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(26.04.2026, 13:02)Quintus Fabius schrieb: Gerade bei einem Krieg zwischen der EU und der Türkei (den ich innerhalb der nächsten zwei Dekaden für wahrscheinlicher halte als einen vollumfänglichen offenen konventionellen Krieg mit Russland) würden die USA sich schlicht und einfach raushalten.
Da stellt sich gleich die Frage, ob Russland darin nicht eine gute Gelegenheit sieht in Osteuropa mal klar Schiff zu machen ? Wenn ich Putin oder ein Nachfolger von ihm wäre würde ich warten bis die EU einen großen Teil ihrer Munition in einem Krieg gegen die Türkei verschwendet hat, vergiss auch nicht das viele EU Luft und Seestreitkräfte im östlichen Mittelmeer gebunden sind ! Für das Baltikum wären letztendlich wenig Ressourcen verfügbar. Dann braucht man nur noch die russische Minderheit im Baltikum mobilisieren und einen hybriden Krieg starten, bei dem man auf einen schnellen Vorstoß ins Bsltikum setzt.
Ich kann mir nicht vorstellen das die EU genug Ressourcen für einen zwei Fronten Krieg haben wird.
Bevor überhaupt ein Krieg gegen die Türkei beginnen kann, warten wir mal ab welchen Entwurf die EU Komission demnächst vorlegt wie die EU Staaten bei einer Ausrufung von Artikel 42.7 zu reagieren haben. Wenn wir von einem Zeitraum von zwei Jahrzehnten rechnen hat die Türkei genug Zeit entsprechende A2/AD Mechanismen im östlichen Mittelmeer aufzubauen. In Fachkreisen wird u.A über bestimmte Varianten der Tayfun und Cenk hyperschall Raketen gesprochen, die ähnlich der chinesischen DF-21 in der Lage wären bewegliche Ziele auf See zu treffen. Der Vertrag zur Entwicklung einer überschallschnellen AShM mit Ramjetantrieb wurde auf der IDEF-2025 mit TUBITAK/SAGE unterzeichnet. Es befinden sich auch Ramjetbetriebene BVR Rakezen der Typen Gökhan und Gökbora in Entwicklung, wobei die erstgenannte eine Reichweite von 250 - 300 km haben soll(gut gegen AWACS,Tanker und MPA).
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Zweifelsohne würden die Russen einen solchen Krieg maximal für sich nutzen. Es stellt sich aber dann die Frage, ob sie dann tatsächlich in Europa einfallen würden. Da gibt es wesentlich lohnendere Ziele, beispielsweise Azerbeidschan.
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(26.04.2026, 20:20)Quintus Fabius schrieb: Zweifelsohne würden die Russen einen solchen Krieg maximal für sich nutzen. Es stellt sich aber dann die Frage, ob sie dann tatsächlich in Europa einfallen würden. Da gibt es wesentlich lohnendere Ziele, beispielsweise Azerbeidschan.
Aserbaidschan ist nice to have, aber existentiell sieht sich Russland eher an der Westflanke(Polen, Baltikum, Ukraine) bedroht, Wenn man den Munitionsverbrauch der EU gegen die Türkei bedenkt, mögliche Verluste an Menschen und Material bei den Luft und Seestreitkräften und zerstörte militärische Infrastruktur im Hinterland durch Schläge mit Marschflugkörper und ballistischen Raketen. Russland hat es in Folge der militärischen Auseinandersetzung im östlichen Mittelmeer mit einer geschwächten EU zu tun. Das ist ein günstiges Zeitfenster um in Osteuropa aufzuräumen.
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Mit welchem Ziel und welchem Sinn denn? Russland ist in Wahrheit an der Westflanke in keinster Weise bedroht, da es sich gegen einen konventionellen Angriff der Europäer in sein Gebiet hinein gegenüber Europa jederzeit mit Taktischen Nuklearwaffen wehren kann und damit ein solcher Angriff als Agression bzw. Offensivoperation der Europäer ausgeschlossen ist.
Und eine durch einen Krieg mit der Türkei geschwächte EU ist erst recht keine Bedrohung für die Russen.
Ein solcher Krieg ist für Russland eher politisch interessant, und eine dann ebenso geschwächte Türkei für die Russen und ihre Pläne im Kaukasus und in Zentralasien ausgesucht nützlich.
Ganz allgemein wird meiner Meinung nach zu wenig verstanden, dass sich Russland strategisch wie gedanklich immer mehr nach Asien / nach Osten ausrichtet.
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(27.04.2026, 06:33)Quintus Fabius schrieb: ...
