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Zitat:EU-Kommission droht USA wegen Einreiseverboten
Online-Zensur durch die Europäische Union? Die deshalb von der Trump-Administration verhängten Visa-Sperren sorgen in Brüssel für große Aufregung. Die EU-Kommission will sie nicht einfach hinnehmen. [...]
Die Europäische Kommission droht mit Vergeltungsmaßnahmen gegen Einreiseverbote, die von der US-Regierung gegen den früheren EU-Kommissar Thierry Breton und andere Europäer verhängt wurden. Man verurteile die Entscheidung der Vereinigten Staaten aufs Schärfste, teilte die Behörde in Brüssel mit. Man habe von den USA "Klarstellungen" erbeten.
"Falls erforderlich" werde man "schnell und entschieden reagieren, um unsere Regulierungsautonomie gegen ungerechtfertigte Maßnahmen zu verteidigen", erklärte die EU-Kommission mit Blick auf ihren Digital Services Act (DSA). Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hielt den USA "Einschüchterung und Zwang" vor, um die "europäische digitale Souveränität zu unterwandern".
https://www.dw.com/de/eu-kommission-droh...a-75295337
Schneemann
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zwei interessante Lektüren:
Der SPIEGEL sieht es personalisiert:
Zitat:EU-Kommissionschefin in Nöten
Wie Ursula von der Leyens Macht erodiert
Ihre Niederlage auf dem EU-Gipfel war der Tiefpunkt eines desaströsen Jahres für EU-Kommissionschefin von der Leyen. Die Autorität der mächtigsten Frau Europas ist schwer beschädigt.
...
Die Tagesschau macht es an den nationalistischen Ideologien fest:
Zitat:EU und die US-Sicherheitsdoktrin
Die Erkenntnis, allein zu Haus zu sein
Stand: 26.12.2025 15:56 Uhr
Das Jahr endete für die EU mit einer Art Scheidungspapier. Mit Trumps neuer Sicherheitsdoktrin wenden sich die USA anderen Partnern zu - Europas Rechten und Rechtspopulisten. Für die EU ist das ein Schock.
Donald Trump ist noch nicht ein Jahr im Amt, aber von Brüssel aus gesehen ist das eine Ewigkeit. Eine Schockwelle nach der anderen hat die Europäer in Atem gehalten, wöchentlich kamen neue Zumutungen, Vorwürfe und dann wieder Kehrtwendungen.Der Schock vom 4. Dezember war der vorläufige Höhepunkt, er dürfte der nachhaltigste sein. Ein Schock, der Europa ins Mark trifft. Die neue nationale Sicherheitsstrategie der USA hält für die Alliierten einiges an Überraschungen bereit. China ist kein systemischer Rivale mehr, sondern nur noch wirtschaftlicher Konkurrent. Russland wird als Großmacht akzeptiert mit einem vielversprechenden Markt, der gerade bei den Rohstoffen einiges zu bieten hat. Und wenn es doch mal Konflikte mit dessen Präsident Wladimir Putin gibt, bietet Donald Trump sich als Vermittler an.
...
Fakt ist - wir Europäer lassen uns noch zu leicht spalten und sind zu wenig geschlossen unterwegs.
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Es rumpelt mal wieder im Oberstübchen.
Zitat:Europas "destruktive moralische Vorstellungen" könnten die Atommächte gefährden, sagt J. D. Vance
Dec 26, 2025 - 19:12 Zuletzt aktualisiert: Dec 26, 2025 - 19:12
[Bild: https://s1.directupload.eu/images/251226/h5dbjjts.jpg]
Der US-Vizepräsident J. D. Vance warnte am Freitag davor, dass Frankreich und das Vereinigte Königreich in Zukunft ein Sicherheitsrisiko für die USA darstellen könnten, wenn das, was er als „islamistisch angehauchtes“ Gedankengut bezeichnete, politischen Einfluss gewinnen würde.
In einem Interview mit dem britischen Online-Portal UnHerd erklärte Vance, dass Europa durch die Gegenreaktion auf die Einwanderung „kein sehr gutes Selbstverständnis“ mehr habe.
