Wesentlichen erst nach der Gründung des Staates Israel.
1948–1951:
Insgesamt ca. 687.000 Einwanderer, vor allem aus Ägypten, Irak, Polen und Rumänien, sowie 123.371 aus dem Jemen (Operation Fliegender Teppich) , 34.547 aus der Türkei und 21.910 aus dem Iran.
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#2
Du hast die Vertreibung der Araber in den Vordergrund gestellt. Wobei wie geschrieben keineswegs alle Araber die damals aus Israel flohen gezielt vertrieben wurden, sondern tatsächlich die Mehrheit nicht vertrieben wurde sondern vor den Kriegshandlungen floh in der Annahme nach dem Sieg der Araber und der Auslöschung Israels zurückkehren zu können. Diese fand aber auch erst NACH der Gründung des Staates Israel statt.

Deshalb wies ich daraufhin, dass NACH der Gründung Israels hunderttausende Juden aus arabischen Ländern vertrieben wurden und nach Israel kamen. Im übrigen ist die Liste der Herkunfts-Länder die du hier aufzählst keineswegs vollständig. Die kamen auch aus Marroko und andernorten her.
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#3
Ob "vor Krieg geflohen und Rückkehr verweigert - oder Vertreibung" ist im Ergebnis für die Betroffenen relativ gleich.

Was Deinen Vorwurf der "unvollständigen Liste der Herkunftsländer" betrifft:
ich habe mich auf die jeweils wesentlichen Herkunftsländer beschränkt. Das ist auch im letzten Satz mit: "vor allem aus" wohl unmissverständlich deutlich.

Die von Dir angesprochenen Marokkanische Juden (arabisch اليهود المغاربة al-Yahūd al-Maghāriba, hebräisch יהודים מרוקאים Yehudim Maroka'im) sind ein besonders interessantes Beispiel, wie sich schon aus dem Wiki-Beitrag ergibt. Diese Gemeinschaft ist auch für mich persönlich hochinteressant, weil wohl der Großvater einer guten Freundin von mir, einer Marokkanerin (Muslima), zur Gemeinschaft gehört hat.

Allerdings gab es die große Wellen der jüdischen Auswanderung von Marokko nach Israel wohl in den 1950er Jahren - und daher außerhalb des von mir betrachteten engeren Zeitraums im Kontext mit der Shoah.
Daher auch mein Hinweis, dass das Gros der "jüdischen Migranten aus den arabischen Ländern im Wesentlichen erst nach der Gründung des Staates Israel (1948–1951) nach Israel kamen"
Diese Migranten haben also zur Gründung des Staates Israel nichts oder allenfalls wenig beigetragen.
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#4
Wink 
Ich fände es durchaus interessant, etwas über die Geschichte zu erfahren, aber aus neutraler, objektiver, historischer Sichtweise ohne Blasenbildung.

Ich fange gleich mal mit einer nicht-neutralen Sichtweise an: Big Grin

Zitat:The Fifth Aliyah coincided with the rise of Nazism in Germany and extreme nationalism across Eastern Europe and included the largest number of immigrants to date- nearly one quarter of a million Jews entered Mandate Palestine between 1929 and the beginning of World War II. This group of immigrants included professionals, doctors, lawyers and artists. They created a thriving art and architecture scene, and with the establishment of the Port of Haifa, a thriving economy. Most arrived prior to 1936, when the British began imposing harsh restrictions on Jewish immigration as a result of increasing anger and violence in the Palestinian Arab community. In 1939, the British issued the White Paper of 1939, which severely restricted Jewish immigration, leaving many European Jews during the Holocaust with nowhere to go. Illegal immigration, though dangerous, became a necessity. By the time the United Nations agreed to split Palestine into Jewish and Arab states, a very well ordered and lively Jewish society had been created there.

Arab-Jewish Refugees
When war broke out between Israel and the Arab states in 1948, many of the Jews living in Arab countries fled to Israel under threat of persecution and a desire to fulfill the Zionist dream. As anti-Zionism and anti-Semitism increased in the Arab world, Jewish emigration continued until the early 1970s. Many were forced to abandon their properties and belongings before leaving. Today, there are only a few very small Jewish communities remaining in the Middle East outside of Israel.

https://reformjudaism.org/history-jewish...ael-aliyah
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#5
(25.03.2026, 15:28)Zardo schrieb: Ich fände es durchaus interessant, etwas über die Geschichte zu erfahren, aber aus neutraler, objektiver, historischer Sichtweise ohne Blasenbildung.
...
das Thema wird schwer durch neutrale, objektive Sichtweise zu erschließen sein. Zumal jeder Quelle - egal welcher Coleur - vorgeworfen wird, eben nicht mehr neutral sondern voreingenommen zu sein. Es ist auch ein durchgehend emotionalisierendes Thema, das zwangsläufig zur Meinungsbildung in der einen oder anderen Richtung führt.
Insofern ist die Annäherung durch die Sichtweise unterschiedlich gefärbter Brillen wohl die schnellste Möglichkeit, sich dem Thema insgesamt zu nähern.
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