United States of America
(27.01.2026, 16:45)Nightwatch schrieb: Der Schütze im ersten Vorfall hatte 10 Jahre Berufserfahrung. Der im zweiten Vorfall nach Lage der Dinge 8 Jahre.
...
Berufserfahrung als Rowdy und Schläger bei den "ProudBoys" - oder doch eine andere Erklärung? Broensen bringt es auf den Punkt:
(27.01.2026, 18:33)Broensen schrieb: Kommt drauf an, ob die Fehler von den Einsatzkräften (und deren Vorgesetzten) überhaupt als Fehler gewertet werden oder nicht tatsächlich eher genutzte Gelegenheiten sind.
Das wäre bei einer reellen Berufserfahrung tatsächlich die einzige für mich denkbare Alternative. Und es würde das Sicherheitssystem in den USA zu einem "Unsicherheitssystem" degradieren, in dem zivile und gewaltfreie Demonstrationen und Proteste mit gezielter Gewaltanwendung der Unsicherheitsorgane bis hin zum gezielten Todesschuss verhindert werden.
Es tut mir leid, aber das Vorgehen erinnert mich unwillkürlich an die Entwicklung nach der "Machtergreifung" ab dem Januar 1933 bis zum Reichsparteitag im September 1934, wie sie von Verwandten oder anderen Zeitzeugen geschildert wurden und aus Dokumenten erschließbar sind.
(27.01.2026, 19:13)DrKartoffelsalat schrieb: ... Mir ist nur schwer erkenntlich, wie Texas und Florida, bei denen bisher Sitze wegfallen würden, wenn illegale Einwanderer rausgerechnet werden, plötzlich so große Zugewinne verbuchen. ...
Die „Nürnberger Gesetze“ haben 1935 die juristische Grundlage zur allgemeinen Entrechtung eines Teiles der Bevölkerung gegeben.
Ich frage mich: ist das mit der derzeitigen Aktivität - Wahkreisreformen, Ablehnung der elektronischen Wahlen (dann können Personen unsicherer Herkunft schon vor dem Wahllokal abgefangen werden) oder Kriminalisierung von Migranten - in den USA eine ähnliche Intention?
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(27.01.2026, 19:13)DrKartoffelsalat schrieb: Interessante Grafik, mit schwer nachzuvollziehender Quelle. Mir ist nur schwer erkenntlich, wie Texas und Florida, bei denen bisher Sitze wegfallen würden, wenn illegale Einwanderer rausgerechnet werden, plötzlich so große Zugewinne halten würden. Das sind dann wohl eher Gerrymandering-Pläne.
Das liegt daran, dass diese republikanisch regierten Staaten massiv wachsen. Texas boomt im Gegensatz zum Mittleren Westen und nach Florida zieht dank DeSantis gefühlt so jeder Boomer-Rep der es sich leisten kann.
Californien verliert dagegen massiv Einwohner. Die Menschen flüchten aus dem sozialistischen Paradies. Was an und für sich eine gute Sache ist, nur wählen diese Herrschaften in der neuen Heimat dann mehrheitlich weiterhin Demokratisch, was wiederum mit ein Grund dafür ist warum etwa Colorado, Neavda, New Mexico und va Texas nach links driften.

Der Plan der Dems ist/war Illegale Einwnaderung zu nutzen um diesen Trends entgegenzuwirken. IdS wäre der Trend ohne die massive Einwanderung unter Biden noch stärker.


@Erich
Das ist nun wirklich völlig lost. Nein, es ist nicht 1933 wenn unverändert geltendes Einwanderungsrecht nach Jahren des Ignorieren und Rechtsbruch durchbesetzt wird.
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Zunächst: Ich denke nicht, dass irgendwelche NS-Vergleiche hier einen großartigen Sinn ergeben. Ich habe schon etwas die Stirn in Falten gelegt als kürzlich Joe Rogan mit einem Gestapo-Vergleich daherkam, nur als es um simple Ausweis-Kontrollen ging; gleiches gilt auch für SS-Vergleiche (ich glaube, sie kamen von muck) und jetzt für die 1933-Vergleiche von Kongo Erich. Das ist nicht zutreffend und hilft auch nicht, die Ereignisse besser einordnen zu können oder irgendetwas besser zu erklären.

