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Zitat:Irrationalität ist in der Unbeirrbarkeit begründet, mit welcher die fixe Idee "allen Unkenrufen zum Trotz" weiterverfolgt wird, ohne Rücksicht auf Kosten.
Den Krieg zu beenden erzeugt aber auch Kosten für die russische Gesellschaft da diese wirtschaftlich inzwischen sehr weitgehend vom Krieg abhängig ist, es erzeugt soziale Kosten wenn die Veteranen heimkehren, es erzeugt hohe politische Risiken eines Umsturzes usw.
Die Frage ist, inwieweit Putin sich nicht längst in eine Zwickmühle hinein manövriert hat, aus welcher er schlussendlich gar nicht mehr heraus kommt und in welcher die Fortführung des Krieges langfristig genau so schlecht wäre (spezifisch für ihn) wie kurzfristig ein Ende des Krieges für ihn schlecht wäre?!
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Laut Financia Times verknüpfen die USA ein Friedensabkommen und Sicherheitsgarantien mit einerr Donbas-Aufgabe. Dies obwohl Selenski zuletzt von einer quasi Unterschritsreife bzgl. der Sicherheitsgarantien geredet hatte. Möglich also, dass diese Volte erst unmittelbar kürzlich von der Trump-Admin hinzugefügt worden ist. Es bleibt also dabei: man will die Ukraine aus Desinteresse, Ignoranz oder Absicht für die zweite Russenwelle sturmreif verhandeln. Dass die Sicherheitsgarantien vermutlich eh nichts Wert wären, kommt hinzu.
Die Ukrainer haben somit weiterhin die Wahl zwischen dieser Art der Kapitulation oder einem Weitermachen mit der Aussicht, dass Ihnen wegen "Undankbarkeit" ganz der Saft US-seits abgedreht wird. Dagegen spricht zumindest aus waffenlierungstechnischer Sicht, dass sich die USA selber ins Knie schießen würden, da die EU ja bezahlt. Interessant in dem Zusammenhang auch das Angebot (laut FT), noch mehr Waffen zu liefern, wenn man den Donbas aufgeben und ein Abkommen unterzeichnen würde.
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Ich sehe das schlussendlich umgedreht: man will ihnen den Saft abdrehen und sucht dafür nach Vorwänden. Man konstruiert also unanehmbare aber nach außen hin scheinbar annehmbare Positionen gerade eben weil man ihnen den Saft abdrehen will und dies das eigentliche Primärziel darstellt.
Die Verhandlungen dienen daher nur der Einstellung der Ukrainehilfen - wobei man dann die "Schuld" an dieser Einstellung auch noch den Ukrainern zuschieben kann.
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Ja Quintus, das wäre ebenfalls plausibel. Oder weitere Zwischenschritte auf dem Weg dorthin. Etwa, dass Trump für Satellitendaten Geld fordert (das ist imho bisher nicht der Fall bzw. nicht bekannt?). Der im Ausbau begriffene Festungsgürtel liegt teilweise in Donesk, teilweise westlich, also hinter der Oblast. Als letzte Barriere bis zum großen Fluss. Es erscheint immer noch nicht vorstellbar, dass die Bevölkerung in einem Referendum, das Selenski vorschalten würde, einer Aufgabe zustimmen würde. Zumindest deuten letzte Umfragen nicht darauf hin.
Also weitermachen und -wurschteln, irgendwie. Die Ukrainer sind außerordentlich zäh, auch wenn der Kitt bröckelt. Wie würde eine dt. Bevölkerung zu diesem Zeitpunkt agieren? Gefühlt auch weniger Öl-Infrastruktur-Angriffe der UA. Entweder war der Flamingo ein Rohrkrepierer, der hinter den Kulissen mehr Probleme macht, oder es sind mittlerweile +1.000 Stück auf Halde, von denen wir irgendwann hören werden.
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Zitat: Laut Financia Times verknüpfen die USA ein Friedensabkommen und Sicherheitsgarantien mit einerr Donbas-Aufgabe.
Wenn jemand den Originalartikel hat...