Ganz allgemein wird meiner Meinung nach zu wenig verstanden, dass sich Russland strategisch wie gedanklich immer mehr nach Asien / nach Osten ausrichtet. halb zog sie ihn, halb sank er hin - oder so. Tatsächlich gerät Russland immer mehr zum Junior-Partner Chinas, die Verhältnisse der beiden Staaten haben sich gedreht. Und wenn der Kreml nicht aufpasst, wird er absehbar zum Vasallen der Verbotenen Stadt.
In dem Fall ist es eher nicht interessant, ob und wie Russland auf die EU blickt, sondern was in Peking gerade opportun ist, etwa in einem Konflikt zwischen Festlands- und Insel/Ost-China (Taiwan).
Aber darum geht es hier nicht, sondern um das Verhältnis zwischen EU und der Türkei.
Und ich plädiere zunehmend für ein Drei-Säulen-Modell einer weiter entwickelten NATO, der drei engere Bündnisse mit jeweils internen, ggf. auch bilateralen, Verteidigungsabkommen angehören
a) die USA
b) die EU (ob Kanada sich jetzt bei a oder b näher orientiert ist letztendlich Sache der Kanadier) mit der Ukraine
c) die Türkei mit anderen Ländern
ca) Zentralasiens (Aserbaidschan ...) sowie
cb) des Nahen Ostens (mit Syrien bis Saudi-Arabien mit Libyen, Eritrea, Somalia ... )
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Was passiert bei einem Krieg EU gegen Türkei mit den türkischstämmigen Bürgern in der EU? Ergeht es denen wie den Japanern in den USA?
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Interessante Frage - wobei ich den Begriff "türkischstämmige Bürger in der EU" hinterfragen würde. Es kann ja nicht um die Personen gehen, die inzwischen eine EU-Staatsbürgerschaft haben.
Du meinst also wohl die Personen, die nach wie vor türkische Staatsangehörige sind und in einem Staat der EU leben würden.
Wahrscheinlich würden die nicht anders behandelt, als EU-Staatsangehörige in der Türkei - oder Staatsangehörige eines anderen Staates, mit denen (ein/die) EU (-Land) in einem Kriegszustand ist.
Eine Gegenfrage:
Was ist denn beim Falkland-Krieg mit den Argentiniern passiert, die in GB lebten?
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Sie waren Diskriminierung am Arbeitsplatz oder im sozialen Umfeld ausgesetzt , teilweise zogen sie sich aus dem öffentlichen Leben zurück, um Konfrontationen zu vermeiden. Weiter als bis zu verbalen Angriffen ist es eigentlich nicht gekommen. Der größte Teil war ja aber vor der Junta geflohen. Wenn man aber sieht was auf den strassen Los war als Erdogan auf Staatsbesuch in Deutschland war sehe ich das als größeres Gefahrenpotential als die hier lebenden Russen. Haben die nicht zu großen Teilen doppelte Saatsbürgerschaft?
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(28.04.2026, 06:47)alphall31 schrieb: Sie waren Diskriminierung am Arbeitsplatz oder im sozialen Umfeld ausgesetzt , teilweise zogen sie sich aus dem öffentlichen Leben zurück, um Konfrontationen zu vermeiden. Weiter als bis zu verbalen Angriffen ist es eigentlich nicht gekommen. Der größte Teil war ja aber vor der Junta geflohen. Wenn man aber sieht was auf den strassen Los war als Erdogan auf Staatsbesuch in Deutschland war sehe ich das als größeres Gefahrenpotential als die hier lebenden Russen. Haben die nicht zu großen Teilen doppelte Saatsbürgerschaft?
Wer seid dem 1.Januar 2000 in Deutschland geboren ist, von dessen Eltern eine® einen rechtmäßigen Aufenthalt in Deutschland hat bzw. 8 Jahre in Deutschland lebt er hält die doppelte Staatsbürgerschaft. Bis zum Jahr 2014 war es üblich das man sich zwischen deutscher oder türkischer Staatsangehörigkeit bis zu einem Alter von 24 Jahren entdcheiden musste. Die meisten türkischstämmigen Menschen in Deutschland sind Nachkommen der Gastarbeiter die ab 1963 nach Deutschland kamen. Mit der Junta nach dem Militärputsch von 1980 sind viele Linke nach Deutschland geflüchtet. Seid begin des Terrorkamps der PKK im Jahr 1984 auch viele Anhänger der PKK.
Klar wäre es möglich das im Fall eines möglichen Türkei EU Krieg unter einer Koalition der Willigen oder evtl. mit kollektive Reaktion bei Verschärfung des Artikel 42.7 mit deutscher Beteiligung, so wäre im letzteren Fall es denkbar das es zu Gewalt kommen kann. Schauen wir uns nur mal Gaza an, es kamm zu keinen nennenswert großen Gewaltausbrüchen trotzt zahlreicher Demos.
