Russland vs. Ukraine
Der entscheidende Punkt ist doch wie menschenleer doch der Krieg eigentlich ist. In Deutschland des Kalten Krieges allein dürfte mehr aktives Militär gewesen sein als in der Ukraine und das in Friedenszeiten.

Man könnte sagen es ist die demographische Realität in Europa. Wenn man Geburtenraten und Kindersterblichkeit sich anschaut haben beide Länder einen schlechteren demographischen Trend als Deutschland.
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Zitat:. Die Freiwilligen überwiegen

Die Zeiten sind auf ukrainischer Seite schon seit zwei Jahren vorbei . Es würden auch nicht monatlich 20000 desertieren wenn sie freiwillige wären. Da sind noch ein paar wenige Ausländer in den Landstreitkräften und vielleicht 15% der Angehörigen der ukrainischen Armee sind freiwillige .
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Aus dem Kaleidoskop einer Unzahl sich wiedersprechender Quellen ist es meine rein persönliche Ansicht, dass ungefähr noch 25% der Ukrainer Freiwillige sind. Aber auch bei den Russen nehmen die Zwangsgepressten zu, wenn auch dort noch die Freiwilligen überwiegen.

Das ist ganz allgemein eigentlich hochinteressant. Der Gros der Russen sind eigentlich Söldner fragwürdiger Qualität. Trotzdem ist ihre Kampfbereitschaft außerordentlich hoch (im Verhältnis und insbesondere angesichts der Umstände unter denen sie versuchen zu überlegen und zu agieren).

Hierzulande nimmt man ja an, dass Wehrpflichtige beseelt aus idealistischen Gründen die höhere Kampfmoral und Kampfbereitschaft hätten. Söldner die sich aus prekären Verhältnissen rekrutieren, kombiniert mit einer entsprechenden kriminellen Energie, einem entsprechenden Hintergrund als Kriminelle / Verbrecher, psychischen Krankheiten, Drogenmissbrauch usw. scheinen jedoch deutlich leistungsfähigere Soldaten zu sein, was die unmittelbare "Front" angeht. Was den Russen primär fehlt ist eine sinnvolle Führung und eine leistungsfähige Logistik.

Zu unser aller Glück ist die russische Führung grenzenlos korrupt und unfähig.

Pmichael:

Zitat:Der entscheidende Punkt ist doch wie menschenleer doch der Krieg eigentlich ist. In Deutschland des Kalten Krieges allein dürfte mehr aktives Militär gewesen sein als in der Ukraine und das in Friedenszeiten.

Die Dichte in Deutschland in Kalter Krieg Zeiten war jedoch auch eine Anomalie.

muck:

Die Selbstmordrate bei den Russen ist wirklich auffällig. Das hat man teilweise so seit den Japanern im 2WK niciht mehr gesehen. Wenn man sich dann vor Augen hält, dass für die Mehrheit das Geld die primäre Motivation darstellt und die Ausweglosigkeit der eigenen zivilen Existenz, gepaart mit Fatalismus und dem Streben nach Tabubruch, ist dies umso erstaunlicher.

Allgemein:

Der primäre Grund ist meiner Ansicht nach die extreme Dislozierung der Truppen. Da kämpfen keine Regimenter oder Bataillone, sondern lauter Trupps und Gruppen, teilweise einzelne Soldaten. Der ganze Kampf ist extrem auf die unterste taktische Ebene verlagert. Es gibt gar keine größeren Einheiten die sich ergeben könnten weil niemand mehr an der Front tatsächlich die Kontrolle über größere Einheiten hat. Lauter versprengte kleine Einheiten die mehr oder wenig für sich allein, isoliert und extrem disloziert kämpfen.

Das ist zugleich der Grund warum die Artillerie nicht mehr richtig greift und auch die Luftwaffe nicht, es gibt praktisch keine Ziele die damit sinnvoll angreifbar sind. Und genau aus diesem Grund dominieren Drohnen und Lauermunition derart in der Kriegsführung dort, weil sie den Gegner überhaupt noch greifen können.

Meiner Ansicht nach ist der Grund warum die Drohnen sich derart durchgesetzt haben vor allem der, dass beide Seiten hier moderne Kriegsführung im Sinne von Stephen Biddle betreiben. Und damit die konventionelle Feuerkraft der Gegenseite weitgehend negieren.

Als Sekundäreffekt wird es extrem schwierig sich zu ergeben.

Im übrigen entspricht die Kriegsführung vom Prinzip der Negierung der Feuerkraft genau dem, was ich schon seit vielen vielen Jahren über Netzverteidigung geschrieben habe. Dass diese mit konventioneller Feuerkraft praktisch kaum oder nur mit völlig unverhältnismäßigen Aufwand aus dem Gelände heraus sprengbar ist.

Die Überlegenheit der Netzverteidigung habe ich schon vor 20 Jahren so beschrieben (damals noch völlig ohne Drohnen). Und damit das Primat der Defensive. Meine Ansichten basierten damals primär auf den Werken von Biddle, Afheldt und Brossollet. Damals TM wurde dies noch als Zitat völlig illusorisch, gar nicht umsetzbar, lächerlich usw. bezeichnet und dem Panzergeist und dem mechanisierten Durchbruch ins Nirgendwo gehuldigt.