Bei Reuters steht es so: The Trump administration has signalled to Ukraine that U.S. security guarantees depend on Kyiv agreeing to a peace deal likely requiring it to cede the Donbas region to Russia, the Financial Times reported on Tuesday, citing eight people familiar with the talks.
Das kann man übertragen auch so lesen: Die USA haben signalisiert, dass sie Sicherheitsgarantien nur im Rahmen eines Friedensvertrages abgegeben werden. Punkt. Für einen Friedensschluss müsste die Ukraine wahrscheinlich den Donbas an Russland abgeben.
Das gibt letztlich nur die russische Position in dem ganzen fruchtlosen Theater wieder und bedingt keine Änderung der US-Position in Richtung "wenn ihr den Donbas nicht abgebt, gibt es auch keine Sicherheitsgarantien". Verknüpft sind Sicherheitsgarantien damit lediglich mit einem Friedensschluss (den es eh nicht geben wird).
Dafür spricht auch (Reuters): A person familiar with the U.S. position told the newspaper that Washington was "not trying to force any territorial concessions upon Ukraine," adding that security guarantees depend on both sides agreeing to a peace deal.
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Eine Analyse des Centers for Strategic and International Studies (CSIS) sieht den Ukraine-Krieg als wohl verlustreichsten zwischenstaatlichen Konflikt seit Ende des Zweiten Weltkriegs an. ( Quelle) Den Autoren zufolge hat keine Großmacht seit 1945 höhere militärische Verluste erlitten als Russland.
Die Geschwindigkeit des russischen Vormarsches liege im Mittel bei 15 m täglich, mit Spitzen bis zu 70 m; in keinem Krieg der vergangenen hundert Jahre seien Geländegewinne in langsamerem Tempo verzeichnet worden.
Die russischen Verluste werden auf 1,2 Mio. Soldaten beziffert, davon mindestens 325.000 Gefallene. Das CSIS schätzt, dass die Gesamtverluste beider Seiten in diesem Frühjahr die Marke von 2 Mio. Kombattanten erreichen werden.
Laut dem Bericht wird sich der Krieg äußerst negativ auf den Wohlstand und die Stabilität des russischen Staates auswirken.
Während die Wirtschaft zwar kurzfristig von kriegsbedingten staatlichen Mehrausgaben sowie vom Eintrag höherer Löhne und Prämien in den Wirtschaftskreislauf profitiert habe, drohe Russland mittelfristig zur "drittklassigen Wirtschaftsmacht" herabzusinken.
Insbesondere im Bereich der Spitzentechnologien (wie künstliche Intelligenz) habe Russland keine Hoffnung mehr, zu Nationen wie China oder den USA aufzuschließen. Das Volumen der russischen Wirtschaft verschleiere ihre praktisch nicht vorhandene Wettbewerbsfähigkeit; so finde sich beispielsweise kein einziges russisches Unternehmen unter den 100 weltweit führenden Technologiekonzernen.
Als Gründe für ihre negative Vorhersage führen die Autoren an: - Verlust von Arbeitskraft durch Tod und Verwundung
- Brain-Drain durch Abwanderung
- ausländische Sanktionen, Unfähigkeit der Substitution wichtiger Importgüter
- Abzug ausländischen Kapitals
- Verschiebung des verbliebenen wirtschaftlichen Potenzials in die Kriegswirtschaft
- Wegfall von Investitionen in Forschung oder Erneuerung der Infrastruktur
- drastischer Rückgang des industriellen und gewerblichen Outputs in allen Bereichen, die nicht unmittelbar mit dem Krieg zusammenhängen
- dauerhaft hohe Inflation
- dauerhaft schwache Verbrauchernachfrage
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Dazu:
Zitat: ...
