Forum-Sicherheitspolitik

Normale Version: Sicherung des Seeverkehrs im Nahen und Mittleren Osten
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Ein interessantes Spiel: nachdem die USA und Iran jeweils getrennt voneinander diverse Schiffe und deren Ladung blockieren wollen, halten jetzt wir in Europa die Fahne der freien Schifffahrt hoch.
Wobei die schnelle Einigung genauso unwahrscheinlich war wie ein Einknicken des Iran - oder eine Zurückhaltung von Donald dem Leibhaftigen:
Zitat:Kaum ist das vorläufige Scheitern der Gespräche verkündet, stößt Donald Trump eine neue Drohung aus: Jetzt will er die Straße von Hormus blockieren und setzt damit viel aufs Spiel.

Nur ein Narr hätte gedacht, die seit einem halben Jahrhundert kultivierten Feindseligkeiten zwischen den USA und Iran ließen sich über Nacht beilegen. Schon gar nicht nach einem sechswöchigen Krieg, dessen 13.000 Angriffe das Regime nicht nur überstanden hat. Erstmals übt der Iran nun auch Kontrolle über die Straße von Hormus aus, durch die früher einmal ein Fünftel der globalen Öl- und Gaslieferungen floss.

Vance fasste das vor Abreise nach 21 Stunden Marathonverhandlungen in Islamabad mit einem nüchternen Satz zusammen: „Sie haben sich entschieden, unsere Bedingungen nicht zu akzeptieren.“ Der Vizepräsident ließ damit durchblicken, dass es aus Sicht der USA nichts zu verhandeln gab. Exakt das hatte Donald Trump als Marschrichtung ausgegeben. Es sei ihm egal, ob JD einen Deal hinbekomme, sagte er auf dem Weg zu einer Kampfsport-Show nach Florida. „Wir gewinnen, so oder so.“

Oder auch nicht. Was erklärt, warum Vance den langen Weg nach Pakistan angetreten war. Iran hält die Weltwirtschaft mit der Blockade der Straße von Hormus im Würgegriff. Das Regime wettet darauf, neue Angriffe länger aushalten zu können, als Trump das wirtschaftliche Chaos infolge des unterbrochenen Schiffsverkehrs durchzustehen vermag. Die neuen Machthaber haben erkannt, dass sie mit der Kontrolle über das Nadelöhr im Persischen Golf bis zu 90 Milliarden Dollar an Maut einnehmen können. Geld, das für den Wiederaufbau Irans dringend gebraucht wird.
berichtet die Augsburger Allgemeine (Kopie hier). Dem ist eigentlich nichts hinzu zu fügen.
Der Iran hat es infolge des Überfalls auf das Land geschafft, den gesamten Verkehr durch die Straße von Hormus auf seine Seite und durch das iranische Hoheitsgebiet zu verschieben
[Bild: revolutionsgarden.avif]
(neue Seekarte - Quelle)

Man kann sich dafür natürlich bei Netanjahu und DT bedanken. Man kann auch überlegen, wie man das auflöst. Der Iran denkt wohl (nach dem Muster von Bosporus/Dardanellen) an Gebühren für Lotsen, Leuchtfeuer und andere Anlagen zur Sicherheit der Seefahrt.
Eine andere Möglichkeit - "alle oder keiner" - versucht gerade DT umzusetzen.

Donald Trumps Blockade trifft ausgerechnet Pakistan am härtesten
Zitat:Ohne Pakistans Hilfe hätte es keine Friedensgespräche mit dem Iran gegeben. Jetzt revanchiert sich der US-Präsident, indem er offenbar den Energienotstand im Land verschärft.

13.04.2026 - 11:52 Uhr

...
Pakistan bezog vor dem Krieg etwa 80 bis 85 Prozent seiner Öl- und Treibstoffimporte über die Straße von Hormus. Hinzu kam, dass das Land gerade mal Reserven für zehn bis 14 Tage hatte. Zudem kommen fast 100 Prozent der LNG-Importe (Flüssigerdgas) des Landes durch die Meerenge.
...