Es gebe „islamistisch ausgerichtete oder dem Islamismus nahestehende Personen, die derzeit in europäischen Ländern im Amt sind“, fügte er hinzu, ohne genau zu sagen, auf wen er sich bezog. Aus diesem Grund sei es „absolut“ möglich, dass in einer europäischen Atommacht wie Paris oder London in 15 Jahren islamistisch geprägte Ansichten an die Macht kämen.
https://euractiv.de/news/europas-destruk...j-d-vance/
Kurz zusammengefasst, Little JD möchte jetzt Zitat „gewisse moralische Gespräche mit Europa führen“ weil das christliche Abendland anscheinend durch Islamisierung aus dem Orient der Auslöschung gegenübersteht. Das sei Laut seiner Aussage ein Sicherheitsrisiko für die Vereinigten Staaten, da Frankreich und Großbritannien über Atomwaffen verfügen.
Außenpolitik im Jahre 2025…
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(26.12.2025, 23:33)DopePopeUrban schrieb: Es rumpelt mal wieder im Oberstübchen.
https://euractiv.de/news/europas-destruk...j-d-vance/
Kurz zusammengefasst, Little JD möchte jetzt Zitat „gewisse moralische Gespräche mit Europa führen“ weil das christliche Abendland anscheinend durch Islamisierung aus dem Orient der Auslöschung gegenübersteht. Das sei Laut seiner Aussage ein Sicherheitsrisiko für die Vereinigten Staaten, da Frankreich und Großbritannien über Atomwaffen verfügen.
Außenpolitik im Jahre 2025…
Vielleicht denkt man in den USA eben langfristiger? Vor knapp 10 Jahren gab es eine Ipsos Umfrage in der Altersgruppe Teenager in Frankreich und dort gaben ca. 25% an dass sie sich als muslimisch identifizieren. Da in Frankreich selbst keine Statistiken dazu erhoben werden gibt es dazu auch keine offiziellen Zahlen. Die USA haben da sicher genauere Quellen.
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(27.12.2025, 00:58)lime schrieb: Vielleicht denkt man in den USA eben langfristiger? Vor knapp 10 Jahren gab es eine Ipsos Umfrage in der Altersgruppe Teenager in Frankreich und dort gaben ca. 25% an dass sie sich als muslimisch identifizieren. Da in Frankreich selbst keine Statistiken dazu erhoben werden gibt es dazu auch keine offiziellen Zahlen. Die USA haben da sicher genauere Quellen. Die große Legende vom Bevölkerungsaustausch durch den ungewaschenen Fremden ist so alt wie die Menschheit selber. Schon im alten Ägypten schob man panische Angst vor den Duneklhäutigen aus dem Orient. Im 19. Jhr. hieß es dann, dass Sinti und Roma Europa überfluten würden, in den 1930ern waren die Juden die internationalen Buhmänner, heute sinds die Muslime.
Und alle waren sie der Meinung, dass es diesmal ja ganz anders und viel ernstzunehmender ist.
Zumal es Little JD auch kein bisschen um das Thema an sich geht. Sieht man alleine schon daran, dass der gute Mann offensichtlich keinerlei Probleme mit pakistanischen Atomwaffen hat, obgleich die pakistanische Bevölkerung zu einem Prozentsatz muslimischen Glaubens ist, von dem der Axel Springer Verlag üblicherweise nur im Ruhrgebiet ausgeht.
Little JD trifft eine solche Aussage hauptsächlich aus zwei Gründen, a) um das Bild Europas als sterbenden Stern in der eigenen Wählerschaft zu festigen und um b) EU-zersetzenden Parteien in Europa, die üblicherweise zu massiven Rassismus besonders gegenüber Menschen muslimischen Glaubens neigen, Brennmaterial und Rückenwind zu geben.
Denn obgleich diese ständig von nationaler Souveränität sprechen, geht niemand so gerne für die Vereinigten Staaten oder Russland auf die Knie, wie sie. Besonders wenn man für sie eigenen verwirrten Ansichten auch noch Validierung erhält und man gesagt bekommt, dass man ein Feini ist. Das Verlangen nach einer autoritären Führungspersönlichkeit der man sich unterordnen kann, macht eben auch nicht vor den Parteispitzen halt.
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Zitat:Die große Legende vom Bevölkerungsaustausch durch den ungewaschenen Fremden ist so alt wie die Menschheit selber. Schon im alten Ägypten schob man panische Angst vor den Duneklhäutigen aus dem Orient. Im 19. Jhr. hieß es dann, dass Sinti und Roma Europa überfluten würden, in den 1930ern waren die Juden die internationalen Buhmänner, heute sinds die Muslime.
