Sechster Nahostkrieg
@Kongo Erich
Zitat:was heißt "Ansage"? Was ist davon "Drohkulisse im Zuge von Verhandlungen" und was ist "reale Kriegsvorbeitung"?
Ansage heißt, dass man klar umreißt, was denn die Ziele sind. Und man kann manches kritisieren, aber die Israelis sagen meistens recht klar, was sie beabsichtigen. Die Frage nach der "realen Kriegsvorbereitung" verstehe ich nicht ganz. Natürlich trifft man Kriegsvorbereitungen, etwa durch das Zusammenziehen von Kräften, wenn man eine Bodeninvasion plant.
Zitat:Mir ging es darum, den wirtschaftlichen Niedergang der einstigen "Schweiz des Nahen Ostens" in den Kontext mit den Golfstaaten zu stellen. Diese haben vom Chaos im Libanon profitiert, die Funktion "Finanzplatz des Nahen Ostens" an den Golf abgezogen - und sehen sich jetzt genauso wie der Libanon seinerzeit einem Krieg ausgesetzt, der unter massiver Beteiligung von Akteuren aus dem Ausland mit Angriffen in ihren Ländern ausgetragen wird.
Die arabischen Länder laufen Gefahr, nach dem Libanon nun auch die Golfstaaten als globale, zumindest aber regionale Finanzzentren zu verlieren.
Das Schicksal des Libanon ist eigentlich eine Tragödie. Die Zedernrepublik ist faszinierend und hätte durchaus sehr viel Potenzial, alleine nur, wenn man an historische Orte wie Baalbek denkt (der mich selbst interessieren würde).

Gleichwohl haben die Israelis zwar auch ein gewisses Maß Anteil daran, wie sich die Dinge entwickelt haben, aber sie sind nicht die Hauptakteure des Verfalls. Sie haben meistens nur dann reagiert, wenn die Lage in ihrem Norden zu unerträglich wurde. Und sie kamen und sie gingen.

Diejenigen aber, die innenpolitisch das fragile konfessionelle Verhältnis zum Zerbrechen brachten und die den zerstörerischen 15-jährigen Bürgerkrieg auslösten, waren die Palästinenser bzw. war die Fatah um Arafat. Ich umreiße das nicht mehr zur Gänze (ich hatte es schon hier im Strang ausführlich umrissen), aber die Fatah zerstörte zu Beginn der 1970er das konfessionelle Gleichgewicht, hinzu kamen das Erstarken der zuvor zersplitterten Schiiten im Sinne von geeinten Gruppierungen (erst Amal, dann Hisbollah) und die jahrelangen syrischen Besetzungen. Zeitweilig ging ohne die Zustimmung von Damaskus in Beirut gar nichts mehr - und mehrere gewählte Regierungschefs, die sich vom syrischen Einfluss freischwimmen wollten, wurden prompt vom Damaszener Mukhabarat in die Luft gejagt.

Was nun die Golfanrainer angeht: Ich denke, dass der aktuelle Krieg sie einiges an Wohlstand kosten wird, aber sie werden sich erholen, wenn auch unklar sein dürfte, wie lange dies dauert. Dass sie ins Chaos abgleiten wie der Libanon, glaube ich eher nicht, denn dazu sind sie zu straff und pragmatisch-autokratisch geführt und zudem haben sie die konfessionelle Zersplitterung, wie der Libanon, so nicht, was ein Bürgerkriegsszenario unwahrscheinlich erscheinen lässt.

Schneemann
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Ich widerspreche Dir in den meisten Deiner Aussagen nicht.
Ich meine aber, dass die Palästinenser bzw. von Dir konkretisiert die Fatah um Arafat nicht "aus dem Nichts materialisiert" sind. Egal, ob nun Flüchtlinge, denen die Rückkehr verweigert wurde - oder Vertriebene:
der massenhafte Exodus wirkte sich zwangsläufig auf die Bevölkerung der "Aufnahmeländer" aus, insbesondere bei so konfessionell fragilen Strukturen wie im Libanon. Und das lässt durchaus die Frage nach den Ursachen dieses Exodus zu. Daran ist der Zionismus mit Israel nicht ganz unschuldig.
Die Fatah und jetzt auch Hamas oder Hisbollah sind Symptome einer tiefergehenden Ursache, aber nicht die Ursache selbst. Was ich von der Genesis, also der Entwicklung her, dazu meine habe ich hier deutlich gemacht.
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@Kongo Erich
Zitat:Ich meine aber, dass die Palästinenser bzw. von Dir konkretisiert die Fatah um Arafat nicht "aus dem Nichts materialisiert" sind. Egal, ob nun Flüchtlinge, denen die Rückkehr verweigert wurde - oder Vertriebene:
der massenhafte Exodus wirkte sich zwangsläufig auf die Bevölkerung der "Aufnahmeländer" aus, insbesondere bei so konfessionell fragilen Strukturen wie im Libanon. Und das lässt durchaus die Frage nach den Ursachen dieses Exodus zu. Daran ist der Zionismus mit Israel nicht ganz unschuldig.
Aber er [der Zionismus] war hierbei nicht entscheidend. Die Ursache für das Zerfallen des Libanon war, dass die Palästinenser aus Jordanien vertrieben wurden bzw. flüchten mussten, nachdem sie dort versucht hatten, das haschemitische Königreich zu stürzen und ihren eigenen "Privatstaat" zu gründen.