Indien bezog vor dem Krieg etwa 40 bis 50 Prozent seiner Rohöl- und 90 Prozent seiner LPG-Importe (Flüssiggas) aus der Golfregion. Zwar ist das Land weniger stark betroffen als der Nachbar im Nordwesten, doch auch hier drohen durch die Sperrung der Passage ernste wirtschaftliche Auswirkungen.
...
Pakistan hat enge Verbindungen nach China. Ich sehe es schon kommen:
Chinesisch-Pakistanische Kriegsschiffe werden Frachter resp. Tanker für Häfen dieser beiden Staaten auf der vom Iran freigegebenen "sicheren Route" geleiten,
indische Kriegsschiffe werden Frachter respektive Tanker aus / für Indien begleiten,
und beiden Konvois können sich Schiffe unbeteiligter Nationen anschließen.

Wie kurzsichtig, verzweifelt und borniert muss DT sein, wenn er sich auf so ein Pokerspiel einlässt?
Zu Pakistan noch ein Hinweis auf diesen Beitrag hier


"some people have attended the U.S. Naval war college" Big Grin
Nur um hier ein wenig Missverständnissen entgegen zu wirken: Eine "Blockade" ist nicht gleich einer "Blockade".

Dazu:
Zitat:The blockade will be enforced impartially against vessels of all nations entering or departing Iranian ports and coastal areas, including all Iranian ports on the Arabian Gulf and Gulf of Oman. CENTCOM forces will not impede freedom of navigation for vessels transiting the Strait of Hormuz to and from non-Iranian ports.
https://www.centcom.mil/MEDIA/PRESS-RELE...ian-ports/

Eine Blockade darf nicht generell und schwammig ausgelegt werden, auch ist die Sperrung einer Straße nicht erlaubt, wenn sie unspezifisch ist. D. h. eine kriegführende Partei darf eine Blockade gegenüber den Häfen einer gegnerischen Partei verhängen - und solange es keinen Friedensvertrag gibt, sondern nur einen Waffenstillstand (wie auch am Golf aktuell), darf eine Blockade aufrecht erhalten werden -, aber es darf nicht ein Seeweg generell gesperrt werden.

Bedeutet I: Eine allgemeine Sperrung, wie sie der Iran vornimmt, ist nicht zulässig. Eine Blockade von speziell iranischen Häfen dürften die USA aber vornehmen. Als hypothetisches Bsp.: Wenn Deutschland gegen Dänemark Krieg führen würde, dürfte Deutschland eine Blockade über dänische Häfen erklären, aber es dürfte nicht generell den Großen und den Kleinen Belt (das Seegebiet zwischen Schweden und Dänemark in der westlichen Ostsee) für die Schifffahrt sperren.

Hinzu kommt, dass a) eine freie Passage zur Verfügung stehen muss, wenn neutrale Staaten direkt betroffen wären und sie wegen der Blockade ansonsten keine Möglichkeit für ihren freien Schiffsverkehr mehr hätten (ein Bsp. wäre der freie Korridor nach Griechenland im Ersten Weltkrieg, in welchem das Deutsche Reich zusicherte, dass dort keine Angriffe auf Handelsschiffe stattfinden) und dass b) nach den Blockaderegeln vorgegangen wird.

Das wahllose Bedrohen der Schifffahrt und das wahllose Beschießen von Schiffen (wie es der Iran tut), um eine Sperrung und somit Zugeständnisse zu erzwingen, ist jedoch nicht zulässig. Wenn es eine gezielte Blockade ist, und danach sieht es nach den CENTCOM-Angaben hinsichtlich der US-Absicht aus, dann könnte man zwar Häfen blockieren, darf aber ebenso keinesfalls wahllos Schiffe beschießen. (Bislang ist hier auch kein Verstoß bekannt.)

Bedeutet II: Wenn ein Schiff aus einem iranischen Hafen käme, und der Verdacht auf Konterbande besteht, dann darf das Schiff gestoppt und durchsucht werden. Ist keine Konterbande an Bord, darf es seine Fahrt fortsetzen. Besteht der Verdacht auf Konterbande und kann man diesen nicht ausräumen, so kann das Schiff entweder wahlweise freigegeben oder in einen Hafen zur näheren Inspektion umgeleitet werden. Erhärtet sich der Verdacht nicht, muss das Schiff wieder freigegeben werden. Erhärtet sich der Verdacht, so können Schiff und Fracht beschlagnahmt werden, im schlimmsten Fall ist die Fracht verloren und bleibt das Schiff für die Dauer des Konfliktes interniert. Eine Gewaltanwendung ist den Blockadekräften normal nicht erlaubt, es sei denn, dass die Crew des Schiffes, welches kontrolliert werden soll, beim Boarding Widerstand leistet oder das von Seiten des zu kontrollierenden Schiffes das Feuer eröffnet wird. (Es sei darauf hingewiesen, dass ein Schiff, welches von Blockadekräften zum Stoppen aufgefordert wird zwecks Kontrolle, diesen Aufforderungen Folge leisten muss. Versucht es auch nach mehrmaligem Anruf einen Blockadedurchbruch, so kann und darf dieser in letzter Konsequenz durch begrenzten [und angekündigten] Waffeneinsatz - etwa durch ein Zerschießen des Ruders - oder durch ein unabgesprochenes Boarding verhindert werden.)