Darüber hinaus: So tragisch die Ereignisse in Minneapolis sind - und ich schrieb ja auch, dass ich v. a. den zweiten Zwischenfall als unverständlich ansehe, das betrifft zumindest das Verschießen eines halben Magazins auf eine am Boden liegende Person (nach US-Recht gehend, würde ich zumindest in den Bereich von voluntary manslaughter tendieren; das ist aber rein subjektiv meine Meinung) -, so sehr habe ich mich in den letzten Tagen gefragt, was wir denn sehen?

Und darauf möchte ich auch hinaus:

1. Soweit ich es überschaue, ist ICE ja im ganzen Land unterwegs. Und die Behörde operiert in allen Bundesstaaten, republikanischen wie demokratischen. Dennoch sehen wir solcherlei Krawallszenen nur aus bestimmten Orten. Beinahe hat man das Gefühl, es gibt nur eine kleine Anzahl an ausgewählten Brennpunkten, wo es eben zur Eskalation kommt und was dann einem vorgesetzt wird. Wieso ist das so? Wer will, dass wir das sehen? Und wieso eskaliert es an einem Ort (durchaus demokratisch geprägt), während an anderen Orten (durchaus auch demokratisch geprägt, v. a. städtische Bereiche) ICE ganz normal arbeitet ohne irgendwelche Zwischenfälle?

2. Wer hat einen Nutzen von den Ereignissen in Minneapolis? Oder besser gefragt: Hat die Administration Trump einen Nutzen davon bzgl. ihres rigiden Abschiebekurses, wenn zwei Menschen von ICE getötet werden? Nein. Hat sie nicht. Im Gegenteil: Auch wenn sie sich um die Ursache herumwindet und über die Getöteten auch teils falsche Behauptungen verbreitet, so nützen die beiden Toten von Minneapolis nicht der Trump-Regierung, sondern hauptsächlich der Opposition. Denn, was auch verständlich und nachvollziehbar ist, die Toten sorgen für Empörung und sie schmälern damit das Ansehen von ICE und Co.; und das (wenn auch zaghafte) Zurückrudern von Trump, Noem und anderen im Falle Minnesotas deutet darauf hin, dass man die Reaktionen an den Wahlurnen durchaus fürchtet.

Insofern: Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Regierung Trump den medialen "Propaganda-Kampf" um Minnesota verloren hat. Und vielleicht war das auch intendiert. Denn wer ist nun schuld an den beiden Toten? Eine Regierung, die einen harten Abschiebekurs fährt und die sich teils auch in Übertreibungen oder Falschbehauptungen verstrickt und die teils auch unzulänglich ausgebildete Hilfskräfte für die Abschiebungen rekrutiert? Oder eine Opposition, die alles versucht, der Regierung zu schaden, auch indem sie durch eine Verweigerungshaltung diese in der Zahl unzureichenden und teils unzulänglich vorbereiteten ICE-Kräfte überfordert und in Zwangslagen bringt und die dann, als quasi letzten Zug im perfiden Spiel, unter der Hand und mit Zwinkern als "Chips" zwei Menschenleben zum Croupier hinüberschiebt?

Ich schließe mal wieder mit Malraux: Il n'y a pas de héros sans auditoire - d. h.: Keine Helden ohne Publikum. Und diese beiden getöteten "Helden" in Minneapolis hatten genug Publikum. Uns eingeschlossen. Es fragt sich nur, wer uns als Publikum wollte? Wink

Schneemann
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(28.01.2026, 06:52)Schneemann schrieb: Insofern: Es zeichnet sich schon jetzt ab, dass die Regierung Trump den medialen "Propaganda-Kampf" um Minnesota verloren hat. Und vielleicht war das auch intendiert. Denn wer ist nun schuld an den beiden Toten? Eine Regierung, die einen harten Abschiebekurs fährt und die sich teils auch in Übertreibungen oder Falschbehauptungen verstrickt und die teils auch unzulänglich ausgebildete Hilfskräfte für die Abschiebungen rekrutiert? Oder eine Opposition, die alles versucht, der Regierung zu schaden, auch indem sie durch eine Verweigerungshaltung diese in der Zahl unzureichenden und teils unzulänglich vorbereiteten ICE-Kräfte überfordert und in Zwangslagen bringt und die dann, als quasi letzten Zug im perfiden Spiel, unter der Hand und mit Zwinkern als "Chips" zwei Menschenleben zum Croupier hinüberschiebt?