+++ 02:56 US-Denkfabrik: Mindestens 400.000 Soldaten im Ukraine-Krieg getötet +++
US-Verteidigungsexperten gehen von mindestens 400.000 getöteten Soldaten im Ukraine-Krieg aus. Mit mindestens 325.000 toten Soldaten habe die russische Seite die deutlich höheren Verluste, heißt es in einem Bericht der US-Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS). Auf ukrainischer Seite wurden demnach bis zum Ende des vergangenen Jahres mindestens 100.000 Soldaten getötet. Hinzu kämen Hunderttausende Verletzte und Vermisste: Auf russischer Seite sind es den CSIS-Schätzungen zufolge mindestens 900.000 Menschen. Mindestens 400.000 Menschen wurden demnach auf ukrainischer Seite verletzt oder werden vermisst. Bis zum Frühling würden vermutlich Zehntausende weitere Soldaten auf beiden Seiten getötet und verletzt.
...
und ergänzend: Zitat:Nach dem neuen ukrainischen Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow hat auch Staatschef Wolodymyr Selenskyj das Ziel ausgerufen, 50.000 russische Soldaten pro Monat auszuschalten. "Die Aufgabe der ukrainischen Einheiten ist es, ein Niveau der Vernichtung des Besatzers zu gewährleisten, bei dem die russischen Verluste höher sind als das Auffüllvolumen, das sie monatlich in die Truppen schicken können. Das ist eine realistische Aufgabe. Wenn wir von 50.000 russischen Verlusten pro Monat sprechen, ist das das optimale Niveau", sagte Selenskyj in Kiew.
Ihm zufolge werden über 80 Prozent der russischen Ziele durch Drohnen zerstört, die meisten davon aus heimischer Produktion. Im Dezember sollen 35.000 russische Besatzer getötet und schwer verwundet worden sein, in den Monaten zuvor lagen die ukrainischen Angaben in der Regel bei rund 30.000.
...
Nach dem neuen ukrainischen Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow hat auch Staatschef Wolodymyr Selenskyj das Ziel ausgerufen, 50.000 russische Soldaten pro Monat auszuschalten. "Die Aufgabe der ukrainischen Einheiten ist es, ein Niveau der Vernichtung des Besatzers zu gewährleisten, bei dem die russischen Verluste höher sind als das Auffüllvolumen, das sie monatlich in die Truppen schicken können. Das ist eine realistische Aufgabe. Wenn wir von 50.000 russischen Verlusten pro Monat sprechen, ist das das optimale Niveau", sagte Selenskyj in Kiew.
Ihm zufolge werden über 80 Prozent der russischen Ziele durch Drohnen zerstört, die meisten davon aus heimischer Produktion. Im Dezember sollen 35.000 russische Besatzer getötet und schwer verwundet worden sein, in den Monaten zuvor lagen die ukrainischen Angaben in der Regel bei rund 30.000.
...
50.000 eliminierte russische Soldaten wurden laut ukrainischen Schätzungen schon mal nahezu erreicht: Mitte Januar 2024. Damals lagen die von Kiew gemeldeten Verluste in den Reihen der Kreml-Streitkräfte im Vier-Wochen-Durchschnitt bei 1652 pro Tag.
... [/quote] - wobei dieser Meldung eine Grafik der angeblichen russischen Verluste 2022 - 2026 beigefügt ist.
Diese Grafik widerspricht der zitierten Textaussage. Nach der Grafik waren Mitte Januar 2024 täglich 800 - 900 russische Opfer zu beklagen.
Die genannte Zahl von 1.652 Opfern pro Tag wurde erst am 12. Januar 2025 gemeldet. Und erst Anfang Dezember letzten Jahres waren fast wieder 1.600 russische Opfer erreicht.
Insgesamt - das zeigt die Grafik - wurden von 2022 bis 2025 in jedem Jahr mehr russische Opfer verzeichnet als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Der schleichende und opferreiche Vormarsch russischer Truppen unter dem hinhaltenden Widerstand ukrainischer Verteidiger fordert einen enormen Blutzoll.
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(28.01.2026, 06:55)muck schrieb: Eine Analyse des Centers for Strategic and International Studies (CSIS) sieht den Ukraine-Krieg als wohl verlustreichsten zwischenstaatlichen Konflikt seit Ende des Zweiten Weltkriegs an. (Quelle) Den Autoren zufolge hat keine Großmacht seit 1945 höhere militärische Verluste erlitten als Russland.
...