Bedeutet III: Die US-Seite darf zwar durchaus eine Blockade iranischer Häfen erklären, aber ebenso keine generelle Sperrung von Hormuz verhängen. Wird eine Blockade der Häfen umgesetzt, so müssen die USA vorab klar definieren, was sie als Konterbande ansehen, nachträglich darf dies nicht geschehen.

@Kongo Erich
Zitat:Ich sehe es schon kommen:
Chinesisch-Pakistanische Kriegsschiffe werden Frachter resp. Tanker für Häfen dieser beiden Staaten auf der vom Iran freigegebenen "sicheren Route" geleiten,
Das wäre durchaus zulässig. Indessen, wenn die Transportschiffe aus iranischen Häfen kämen, dürften die Blockadekräfte eine Inspektion nach Konterbande vornehmen. Bewaffneter Widerstand dagegen dürfte notfalls unter Waffeneinsatz der Blockadekräfte gebrochen werden. Würden sich Kriegsschiffe eines neutralen Staates daran beteiligen oder dagegen ebenso gewaltsam einschreiten, so würde dieser Staat Kriegspartei werden. Ich denke nicht, dass Pakistan oder China es so weit treiben würden.

Schneemann
@Schneemann
Erst einmal danke für die umfangreiche Sachaufklärung.

Es erlaubt mir eine Nachfrage:

zu I.
Wie gestern Abend mit der verlinkten Seekarte dargestellt, erklärt der Iran den südlichen Teil der Straße von Hormus (der zu etwa 2/3 in omanischen Hoheitsgewässern und zu etwa 1/3 in iranischem Hoheitsgewässer liegt) zu einem Gefährdungsgebiet (mögliche Kampfzone, Seeminen ....).
Alternativ bietet er für die freie Schifffahrt eine weiter nördlich gelegene, direkt an iranischen Inseln vorbei führende "freie Route" an.

Insoweit ist es keine allgemeine Sperrung, wie Du schreibst, sondern lediglich die Erklärung eines Gefährdungsgebietes. Diese "Warnhinweise" sind auch in Friedenszeiten durchaus üblich (z.B. Manövergebiete).

Auch die unter I a) genannte "freie Passage" nach dem Beispiel des freien Korridors nach Griechenland liegt also vor.

Ob dagegen der Iran unter I b) entgegen der Blockaderegeln tatsächlich - wie Du ausführst - wahllos irgendwelche Schiffe angegriffen hat, müssten wir näher eruieren. Das ist eine Behauptung, die ich "mit Nichtwissen bestreiten" könnte.

zu II.
Der Iran nimmt sich das Recht heraus, Schiffe aus nichtiranischen Häfen beim Verdacht auf Konterbande zu durchsuchen. Und das nicht nur auf hoher See sondern auf der genannten "freien Route" direkt vor seiner Küste.
Zitat: ...
(Es sei darauf hingewiesen, dass ein Schiff, welches von Blockadekräften zum Stoppen aufgefordert wird zwecks Kontrolle, diesen Aufforderungen Folge leisten muss. Versucht es auch nach mehrmaligem Anruf einen Blockadedurchbruch, so kann und darf dieser in letzter Konsequenz durch begrenzten [und angekündigten] Waffeneinsatz - etwa durch ein Zerschießen des Ruders - oder durch ein unabgesprochenes Boarding verhindert werden.)
Dass Schiffe auch aus Häfen etwa der Emirate diese Passage nutzen, haben wir in den letzten Wochen ja mehrfach gesehen. Insofern scheint der Iran nicht seerechtswidrig zu agieren.
Er handelt also genau so, wie Du das unter II. den USA sogar in internationalen Gewässern zugestehst.

