Gestern, 14:18
(Gestern, 07:29)Leuco schrieb: In meiner Vorstellung handelt es sich beim NGF weder um einen Bomber, noch um einen Jäger. Für mich ist das Flugzeug der Knotenpunkt zu den Wingman, welche den Luft Luft und Luft Boden Kampf übernehmen. Aufgabe des NGF ist die Koordination und der elektronische Kampf (Wingman werden natürlich auch elektronischen Kampf beherrschen).Eben. Es wird perspektivisch nur noch einen bemannten Kampfjet geben, der über den Verbund alle Rollen abdeckt. Die Fragestellung kann also nicht sein "Jäger oder Jagdbomber?", sondern welche Grundauslegung dieses eine verbliebene Mehrzweckmuster haben muss.
Zitat:Wenn man das konsequent verfolgt liegen die wichtigsten Merkmale im Bereich Stealth und Elektronischem Kampf. Wie wichtig hier die Flugeigenschaften sein müssen, ist für mich fraglich.Der elektronische Kampf wird eben auch über den Verbund gelöst werden, tlw. über spezialisierte Stand-off-Plattformen, teils über stand-in-CCAs. Auch da wird der Anteil von technischen Komponenten an Bord des bemannten Jets sinken, so wie das auch bei der Bewaffnung der Fall sein wird. Es verbleibt ein fliegender Netzwerkknoten mit Entscheidungsgewalt.
Dessen Auslegung wird also kaum noch etwas damit zu tun haben, welchen Auftrag der Verbund ausführt, weil er letztlich für alle Aufträge geeignet sein muss, ohne die dafür jeweils erforderlichen Systeme selbst vorhalten zu müssen.
D.h., der bemannte Kampfjet der 6th Gen kann sich mMn hinsichtlich seiner Auslegung voll konzentrieren auf:
1. Signaturreduzierung, um den Verbund möglichst weit "vorne" bzw. im umkämpften oder sogar feindlichem Luftraum betreiben zu können
2. Kommunikations- und Führungs-Kapazitäten, um möglichst viele unbemannte Komponenten, möglichst weit disloziert, mit möglichst wenig bemannten Kampfjets einsetzen zu können.
3. Flugeigenschaften, um eine hohe Überlebensfähigkeit in umkämpftem Luftraum zu gewähren
4. Reichweite/Ausdauer, um die Infrastruktur in sicherem Abstand zu betreiben und möglichst viel Aufträge je Start erledigen zu können
1. und 2. sind eigentlich keine Auslegungsentscheidung, sondern Leistungsmerkmale, die einer Kosten/Nutzen-Rechnung unterliegen. Entscheidend bei der Auswahl der fliegenden Plattform werden also primär 3. und 4. werden.
Deshalb kann man vereinfacht sagen, dass die Auslegung eher den primären Anforderungen eines Luftüberlegenheitsjägers (Leistung) folgen dürfte, als der eines Jagdbombers (Nutzlast). Alle anderen Aspekte lassen sich mMn nur noch schwer auf diese beiden Grundmuster herunterbrechen, deren Unterscheidung es eben so zukünftig auch nicht mehr geben wird.
Zitat:In wie weit man hier auf dem Eurofighter aufbauen kann, kann ich nicht einschätzen.Ich auch nicht, es würde mich aber wundern, wenn der Jäger 90 hinsichtlich der seiner Grundkonstruktion das Potential hätte, die Signaturanforderungen der 2050er-Jahre zu erfüllen.
Der EF wird noch lange in seinen Weiterentwicklungen konkurrenzfähig sein, aber als Basis einer 6th Gen würde ich ihn nicht mehr sehen. Allerdings kann er auf dem Weg dahin vieles vereinfachen, indem er die Funktion des Netzwerkknotens evolutionär übernimmt, bis ein "NGF" zuläuft. Außerdem wird er auch dann noch Teile des Luftkampfverbunds (ECR) stellen, die erst nach und nach auf neue, meist unbemannte Systeme übertragen werden können.