Ich glaube nicht, dass Pretti seine Waffe nur deswegen mitgenommen hat, um einen Märtyrertod mittels "Suicide by cop" zu ermöglichen, mit dem Wissen, man muss nur lang genug im Weg rumstehen, dann wird ICE schon von selbst anfangen, ihn ordentlich zu "manhandlen", dabei seine Pistole sehen und trigger-happy ordentlich draufhalten.

Allerdings wäre es schon interessant, im Rahmen der Untersuchung weiter nachzuforschen, ob er die Waffe häufig am Körper trug (im Rahmen des erlaubten verdeckten Tragens), oder ob er sie speziell für dieses "Event" mitnahm, um alle seine Rechte auszuüben (auch wenn dies nicht sonderlich schlau war).
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@Schneemann:
Deine nachdenklichen Worte bringen und nicht weiter: lass uns einfach auf den Boden der Tatsachen zurück kommen.

1) Fakt ist, dass zweimal kurz hintereinander durch ICE-Beamte offensichtlich unverhältnismäßige tödliche Schusswaffengewalt gegen US-Bürger angewandt wurde.

2) Fakt ist, dass auch beim zweiten Todesfall Videoaufnahmen und ein interner Untersuchungsbericht die US-Regierung in Erklärungsnot bringen. Selbst Hardliner Stephen Miller spricht nun von möglichen Protokollverstößen der Bundesbeamten bei dem tödlichen Einsatz.

3) Fakt ist, dass die ICE- und CBP-Beamten (egal, ob unzureichend ausgebildet oder mit dem klaren Auftrag, hart durchzugreifen) von Washington aus dorthin geschickt wurden.

Und damit ist die Verantwortlichkeit hinreichend genug umrissen und geklärt.

Ergänzend:
Zitat:Nach den tödlichen Schüssen auf Alex Pretti spricht die US-Regierung schnell von einem legitimen Akt der Selbstverteidigung. Diese These ist nach einem ersten Bericht der Grenzschutzbehörde kaum mehr zu halten.

4) Fakt ist - das ergänzend - , dass die verantwortlichen Behörden bis hinauf zu den Spitzen der Hierarchie und ihre Claqueure erst einmal alles getan haben, um "die Schuld" auf die Opfer ab zu schieben, und dabei vor Falschaussagen und Unterstellungen zur Täuschung und Verschleierung nicht zurück geschreckt sind.
Diese Haltung wurde erst aufgegeben, als sie aufgrund der vorliegenden Videos nicht mehr zu halten war.

Alles andere, wie die Überlegungen "warum dort und nicht anderswo" oder "wem es nützt", sind Vermutungen, die uns von den Fakten abbringen. Und deshalb beteilige ich mich auch nicht weiter an Spekulationen darüber.

Und wenn Du jetzt noch fragst, warum denn da so viele Videoaufnahmen auftauchen - das ist nun einmal gutes urdemokratisches Recht, dass die Bürger demonstrieren, protestieren und dabei auch Kameras mitführen, um das Geschehen und das Verhalten der involvierten Personen zu dokumentieren.

Oder willst Du jetzt die Videoaufnahmen auch noch verbieten?
Denn schließlich könnte die Nutzung eines solchen Aufnahmegerätes mit dazu beigetragen haben, dass Alex Pretti mit (mindestens) 10 Schüssen erschossen wurde oder besser - einer Übertötung (auch Overkill) zum Opfer viel.
Das wäre dann das endgültige Ende jeder demokratischen Kontrolle.
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(28.01.2026, 10:51)Kongo Erich schrieb: Alles andere, wie die Überlegungen "warum dort und nicht anderswo" oder "wem es nützt", sind Vermutungen, die uns von den Fakten abbringen. Und deshalb beteilige ich mich auch nicht weiter an Spekulationen darüber.

Nicht nur, das: auf der einen Seiten "Vergleiche" zu unserer Vergangenheit als "Unsinn" zu bezeichnen, aber im nächsten Atemzug in verblümte Verschwörungstheorien abzulassen, dass die Erschossenen oder zumindest deren Sympathisanten das so erreichen wollten, ist schon stark.

Ich will nicht widersprechen, dass eine mehr auf Fakten basierte Diskussion zielführender ist, aber dann doch bitte mit gutem Beispiel voraus gehen.