zu III.
gilt das dann aber genauso für den Iran - auch er darf durchaus eine Blockade nichtiranischer (feindlicher) Häfen am Golf erklären. Auch er darf ebenso keine generelle Sperrung der Straße verhängen. Das hat er aber auch gar nicht, sondern er hat vielmehr ausdrücklich eine Ausweichroute ausgewiesen.
Er kann dort natürlich genauso ein Schiff stoppen und durchsuchen wie die USA das in internationalen Gewässern für Schiffe aus oder nach iranischen Häfen auch dürfen.
(14.04.2026, 05:51)Schneemann schrieb: [ -> ]... Eine Gewaltanwendung ist den Blockadekräften normal nicht erlaubt, es sei denn, dass die Crew des Schiffes, welches kontrolliert werden soll, beim Boarding Widerstand leistet oder das von Seiten des zu kontrollierenden Schiffes das Feuer eröffnet wird. (Es sei darauf hingewiesen, dass ein Schiff, welches von Blockadekräften zum Stoppen aufgefordert wird zwecks Kontrolle, diesen Aufforderungen Folge leisten muss. Versucht es auch nach mehrmaligem Anruf einen Blockadedurchbruch, so kann und darf dieser in letzter Konsequenz durch begrenzten [und angekündigten] Waffeneinsatz - etwa durch ein Zerschießen des Ruders - oder durch ein unabgesprochenes Boarding verhindert werden.)
...
Schneemann
dazu n-tv: Trump will Irans Boote "wie Drogenhändler" "eliminieren"

ergänzend IV neu:
Die Ausweichroute verursacht Kosten zur Sicherung - Leuchtfeuer und Seezeichen wie Bojen, Lotsen, Freihaltung vor feindlichen Eingriffen ... dafür erhebt der Iran von den Schiffen, die diese Ausweichroute nutzen, ein "Wegegeld", ähnlich wie das die Türkei beim Transit zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer macht.
Ist das rechtswidrig?

Ergänzend:
Ein von den USA sanktionierter chinesischer Tanker hat Schiffsdaten zufolge trotz einer US-Blockade die Straße von Hormus durchquert. Laut den Daten der Anbieter LSEG, MarineTraffic und Kpler ist es das erste Schiff, dem die Durchfahrt aus dem Persischen Golf seit Beginn der US-Blockade am Montag gelungen ist.
Zitat:Der Tanker mittlerer Größe hat den Angaben zufolge rund 250.000 Barrel Methanol an Bord, die er im Hafen von Hamrija in den Vereinigten Arabischen Emiraten geladen habe. Das Schiff und seine Eignergesellschaft Shanghai Xuanrun Shipping wurden von den USA wegen Geschäften mit dem Iran auf eine Sanktionsliste gesetzt. Ein weiterer von den USA mit Sanktionen belegter Tanker nahm den LSEG-Daten zufolge ebenfalls Kurs auf die Meerenge. Der leere Tanker soll laut den Daten von Kpler im Irak Heizöl laden. Das Schiff hat bereits russisches und iranisches Öl transportiert.

Die USA wollen seit Montagnachmittag MESZ den gesamten Schiffsverkehr zu und von iranischen Häfen in der Straße von Hormus blockieren und auch Schiffen die Durchfahrt verweigern, die vom Iran geforderte Transitgebühren an Teheran bezahlen.
Quelle
US Naval Skies
Gestern um 10:40
über Facebook
Zitat:Die USS Abraham Lincoln (CVN-72) hat 2026 ihre höchste Rolle als Hauptarchitekt für die Durchsetzung der "Hormuz Full Blockade" übernommen. " Anders als Standardpatrouillen ist eine "Full Blockade" eine komplexe Seeoperation, die darauf abzielt, den Transit von nicht autorisierten Schiffen durch den weltweit entscheidendsten Energieknopfpunkt vollständig Um dies zu erreichen, verwendet die "Abe" ein mehrschichtiges "Digitales und Physical Net". Indem er E-2D Advanced Hawkeyes als "Quarterbacks am Himmel" lanciert, erstellt der Lincoln eine Echtzeit-Tracking-Karte von jedem Dhow, Tanker und Speedboat im Umkreis von hundert Meilen. Dies erlaubt der Streikgruppe des Flugzeugträgers, nicht konforme Schiffe mit chirurgischer Präzision abzufangen, indem sie eine Kombination aus zerstörergeführten Boardingteams und "Kraftshow" von F/A-18 Super Hornets verwenden, um sicherzustellen, dass kein einziges Fass illegaler Fracht durch die Straße kommt.