Aber der kleine König war ein harter Knochen, und er hat mit seiner durchaus disziplinierten und britisch trainierten Beduinentruppe danach Arafat mitsamt seinen irrlichternden Briganden die Löffel langgezogen und diese dann vor die Türe gesetzt (im "Schwarzer September" des Jahres 1970). In der Folge sickerten die PLO und andere Gruppen v. a. über die Hermon-Route nach dem Südlibanon ein und begannen dort ab den frühen 1970ern ihre Großmannsüchte erneut auszuleben - was in der Folge nicht nur zur (weiteren) Gängelung der verarmten Schiiten des Libanon durch Fatah und Co. beitrug, sondern auch die Israelis auf den Plan rief, da die Palästinenser vom Südlibanon aus immer wieder ebenso blutrünstige wie wirre Überfälle auf Galiläa unternahmen.

Schneemann
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@Schneemann

Das ist eigentlich mehr ein Diskussionsthema im Geschichtsforum. Ich möchte trotzdem kurz meine Auffassung wiedergeben, Du kannst das aber gerne in das Geschichtsforum verschieben:

OT on
Ich bin doch eher der Typ "umfallende Domino-Steine bis zum ersten Stein zurück verfolgen".
Wenn man den "kleinen König" und seine Auseinandersetzung mit der Fatah als Ausgangspunkt nimmt, dann müsste man eigentlich auch den nächsten Schritt zurück gehen und feststellen, dass Jordanien - im Gegensatz zum UN-Teilungsplan von 1947 - keinen palästinensischen Staat akzeptiert hat, sondern das Westjordanland als eigenes Staatsgebiet beanspruchte.
Als dann 1967 die jordanischen Truppen bis zum Jordan vertrieben wurden, waren natürlich auch die vom Westjordanland stammenden Palästinenser im (restlichen) Jordanien. Und mit seiner [i]"durchaus disziplinierten und britisch trainierten Beduinentruppe"
auch halbwegs unter Kontrolle.
1970/71 war dann beim Aufstand der Fatah die Machtfrage gestellt - und die hat der Kleine König für sich entschieden.

Politisch schwierig wurde es dann erst recht, als 1994 mit dem Friedensvertrag zwischen Israel und Jordanien den Jordan als Grenze festgelegt wurde - und Jordanien damit faktisch die Palästinenser der israelischen Kontrolle "auslieferte". Die 1993 begonnen Gespräche zwischen Fatah und Israel waren noch nicht so weit, dass die staatliche Unabhängigkeit Palästinas wirklich real war.
Allerdings hat die Fatah seinerzeit auch die Existenzrechts Israels ausdrücklich anerkannt. Und das seinerzeit erreichte wird heute in Palästina zunehmend sabotiert.[/i]
OT out:
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Zitat:dass sie ins Chaos abgleiten wie der Libanon, glaube ich eher nicht, denn dazu sind sie zu straff und pragmatisch-autokratisch geführt und zudem haben sie die konfessionelle Zersplitterung, wie der Libanon, so nicht, was ein Bürgerkriegsszenario unwahrscheinlich erscheinen lässt.

Katar hat eine schiitische Bevölkerungsmehrheit.
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In einem anderen Strang schrieb
(28.03.2026, 17:18)Nightwatch schrieb: Das primäre Problem das Amerikaner und Israelis in diesem Krieg haben ist, dass sie ihn propagandistisch nicht ausreichend begleiten und daher mit ihrer Position medial nicht durchdringen können. ...
das Vorgehen Israels lässt sich auch nicht propagandistisch ausnutzen;
Zitat:+++ 15:16 Israel ordnet Zwangsumsiedlung von sieben Dörfern im Südlibanon an +++

Das israelische Militär spricht eine neue Drohung gegen die Bewohner im Südlibanon aus: Ganze Ortschaften werden aufgefordert, nach Norden umzusiedeln. Militärsprecher Avichay Adraee sagt in einem Beitrag auf X, dass angeblich sieben Dörfer "unverzüglich evakuiert und nördlich des Flusses Zahrani umgesiedelt werden".
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Sehr platt. Natürlich wäre es aber auch gesteigert sinnvoll derartige Maßnahmen wie den Einmarsch an sich medial offensiver zu vertreten.
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