United States of America
@muck

Du musst aber hierbei selbst auch etwas mehr Kritik an der Personalie Pretti zulassen. Ich meine, man kann gegen ICE sein, man kann am Straßenrand stehen, Pappschilder hochheben und demonstrieren und Anti-ICE-Slogans herumrufen. Da sagt sicher niemand etwas und sowas ist bei jeder Demonstration auch anzutreffen.

Aber wenn ich derart austicke, blindwütig tobe und herumspucke und Rücklichter von Autos wegtrete - obgleich die Aktivitäten der betreffenden Polizeibehörde mich nicht mal selbst betreffen -, dann mache ich mir schon Gedanken über die psychische Stabilität einer Person. Und wenn ich dann daran denke, dass diese wohl abseits der gezeigten Wutanfälle ein Krankenpfleger war, dann wird mir sehr unwohl.

Schneemann
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(Vor 10 Stunden)muck schrieb: Ernsthaft?!

Machst Du jetzt bei dieser absurden MAGA-Kampagne mit, I.C.E. moralisch zu entlasten, weil es irgendwie schon "den Richtigen" getroffen hat?

Hast Du bei Deinem entweder durch Ignoranz oder Desinteresse motivierten Kommentar die Tatsache berücksichtigt, dass das Opfer Krankenpfleger in einem Veteranenkrankenhaus und ehrenamtlicher Sterbebegleiter für Veteranen war? Wie rechnet man das auf gegen ein zertretenes Rücklicht?

In den USA darf man auch bewaffnet demonstrieren. Bürgerrechte die sehr hoch gehalten werden. Wenn man aber gleichzeitig ein impulsiv/aggressiver Typ ist sollte man sich darüber Gedanken machen ob man dann zu solchen Demos auch wirklich eine Waffe mitnimmt. In den USA weiss doch inzwischen jeder wie schnell das eskalieren könnte.
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(Vor 9 Stunden)Schneemann schrieb: Aber wenn ich derart austicke, blindwütig tobe und herumspucke und Rücklichter von Autos wegtrete - obgleich die Aktivitäten der betreffenden Polizeibehörde mich nicht mal selbst betreffen -, dann mache ich mir schon Gedanken über die psychische Stabilität einer Person. Und wenn ich dann daran denke, dass diese wohl abseits der gezeigten Wutanfälle ein Krankenpfleger war, dann wird mir sehr unwohl.

Entschuldigt und Erklärt die Tötung aber immer noch nicht, da derart Verhalten da bisher Null auf auch nur einem der Videos erkennbar ist. Mal abgesehen davon, dass ich der Logik, dass instabile und wütende Menschen generell schon mal erschossen werden können nicht so ganz folge.
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Interessanterweise scheint Minnesota wirklich sehr liberale Waffengesetze zu haben. So ist die Zahl mitgeführter Waffen unbegrenzt (Ausnahme: auf Schulgelände, Verwaltungsgebäuden oder auf fremdem privatem Grund, wenn bei letzterem ein entsprechendes Schild aufgestellt ist), diese können sowohl verdeckt als auch offen getragen werden und grundsätzlich soll eine Erlaubnis ausgestellt werden, vorausgesetzt, ein Training mit dem "sicheren Umgang" ist erfolgt, Antrag liegt vor und Background-Check ist negativ - d.h. keine einschlägig bekannte Gründe sprechen dagegen.

https://www.revisor.mn.gov/statutes/cite/624.714

Bei Verurteilung für Sachbeschädigung im Wert von über 1000 $ (felony) geht das Recht dauerhaft verloren, oder es ist ein Rezidivtäter, dann reicht Sachbeschädigung von mehr als 500 $.

Theoretisch hätte der Sachverhalt bei Pretti 11 Tage vorher zur Anklage mit Sicherstellung der Waffe führen müssen, da die Reparatur wohl um die 1000 $ kosten dürfte (komplett neue Heckleuchte, Arbeitszeit, Ausfall des Fahrzeugs). Wenn Privilegien wie das "open carry" von einer weißen Weste abhängig gemacht werden, müssten andererseits die strafverfolgenden Behörden bestrebt sein, jedem Fleck auf dieser Weste nachzugehen, sonst fällt die Logik in sich zusammen.