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Mit der PKK oder Türkischen Extremisten hat es aber durchaus schon Gewaltausbrüche gegeben in Deutschland .
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Zitat:EU Turns Cyprus Into Security Hub as France Triggers Türkiye Pushback
2026-05-02 05:14 (UTC+3)
France’s Cyprus SOFA locks in military access as Brussels builds a crisis-response hub on a divided island, drawing sharp warnings from Türkiye
By Bosphorus News Geopolitics Desk
The SOFA Trigger
Cypriot President Nikos Christodoulides confirmed on April 26 that a Status of Forces Agreement with France would be signed at ministerial level in June. A SOFA is a legal framework governing the conditions under which foreign military personnel may operate on another country's territory. The announcement drew immediate reactions from Ankara and the Turkish Cypriot administration. It was framed as a bilateral defence step. The framing was accurate but incomplete.
The SOFA builds on a strategic partnership agreement signed in Paris in December 2025, which established structured cooperation across defence, energy, security, innovation and education through 2030. France has since conducted joint amphibious exercises with Cyprus, deployed naval assets to the Eastern Mediterranean following the early March drone strike on RAF Akrotiri, and entered advanced procurement talks covering Griffon armoured personnel carriers, Serval light tactical vehicles and upgrades to existing VAB armoured personnel carrier units. French-linked technical discussions over naval infrastructure at the Mari naval base have also been reported.
Government spokesman Konstantinos Letymbiotis described the SOFA as the next step in deepening Franco-Cypriot cooperation. "Relations with France are at their closest level," he said on April 27. "The agreement will strengthen humanitarian military cooperation and joint action at a regional level." Christodoulides was more direct about the scope. "What we sign are not just texts to take a picture," he said. "They are substantive texts, proven in practice to have an effect." He pointed to France's deployment of naval assets to the region after the Akrotiri strike as evidence of what the relationship already produces before the SOFA is signed.
https://www.bosphorusnews.com/article/tu...7572901002
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Zitat:European Commission outlines three Article 42.7 scenarios ahead of EU Council meeting
Tuesday, 12 May 2026, 15:10
European Commission outlines three Article 42.7 scenarios ahead of EU Council meeting
Kaja Kallas says that Article 42.7 of the Treaty on the European Union is the European analogue of NATO’s Article 5 on collective defense, and it is ‘very broad and fairly unclear’ and needs elaboration.
A Brussels session briefed EU ministers on simulated crises to test Article 42.7 responses and reveal coordination gaps. The exercises highlighted unclear triggers for assistance and spurred debate on how the EU should support members alongside NATO.
As reported by the online media Radio Free Europe/Radio Liberty.
The European Commission has prepared a document outlining three scenarios for applying Article 42.7 of the Treaty on the European Union – a mechanism widely seen as the European analogue to NATO’s Article 5 on collective defense. This information, ahead of the EU Council meeting in Brussels on May 12, was reported by the EU’s foreign policy chief Kaja Kallas, according to a correspondent from Radio Free Europe/Radio Liberty.
According to Kallas, the first scenario envisions a simultaneous attack on a NATO member country with both articles activated: both the NATO Article 5 and the EU Article 42.7. The second scenario concerns an attack on an EU member state that is not part of NATO, in which case only Article 42.7 would apply. The third scenario covers hybrid threats that do not reach the threshold for invoking Article 5.
Three Scenarios for Using Article 42.7
“We are not publicly discussing these drills because they reveal our gaps. That was precisely the purpose of the exercises – to understand where we need to be more specific: who does what, who can ask what of the Commission, what the European External Action Service can do, and what the member states can do.”
– Kaja Kallas
Kallas stressed that the goal of these exercises is to identify places where the EU needs clearer coordination and responses: whom to involve, what requests to make, and which support tools to activate. She also noted that Article 42.7 remains “very broad and fairly unclear” and needs detailing.
In the context of the discussion, there was talk about Europe’s defense self-sufficiency. Estonia’s Minister of Defence Hanno Pevkur clearly distinguished the roles: military planning and execution are the prerogative of the Alliance, while the EU should help member states strengthen their defense capabilities. He urged Europeans to have more confidence in their own strength: “With 500 million people and a GDP of about 25 trillion euros, that is significantly larger than Russia’s. If needed, we are ready to defend Europe on our own,” Pevkur stressed, noting that EU defense spending is already approaching half a trillion euros.
The first simulation exercises under the action plan in case of an attack on a member state took place on May 4 during a meeting of the Political and Security Committee. During the drills, crisis scenarios under Article 42.7 of the Treaty on the EU were practiced.
https://mezha.net/eng/bukvy/d1bf8bca_eur..._outlines/
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