Nun stelle man sich das was die Ukraine hier treibt noch viel weitergehender als Netz über das ganze Land gelegt, schlussendlich wird man damit für den Feind praktisch konventionell nicht eroberbar, und dies für geringere Kosten als für die aktuellen Streitkräfte. Es gibt dann nicht einmal irgendwelche Räume "hinter der Front" in welche man durchbrechen könnte, da es überall gleich wäre.
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Man kriegt ja heute schon bloß sporadisch die paar Erdlöcher mit Drohnen versorgt. Ab einer bestimmten Tiefe ist das überhaupt nicht mehr möglich. Auch ist man diesen Weg ja nicht freiwillig gegangen . Man hat einfach das Personal nicht mehr . Also verkriechen sich die paar hanseln in Erdlöchern , reichte ja nicht mal zu einer Art Stützpunkt System wie die Wehrmacht damals. Die ukrainische Propaganda nutzt das ganze derzeit und man erzählt uns was von Offensive und so ein Schwachsinn. Die tappen da durch graue Zone und mehr nicht.

Dem Elend hätte man längst ein Ende setzen sollen.
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(Gestern, 12:20)alphall31 schrieb: Die Zeiten sind auf ukrainischer Seite schon seit zwei Jahren vorbei . Es würden auch nicht monatlich 20000 desertieren wenn sie freiwillige wären. Da sind noch ein paar wenige Ausländer in den Landstreitkräften und vielleicht 15% der Angehörigen der ukrainischen Armee sind freiwillige .
Kürzlich hatte ich einige Zahlen dazu gepostet.

* Es gibt 20.000 Fälle unerlaubten Entfernens von der Truppe pro Monat, nicht alles davon sind Fahnenfluchten. "Kurzurlaube" und "unbürokratisches" Übertreten in andere Einheiten sind verbreitet. Viele dieser Soldaten kehren zurück, weswegen unerlaubtes Entfernen für weniger als drei Tage bereits formell straflos gestellt wurde.

* In einer Armee mit 1,5 Mio. Angehörigen können natürlich 20.000 sich pro Monat unerlaubt entfernen, ohne dass dadurch die Aussage falsch würde, dass die Freiwilligen überwögen.

* 2025 wurden allmonatlich zwischen 17.000 und 24.000 Freiwillige rekrutiert, zusätzlich zu den mobilisierten Wehrpflichtigen. Es sind hauptsächlich die Wehrpflichtigen, die sich unerlaubt entfernen. Bekannte Offiziere wie Roman Ponomarenko haben deswegen sogar schon gefordert, überhaupt keine Wehrpflichtigen mehr einzuziehen, sondern sich auf die Rekrutierung der Freiwilligen zu konzentrieren.
(Vor 9 Stunden)alphall31 schrieb: Die ukrainische Propaganda nutzt das ganze derzeit und man erzählt uns was von Offensive und so ein Schwachsinn. Die tappen da durch graue Zone und mehr nicht.
Und die OSINT-Quellen ignorierst Du, weil …?

Kupjansk wurde definitiv zurückerobert, nördlich von Huljajpole wurde definitiv ein russischer Vorstoß umgekehrt.
(Vor 9 Stunden)alphall31 schrieb: Dem Elend hätte man längst ein Ende setzen sollen.
Um was zu erreichen? Etwa das hier:
(12.02.2026, 05:31)muck schrieb: Die Sonderberichterstatterin der Vereinten Nationen für die Menschenrechtslage in der Ukraine, Danielle Bell, hat ihren Bericht für 2025 vorgestellt. (Quelle) […] Vorwürfe an die russische Seite:
  • Verbrechen gegen die Menschlichkeit: gezielte Tötung und Terrorisierung von Zivilisten in den Oblasten Cherson, Charkiw und Saporischschja
  • Ermordung von mindestens 96 ukrainischen Soldaten nach der Gefangennahme
  • 98% der ukrainischen Kriegsgefangenen in russischer Hand erleiden Folter, Entzug von Nahrungsmitteln und Medikamenten; 75% erleiden sexuelle Gewalt. Todesfälle in russischer Kriegsgefangenenschaft sind häufig. Die russischen Behörden versuchen neuerdings, eine bessere Behandlung vorzutäuschen, indem Kriegsgefangene in den Wochen vor einem Gefangenenaustausch besser verpflegt werden
  • Fortgesetzte bewusste völkerrechtswidrige Angriffe auf zivile Ziele im ganzen Land, insbesondere gegen die lebensnotwendige Infrastruktur
  • Ukrainische Soldaten, die hors de combat sind, werden von russischen Infanteristen und Drohnenpiloten gewohnheitsmäßig getötet
  • Missachtung des Grundsatzes der Verhältnismäßigkeit bei der (zulässigen) Inkaufnahme ziviler Opfer
  • Schwere Menschenrechtsverstöße in den besetzten Gebieten, einschließlich 182 standgerichtliche Hinrichtungen
  • Politisch verdächtige Personen werden aus den besetzten Gebieten nach Ostrussland oder auf georgisches Staatsgebiet deportiert
  • Die Besatzungsbehörden werden ihrer Aufgabe nicht gerecht, die Zivilbevölkerung zu versorgen
Weitere Impressionen aus der besetzten Ukraine hatte kürzlich Thomas Wiegold in 'Sicherheitshalber' zu hören: (Link)

Die Ukrainer können selbst entscheiden, was sie einsetzen wollen, um diese Zukunft abzuwenden.
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