Vor 5 Stunden
(Gestern, 22:24)Schneemann schrieb: ...wir werden uns schwer einig - Kern meiner Überzeugung ist, dass es zwischen dem Geschehen am Straßenrand "mit Todesfolge" und dem Wochen vorher erfolgten "tritt auf einen Kotflügel" bzw, "auf Rücklichter" keinen offensichtlich erkennbaren Zusammenhang gibt.
Und nochmal: Ich kann Pretti nicht beurteilen, du aber auch nicht. Wenn er am Straßenrand gestanden hätte, ein Plakat hochgehalten und "ICE raus!" skandiert hätte, dann würde ich ihm sicher keinen Strick daraus drehen. Es wäre seine Meinung und er darf frei demonstrieren und seine Meinung sagen und rausschreien. Und das ist gut so - und ein Beleg für die Meinungsfreiheit in den USA. Aber diese Ausraster, und dazu zähle ich das Gegeifere und das Wegtreten von Rücklichtern, und dann das Hineingehen in eine Demo mit einer Waffe, hinterlassen einen doch schalen Beigeschmack dahingehend, dass wir es eben nicht mit einem "nur" freundlichen Menschen und der netten ICU-Nurse von Gegenüber zu tun haben.
Schneemann
Für die Todesschüsse (durch immerhin zwei Beamte) ist daher ausschließlich das Geschehen am Straßenrand zu beurteilen, das durch Video-Aufnahmen aus unterschiedlichen Blickwinkeln umfassend dokumentiert ist.
Aber selbst, wenn einer der beteiligten Beamten von dem weiteren, Wochen vorher erfolgten Tritt auf den Kotflügel gewusst hätte, vielleicht sogar an dieser Auseinandersetzung unmittelbar beteiligt war (wofür es keinerlei Aussagen gibt) - ein solcher Tritt rechtfertigt in keiner Weise um die zehn gezielte Schüsse auf eine niedergerungene Person.
Die Begriffe "Verhältnismäßigkeit" und "Übermaßverbot" gelten nicht nur bei uns (da sind sie sogar kodifiziert - vgl. z.B. Art. 8 LStVG) - sondern sollten in einem Rechtsstaat universell gelten. Man kann schlicht auf einen Tritt an einen Kotflügel Wochen später nicht mit einer Serie von tödlichen Schüssen reagieren. Das sind Methoden, die nur in Diktaturen erwartet werden.
Nun kenne ich die US-Rechtsgrundlagen und die Rechtsprechung zum Sicherheitsrecht in den USA zu wenig, um ausführen zu können, wann, wie und womit die beteiligten Beamten selbst konkret Fehler begangen haben. Aber die Rechtfertigungsversuche, die - bis hin zum GröPaZ - auch bei uns durch die Medien gelaufen sind, waren für mich untragbar. Ich werde derzeit und in absehbarer Zukunft jedenfalls einen weiten Bogen um die USA machen. Heute fühle ich mich in anderen Staaten, sogar in Afrika, deutlich sicherer. Und erkläre mir jetzt nicht, ich sei überempfindlich oder übervorsichtig. Ich habe vor Jahren auch zu Fuß die "besonderen Viertel" etwa von Chicago oder New York durchstreift, und hatte nie Ängste vor irgendwelchen Übergriffen.
