(Luft) Future Combat Air System (FCAS) und New Generation Fighter (NGF)
(24.04.2026, 20:50)DopePopeUrban schrieb: Ich kenne glaub ich kein Kampflugzeug, dass in seiner seegestützten Variante landgestützt eingesetzt wird, also warum sollte das nun plötzlich hier der Fall sein?

Hornet und Super Hornet sind wohl die prominentesten aktuellen Beispiele für Marineflugzeuge, die weitgehend unverändert auch landgestützt eingesetzt werden. Tatsächlich wäre das auch bei uns der Fall gewesen, wenn es nicht den Wechsel zur F-35 und dem Eurofighter EK gegeben hätte. Eine Ausnahme stellen diese Maschinen auch nicht da, nahezu alle moderneren US-Marinekampfflugzeuge fanden mit nur geringfügigen Anpassungen auch Exportkunden für rein landgestützte Verwendungen, allen voran die vielseitige und in vielerlei Hinsicht kampferprobte Skyhawk (sofern es nicht spezielle, landgestützte Ableitungen gab). Letzteres ist ein weiterer Aspekt, es wurden durchaus Kampfkräfte, Leistungsfähige und zum Teil legendäre landgestützte Kampfflugzeuge von Marinekampfflugzeugen abgeleitet, wie beispielsweise die Phantom II oder die Corsair II (erstere auch bei unserer Luftwaffe im Einsatz, letztere Stand zumindest mal im Raum, ähnlich wie eine von der Hornet abgeleitete Version). Wie relevant diese Blicke in die Historie sind sei dahingestellt, auch das hier immer wieder angeführte Beispiel, aus einem guten Luftüberlegenheitsjäger konnten bereits erfolgreich Mehrzweckkampfflugzeuge/Jagdbomber abgeleitet werden, während das umgekehrt nicht der Fall war, ist zwar so nicht falsch, aber auch nur ein Teil der Wahrheit (es gibt auch Beispiele, bei denen das eben nicht funktioniert hat), und eben vor allem historisch relevant. Denn insbesondere aufgrund der Zellenanforderungen hinsichtlich er Signaturreduzierung ist das ganze inzwischen wesentlich komplizierter geworden. Historisch betrachtet waren operativ wandlungsfähige Maschinen im Vorteil gegenüber (maximal) optimierte Spezialisten, bei Nutzungszeiten von inzwischen etlichen Dekaden mit aktuell unvorhersehbaren Anforderungen für 2050, 2060 und darüber hinaus ergibt das auch auf die Zukunft projiziert durchaus Sinn. Was das aber konkret bedeutet, und ob nun schwerere, größere Muster oder kleinere, leichtere (wovon ich ausgehen) sinnvoller sind, kann lang und breit (und ohne abschließendes Ergebnis) diskutiert werden.

Das Problem an der Diskussion zu diesem Thema im Rahmen des NGF sind in meinen Augen zwei Punkte, die ich hier auch schon mehrfach angebracht habe:
1) die eigenen Anforderungen werden hier in der Diskussion sakrosankt behandelt, obwohl es historisch betrachtet (und das wird hier in vielerlei Hinsicht gern gemacht, hätte demnach also auch hier seine Berechtigung) keinesfalls Sinn ergibt zu glauben, was gefordert wird ist tatsächlich singulär betrachtet das beste, kampfkräftigste oder perspektivisch notwendige.
2) die Opportunitätskosten werden zu gering betrachtet und allenfalls angerissen. Da es keine Gesamteuropäische Strategie und Beschaffungsplanung gibt, ist die Verklärung der aktuellen Situation mit mehreren unterschiedlichen Mustern (mit unterschiedlichen Schwerpunkten) als sinnvolle Komposition von Fähigkeiten nicht haltbar, und die Stückzahlen sind insgesamt zu gering.

In der Summe wird aktuell und zukünftig schlicht und einfach massiv Geld sowie personelle und industrielle Ressourcen verschwendet in Auseinandersetzungen um Fähigkeiten, die bei ihrer Umsetzung keine Stärkung der Kampfkraft in der Gesamtbetrachtung liefern, sondern im Gegenteil diese herabsetzen. Und weil auf diesem Wege keine Lösungen gefunden werden können, behaupte ich, dass nicht einmal individuelle Spitzenleistungen erreicht werden - weil letztlich dafür die Ressourcen fehlen. Europa hätte die Fähigkeiten, mehr als ein Kampfflugzeugprogramm zu stemmen, und es könnte sich auch organisatorisch so aufstellen, dass das tatsächlich Sinn ergibt. Es wird aber nicht gemacht, es geht allenortens um nationale Eitelkeiten und Staatsegoismus statt tatsächlicher Zukunftsperspektive. Erreicht wird damit maximal Mittelmaß.
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