@Nightwatch

Zitat:Das liegt daran, dass diese republikanisch regierten Staaten massiv wachsen.

Und dieses Bevölkerungswachstum ist ausschließlich aus legalen Bürgern bestehend? Leider hatte der rechte Thinktank bei seinen Quellen nur absolute Daten ohne Differenzierung gelistet, aber diese wäre zumindest ja recht relevant bei dieser Frage. Selbes gilt natürlich auch für den Verlust an Bewohnern aus anderen Staaten. Wenn man da am Ende bei fast Net-zero ankommt, dann würde die Änderung der Berechnung ja immer noch nichts ändern. Diese Daten wären mal interessant.
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Zitat:Und dieses Bevölkerungswachstum ist ausschließlich aus legalen Bürgern bestehend?

Texas hatte 2010 24 Millionen Einwohner, von denen 2,6 Millionen keine US-Staatsbürger waren. 2024 hatte Texas 31 Millionen Einwohner, von denen 3,3 Millionen keine US-Staatsbürger waren.
Florida hat aktuell 23 Millionen, davon 2.4 Millionen keine US-Staatsbürger. 2010 waren es 18 Millionen, davon 1,8 Millionen keine US-Staatsbürger.
In beiden Staaten ist damit die Quote mit gut 10% trotz deutlichem Bevölkerungszuwachs gleich geblieben.

https://data.census.gov/
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@Kongo Erich
Zitat:Deine nachdenklichen Worte bringen und nicht weiter: lass uns einfach auf den Boden der Tatsachen zurück kommen.

1) Fakt ist, dass zweimal kurz hintereinander durch ICE-Beamte offensichtlich unverhältnismäßige tödliche Schusswaffengewalt gegen US-Bürger angewandt wurde.

2) Fakt ist, dass auch beim zweiten Todesfall Videoaufnahmen und ein interner Untersuchungsbericht die US-Regierung in Erklärungsnot bringen. Selbst Hardliner Stephen Miller spricht nun von möglichen Protokollverstößen der Bundesbeamten bei dem tödlichen Einsatz.

3) Fakt ist, dass die ICE- und CBP-Beamten (egal, ob unzureichend ausgebildet oder mit dem klaren Auftrag, hart durchzugreifen) von Washington aus dorthin geschickt wurden. [...]

4) Fakt ist - das ergänzend - , dass die verantwortlichen Behörden bis hinauf zu den Spitzen der Hierarchie und ihre Claqueure erst einmal alles getan haben, um "die Schuld" auf die Opfer ab zu schieben, und dabei vor Falschaussagen und Unterstellungen zur Täuschung und Verschleierung nicht zurück geschreckt sind.
Diese Haltung wurde erst aufgegeben, als sie aufgrund der vorliegenden Videos nicht mehr zu halten war.
Die Punkte, die du hier nennst, haben nur leider nichts mit meinem Beitrag zu tun. Die genannten Fakten dürften jedem bekannt sein, der die letzten sechs, sieben Seiten dieses Stranges gelesen hat; sie sind folglich als Antwort auf mein Posting (oder im Falle einer Kritik an diesem) nicht zielführend.
Zitat:Alles andere, wie die Überlegungen "warum dort und nicht anderswo" oder "wem es nützt", sind Vermutungen, die uns von den Fakten abbringen. Und deshalb beteilige ich mich auch nicht weiter an Spekulationen darüber.
Ich schrieb sehr genau davon, dass es Gedanken sind, die ich mir gemacht habe. Folglich ist natürlich, da Gedanken zumeist subjektiv sind, hier auch Spekulation immer mit involviert.

Aber gerne liefere ich ein paar Fakten zum Nachdenken:

Ich denke, dass die Border Patrol und ICE relativ vernünftig vorgehen, ja sogar nicht einmal übermäßig gewaltsam vorgehen. Bevor nun Eier und Tomaten fliegen und wüste Beleidigungen folgen...

Wieso?