Die russischen Verluste werden auf 1,2 Mio. Soldaten beziffert, davon mindestens 325.000 Gefallene. Das CSIS schätzt, dass die Gesamtverluste beider Seiten in diesem Frühjahr die Marke von 2 Mio. Kombattanten erreichen werden.
Laut dem Bericht wird sich der Krieg äußerst negativ auf den Wohlstand und die Stabilität des russischen Staates auswirken.
... Dazu aktuell der SPIEGEL:
Zitat:Verwundet oder tot
Russland hat laut Bericht rund 1,2 Millionen Soldaten verloren
Russland und die Ukraine behandeln ihre Verluste an Soldaten als Verschlusssache. Nun beziffert ein neuer Bericht das historisch tödliche Ausmaß des seit Jahren tobenden russischen Angriffskriegs.
28.01.2026, 21.03 Uhr
Die russische Armee hat nach Berechnungen von US-Experten in den fast vier Jahren Angriffskrieg gegen die Ukraine 1,2 Millionen Soldaten durch Verwundung oder Tod verloren. Ein Bericht der Denkfabrik CSIS in Washington geht dabei von 325.000 getöteten russischen Soldaten seit Februar 2022 aus. Für die Ukraine werden die Verluste auf 500.000 bis 600.000 Soldaten beziffert, darunter 100.000 bis 140.000 Tote. ...
Mit all diesen Verlusten kann Putin gar nicht einfach "zurück auf Los". Er muss - um sich zu rechtfertigen - nicht nur sein Narrativ weiter verbreiten, sondern auch noch Erfolge vorweisen.
Wenn ihm diese nicht gelingen, wird er Russland bis zur völligen Erschöpfung kämpfen lassen - und dadurch wird seine Regierung über kurz oder lang kollabieren.
„Cui bono?“
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Es gibt wohl zwei Arten von Kriegen:
= "Blitzkriege", die nach wenigen Wochen bzw. kurzer Zeit entschieden sind (wie etwa der 6-Tage Krieg Israels 1967) - das war wohl von Putin geplant
= lang anhaltende Kriege, die bis zur Erschöpfung einer Partei geführt werden - so schaut es derzeit aus.
Und es zeichnet sich immer deutlicher ab, welche Partei zuerst erschöpft sein dürfte:
Lichtblick für die Ukraine: Russland gehen die Sowjet-Panzer aus – Nachschub stockt
(Kopie hier)
Studie: Putins Armee verliert mehr Soldaten als jede Großmacht seit dem Zweiten Weltkrieg
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(28.01.2026, 22:58)Kongo Erich schrieb: Mit all diesen Verlusten kann Putin gar nicht einfach "zurück auf Los". Er muss - um sich zu rechtfertigen - nicht nur sein Narrativ weiter verbreiten, sondern auch noch Erfolge vorweisen.
Wenn ihm diese nicht gelingen, wird er Russland bis zur völligen Erschöpfung kämpfen lassen - und dadurch wird seine Regierung über kurz oder lang kollabieren.
„Cui bono?“ Erfolge kann die russische Propaganda schon zurechtzimmern.
Das eigentliche Problem ist, dass er nicht mehr weg von der Kriegswirtschaft kann ohne das Russland in eine tiefe Rezession stürzt und ihm der Laden um die Ohre fliegt. Solange er dagegen nicht an das Humankapital der ethnischen Russen ran muss, ist der exorbitanten Blutzoll kein keine Bedrohung für sein Regime und kann in Teilen gar stabilisierend wirken.
Zur Aufrechterhaltung der Kriegswirtschaft bedingt es allerdings auch keine aktive Front in der Ukraine. Stattdessen ist auch eine Überführung in ein nordkoreanisches Modell mit fortgesetzter bzw. nach Lage auch eskalierter Konfrontation mit der Nato denkbar. Zumindest wenn man primär in der Kategorie Regime Survival denkt.
