18.02.2026, 21:34
Statt interner Debatten: Wird die US-Sicherheitspolitik in Europa gerechtfertigt?
Zitat:„Europa ist die Geheimwaffe der USA“: Ex-General teilt hart gegen Trump-Regierung ausKopie hier
Die Münchner Sicherheitskonferenz wurde in diesem Jahr zur Bühne für eine grundsätzliche Debatte über den Kurs der Vereinigten Staaten. Zwei Vertreter der Regierung von US-Präsident Donald Trump verteidigten dort eine sicherheitspolitische Neujustierung. Ein ehemaliger US-General hält diesen Ansatz für gefährlich – und warnt vor strategischen Folgen.
Außenminister Marco Rubio und Verteidigungsstaatssekretär Elbridge Colby hätten in München deutlich gemacht, dass die Regierung Europas Bündnisse nicht in bisheriger Form fortführen wolle, schreibt der frühere Oberbefehlshaber der US-Armee in Europa, Mark Hertling, in einem Beitrag für das US-Online-Magazin „The Bulwark“. Beide hätten zwar unterschiedliche Töne angeschlagen, in der Sache aber dieselbe Linie vertreten: Europa müsse primär selbst für seine Verteidigung sorgen, während Washington seinen Fokus auf den Indo-Pazifik lege.
Hertling übersetzt diese Signale in klare Worte. Die Regierung verstehe den Wert der europäischen Allianzen nicht ausreichend, schätze sie nicht und wolle nicht weiter in sie investieren. In München, wo jedes Wort als politisches Signal gewertet werde, sei genau das angekommen.
„Transaktionales“ Denken untergräbt Abschreckung
Besonders kritisch sieht Hertling die Art, wie das Bündnisdenken formuliert werde. Wenn Allianzen vor allem als Kostenfrage oder als Geschäft betrachtet würden, schwäche das die Abschreckung und gefährde den Zusammenhalt der NATO: „Diese Regierung versteht Amerikas europäische Allianzen nicht, schätzt sie nicht und wird nicht in sie investieren.“ Die Botschaft, Europa müsse „auf eigenen Füßen stehen“, werde in vielen Hauptstädten als Bedingung verstanden: Die USA stünden nicht mehr verlässlich an ihrer Seite. Er fasst es so zusammen: „Europa ist Amerikas Geheimwaffe. Und wir geben sie auf.“
Hertling widerspricht zudem der Darstellung, die amerikanische Militärpräsenz in Europa sei vor allem ein Entgegenkommen gegenüber Verbündeten. Stützpunkte in Deutschland, Italien, Spanien oder Polen ermöglichten schnelle Reaktionen auf Krisen im Nahen Osten, in Afrika oder Eurasien. Einrichtungen wie Ramstein, Landstuhl oder das Hauptquartier in Wiesbaden seien integraler Bestandteil globaler Einsatzfähigkeit.: „Die US-Militärpräsenz in Europa ist kein Akt der Wohltätigkeit, sondern strategische Hebelwirkung.“
Ohne diese Präsenz würden Reaktionszeiten länger, Risiken größer und Optionen enger. Wer sie als bloßen Kostenfaktor darstelle, verkenne ihren Nutzen für amerikanische Interessen.
Verteidigungsausgaben und politisches Narrativ
Rubio und Colby hätten in München erneut betont, Präsident Donald Trump habe europäische Staaten zu deutlich höheren Verteidigungsausgaben gedrängt. Hertling hält dem entgegen, dass der Anstieg bereits nach der Annexion der Krim 2014 eingesetzt habe und sich nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 beschleunigt habe. Das Zwei-Prozent-Ziel sei 2014 beim NATO-Gipfel in Wales unter Präsident Obama vereinbart worden.
Auch die Behauptung, einige europäische Länder gäben inzwischen fünf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung aus, treffe nicht zu. Nur Polen habe zuletzt etwa 4,5 Prozent erreicht. Die USA selbst planten für 2025 und 2026 rund 3,2 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ein.
Für Hertling geht es jedoch nicht nur um Zahlen. Bündnisse seien kein Almosen, sondern der zentrale strategische Vorteil der Vereinigten Staaten. Stabilität in Europa ermögliche es Washington überhaupt erst, sich stärker auf den Indo-Pazifik zu konzentrieren. Instabilität dagegen binde Kräfte und Aufmerksamkeit. Vertrauen in Allianzen wachse langsam, könne aber rasch verspielt werden. Wer sie als reine Transaktion behandle, riskiere einen Verlust, der sich nicht kurzfristig ausgleichen lasse.