- es gibt ca. 600.000 Polizisten bzw. Angehörige von law enforcement-Behörden in den USA.
- davon ca. 60.000 bei der BP und 25.000 bei ICE (ca. 14-15% aller Beamten).
- im Jahr werden ca. 900 bis über 1.100 Personen (2024) in den USA von Polizisten erschossen.
- seit Trumps Amtsantritt (Jan. 2025), also seit rund einem Jahr, wurden ganze neun (in Zahlen: 9) Personen durch BP oder ICE erschossen.
- die Hälfte (vier oder fünf) davon hatte zuvor auf die Beamten geschossen (darunter übrigens auch so illustre Gestalten wie der dem Zizian-Kult angehörende deutsche Transvestit Bauckholt, dessen "Freundin" (?) zuvor einen BP-Beamten niedergeschossen hatte; dies war im Januar 2025, ist aber vermutlich bereits in Vergessenheit geraten).
- heißt: obgleich BP und ICE ca. 14-15% aller US-Beamten ausmachen, und obgleich sie vermutlich im letzten Jahr mehr als 500.000 Verhaftungen (davon geschätzt 3.000 in Minneapolis) vornahmen, sind sie für weniger als 1% aller durch Schusswaffen seitens von Beamten getöteten Personen verantwortlich.

So. Und hier stellen sich Leute hin und reden munter von SS, SA, Proud Boys, Schlägertypen und 1933. Mehr sage ich dazu nun nicht.
Zitat:Und wenn Du jetzt noch fragst, warum denn da so viele Videoaufnahmen auftauchen - das ist nun einmal gutes urdemokratisches Recht, dass die Bürger demonstrieren, protestieren und dabei auch Kameras mitführen, um das Geschehen und das Verhalten der involvierten Personen zu dokumentieren.
Kommt darauf an. Filmen darf man schon, die Frage ist eher, was du mit den Aufnahmen machen willst. Wenn ich dich auf offener Straße filme, ohne vorab zu fragen, dürftest du mich bspw. anzeigen.
Zitat:Oder willst Du jetzt die Videoaufnahmen auch noch verbieten?
Natürlich. Vor allem morgens, wenn ich unrasiert und verstrubelt vor dem Spiegel stehe, will ich definitiv nicht gefilmt werden. Big Grin

@Zardo
Zitat:Ich glaube nicht, dass Pretti seine Waffe nur deswegen mitgenommen hat, um einen Märtyrertod mittels "Suicide by cop" zu ermöglichen, mit dem Wissen, man muss nur lang genug im Weg rumstehen, dann wird ICE schon von selbst anfangen, ihn ordentlich zu "manhandlen", dabei seine Pistole sehen und trigger-happy ordentlich draufhalten.
Das wollte ich damit auch nicht sagen. Vielleicht war das missverständlich. Pretti wollte sicher keinen Suizid begehen, aber es gibt ein Umfeld, dass die Lage im Vorfeld so hat eskalieren lassen (und das sicher auch gewollt), dass er, als er - unsinnigerweise mit einer Waffe - sich in den Krawall hineinwarf, um einer anderen Person zu helfen, sich einem erhöhten Risiko ausgesetzt hat. Er ist gewissermaßen nicht nur das Opfer eines ICE-Beamten, sondern auch eines des politischen Umfeldes, dem er wohl nahesteht.

@DrKartoffelsalat
Zitat:Nicht nur, das: auf der einen Seiten "Vergleiche" zu unserer Vergangenheit als "Unsinn" zu bezeichnen, aber im nächsten Atemzug in verblümte Verschwörungstheorien abzulassen, dass die Erschossenen oder zumindest deren Sympathisanten das so erreichen wollten, ist schon stark.
1. Solche NS-Vgl. sind Unsinn (und sie verharmlosen zudem das eigentliche NS-Regime), und sie sind völlig unhistorisch. Darüber werde ich aber sicher keine weiteren philosophischen Deutungen bestreiten.

2. Bzgl. Verschwörungstheorie: Es gibt zahlreiche Hinweise, dass die Anti-ICE-Proteste durchaus stark und gezielt organisiert sind. Solche Links findet man beim Googeln zur Genüge, ich werde sie aber hier nicht verlinken. Und das Ziel, wie es Malraux recht treffend umschreibt, ist die Szene der Gewalt, die wiederum genutzt werden kann; das muss noch keine erschossene Person sein, aber es wird zumindest billigend in Kauf genommen.

