Afghan National Army
#16
Quintus Fabius schrieb:Meiner Ansicht nach wäre eine Milizarmee und ein System von Wehrbauern und Wehrdörfern in Afghanistan sinnvoller als die jetzige Armee. Es käme meiner Ansicht nach den Strukturen Afghanistans mehr entgegen und es wäre kostengünstiger.

Desweiteren könnte man so die ohnehin bestehenden Stammes und Clanmilizen integrieren.
Wessen Befehlen würde diese Armee gehorchen? Sponsort man damit nicht nur die lokalen Warlords?
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#17
Sponsort man jetzt nicht auch die lokalen Warlords? In den meisten Teilen des Landes hat die Zentralregierung in Wahrheit nichts zu sagen. Warum aber herrschen die Warlords?

Weil die Bevölkerung dort den Truppen der Warlords ausgeliefert ist. Ein Milizsystem würde demzufolge die Macht der Warlords schwächen da die lokalen Milizen nicht identisch wären mit den Truppen der Warlords und damit lokale Gegner dieser Warlords sich gegen diese zur Wehr setzen könnten.
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#18
Wie soll denn ein Milizsystem ohne Warlords und Familienclans in Afghanistan funktionieren? Das geht doch garnicht.
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#19
Wenn die afghanische Bevölkerung, welche weiss Allah nich unter Waffenmangel leidet, sich gegen die Taliban wehren könnte bräuchte man keine Zentralarmee. Für ein Milizsystem fehlt einfach der Zusammenhalt der einzelnen Gruppen der für einen geschlossenen Widerstand notwendig ist. im jetzigen Afghanistan würden Milizen nur anfangen mit den Taliban zu paktieren und ihr eigenes Süppchen kochen.
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#20
Ein nationales Milizsystem ist unwahrscheinlich, da es keine nationale oder sonstwie gemeinsame Identität in Afghanistan gibt. Eine solche übergeordnete Miliz setzt das aber voraus. Ein Zweckbündnis verschiedener Milizen gab es allerdings schon ein paar Jahre. Die Nordallianz. Ähm..eigentlich auch die Taliban selbst.

Potential für eine nationale Bewegung hätte vielleicht der Personenkult um Massoud gehabt. Der wurde aber einen Tag vor dem Einschlag der Flugzeuge im WTC ermordet... Der Ex-Manager von Unocal der nun das Land regiert, oder nicht (mal die Wahlposse abwarten), hat da eher wenig Potential, eine solche nationale Einheit zu schaffen/erfinden. Wahrscheinlich haben die meisten seiner Wähler ihn noch nie gesehen. Nicht mal ein gemaltes Bild von ihm.

Also all die Probleme, die man im Irak lange Zeit bemängelte, wiegen in Afghanistan erstmal so richtig schwer. Ein "Nation-Building" Prozess hat nicht (erfolgreich) stattgefunden.
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#21
http://de.rian.ru/safety/20100712/127077182.html
Zitat:Russland liefert 21 Hubschrauber an afghanische Luftwaffe
15:24 | 12/ 07/ 2010

KABUL, 12. Juli (RIA Novosti). Russland liefert mit Zustimmung der Nato 21 Hubschrauber vom Typ Mi-17 für die afghanische Luftwaffe.
...
eigentlich logisch: da gibts ausgebildete Bodenmannschaften (Techniker) und Piloten noch aus der Sowjetzeit - deren knowhow nicht zu nutzen sondern neues Personal zu schulen wäre gerade in der jetzigen Situation mit einem absehbaren Abzug der Alliierten sträflich,
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#22
Erich schrieb:da gibts ausgebildete Bodenmannschaften (Techniker) und Piloten noch aus der Sowjetzeit - deren knowhow nicht zu nutzen sondern neues Personal zu schulen wäre gerade in der jetzigen Situation mit einem absehbaren Abzug der Alliierten sträflich,
Die Sowjetzeit ist 20 Jahre vorbei - wieviel da noch an Spezialwissen übrig ist?
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#23
Techniker und Firmen aufzutreiben, die für einen guten Preis und in guter Qualität Mi-8 und Mi-17 Hubschrauber warten bis generalüberholen, sollte für die Afghanen einfacher sein, als in Deutschland einen brauchbaren Automechaniker zu finden.
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#24
Zitat:Wie soll denn ein Milizsystem ohne Warlords und Familienclans in Afghanistan funktionieren?

Nicht ohne Familienclans bzw Stammesgruppen, aber ohne Warlords zum Teil durchaus. Denn die Warlords sind nicht immer identisch mit den Stammesführern bzw den Clanchefs und stehen in etlichen Gegenden von Afghanistan in Opposition zu diesen.

Und aus gerade diesem Grund kämpfen dann diese Clan- und Stammesmilizen immer mehr auf der Seite der Taliban. Gegen die Warlords und gegen den Westen.

Der Westen hingegen steht in Afghanistan aus Hilflosigkeit seit jeher auf der Seite der Warlords und schlimmsten Verbrecher.

Nehmen wir mal das deutsche Einsatzgebiet um Kundus herum. Dort unterstützen wir den Gouverneur der zugleich ein Warlord und Verbrecher der übelsten Sorte ist.

Die Familiienclans und Stammeskämpfer in dieser Region stehen zu einem beachtlichen Teil in Opposition zu diesem Gouverneur und kämpfen nicht zuletzt deshalb immer mehr auf der Seite der Taliban.

Zitat:Ein nationales Milizsystem ist unwahrscheinlich, da es keine nationale oder sonstwie gemeinsame Identität in Afghanistan gibt.

