Saudi Arabien
(22.09.2016, 02:22)frieder75 schrieb: War das jetzt der moderate Islam oder ist es üblich dass radikale Islamisten in Mekka predigen dürfen?
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Das ist völlig normal. Die Unterscheidung zwischen "moderat" und "radikal" findet vor allem in westlichen Medien statt, im Leben zerbricht sich kaum einer der Betroffenen über diese Frage den Kopf. Da geht es in der Rezeption eher darum wessen Tod gefordert wird. Ist eine Frage der Prioritäten.
So fern liegt uns selber das ja auch nicht, für uns ist schließlich auch immer die Frage am wichtigsten wen die Dschihadisten umbringen, weniger ob sie dabei "moderat" sind oder nicht. Das kann man schließlich nach Bedarf umdefinieren, gibt ja kein Messverfahren dafür.
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Zum Fall Khashoggi: Auch wenn der Vorgang sich in der Türkei ereignet hat, so füge ich es mal hier ein, da es sich um einen saudischen Staatsbürger handelt und weil er zuletzt im saudischen Konsulat gesehen wurde. Der regierungskritische Journalist betrat am 02. Oktober das saudische Konsulat in Istanbul und ist seitdem verschwunden. Sehr wahrscheinlich wurde er dort von einem Geheimdienstkommando ermordert...
Zitat:Tod im Konsulat

Der Fall Khashoggi - Daten und Fakten

Wo wurde der saudi-arabische Journalist Jamal Khashoggi zuletzt lebend gesehen? Was geschah dann? Was behauptet die Regierung in Riad? Eine Chronologie.

Nach wochenlangem Lavieren hat Saudi-Arabien am Samstag die Tötung des prominenten Dissidenten und Journalisten Jamal Khashoggi zugegeben. Angeblich starb der 59-Jährige nach einem "Faustkampf" im Konsulat des Königreichs in Istanbul. Damit widerspricht die Regierung in Riad türkischen Berichten, wonach Khashoggi im Konsulat von einem Mordkommando getötet und zerstückelt worden sein soll. [...]

2. Oktober: Jamal Khashoggi, Kritiker des mächtigen Kronprinzen Mohammed bin Salman, betritt das saudi-arabische Konsulat in Istanbul, um Dokumente für die geplante Hochzeit mit seiner türkischen Verlobten abzuholen. Diese wartet vergeblich auf seine Rückkehr. [...]

6. Oktober: Die Türkei leitet formelle Ermittlungen zum Verschwinden Khashoggis ein. Der saudische Prinz Mohammed bin Salman gibt an, Khashoggi sei nicht im Konsulat, und bietet den türkischen Behörden an, das Gebäude zu durchsuchen. "Wir haben nichts zu verbergen."

7. Oktober: Ein enger Freund Khashoggis berichtet der Deutschen Presse-Agentur unter Berufung auf vertrauliche Informationen der türkischen Polizei, der Journalist sei im Konsulat getötet und zerstückelt worden. [...]

12. Oktober: Ein Team aus Saudi-Arabien kommt in Ankara an, um zusammen mit türkischen Ermittlern das Verschwinden Khashoggis zu untersuchen. Das Königreich gerät immer stärker unter internationalen Druck, sich zu erklären. [...]

17. Oktober: Türkische Ermittler durchsuchen die Residenz des saudi-arabischen Botschafters in Istanbul. [...]

20. Oktober: Saudi-Arabien gibt den Tod Khashoggis im saudi-arabischen Konsulat zu. Er sei bei einem "Faustkampf" im Konsulat ums Leben gekommen, heißt es offiziell. Kronprinz Salman entlässt mehrere Mitarbeiter des Geheimdiensts und einen Hofberater. International wird diese Version als absolut nicht glaubhaft gesehen.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/ja...34314.html

Schneemann.
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Der Sikh-Anführer Bhai Mati Das Ji soll laut Überlieferung auf Befehl eines Großmogul lebendig zersägt worden sein, weil er nicht zum Islam konvertieren wollte. Der Fall könnte also eine fundamental-islamistische Komponente haben. Der Mord könnte aus dem Konflikt der Wahabiten mit den Muslimbrüdern resultieren.
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Moin!
Die Beraterfirma McKinsey, die im Bereich der Verteidigungsministeriums bereits heftig unter Kritik gekommen ist, hat eventuell auch Saudi Arabien beraten und dabei auch Namen von Regimegegnern genannt haben!

Spiegel Online 1 von 2

Spiegel Online 2 von 2
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#KHASHOGGI Reporter ohne Grenzen reichten in Deutschland eine Beschwerde wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit ein, die sich insbesondere gegen den Kronprinzen von Saudi-Arabien, Mohammed ben Salman, richteten. Die NGO verurteilt die "Verantwortung" bei der Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi und der Inhaftierung von rund dreißig seiner Kollegen. Letzte Woche wurde ein CIA-Bericht veröffentlicht, in dem Mohammed bin Salman beschuldigt wurde, die Ermordung des saudischen Gegners im Jahr 2018 "bestätigt" zu haben.

Die Beschwerde von Reporter ohne Grenzen wurde am Montag "beim Generalstaatsanwalt des Bundesgerichtshofs in Karlsruhe" wegen seiner Zuständigkeit "für schwere internationale Verbrechen" eingereicht. Es bezieht sich "auf die allgemeine und systematische Verfolgung von Journalisten in Saudi-Arabien" und zielt neben dem Kronprinzen auf vier weitere hochrangige saudische Beamte ab, sagte die NGO.