Die amerikanischen Grundüberzeugungen dieser gelebten "Wild Wild West"-Kultur in einem sich ansonsten weitestgehend zivilisiert gebendem Land kann man als Europäer nur schwer verstehen.
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(Vor 7 Stunden)Zardo schrieb: Theoretisch hätte der Sachverhalt bei Pretti 11 Tage vorher zur Anklage mit Sicherstellung der Waffe führen müssen, da die Reparatur wohl um die 1000 $ kosten dürfte (komplett neue Heckleuchte, Arbeitszeit, Ausfall des Fahrzeugs). Wenn Privilegien wie das "open carry" von einer weißen Weste abhängig gemacht werden, müssten andererseits die strafverfolgenden Behörden bestrebt sein, jedem Fleck auf dieser Weste nachzugehen, sonst fällt die Logik in sich zusammen.

Die amerikanischen Grundüberzeugungen dieser gelebten "Wild Wild West"-Kultur in einem sich ansonsten weitestgehend zivilisiert gebendem Land kann man als Europäer nur schwer verstehen.

Dazu hätte er aber rechtskräftig verurteilt sein müssen. Das klappt auch in den USA nicht in 11 Tagen.
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(Vor 11 Stunden)lime schrieb: Zumindest ist es erhellend was für ein Typ der Pretti wirklich ist, nicht so lammfromm wie seine Genossen und Freunde der Welt glaubhaft machen wollten. Wer so rabiat vorgeht macht dies aller Wahrscheinlichkeit nach nicht zum ersten Mal.
Ich würde mir das nochmal überlegen, ob du so argumentieren willst.

Denn dieser ältere Vorfall hat keinerlei Einfluss auf den Vorgang der zu seinem Tod geführt hat. Wir sehen in den Videos alle den konkreten Ablauf. Hätte Prettis Vorgeschichte und Persönlichkeit hier mit zu seinem Tod geführt, dann wäre dieser ganz klar keine Fahrlässigkeit mehr, sondern schlicht Mord, denn das würde bedeuten, dass er nicht wegen der Umstände seiner missglückten und situativ nicht gerechtfertigten Festnahme umgekommen ist, sondern absichtlich getötet wurde.

Ich verweise im weiteren auf meine vorhergehenden Ausführungen zu diesem älteren Video, in dem Pretti tatsächlich ein Straftat begeht, für die er damals auch hätte zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Dass das nicht passiert ist, stützt eher noch die These, dass es den ICE-Kräften bei diesen Einsätzen eben nicht primär um die Durchsetzung von Recht und Gesetz geht.

(Vor 9 Stunden)Schneemann schrieb: Du musst aber hierbei selbst auch etwas mehr Kritik an der Personalie Pretti zulassen.
Das kann man tun, habe ich auch selbst (ich weiß, ging nicht gegen mich) getan und mich eindeutig zum strafwürdigen Verhalten Prettis geäußert; nur lässt das ICE eben kein Deut besser dastehen, im Gegenteil, weil sie eben in beiden Fällen mit ihm nicht korrekt gehandelt haben, sondern die Ausübung von Gewalt präferiert haben gegenüber angemessener, zielführender Polizeiarbeit. Das kann man nicht Pretti anlasten, auch wenn sein Angriff im älteren Video verachtenswert und strafbar war.
Zitat:Aber wenn ich derart austicke, blindwütig tobe und herumspucke und Rücklichter von Autos wegtrete - obgleich die Aktivitäten der betreffenden Polizeibehörde mich nicht mal selbst betreffen -, dann mache ich mir schon Gedanken über die psychische Stabilität einer Person. Und wenn ich dann daran denke, dass diese wohl abseits der gezeigten Wutanfälle ein Krankenpfleger war, dann wird mir sehr unwohl.
Was die bewusst unterlassene Strafverfolgung im älteren Video noch viel schlimmer macht.