Wobei man hier im Umkehrschluss jedoch auch nicht pauschal alles in einen Topf werfen sollte. Das alte Ägypten hatte eine sehr ureigene, einzigartige, in sich geschlossene und sehr stark ausgeprägte Kultur, die, obgleich sie mehrmals von außerhalb unterworfen wurde (Perser, Äthiopier, Griechen, Römer), sich stets behaupten konnte und eher eine innere Assimilierung der äußeren Eindringlinge bewirkte.
Darüber hinaus sind Sinti und Roma sowie auch die europäischen Juden weitgehend homogene und hinsichtlich der Anzahl weitgehend unveränderliche Bevölkerungsgrößen, während in den letzten Jahrzehnten Millionen von Migranten aus muslimischen Ländern oftmals ohne weitergehende Prüfung nach Europa strömten.
Hier könnte man ein ganz interessantes und auch weitgehend vergessenes Ereignis bemühen: Nach blutigem Unabhängigkeitskrieg entließ der legendäre Charles de Gaulle 1962 die Algérie Française in die Unabhängigkeit - und er löste die staatsbürgerliche Verbindung zwischen dem französischen Mutterland und der Kolonie Algerien auf. Das hat ihm einige Kritik gerade von den Linken (und auch einigen Rechten) eingebracht. De Gaulle entgegnete, dass dies aus "heutiger Perspektive" (1962, Algerien zählte damals ca. 10 Mio. Einwohner) zwar hart erscheine, aber man "in 20, 30 Jahren" darüber froh wäre. Und in der Tat: Heute zählt Algerien rund 45 Mio. Einwohner - hätte de Gaulle nicht 1962 den harten Bruch vollzogen, hätten diese Algerier faktisch französisches Bürgerrecht erhalten, was mehr oder minder den französischen Staat zerrissen hätte.
Dabei war der alte Magier im Élysée keineswegs jemand, der von wirren Verschwörungstheorien beeinflusst worden wäre.
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Zitat:Wien – Kinder mit islamischem Glaubensbekenntnis machen in Wien nicht nur die größte Gruppe in den Volks- und Mittelschulen aus, ihr Anteil ist auch leicht gestiegen. Er beträgt 41,2 Prozent. Das geht aus einer aktuellen Datenerhebung hervor, wie das Büro von Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (Neos) der APA mitteilte. Der Vergleichswert vor einem Jahr belief sich auf 39,4 Prozent.
https://www.derstandard.de/story/3000000...12-prozent
Damit liegt Wien natürlich noch weit hinter der EU-Hauptstadt Brüssel für die die KI einen Anteil von über 50% an den unter 18 Jährigen ausmacht. Aber die KI haben sicher Verschwörungstheoretiker programmiert die von Vance bezahlt wurden
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Wien hat eine Sondersituation - weil es historisch gewachsene Verbindungen zum überwiegend muslimischen Bosnien gibt.
Und die bosnischen Muslime sind wegen ihrer - ebenfalls historisch gewachsenen - Eingliederung in die säkular geprägte europäische Rechtsstruktur (Stichwort: Euro-Islam) natürlich auch etwas "anders" als Muslime einer anderen Rechtskultur.
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(27.12.2025, 12:43)Kongo Erich schrieb: Wien hat eine Sondersituation - weil es historisch gewachsene Verbindungen zum überwiegend muslimischen Bosnien gibt.
Und die bosnischen Muslime sind wegen ihrer - ebenfalls historisch gewachsenen - Eingliederung in die säkular geprägte europäische Rechtsstruktur (Stichwort: Euro-Islam) natürlich auch etwas "anders" als Muslime einer anderen Rechtskultur.
Davon stimmt nichts, wirklich gar nichts.
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(27.12.2025, 12:43)Kongo Erich schrieb: Wien hat eine Sondersituation - weil es historisch gewachsene Verbindungen zum überwiegend muslimischen Bosnien gibt.
Und die bosnischen Muslime sind wegen ihrer - ebenfalls historisch gewachsenen - Eingliederung in die säkular geprägte europäische Rechtsstruktur (Stichwort: Euro-Islam) natürlich auch etwas "anders" als Muslime einer anderen Rechtskultur.