Schneemann
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(29.01.2026, 07:01)Schneemann schrieb: @Kongo Erich
...
Die Punkte, die du hier nennst, haben nur leider nichts mit meinem Beitrag zu tun. Die genannten Fakten ....
- es gibt ca. 600.000 Polizisten bzw. Angehörige von law enforcement-Behörden in den USA.
- davon ca. 60.000 bei der BP und 25.000 bei ICE (ca. 14-15% aller Beamten).
- im Jahr werden ca. 900 bis über 1.100 Personen (2024) in den USA von Polizisten erschossen.
- seit Trumps Amtsantritt (Jan. 2025), also seit rund einem Jahr, wurden ganze neun (in Zahlen: 9) Personen durch BP oder ICE erschossen.
- die Hälfte (vier oder fünf) davon hatte zuvor auf die Beamten geschossen (darunter übrigens auch so illustre Gestalten wie der dem Zizian-Kult angehörende deutsche Transvestit Bauckholt, dessen "Freundin" (?) zuvor einen BP-Beamten niedergeschossen hatte; dies war im Januar 2025, ist aber vermutlich bereits in Vergessenheit geraten).
- heißt: obgleich BP und ICE ca. 14-15% aller US-Beamten ausmachen, und obgleich sie vermutlich im letzten Jahr mehr als 500.000 Verhaftungen (davon geschätzt 3.000 in Minneapolis) vornahmen, sind sie für weniger als 1% aller durch Schusswaffen seitens von Beamten getöteten Personen verantwortlich.

...

Schneemann
Ich unterstelle einmal, dass Deine Zahlen richtig sind.
Aber was willst Du damit sagen? Dass der Polizeieinsatz in den USA zurückhaltend abläuft, oder wie?

Um eine Referenzgröße für die Bewertung Deiner Zahlen zu haben, müsste man die Vergleiche zu den Erschießungen oder Todesfällen anlässlich polizeilicher Einsätze in Europa bzw. der EU heranziehen (nicht in Deutschland alleine, da es erst einmal wegen der unterschiedlichen Einwohnerzahlen von Deutschland und USA keine solche nationalen Vergleiche auf der Basis absoluter Zahlen geben kann.
Leider finde ich keine solche Statistik auf Europa bezogen. Ich bezweifle aber, dass wir in Europa auch nur im Ansatz in die Größenordnung der USA kommen, und das, obwohl es in Europa traditionell agierende Kriminalitätsgruppen und mafiöse Clans gibt (und da muss ich nicht einmal nach Süditalien schauen).
Die gegenüber der Polizei extrem kritische Recherche der Kampagne Death in Custody vermutete von 1990 bis 2021 in Deutschland insgesamt 181 Todesfälle "in Polizeigewahrsam". Aber das ist wiederum nicht vergleichbar, weil zwischen "in Gewahrsam nehmen" und "sich in Gewahrsam befinden" ein gewaltiger Unterschied besteht.

Versuchen wir also einen anderen Ansatz:
Nach Veröffentlichung der ZEIT wurden 2025 in Deutschland 17 Personen durch Polizeischüsse getötet, was "deutlich über dem Zehnjahresschnitt" liegen würde.
Die offizielle Polizeistatistik bestätigt, dass es sich hierbei um einen Spitzenwert handelt, der in 34 Jahren nur dreimal "gerissen" wurde.
Darunter sind 2025 auch so tragische Fälle wie des 21 Jahre alten Schwarzen Lorenz A. oder der Schuss auf ein gehörloses zwölfjähriges Mädchen in Bochum.

Nach Deinen Angaben werden jährlich etwa 1000 Personen (Mittelwert aus 2024) in den USA anlässlich von Polizeieinsätzen erschossen. Die Einwohnerzahl der USA lag 2024 bei geschätzten 340 bis 345 Millionen Menschen. 3,4 Mio. Menschen wären also 1 %, 340 000 Personen wären 1 %o der Bevölkerung.
Die "Mortalitätsrate" von 1000 Personen anlässlich von Polizeieinsätzen beträgt also 0,003 %o (bitte nachrechnen, als Staatsrechtler falle ich unter die Begrifflichkeit des "Justitia non calculat").
Das klingt erst mal nach "vernachlässigbar".