Es muß ja nicht National sein. Es muß nur verhindern, daß die Taliban sich landesweit durchsetzen. Die Milizarmee die mir vorschwebt sollte zudem auf bestimmte Ethnische Gruppen beschränkt sein, und auf diese Weise diesen Ethnischen Gruppen einen Vorteil gegenüber den Paschtunen verschaffen.

[quoteZweckbündnis verschiedener Milizen gab es allerdings schon ein paar Jahre. Die Nordallianz.
Potential für eine nationale Bewegung hätte vielleicht der Personenkult um Massoud gehabt. Der wurde aber einen Tag vor dem Einschlag der Flugzeuge im WTC ermordet...[/quote]

Leider hat man die große Chance die die Nordallianz geboten hätte verschenkt. Auch ohne einen lebenden Massoud hätte man Anfangs zumindest die Nordallianz als Hegemon in Afghanistan installieren können.

Massoud hätte dann als Märtyrer und da er tot ist als Perfekter Herrscher (da fehlerfrei) die Gallionsfigur bilden können deren Erbe man verwaltet.

Stattdessen hat man diese Chance verschenkt. Jetzt ist eigentlich alles zu spät, da nur noch die Taliban als letzte Gruppe übrig geblieben sind die eine Integration der Mehrheit der Afghanen erzielten könnten.
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#25
@Nasenbaer
Zitat:Die Sowjetzeit ist 20 Jahre vorbei - wieviel da noch an Spezialwissen übrig ist?
Genug. Die einzelnen Fraktionen in Afghanistan konnten etwa ihre MiG-21 noch lange nach dem Abzug der Sowjets in Dienst halten. Tatsächlich ging die letzte afghanische MiG-21 erst nach dem Sturz der Taliban außer Dienst - weil sie bei der Landung einen Schuppen gerammt hatte.

@Quintus Fabius
Zitat:Der Westen hingegen steht in Afghanistan aus Hilflosigkeit seit jeher auf der Seite der Warlords und schlimmsten Verbrecher.
Einige der Warlords scheinen die Bevölkerung ziemlich übel ausgepresst zu haben, so war die Miliz eines Warlords als "die Teppichdiebe" bekannt, weil sie sich gerne die Teppiche der Einheimischen als "Steuer" unter den Nagel riß, eine andere hatte es angeblich auf Wellblech abgesehen.
Besonders die Truppe von Dostum soll wegen ihrer Brutalität gefürchtet gewesen sein.

Zitat:Jetzt ist eigentlich alles zu spät, da nur noch die Taliban als letzte Gruppe übrig geblieben sind die eine Integration der Mehrheit der Afghanen erzielten könnten.
...die sie aber nicht erzielen wollen, siehe ihren Völkermord an den Hazara.
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#26
Tiger:

Deshalb schrieb ich ja explizit von einer Mehrheit der Afghanen und eben nicht von allen Afghanen.

Shahab3:

Der neue dort scheint übrigens jetzt in meine Richtung von der Idee her gehen zu wollen (wobei ich übrigens meine Ideen wiederum überwiegend von seiner Strategie im Irak her abgeleitet habe).

Das Ziel ist es also, Milizen in die ANA zu integrieren, und gezielt Kämpfer von Clans und Stämmen als Gegengewicht zu den Truppen der Warlords aufzubauen und zugleich auch als Kraft gegen die weitere Ausbreitung der Taliban.

Ob das praktisch funktionieren wird ist natürlich zweifelhaft, aber genau genommen gibt es für Afghanistan inzwischen vermutlich gar keine Lösung mehr.
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#27
http://www.ftd.de/politik/international ... 74206.html
Zitat:24.09. Ausbildungsprogramm
Frauen in der Afghanischen Nationalarmee


Bilderserie
In der Truppe des Staates, in dem Frauen unter den Taliban quasi rechtlos waren, dienen nun auch Soldatinnen.
...
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#28
Das ist einer der größten Fehler den wir in Afghanistan machen, daß wir aus blinder ideologischer Verbohrung heraus dieses Gleichberechtigungsschwachfug durchsetzen wollen. Dieses ganze Gender Gelaber der Entwcklungshelfer hat schon viele Afghanen in die Reihen unserer Feinde getrieben.

Man muß sich ja nur mal ansehen, wie viele Projekte von NGOs sich mit diesem Bereich beschäftigen. Überall wird mit Gewalt versucht gegen die Natur der Afghanischen Kulturen etwas fremdes in dieses Land hinein zu pflanzen.

Und warum wird das so forciert? Weil man Gelder für solche Projekte erhält. Man muß nur beim Auswärtigen Amt oder anderen Stellen mit Gleichberechtigung antanzen und einem netten Faltblatt für ein Gender Project, und schon fließt das Geld von dem man dann so um die 70% für sich selbst nehmen kann.

Soldatinnen in Afghanistan, das ist wiedermal ein klares Symptom für diesen entscheidenden Fehler den wir dort machen.
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#29
Es ist zu begrüßen, wenn echte Fortschritte aus der afghanischn Armee zu vermelden sind. Den oben stehenden Bericht ordne ich mal als Motivation für die Heimatfront ein.
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#30
Ich kann Quintus Fabius da nur zustimmen. Frauen in einer islamischen Armee? Das ist nur wieder ein Versuch Afghanistan hopplahopp zu einem modernen, westlichen Staat mit westlichen Wertevorstellungen umzuwandeln. Wir müssen endlich akzeptieren, dass Afghanistan selbst den Weg vom Mittelalter in die Moderne finden muss - dies ist erst möglich, wenn die islamische Religion eine Reformation erlebt hat, wie sie Martin Luther in der katholischen Kirche eingeleitet hat. Von außen ist da nichts zu machen.
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