Bosnier sind nur zu Hälfte Muslime. Die größten muslimischen Gruppen in Wien sind Syrer, Türken und Afghanen. Auch die Tschetschenen sind eine wachsende Community die in ein paar Jahren zahlenmäßig höher sein wird als die der Muslime aus Bosnien. In den letzten 35 Jahren ist der prozentuale Anteil von muslimischen Schülern in Wien von ca. 5% auf ca. 42% angestiegen, was klar gegen deine historisch gewachsene Theorie spricht.
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@lime
Wien ist nicht gleich Österreich. Du kannst nicht aus der Demographie eines Hauptstadt-Ballungsraumes auf das ganze Land schließen, oder auf andere europäische Länder, oder gar auf ganz Europa. Und sich auf "die KI" zu berufen ist, mit Verlaub, Humbug. KI kann alles mögliche behaupten, Grok hat mir schon erzählen wollen, dass man Knollenblätterpilze gefahrlos essen könnte … Ohne überprüfbare Quelle sind KI-Ergebnisse wertlos.
Ja, der Anteil von Muslimen an der europäischen Bevölkerung steigt, und zwar zu schnell und zu hoch, um den sozialen Frieden zu wahren. Aber selbst die pessimistischsten Projektionen geben keine "Islamisierung" im Sinne einer muslimischen Bevölkerungsmehrheit her—zumal sich die Geburtenraten von Einwanderern seit Anfang des Jahrhunderts schnell denen der autochthonen Bevölkerung angleichen. Außerdem ist ja wohl ein kultureller und auch politischer Unterschied zwischen bspw. einem Türken oder Bosnier einerseits und einem Pakistaner oder Afghanen andererseits.
Und was Vance's Geschwafel über die angebliche Gefahr für die USA anlangt, zu denen sich europäische Staaten mit ihrem demographischen Wandel entwickeln würden … Bei aller berechtigten Kritik an ungeregelter Einwanderung: Das ist einfach nur rassistische Gülle und ein Vorwand, um sich paternalistische Eingriffe vorbehalten zu können. Denn auch unter Trump sind die USA aufs herzlichste verbündet und verbandelt mit islamistischen Regimes. Vielleicht sollten die Trumpisten erst mal aufhören, den saudischen Kronprinzen zu herzen, dessen Land hinter 9/11 steckte, bevor sie über Länder wie Großbritannien solche Schauergeschichten verbreiten …
Vielleicht sollten die Europäer einfach mal den Spieß umdrehen: Ist das heute noch das Amerika, mit dem wir uns einst verbündet haben? Immerhin ist der "Caucasian"-Anteil in den USA binnen fünfzig Jahren von 90% auf 59% gesunken.
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@Schneemann
Zitat:Darüber hinaus sind Sinti und Roma sowie auch die europäischen Juden weitgehend homogene und hinsichtlich der Anzahl weitgehend unveränderliche Bevölkerungsgrößen, während in den letzten Jahrzehnten Millionen von Migranten aus muslimischen Ländern oftmals ohne weitergehende Prüfung nach Europa strömten.
Ganz im Gegenteil. Sinti und Roma waren mWn einer der am stärksten Wachsenden Bevölkerungsgruppen in ganz Europa, besonders mit der einsetzenden Industrialisierung in Südost-Europa ab den 1860/70ern. Dieses Wachstum "flaute" erst in den 1920ern wieder ab, bis in den 1940ern knapp 30% der Bevölkerung ermordet wurden. Exakte Zahlen gibt es soweit ich weiß nicht, aber je nach Quelle wuchs die Bevölkerung in diesem Zeitraum um das 2x bis 3.5x fache.
Da sprechen wir von mehreren Million alleine in Europa, in Zeiten in denen der Großteil der Südost-europäischen Staaten weniger als 3 Million Einwohner zählten, teilweise drastisch weniger.
Und die Migration derer über den Kontinent geschah auch noch grundsätzlich weitgehend ohne Prüfung oder Kontrolle, denn Grenzkontrollen (im Sinne von nicht-kommerziellem Verkehr) sind ein relativ neues Phänomen, ebenso wie Staatsbürgerschaften.
