05.01.2026, 14:09
Werter Nightwatch:
Ja, aber was hat das mit mir zu tun? du diskutierst ja hier mit mir und nicht mit diesen anderen. Ich war und bin gegen den Haftbefehl für Netanyahu und es soll nun keiner daher kommen und behaupten ich wäre ein Netanyahu-Freund oder würde diese Person in irgendeiner Weise positiv sehen. Meine Kritik an ihm sollte allgemein bekannt sein. Und trotzdem: man tut so etwas nicht, aus ganz praktischen rationalen Gründen.
Da stimme ich dir absolut zu. Aber die USA haben aktuell auch ein deutlich schlechteres strategisches Denken als sie es früher hatten. Das strategische Denken von Trump ist gerade eben auch schlecht, genau darin liegt das Problem.
Die Effekte werden massiv negativ sein. Die aktuelle Clique wird ihre Macht noch stärker zementieren können, weil jetzt von den USA abgesegnet bzw. im US Lager. Die Missstände werden noch weiter wachsen. Der Drogenhandel wird massiv zunehmen und schließlich auch zunehmend von Venezuela in die USA gehen (Exploration neuer Märkte). Das Drogenproblem aus Venezuela wird für die USA massiv zunehmen. Es wird mehr Flüchtlinge aus Venezuela geben und schließlich der Staat noch weitergehender ein Failed State werden.
Gerade dadurch, dass man Maduro so extrahiert hat, aber seiner Clique weiterhin die Macht dort gibt, gerade dadurch verschlimmert man noch die Probleme.
Bisher war Venezuela ein geringes Problem für die USA. In Zukunft wird es ein wachsendes Problem sein. Und dass sind mal nur die Folgen für Venezuela selbst. Was da noch alles dran hängt an Fernwirkungen in anderen Ländern usw. ist noch gar nicht richtig kalkulierbar. Warte es nur ab: ganz am Ende wird Westtaiwan mehr Öl aus Venezuela erhalten als jetzt, der Drogenschmuggel aus Venezuela in die USA viel massiver sein als jetzt und die USA und andere Staaten mehr Flüchtlinge aus Venezuela haben als jetzt.
Drogenkartelle sind mein Interessengebiet. Es gibt kein Cartel de los Soles. Das ist eine Chimäre wie die Massenvernichtungswaffen im Irak.
Aber du hast natürlich durchaus recht damit, dass ein solches bloßes Konstrukt ja bloß funktional sein muss im Sinne der eigenen Zielsetzung. Also ist es natürlich irrelevant ob es wirklich existiert oder nicht.
Ich würde in diesem Punkt durchaus zustimmen, dass Venezuela mit Maduro (nach öffentlich zugänglichen Erkenntnissen) kein sonderlich großes Problem gewesen ist, dass man unbedingt jetzt hätte auf diese Weise angehen müssen. Andererseits war es wohl eine Low-Hanging-Fruit und man meinte mit relativ wenig Aufwand einiges Erreichen.
Wenn man aber so was aber schon abzieht, braucht man exakte und präzise Pläne die dann abspulen wie es dann weitergeht.
Mein rein persönlicher Eindruck ist, dass die USA solche Pläne jetzt nicht haben und man genau so dasteht wie nach der Eroberung von Bagdad. Nämlich mit einem nicht sehr intelligenten Gesichtsausdruck und der Erkenntnis, dass man eigentlich keinen Plan hat, wie es jetzt konkret weiter gehen soll.
Auch das geht völlig an mir vorbei, denn ich argumentiere hier ja nicht moralisch, sondern rein funktionalistisch.
Das wir in der Lawfare schlechter sind als viele unserer Feinde heißt ja nicht, dass Lawfare nicht ausgesucht nützlich und gut wäre. Oder das man den Aspekt Law einfach derart ignorieren sollte.
Mit meiner Ansicht nach (These) katastrophalen Fernwirkungen auf lange Sicht gesehen.
Ich sehe das eher umgekehrt. Die USA haben gerade eben deshalb so eine dominante Rolle erreicht, weil sie das forciert haben. Den Staaten / Systeme / Kulturen wirken auf andere nicht nur über militärische Überlegenheit, sondern vor allem auch durch ihre sozialkulturelle Anziehungskraft, die Soft Power. Die Menschen bevorzugten die USA wegen ideeler Werte, wegen ihrer Soft Power, weil sie entgegen ihrer realen Handlungen für das Gute stand bzw. die Illusion erwecken konnte, zumindest besser zu sein als der Gegner.
Und das verspielt man jetzt sinnlos für ein paar kurzfristige Gewinne und etwas Spektakel.
Zitat:Ja, aber diejenigen die sich jetzt groß empören waren die ersten, die bei Netanyahu Beifall geklatscht haben. Sieht man ja auch schön hier
Ja, aber was hat das mit mir zu tun? du diskutierst ja hier mit mir und nicht mit diesen anderen. Ich war und bin gegen den Haftbefehl für Netanyahu und es soll nun keiner daher kommen und behaupten ich wäre ein Netanyahu-Freund oder würde diese Person in irgendeiner Weise positiv sehen. Meine Kritik an ihm sollte allgemein bekannt sein. Und trotzdem: man tut so etwas nicht, aus ganz praktischen rationalen Gründen.
Zitat:Ob diese Aktion der USA insgesamt und langfristig gesehen nützt ist ein völlig andere Frage als die nach dem Völkerrecht. Und genau das ist aus europäischer Sicht ein Problem: Wir haben kein strategisches Denken
Da stimme ich dir absolut zu. Aber die USA haben aktuell auch ein deutlich schlechteres strategisches Denken als sie es früher hatten. Das strategische Denken von Trump ist gerade eben auch schlecht, genau darin liegt das Problem.