France TV Info (französisch)
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Wie geht es weiter mit Saudi-Arabien
Moral- oder Realpolitik
Handelsblatt sagt heute
Zitat:.Saudi-Arabiens neue Macht über den Ölmarkt kann für Europa zum Problem werden
und da gibt es noch Themen wie Iran und Libanon, wo ohne die Saudis nichts läuft.

Joe Biden hat sich selber (in den US) aber auch uns eine Falle gebaut.
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Aktuell scheint sich die neue US-Administration wieder von Riad abzusetzen, dass ausgerechnet jetzt das Thema Kashoggi wieder auf das Tapet kommt, ist kein Zufall. Bereits unter Obama war die Bestrebung, sich mehr und mehr vom Öl der Saudis unabhängig zu machen, deutlich erkennbar. Mehr als einmal äußerte Obama seinen Unmut über die intolerant-rigide und erstarrte Herrschaftsform des Königreiches (von den Menschenrechten mal zu schweigen, diese haben allerdings davor auch nur peripher interessiert - was, nicht ganz zu Unrecht, dem Westen und speziell auch den USA den Vorwurf der Doppelmoral einbrachte, bedenkt man die Kritik an Iran). Im State Department und im Pentagon gab es damals auch schon Planspiele, die Truppen am Golf deutlich zurückzufahren, trotz allen Ärgers mit den Iranern.

Erst unter Trump, und in dessen Regierungszeit fiel ja der Mord an Kashoggi, wurde dieses Denken wieder weitestgehend kassiert, weil man gute Geschäfte witterte (Trump bemerkte ja großspurig, er habe gezielt bin Salman vor weiterem Ärger gerettet). Dass ausgerechnet nun unter Biden, Obamas ehem. Vize, bzw. von dessen Geheimdienstkoordinatorin Haines Ende Februar ein Bericht veröffentlicht wurde, wonach bin Salman es erlaubt habe, Khashoggi in der Türkei zu ermorden, ist nicht verwunderlich, eher schließt sich hier die Vorgehensweise nahtlos an das Handeln und das Empfinden Obamas an.

Strategisch betrachtet kann man darüber streiten, ob es Sinn macht, angesichts der aktuellen Lage in Nahost den Saudis hier wieder Ärger zu machen. Hinsichtlich der Machtambitionen Irans mag die Vorgehensweise unglücklich sein, hinsichtlich bin Salman, der sich ja zu Beginn als großmütiger Reformer präsentierte und dennoch in alte feudalistisch-brutale Reflexe zurückfiel, ist es aber vermutlich die einzige richtige Entscheidung, will man denn am Golf wieder Ansehen gewinnen. Zudem plant Biden auch eine Wiederbelebung des Atomabkommens mit Iran, wenn man da zuvor seitens Washington den in Teheran verhassten Rivalen in Riad deckelt, kann dies hier strategisch durchaus von Vorteil sein bei den Verhandlungen (mal optimistisch gedacht).

Schneemann.
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(07.03.2021, 18:14)Schneemann schrieb: Aktuell scheint sich die neue US-Administration wieder von Riad abzusetzen, dass ausgerechnet jetzt das Thema Kashoggi wieder auf das Tapet kommt, ist kein Zufall. Bereits unter Obama war die Bestrebung, sich mehr und mehr vom Öl der Saudis unabhängig zu machen, deutlich erkennbar. Mehr als einmal äußerte Obama seinen Unmut über die intolerant-rigide und erstarrte Herrschaftsform des Königreiches (von den Menschenrechten mal zu schweigen, diese haben allerdings davor auch nur peripher interessiert - was, nicht ganz zu Unrecht, dem Westen und speziell auch den USA den Vorwurf der Doppelmoral einbrachte, bedenkt man die Kritik an Iran). Im State Department und im Pentagon gab es damals auch schon Planspiele, die Truppen am Golf deutlich zurückzufahren, trotz allen Ärgers mit den Iranern.

Erst unter Trump, und in dessen Regierungszeit fiel ja der Mord an Kashoggi, wurde dieses Denken wieder weitestgehend kassiert, weil man gute Geschäfte witterte (Trump bemerkte ja großspurig, er habe gezielt bin Salman vor weiterem Ärger gerettet). Dass ausgerechnet nun unter Biden, Obamas ehem. Vize, bzw. von dessen Geheimdienstkoordinatorin Haines Ende Februar ein Bericht veröffentlicht wurde, wonach bin Salman es erlaubt habe, Khashoggi in der Türkei zu ermorden, ist nicht verwunderlich, eher schließt sich hier die Vorgehensweise nahtlos an das Handeln und das Empfinden Obamas an.

Strategisch betrachtet kann man darüber streiten, ob es Sinn macht, angesichts der aktuellen Lage in Nahost den Saudis hier wieder Ärger zu machen. Hinsichtlich der Machtambitionen Irans mag die Vorgehensweise unglücklich sein, hinsichtlich bin Salman, der sich ja zu Beginn als großmütiger Reformer präsentierte und dennoch in alte feudalistisch-brutale Reflexe zurückfiel, ist es aber vermutlich die einzige richtige Entscheidung, will man denn am Golf wieder Ansehen gewinnen. Zudem plant Biden auch eine Wiederbelebung des Atomabkommens mit Iran, wenn man da zuvor seitens Washington den in Teheran verhassten Rivalen in Riad deckelt, kann dies hier strategisch durchaus von Vorteil sein bei den Verhandlungen (mal optimistisch gedacht).

Schneemann.

Das sind doch alles nur winzige Nuancen in der außenpolitischen Ausrichtung. Ich kann da keine großen Unterschiede erkennen. Auch war doch vorher klar, dass Salman kein großer Reformer ist, maximal ein halbwegs gewiefter Taktiker.
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