Die Zeitungsartikel aus dieser Zeit würde ich übrigens als sehr augenöffnend bezeichnen. Rhetorisch sind diese kaum von heutigen Aussagen zu unterscheiden, Ton und Themen sind nahezu identisch. Wahlweise kann man auch in die Vereinigten Staaten blicken, dort druckten die Zeitungen das selbe, nur nicht über Sinti und Roma sondern hauptsächlich über Italiener, Iren und Deutsche.
Zitat:Hier könnte man ein ganz interessantes und auch weitgehend vergessenes Ereignis bemühen: Nach blutigem Unabhängigkeitskrieg entließ der legendäre Charles de Gaulle 1962 die Algérie Française in die Unabhängigkeit - und er löste die staatsbürgerliche Verbindung zwischen dem französischen Mutterland und der Kolonie Algerien auf. Das hat ihm einige Kritik gerade von den Linken (und auch einigen Rechten) eingebracht. De Gaulle entgegnete, dass dies aus "heutiger Perspektive" (1962, Algerien zählte damals ca. 10 Mio. Einwohner) zwar hart erscheine, aber man "in 20, 30 Jahren" darüber froh wäre. Und in der Tat: Heute zählt Algerien rund 45 Mio. Einwohner - hätte de Gaulle nicht 1962 den harten Bruch vollzogen, hätten diese Algerier faktisch französisches Bürgerrecht erhalten, was mehr oder minder den französischen Staat zerrissen hätte.
Das ist mMn eine grobe Fehleinschätzung. Der definierende Faktor eines Bevölkerungszuwachses ist relativ unangefochten weder Religion, noch Kultur, noch politisches System, noch geographische Lage. Es ist der Wohlstand einer Gesellschaft oder besser gesagt, der Mangel an diesem in einer Gesellschaft.
Ärmere Menschen vermehren sich deutlich mehr, als reichere Menschen. Die Gründe dafür sind zahlreich und nuanciert aber dieses Phänomen lässt sich seit hunderten Jahren beobachten.
Dahingehend finde ich dein Beispiel hier ungeeignet. Wäre Algerien weiterhin Teil Frankreichs geblieben, hätte sich der dortige Lebensstandart und damit auch der Wohlstand (sofern man hier nicht eine hart segregative Parallelgesellschaft aufbaut) erhöht, was defacto zwangsläufig zu weniger Geburten geführt hätte. Realbeispiele dieses Vorgangs, selbst im kolonialen Kontext, sehen wir heute in bspw Hong Kong, in dem die Geburtenrate nach einem exponentialen Anstieg in den 1950ern (Als Hong Kong noch ein Opium verseuchtes Dreckloch war) seit Ende der 1960er konsequent fällt.
Das selbe sehen wir heute in Migrationsbewegungen aus ärmeren Bevölkerungsschichten. Während Menschen mit primären Migrationshintergrund noch vergleichsweise viele Nachkommen zeugen, sinkt dieser Wert ab dem sekundären Migrationshintergrund drastisch ab.
Laut dem Statistischen Bundesamt liegt die Geburtenrate der in Deutschland geborenen ungefähr bei einem Faktor von 1.4x Kindern pro Frau.
Für Menschen mit primärem Migrationshintergrund, also solche die im Ausland geboren sind und nach Deutschland kommen, liegt dieser Wert bei rund 2.0x. Mit einem sekundären Migrationshintergrund (also dessen Kinder) sinkt der Wert bereits auf 1.7x und mit einem tertiären Migrationshintergrund sinkt dieser Wert sogar auf rund 1.3x, weniger als die der "Stammbevölkerung".
Was übrigens insofern schlecht ist, als dass der Wert 2.0x das Erhaltungsminimum einer Bevölkerung darstellt und alle Werte darunter bedeuten, dass eine Bevölkerung defacto schrumpft. Auch das ist seit Jahrzehnten in der ganzen Welt zu beobachten.
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@muck
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(27.12.2025, 13:40)DopePopeUrban schrieb: Für Menschen mit primärem Migrationshintergrund, also solche die im Ausland geboren sind und nach Deutschland kommen, liegt dieser Wert bei rund 2.0x. Mit einem sekundären Migrationshintergrund (also dessen Kinder) sinkt der Wert bereits auf 1.7x und mit einem tertiären Migrationshintergrund sinkt dieser Wert sogar auf rund 1.3x, weniger als die der "Stammbevölkerung".