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Zur Lage der Ukraine:
US-Präsident Donald Trump hat verkündet, dass Russland sich auf seine Vermittlung hin zu einem Waffenstillstand abseits der Front bereiterklärt habe. ( Quelle) Die Abmachung sei zunächst auf eine Woche befristet und könne verlängert werden. Trump verwies auf die prekäre Lage in Kyjiw, wo in den kommenden Tagen Tiefstwerte unter -20°C erwartet werden. Die staatliche russische Nachrichtenagentur 'TASS' bestätigt, dass die Gespräche stattgefunden haben, lässt jedoch offen, ob der Kreml wirklich entsprechende Verpflichtungen eingegangen ist. ( Quelle)
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@Kongo Erich
Zitat:Es gibt wohl zwei Arten von Kriegen:
= "Blitzkriege", die nach wenigen Wochen bzw. kurzer Zeit entschieden sind (wie etwa der 6-Tage Krieg Israels 1967) - das war wohl von Putin geplant... [...]
Das denke ich immer mehr auch. Wenn man sich anschaut, wie unzulänglich die Russen im Februar 2022 antraten, wie wenig Mannstärke und Gerät sie im Vergleich zur Größe des Landes aufboten, wie schlecht ihre Logistik und Führung ist/war (wobei sie das sicher nicht so sahen), wie unsinnig ein mechanisierter Angriff in der Tauwetterphase ist (d. h. man wusste, dass man Straßen benutzen musste), dann kann das darauf hindeuten, dass man tatsächlich mit einem schnellen "Spaziergang" rechnete. (Wobei die Ausstattung und die Logistik vermutlich nur marginal besser gewesen wären, wenn man mit einem längeren Waffengang gerechnet hätte.)
Nicht wenige der unterversorgten russischen Soldaten sollen (anscheinend) ja sogar geglaubt haben, dass die Ukrainer froh sind und sie begrüßen, wenn sie einmarschieren. Als diese dann sich aber wider Erwarten vehement zur Wehr setzten und die Russen heftige Verluste erlitten, sanken Moral und Disziplin ins Bodenlose - in der Folge kam es dann auch zu den bekannten Massakern, wie etwa in Bucha, zu vielen unbekannten und wenig bis gar nicht dokumentierten Verbrechen und zu massiven Plünderungen.
D. h. ich vermute, dass die Kamarilla in Moskau tatsächlich anfangs von einem "Blitzsieg" ausging und annahm, dass man die Ukraine schnell - vielleicht in zwei, drei Wochen - einkassieren und dann innenpolitische Säuberungsaktionen durchführen und ein willfähriges Regime dort implementieren könne. Diese geradezu abenteuerlichen Annahmen im Kreml zerfielen bekanntlich in der Realität grandios, aber man konnte sich das nach Kriegsbeginn natürlich auch nicht (mehr) eingestehen, als die Lage bereits völlig verkorkst war. Und es zeigt v. a. auch, wie weltfremd die Moskauer Führung war und ist.
Spätestens dann, als die Westmächte begannen Nachschub in die Ukraine zu schicken, was ja schon im Vorfeld des Krieges geschah, hätte man erkennen müssen, dass die Rechnung nicht aufgehen wird und dass man planerisch umdisponieren muss. Spätestens da hätte man dann abwägen müssen, welchen Weg man bestreitet, z. B. ob man nicht einfach nur die Maskirowka, und nur diese, nicht weiter ausbaut - ohne Waffengang -, um den Druck auf Kiew immer mehr zu erhöhen und um die Ukrainer zu bestimmten Zugeständnissen zu zwingen. Und dies hätte durchaus funktionieren können, denn dass die russische Armee in einem derart desolaten Zustand war, hat man ja erst nach dem Beginn des Krieges bemerkt, zuvor ging man von einer durchaus schlagkräftigen Invasionsstreitmacht aus und nicht wenige haben die Russen stark überschätzt (ich hatte sie übrigens auch stärker eingeschätzt). Aber vermutlich hat man dies im Kreml schlicht nicht sehen wollen und man hat sich auch selbst getäuscht bzw. angelogen bzw. hat der eigenen Propaganda geglaubt, da man von der "überwältigenden Stärke" der eigenen Truppen bekanntlich felsenfest überzeugt war.