Zitat:Meine subjektive Einschätzung des Nutzens der Aktion: Wenn sie mittelfristig dazu führt, dass es Neuwahlen gibt und die Opposition an die Macht kommt könnte sich sehr viel in einem für die USA positiven Sinne bewegen. Ich rechne allerdings damit, dass die jetzige Clique noch eine ganze Zeit lang weiterwurschteln und Trump das für einige wenige erpresste Vorteile absegnen wird. Der Effekt insgesamt ist damit gering.
Die Effekte werden massiv negativ sein. Die aktuelle Clique wird ihre Macht noch stärker zementieren können, weil jetzt von den USA abgesegnet bzw. im US Lager. Die Missstände werden noch weiter wachsen. Der Drogenhandel wird massiv zunehmen und schließlich auch zunehmend von Venezuela in die USA gehen (Exploration neuer Märkte). Das Drogenproblem aus Venezuela wird für die USA massiv zunehmen. Es wird mehr Flüchtlinge aus Venezuela geben und schließlich der Staat noch weitergehender ein Failed State werden.
Gerade dadurch, dass man Maduro so extrahiert hat, aber seiner Clique weiterhin die Macht dort gibt, gerade dadurch verschlimmert man noch die Probleme.
Bisher war Venezuela ein geringes Problem für die USA. In Zukunft wird es ein wachsendes Problem sein. Und dass sind mal nur die Folgen für Venezuela selbst. Was da noch alles dran hängt an Fernwirkungen in anderen Ländern usw. ist noch gar nicht richtig kalkulierbar. Warte es nur ab: ganz am Ende wird Westtaiwan mehr Öl aus Venezuela erhalten als jetzt, der Drogenschmuggel aus Venezuela in die USA viel massiver sein als jetzt und die USA und andere Staaten mehr Flüchtlinge aus Venezuela haben als jetzt.
Zitat:Es gibt zum Cartel de los Soles ein reguläres juristisches Verfahren.
Drogenkartelle sind mein Interessengebiet. Es gibt kein Cartel de los Soles. Das ist eine Chimäre wie die Massenvernichtungswaffen im Irak.
Aber du hast natürlich durchaus recht damit, dass ein solches bloßes Konstrukt ja bloß funktional sein muss im Sinne der eigenen Zielsetzung. Also ist es natürlich irrelevant ob es wirklich existiert oder nicht.
Ich würde in diesem Punkt durchaus zustimmen, dass Venezuela mit Maduro (nach öffentlich zugänglichen Erkenntnissen) kein sonderlich großes Problem gewesen ist, dass man unbedingt jetzt hätte auf diese Weise angehen müssen. Andererseits war es wohl eine Low-Hanging-Fruit und man meinte mit relativ wenig Aufwand einiges Erreichen.
Zitat:Das ist auch mein Eindruck. Man glaubte, hier ohne großen Aufwand und mit extrem geringen Kosten für sich Vorteile nebenbei generieren zu können. Weil man zu kurzfristig denkt.
Wenn man aber so was aber schon abzieht, braucht man exakte und präzise Pläne die dann abspulen wie es dann weitergeht.
Mein rein persönlicher Eindruck ist, dass die USA solche Pläne jetzt nicht haben und man genau so dasteht wie nach der Eroberung von Bagdad. Nämlich mit einem nicht sehr intelligenten Gesichtsausdruck und der Erkenntnis, dass man eigentlich keinen Plan hat, wie es jetzt konkret weiter gehen soll.
Zitat:Ich verstehe nicht, wie mancher sich so zwanghaft an ein zutiefst unmoralisches Konstrukt klammern kann während man sich gleichzeitig für die Moralweltmeister schlechthin hält.
Auch das geht völlig an mir vorbei, denn ich argumentiere hier ja nicht moralisch, sondern rein funktionalistisch.
Das wir in der Lawfare schlechter sind als viele unserer Feinde heißt ja nicht, dass Lawfare nicht ausgesucht nützlich und gut wäre. Oder das man den Aspekt Law einfach derart ignorieren sollte.
Zitat:Dann schauen wir mal was jetzt bei Trumps Variation rumkommt. Bislang zeichnet es sich ja durch eine sehr limitierte und chirurgische Anwendung von Gewalt aus.
Mit meiner Ansicht nach (These) katastrophalen Fernwirkungen auf lange Sicht gesehen.
Zitat: Ist das denn so? Nützt den USA das Völkerrecht wirklich mehr als man sich dadurch limitiert? Man könnte durchaus argumentieren, dass die USA eine noch wesentlich dominantere Rolle in der Welt hätten spielen können, wenn man nach dem Krieg nicht so sehr auf die Herausbildung internationaler Normen gesetzt hätte.
Ich sehe das eher umgekehrt. Die USA haben gerade eben deshalb so eine dominante Rolle erreicht, weil sie das forciert haben. Den Staaten / Systeme / Kulturen wirken auf andere nicht nur über militärische Überlegenheit, sondern vor allem auch durch ihre sozialkulturelle Anziehungskraft, die Soft Power. Die Menschen bevorzugten die USA wegen ideeler Werte, wegen ihrer Soft Power, weil sie entgegen ihrer realen Handlungen für das Gute stand bzw. die Illusion erwecken konnte, zumindest besser zu sein als der Gegner.
Und das verspielt man jetzt sinnlos für ein paar kurzfristige Gewinne und etwas Spektakel.