Hier werden mal wieder verschiedenste Einwanderer pauschal zusammengewürfelt. Ich wette wenn man die Statistik nach Herkunft der Einwanderer auffächern würde sähe sie ganz anders aus.
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@DopePopeUrban
Zitat:Sinti und Roma waren mWn einer der am stärksten Wachsenden Bevölkerungsgruppen in ganz Europa [...] Exakte Zahlen gibt es soweit ich weiß nicht...
Du schreibst es selbst, es gibt keine genauen Zahlen. Der Hintergrund ist hierbei, dass es Sinti und Roma schon sehr lange gibt, auch in Europa, aber es eben nie jemand richtig erfasst hat. Und gerade die Balkanhalbinsel war Jahrhunderte lang von den Osmanen kontrolliert, und diese haben in ihrem Staatsverständnis und in ihrer Staatsorganisation nicht auf einzelne Ethnien geachtet.
Erst nach den diversen national geprägten Aufständen (Griechenland, Serbien), grob vom beginnenden 19. Jahrhundert an bis ca. zum Ersten Weltkrieg, wurde diese Volksgruppe quasi zum Politikum - ohne allerdings, dass sie sich explosionsartig vermehrt hätte. Und die Ursache hierfür waren schlicht die erwachenden, durch die Romantik mit beeinflussten Nationalstaatsgedanken der Völker der Balkanhalbinsel - irgendwelche "Zigeuner", denen man alles mögliche negative unterstellte, passten da nicht ins Bild, egal ob bei Bulgaren, Serben oder Griechen. Dies wiederum hatte zur Folge, dass man die eigentliche Zahl eher kleinrechnete, um die vorgebliche ethnische Homogenität des eigenen Volkes nicht übermäßig zu beeinträchtigen. Und parallel dazu wurde natürlich durch national gefärbte Berichte, besonders in Bulgarien, die Bedrohung gerne etwas überhöht dargestellt, obwohl keine verlässlichen Zahlen vorlagen.
Von der Aussage einer massiven Zunahme der Sinti- und Roma-Bevölkerung auf dem Balkan würde ich insofern eher etwas Abstand nehmen, zumal die Bevölkerung auf dem Balkan über Jahrhunderte hinweg, bis ins frühe 19. Jahrhundert hinein, in der Tendenz immer abgenommen hatte.
Zitat:Wäre Algerien weiterhin Teil Frankreichs geblieben, hätte sich der dortige Lebensstandart und damit auch der Wohlstand (sofern man hier nicht eine hart segregative Parallelgesellschaft aufbaut) erhöht, was defacto zwangsläufig zu weniger Geburten geführt hätte.
Dieses Modell würde, selbst wenn dieser Idealgedanke aufgehen sollte, bedingen, dass mindestens eine Generation ins Land geht. Das hätte Frankreich jedoch unmöglich stemmen können.
Schneemann
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(27.12.2025, 14:09)lime schrieb: Hier werden mal wieder verschiedenste Einwanderer pauschal zusammengewürfelt. Ich wette wenn man die Statistik nach Herkunft der Einwanderer auffächern würde sähe sie ganz anders aus. Gegen Deine Mutmaßung spricht, dass sich die Geburtenraten global im freien Fall befinden—explizit auch in den Herkunftsländern der Migranten, die nach Europa strömen. Wenn man aber auf Religion oder Kultur abstellt, um deren Geburtenraten zu erklären, warum sollten dann Migranten in der neuen Heimat mehr Kinder bekommen als in der alten?
Die durchschnittliche Geburtenrate der islamischen Subsahara-Staaten betrug 2024 2,2, ist also fast auf den Erhaltungswert gesunken. Rechnete man Algerien heraus, wo noch 3 Kinder pro Frau geboren werden, würde sie darunter sinken.
Viele islamische Staaten haben bereits das Altertungstempo der Europäer erreicht; z.B. liegt Tunesien mit 1,93 Kindern hinter Frankreich, und die Türkei liegt mit 1,48 Kindern nur knapp vor Deutschland.
Alles in allem wird man sagen können, dass der islamische Kulturkreis allenfalls noch eine Generation hinter den Europäern liegt, was die Alterung angeht.
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