(Gestern, 09:54)Frank353 schrieb: Ich denke nicht, dass wir zwei Mann Cockpits bekommen werden, auch wenn ich dafür Sympathien habe.Da wird einiges kommen, aber solange wir Menschen dort oben haben wollen, wird die Belastung für diese Menschen trotzdem weiter zunehmen. Nicht unbedingt, weil die eigentliche "Arbeit" mehr wird, sondern weil immer mehr Aspekte Berücksichtigung durch den Menschen erhalten und immer schneller Entscheidungen getroffen werden müssen. Die Arbeitsbelastung mag durch KI sinken, die psychische steigt. Und gerade da ist die Verteilung auf zwei Personen von großem Vorteil. Ebenso bei Missionen hoher Ausdauer, wie sie mit einem Luftkampfverbund mit unbemannten Komponenten möglich sein wird, die einfach während der Mission ausgetauscht werden können, während die bemannte Komponente im Einsatzrum verbleibt. Man wird so ja quasi im Flug "nachladen können", was enorm Kapazitäten einspart, die sonst durch Start, Landung, An- und Abflug der Kampfjets verschwendet würden.
Aus meiner Sicht werden zukünftig KIs die Piloten bei Missionen unterstützen, Centaur hat bereits überraschend gute Ergebnisse gezeigt. Zumal auch Piloten knapp sind.
Ich befürchte zwar, dass du letztlich Recht behalten wirst und wir KI-unterstützte Einsitzer bekommen werden, halte das aber auf lange Sicht nicht für die beste Lösung.
(Gestern, 13:55)DopePopeUrban schrieb: Das Konzept der CCA/Remote Carrier ist sinnvoll und wird entsprechende Mehrleistung mit sich bringen, aber es handelt sich dabei um einen Systemkomplex, den sich der Großteil dieser Welt niemals leisten können wird. ... Wenn eine Luftwaffe ohnehin nur 2x Staffeln mit sagen wir insgesamt 30x Kampfflugzeugen unterhält, wird die nicht gewillt sein, das auf nur 1x Staffel + Remote Carrier zu kürzen, weil das natürlich auch zu Verfügbarkeitsproblemen führt.Das stimmt, allerdings schließt sich dann auch schnell die Frage an, ob wir überhaupt wollen, dass andere dieses System erhalten. Ich bin da bekanntlich der Meinung: Nein. Diejenigen außerhalb Europas, denen wir so etwas fortschrittliches verkaufen würden, sind ähnlich wohlhabend wie wir und könnten sich das leisten, sofern es denn überhaupt in ihre Anforderungen passt.
Zitat:Entsprechend sollte man einen NGF auch in gewisser Weise darauf vorbereiten, dass er potenziell ohne CCA/Remote Carrier genutzt werden kann.Das sehe ich etwas anders. Generell wird ein NGF immer auch eine Grundbefähigung zum Verbund-unabhängigen Einsatz haben müssen, der kann sich aber auf Luftkampf/Eigenschutz beschränken. Auf jeden Fall wird sich seine Bewaffnung auf das beschränken müssen, was intern mitgeführt werden kann.
Mein Fazit daraus wäre eher, dass es tatsächlich min. zwei NGF innerhalb von FCAS geben sollte, um unsere 4th+Gen-Flugzeuge abzulösen. Nämlich eben einen "puren", stark exportbeschränkten NextOne(6th)GenFighter, der nur im Verbund seine Leistung entfaltet, und einen "aufgeweichten", exportfähigen Next(5th+)GenFighter, der auch ohne CCA & Co. funktioniert. Das würde viele Vorteile mit sich bringen, wie bspw.:
- ähnliche Leistungsklasse beim Triebwerk möglich, weil der N(5+)GF mehr Nutzlast und der N(6)GF mehr Flugleistung erfordert
- Trägerfähigkeit kein Thema, da nur für N(5+)GF relevant
- Exportbeschränkungen und Industrieanteile einfacher zu handhaben
- etc.
Zitat:Was bspw auch durch den ohnehin erforderlichen zweiten Sitz einfacher gemacht wird, sei es eine JaBo, EW, SEAD, etc -Rolle.Das sind für mich dabei nicht die entscheidenden Kriterien, sondern eher die Auslegung hinsichtlich der Aufnahme von Nutzlasten. Für einen N(6)GF kommt mMn das externe Tragen von Raketen und nicht-signaturoptimierten Pods nicht in Frage. Dementsprechend eingeschränkt wäre er ohne seine CCA in der JaBo-Rolle.
Eventuell könnte es sogar auf eine gemeinsame Zelle in zwei Ausführungen hinauslaufen, wobei ich da nicht sehe, wie das mit Frankreich als Partner funktionieren soll, weil man in dem Fall den teuren N(6)GF entwickeln und bauen müsste, um dann davon dann den günstigeren N(5+)GF ableiten zu können, was nicht zu den Exportambitionen von Dassault passen dürfte.
