28.03.2026, 13:12
@Kongo Erich
Gleichwohl haben die Israelis zwar auch ein gewisses Maß Anteil daran, wie sich die Dinge entwickelt haben, aber sie sind nicht die Hauptakteure des Verfalls. Sie haben meistens nur dann reagiert, wenn die Lage in ihrem Norden zu unerträglich wurde. Und sie kamen und sie gingen.
Diejenigen aber, die innenpolitisch das fragile konfessionelle Verhältnis zum Zerbrechen brachten und die den zerstörerischen 15-jährigen Bürgerkrieg auslösten, waren die Palästinenser bzw. war die Fatah um Arafat. Ich umreiße das nicht mehr zur Gänze (ich hatte es schon hier im Strang ausführlich umrissen), aber die Fatah zerstörte zu Beginn der 1970er das konfessionelle Gleichgewicht, hinzu kamen das Erstarken der zuvor zersplitterten Schiiten im Sinne von geeinten Gruppierungen (erst Amal, dann Hisbollah) und die jahrelangen syrischen Besetzungen. Zeitweilig ging ohne die Zustimmung von Damaskus in Beirut gar nichts mehr - und mehrere gewählte Regierungschefs, die sich vom syrischen Einfluss freischwimmen wollten, wurden prompt vom Damaszener Mukhabarat in die Luft gejagt.
Was nun die Golfanrainer angeht: Ich denke, dass der aktuelle Krieg sie einiges an Wohlstand kosten wird, aber sie werden sich erholen, wenn auch unklar sein dürfte, wie lange dies dauert. Dass sie ins Chaos abgleiten wie der Libanon, glaube ich eher nicht, denn dazu sind sie zu straff und pragmatisch-autokratisch geführt und zudem haben sie die konfessionelle Zersplitterung, wie der Libanon, so nicht, was ein Bürgerkriegsszenario unwahrscheinlich erscheinen lässt.
Schneemann
Zitat:was heißt "Ansage"? Was ist davon "Drohkulisse im Zuge von Verhandlungen" und was ist "reale Kriegsvorbeitung"?Ansage heißt, dass man klar umreißt, was denn die Ziele sind. Und man kann manches kritisieren, aber die Israelis sagen meistens recht klar, was sie beabsichtigen. Die Frage nach der "realen Kriegsvorbereitung" verstehe ich nicht ganz. Natürlich trifft man Kriegsvorbereitungen, etwa durch das Zusammenziehen von Kräften, wenn man eine Bodeninvasion plant.
Zitat:Mir ging es darum, den wirtschaftlichen Niedergang der einstigen "Schweiz des Nahen Ostens" in den Kontext mit den Golfstaaten zu stellen. Diese haben vom Chaos im Libanon profitiert, die Funktion "Finanzplatz des Nahen Ostens" an den Golf abgezogen - und sehen sich jetzt genauso wie der Libanon seinerzeit einem Krieg ausgesetzt, der unter massiver Beteiligung von Akteuren aus dem Ausland mit Angriffen in ihren Ländern ausgetragen wird.Das Schicksal des Libanon ist eigentlich eine Tragödie. Die Zedernrepublik ist faszinierend und hätte durchaus sehr viel Potenzial, alleine nur, wenn man an historische Orte wie Baalbek denkt (der mich selbst interessieren würde).
Die arabischen Länder laufen Gefahr, nach dem Libanon nun auch die Golfstaaten als globale, zumindest aber regionale Finanzzentren zu verlieren.
Gleichwohl haben die Israelis zwar auch ein gewisses Maß Anteil daran, wie sich die Dinge entwickelt haben, aber sie sind nicht die Hauptakteure des Verfalls. Sie haben meistens nur dann reagiert, wenn die Lage in ihrem Norden zu unerträglich wurde. Und sie kamen und sie gingen.
Diejenigen aber, die innenpolitisch das fragile konfessionelle Verhältnis zum Zerbrechen brachten und die den zerstörerischen 15-jährigen Bürgerkrieg auslösten, waren die Palästinenser bzw. war die Fatah um Arafat. Ich umreiße das nicht mehr zur Gänze (ich hatte es schon hier im Strang ausführlich umrissen), aber die Fatah zerstörte zu Beginn der 1970er das konfessionelle Gleichgewicht, hinzu kamen das Erstarken der zuvor zersplitterten Schiiten im Sinne von geeinten Gruppierungen (erst Amal, dann Hisbollah) und die jahrelangen syrischen Besetzungen. Zeitweilig ging ohne die Zustimmung von Damaskus in Beirut gar nichts mehr - und mehrere gewählte Regierungschefs, die sich vom syrischen Einfluss freischwimmen wollten, wurden prompt vom Damaszener Mukhabarat in die Luft gejagt.
Was nun die Golfanrainer angeht: Ich denke, dass der aktuelle Krieg sie einiges an Wohlstand kosten wird, aber sie werden sich erholen, wenn auch unklar sein dürfte, wie lange dies dauert. Dass sie ins Chaos abgleiten wie der Libanon, glaube ich eher nicht, denn dazu sind sie zu straff und pragmatisch-autokratisch geführt und zudem haben sie die konfessionelle Zersplitterung, wie der Libanon, so nicht, was ein Bürgerkriegsszenario unwahrscheinlich erscheinen lässt.
Schneemann