Das Rücklicht-Video zeigt sehr eindeutig, dass ICE in Minneapolis mit ihren unprofessionellen Vorgehensweisen die Eskalation fördert.
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@Broensen
Zitat:Ich verweise im weiteren auf meine vorhergehenden Ausführungen zu diesem älteren Video, in dem Pretti tatsächlich ein Straftat begeht, für die er damals auch hätte zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Dass das nicht passiert ist, stützt eher noch die These, dass es den ICE-Kräften bei diesen Einsätzen eben nicht primär um die Durchsetzung von Recht und Gesetz geht. [...]

Das Rücklicht-Video zeigt sehr eindeutig, dass ICE in Minneapolis mit ihren unprofessionellen Vorgehensweisen die Eskalation fördert.
Also entschuldige, aber das halte ich für etwas gewagte Thesen. Weil einer der Demonstranten ausrastet, herumtobt, spuckt und gegen Autos tritt, obgleich hunderte wenn nicht tausende Protestierende durchaus friedlich demonstrieren, soll nun ICE an der erkennbaren Gewaltbereitschaft von Mr. Pretti schuld sein? Als nächstes legt einer eine Bombe und dann heißt es, dass das zwar nicht so toll sei, aber dass ja ICE indirekt selbst schuld sei daran wegen ihres harten Vorgehens? Wir ahnen, wohin das führt.

Das macht ICE einerseits nicht von Verantwortung frei. Ich schrieb auch selbst schon, dass ich, säße ich in der Jury, die diesen Fall zu beurteilen hätte, im Falle der Erschießung von Pretti in Richtung voluntary manslaughter tendieren würde. Das macht aber umgekehrt auch Pretti nicht von Eigenverantwortung frei. Und wenn jemand erkennbar gewaltbereit ist, zu derartigen affektiven Ausbrüchen neigt und dann noch bewaffnet auf eine Demonstration geht und sich in den Infight mit Beamten einlässt, dann ist er reif für den Darwin Award.

Schneemann
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(Vor 6 Stunden)Schneemann schrieb: Also entschuldige, aber das halte ich für etwas gewagte Thesen. Weil einer der Demonstranten ausrastet, herumtobt, spuckt und gegen Autos tritt, obgleich hunderte wenn nicht tausende Protestierende durchaus friedlich demonstrieren, soll nun ICE an der erkennbaren Gewaltbereitschaft von Mr. Pretti schuld sein?
Das habe ich doch gar nicht behauptet.
Mein letzter Satz ist eine Schlussfolgerung aus dem Einzelfall auf den Gesamtkonflikt. Dass hier im Fall Pretti nicht der korrekte Weg der Festnahme und Strafverfolgung gewählt, sondern lediglich eine kurze, nicht zielführende Gewaltanwendung praktiziert wurde, fügt sich halt in das Gesamtbild ein. Das hat rein gar nichts direkt mit dem späteren Tod Prettis zu tun. Aber es zeigt eben auf, dass mindestens in diesem Fall nicht die Strafverfolgung im vordergründigen Interesse der Beamten stand, sondern die demonstrative Gewaltanwendung. Sie hätten ihn verhaften oder ignorieren können (was auch falsch gewesen wäre). Aber für das tatsächlich gewälte Vorgehen gibt es nur zwei mögliche Intentionen, die beide keine Rechtfertigung sein sollten:
1. Überforderung
2. Abschreckung
In keiner möglichen Deutung hat das Vorgehen der Wahrung von Recht und Ordnung gedient.
Zitat:Und wenn jemand erkennbar gewaltbereit ist, zu derartigen affektiven Ausbrüchen neigt und dann noch bewaffnet auf eine Demonstration geht und sich in den Infight mit Beamten einlässt, dann ist er reif für den Darwin Award.
Schon, nur ändert das halt nichts an den realen, detailliert dokumentierten Abläufen, die zu seinem Tod geführt haben und die keinerlei Anlass zur Schlussfolgerung geben, diese angenommenen Eigenschaften Prettis hätten direkt zu seinem Tod beigetragen.
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