Nach den Angaben der Zeit wurden 2025 insgesamt (deutlich überdurchschnittlichen) 17 Personen durch Polizeischüsse getötet. Zum 30. September 2025 lebten rund 83,5 Millionen Menschen (83 497 000) in Deutschland, was einer nahezu konstanten Bevölkerungszahl gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Deutschland hatte also knapp 25 % der US-Bevölkerung.
Bei einer vergleichbaren Mortalitätsrate anlässlich von Polizeieinsätzen hätten hier also 25 % aus 1000 - grob gerechnet also 250 Personen - anlässlich von Polizeieinsätzen zum Opfer fallen können. Tatsächlich waren es nur 17 - und das waren schon überdurchschnittlich viel.

Ich weiß jetzt nicht, wie man eine 10fach höhere Mortalitätsrate bei Polizeieinsätzen in den USA gegenüber Deutschland verharmlosen kann. Das sieht dort doch eher nach exzessiver und nicht nach zurückhaltender Polizeigewalt aus.

Und nein:
ich möchte Dich nicht morgens ungeduscht und unrasiert im Bad auf Video aufnehmen. Big Grin
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(29.01.2026, 07:01)Schneemann schrieb: obgleich BP und ICE ca. 14-15% aller US-Beamten ausmachen, und obgleich sie vermutlich im letzten Jahr mehr als 500.000 Verhaftungen (davon geschätzt 3.000 in Minneapolis) vornahmen, sind sie für weniger als 1% aller durch Schusswaffen seitens von Beamten getöteten Personen verantwortlich.
Dabei darf nicht vergessen werden, dass diese Behörden einen klar umrissenen Auftrag haben, der sich von dem der anderen abgrenzt. Insofern sind sie auch einem anderen Risiko ausgesetzt, in Situationen mit tödlichem Schusswaffengebrauch zu geraten. Bspw. werden sie nicht als 2-Mann-Streife nachts zu Einsätzen häuslicher Gewalt gerufen, sind nicht für die Eskapaden psychisch kranker Personen zuständig etc. Ich will das jetzt nicht konkret einordnen, da ich es mangels Daten dazu nicht kann, aber der reine Zahlenvergleich sagt mMn erstmal nicht nicht viel dazu aus, wie konkret gearbeitet wird. Dafür müsste man sich genauer anschauen, in welchen Situationen die tödlichen Schüsse jeweils gefallen sind.
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(29.01.2026, 07:01)Schneemann schrieb: @DrKartoffelsalat
1. Solche NS-Vgl. sind Unsinn (und sie verharmlosen zudem das eigentliche NS-Regime), und sie sind völlig unhistorisch. Darüber werde ich aber sicher keine weiteren philosophischen Deutungen bestreiten.

Niemand will mit historischen Vergleichen die Geschichte verharmlosen, sondern erstmal nur darstellen wie es angefangen hat und wie "leicht" ein Abrutschen dahingehend ist. Ich halte von den Vergleichen auch nicht viel, aber zu verneinen, dass parallelen zu diversen autoritären Anfängen besteht, fällt mir auch schwer.

Aber bei der Gelegenheit kannst du mir vielleicht erklären, wieso Trumps ICE eigentlich zu Olympia nach Italien soll als Geleitschutz? Das ist ja nun wirklich nicht die Aufgabe der Ausländerbehörde, außer man fangt an diese zu einem generellen paramilitärischen Polizei- und Schutzorgan umzubauen, und möchte mit solchen Aktionen Legitimität verschaffen.

(29.01.2026, 07:01)Schneemann schrieb: 2. Bzgl. Verschwörungstheorie: Es gibt zahlreiche Hinweise, dass die Anti-ICE-Proteste durchaus stark und gezielt organisiert sind. Solche Links findet man beim Googeln zur Genüge, ich werde sie aber hier nicht verlinken. Und das Ziel, wie es Malraux recht treffend umschreibt, ist die Szene der Gewalt, die wiederum genutzt werden kann; das muss noch keine erschossene Person sein, aber es wird zumindest billigend in Kauf genommen.

Schade, Quellen für so starke Behauptungen wären echt toll gewesen. Aber sei es wie es sei.

Natürlich sind Proteste organisiert, das sind nahezu alle Proteste... aber es ist schon ein gehöriger Unterschied, was die Intention ist.
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Da würde ich jetzt lieber "eine Randbemerkung" sagen als "ein Verdacht":
Zitat: Politologin: "Alex Pretti war den ICE-Behörden sehr wohl bekannt"
...