Als der Feldzug dann zu einem Fiasko wurde und im Stellungskrieg in der Ostukraine erstarrte, hatte man aber schon so hoch gepokert, dass man aus der Nummer nicht mehr herauskam - ohne den eigenen Sturz zu riskieren. In gewisser Weise ist die russische Führung also ein Getriebener ihrer eigenen Lügen.
Schneemann
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Nachdem vor einer Woche festgestellt worden war, dass russische Angriffsdrohnen Starlink zur Navigation verwendeten, hat Elon Musk nach Angaben russischer Milblogger offenbar zugunsten der Ukraine interveniert. In Zukunft können Starlink-Empfänger nicht bei Geschwindigkeiten über 75 km/h betrieben werden, was sie für mobile militärische Anwendungen unbrauchbar macht. Da diese Maßnahme auch ukrainische Angriffsdrohnen beträfe, wird für die ukrainische Armee eine Whitelist eingeführt. ( Quelle)
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Nochmal zu Verlusten: (28.01.2026, 06:55)muck schrieb: Eine Analyse des Centers for Strategic and International Studies (CSIS) sieht den Ukraine-Krieg als wohl verlustreichsten zwischenstaatlichen Konflikt seit Ende des Zweiten Weltkriegs an. (Quelle) Den Autoren zufolge hat keine Großmacht seit 1945 höhere militärische Verluste erlitten als Russland.
Die Geschwindigkeit des russischen Vormarsches liege im Mittel bei 15 m täglich, mit Spitzen bis zu 70 m; in keinem Krieg der vergangenen hundert Jahre seien Geländegewinne in langsamerem Tempo verzeichnet worden.
Die russischen Verluste werden auf 1,2 Mio. Soldaten beziffert, davon mindestens 325.000 Gefallene. Das CSIS schätzt, dass die Gesamtverluste beider Seiten in diesem Frühjahr die Marke von 2 Mio. Kombattanten erreichen werden. In einem Interview mit dem russischen Exilanten-Sender 'Doschd' erklärt Dmitri Treschtschanin, der Herausgeber von 'Mediazona'—auf deren Analysen sich das CSIS in Teilen stützt—, dass die wahre Zahl der russischen Verluste noch deutlich höher liegt. ( Quelle)
Demnach hat 'Mediazona' 163.000 Gefallene namentlich identifizieren können. Mit selbst entwickelten Algorithmen auf der Basis von Nachlassgerichtsakten zu Männern im wehrfähigen Alter, die anhand von Leaks während der Schlacht um Bachmut als tauglich verifiziert werden konnten, rechnet man eine Dunkelziffer mit einem Faktor von 1,8 ein, und erhält 326.000 Gefallene.
Treschtschanin weist allerdings darauf hin, dass es sich nur um eine Teilsumme handelt, weil zurzeit mehrere zehntausend Fälle noch nicht in die Statistik eingespeist wurden, und außerdem bei russischen Gerichten 90.000 Anträge anhängig sind, vermisste Soldaten für tot erklären zu lassen. Diese hat 'Mediazona' nicht berücksichtigt.
Demnach könnte die Zahl der russischen Gefallenen bereits deutlich über 400.000 liegen.
Die Schätzung der Gesamtverluste von (rund) 1,2 Mio. geht davon aus, dass auf jeden Gefallenen drei Verwundete kommen. Dies ist jedoch nur eine Rechengröße, die auf früheren Kriegserfahrungen beruht, aber die Realität in der Ukraine nicht mehr widerspiegele, so Treschtschanin.
Aufgrund der schwereren Verwundungsmuster, die durch Drohnen hervorgerufen werden, sowie der zunehmend unmöglich werdenden raschen Evakuierung der Schwerverwundeten, nimmt er an, dass die Zahl der russischen Verwundeten pro Gefallenem geringer ist als drei, und dass die Zahl der schwer Versehrten unter den Überlebenden höher ist.
Zum Vergleich: Den Vereinten Nationen zufolge betrug die männliche russische Bevölkerung im wehrfähigen Alter 2019 35 Mio. Personen. ( Quelle) Demnach könnte dieser Krieg also bereits jeden hundertsten russischen Mann das Leben gekostet haben.
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