Es habe schon mal einen Vorfall mit der Einwanderungsbehörde gegeben, "da ist ihm eine Rippe gebrochen worden", so die Expertin. Nun stelle sich die Frage: Hätte der Angriff auf den Krankenpfleger gezielt sein können? "Tatsächlich war Alex Pretti den ICE-Behörden sehr wohl bekannt, weil sie ihn schon zum gläsernen Bürger gemacht hatten."

Die umstrittene Behörde hat bereits jetzt einen höheren Etat als das FBI. Gerade werde in Washington eine weitere Aufstockung des Budgets erwogen, berichtete Clüver Ashbrook. Und die gestiegenen Kompetenzen und Möglichkeiten würden längst nicht mehr nur für den Kampf gegen illegale Einwanderung genutzt.

Das Homeland Department habe für die Software "Immigration OS" des Konzerns Palantir tief in die Tasche gegriffen: Sie kostete 285 Millionen Euro. Diese sei eigentlich dazu gedacht, Illegale zu erfassen. "Aber was jetzt passiert, ist, dass über die Handykameras der ICE-Beamten demonstrierende Menschen, die ihre Bürgerrechte wahrnehmen, abgefilmt und gespeichert werden." Diese Daten würden mit den Sozialversicherungsnummern abgeglichen. "Hier soll ein gläserner Bürger entstehen, der verfolgt werden kann", warnte Clüver Ashbrook.
...
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(29.01.2026, 11:18)Kongo Erich schrieb: Da würde ich jetzt lieber "eine Randbemerkung" sagen als "ein Verdacht"
Vor allem finde ich die Verknüpfung fragwürdig. Das geht halt schon in die Richtung von Verschwörungstheorien und das hilft sicher nicht im Diskurs, zumal das ja gerade die diesbezügliche Argumentation der Gegenseite nährt.
Ich finde die information viel relevanter für die Einordnung des Tragens einer Waffe durch Pretti. Wenn er bereits negative Erfahrungen mit Gewalt durch ICE gemacht hatte, wäre es natürlich denkbar, dass er explizit deswegen bewaffnet war. Allerdings würde ich persönlich das dann trotz meiner allgemeinen Positionierung in dem Fall nicht zu seinen Gunsten werten, da es in dem Fall dann nämlich nahelegen würde, dass er sich bewusst bewaffnet in die Gefahr einer Auseinandersetzung mit Polizeikräften begeben hat.
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(29.01.2026, 13:48)Broensen schrieb: Allerdings würde ich persönlich das dann trotz meiner allgemeinen Positionierung in dem Fall nicht zu seinen Gunsten werten, da es in dem Fall dann nämlich nahelegen würde, dass er sich bewusst bewaffnet in die Gefahr einer Auseinandersetzung mit Polizeikräften begeben hat.

Es ist ein neues Video aufgetaucht. Tatsächlich scheint er mehr rabiater Aktivist mit gelegentlichem Impulsverlust zu sein als das komplette Unschuldslamm. Die Waffe hatte er schon 11 Tage zuvor bei einem ähnlichen Einsatz versteckt getragen. Wobei "versteckt" auch damals schon nur so lange gegeben war, solange die Jacke und der Pulli gerade noch drüber hing.

[Video: https://www.youtube.com/watch?v=CRWR13BAIEs]
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Auch verrückt. Bei dem Einsatz haben sie ihn zwar ähnlich stümperhaft zu fixieren versucht, ihm aber nicht einmal die Waffe abgenommen! WENN ich zugreife, dann muss ich auch aus Gründen der Eigensicherung auf potentielle Bewaffnung prüfen und ggf. entwaffnen.

In diesem Fall hatte Pretti sich tatsächlich ganz klar strafbar gemacht, wird dann aber letzten Endes nicht festgenommen?!? Warum bringt man ihn dann überhaupt erst zu Boden? Und durchsucht ihn dann noch nicht mal? Was für eine sinnfreie Aktion war das denn bitte?

Dieser Vorfall spricht gegen beide Seiten!

Pretti hat hier strafbare Handlungen vollzogen, die auch nicht zu legitimieren sind.
Die Agents hier haben aber nicht diese Handlung geahndet und Pretti bis zur Identifizierung und zwecks Unterbindung weiterer Straftaten vorübergehend festgesetzt, sondern sind ihn und die Umstehenden einfach nur gewaltsam ohne klares Ziel angegangen, während sie ihre Eigensicherung sträflich vernachlässigt haben.
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