Die Durchsetzung einer Blockade in einer so engen, überlasteten Wasserstraße ist eine Übung in extremer Disziplin und Eskalationsmanagement. Für die Piloten und Matrosen auf dem Lincoln geht es bei der Herausforderung nicht nur darum, Schiffe zu stoppen; es geht darum, zwischen einer legitimen Bedrohung und einem zivilen Schiff in einem „Sekunden-Fenster“ zu unterscheiden. Im April 2026 hat die Besatzung des Flugzeugträgers rund um die Uhr gearbeitet, um "Sättigungstaktiken" zu bewältigen, bei denen kleine, schnellangriffige Boote versuchen, die Blockadelinien zu schwärmen, um Verwir Durch die Aufrechterhaltung einer 24-stündigen "Kampfluftpatrouille" und die Nutzung fortgeschrittener elektronischer Störungen zur Unterbrechung der feindlichen Koordination hat die USS Abraham Lincoln die Straße effektiv in eine Einbahnstraße verwandelt, was beweist, dass die US-Marine eine "harte Lock" an den globalen Seegoren halten
(ich habe die angebotene Maschinenübersetzung bewusst nicht geändert; einmal können das andere besser als ich und zum zweiten möchte ich nicht etwas "interpretieren", was so nicht da steht - das läuft grob unter dem Aspekt "Originaltreue")

(14.04.2026, 10:38)Kongo Erich schrieb: [ -> ]...

Ergänzend:
Ein von den USA sanktionierter chinesischer Tanker hat Schiffsdaten zufolge trotz einer US-Blockade die Straße von Hormus durchquert. Laut den Daten der Anbieter LSEG, MarineTraffic und Kpler ist es das erste Schiff, dem die Durchfahrt aus dem Persischen Golf seit Beginn der US-Blockade am Montag gelungen ist.
Quelle
die Route des chinesischen Tankers ist getrackt worden (Video) Die Aufzeichnung zeigt, dass der Tanker exakt die vom Iran vorgesehene Ausweichroute dicht an den iranischen Inseln entlang genutzt hat. Daher wurde wohl auch die vom Iran geforderte Transitgebühr bezahlt.
Schneemann:

Zitat: Eine allgemeine Sperrung, wie sie der Iran vornimmt, ist nicht zulässig. Eine Blockade von speziell iranischen Häfen dürften die USA aber vornehmen.

Der Iran sperrt nicht allgemein. Und die USA "dürfen" überhaupt alles, denn für alles kann man irgendwelche rechtlichen Konstruke bemühen und dann so tun, als wäre das geltendes Recht.

Zitat:wenn die Transportschiffe aus iranischen Häfen kämen, dürften die Blockadekräfte eine Inspektion nach Konterbande vornehmen. Bewaffneter Widerstand dagegen dürfte notfalls unter Waffeneinsatz der Blockadekräfte gebrochen werden. Würden sich Kriegsschiffe eines neutralen Staates daran beteiligen oder dagegen ebenso gewaltsam einschreiten, so würde dieser Staat Kriegspartei werden. Ich denke nicht, dass Pakistan oder China es so weit treiben würden.

Anstelle der Chinesen würde ich hier die Nagelprobe wagen, aus einer Vielzahl von Gründen. Denn der Krieg der USA gegen den Iran wird weltweit mehrheitlich als Völkerrechtswidrig eingestuft. Mal sehen ob die USA tatsächlich ein chinesisches Kriegsschiffe beschießen würden, mit allen Implikationen die sich daraus ergeben würden.

In diesem Kontext möchte ich dir die Frage stellen, inwiefern eigentlich eine Blockade rechtmäßig sein kann, wenn schon der zugrunde liegende Krieg rechtswidrig ist?! Aber ja ich vergaß: er kann per definitionem ja gar nicht rechtswidrig sein. Womit wir bei völliger Beliebigkeit sind.

Schlußendlich verhält es sich nämlich einfach so, dass der militärisch stärkere automatisch rechtmäßig handelt, während der militärisch schwächere automatisch rechtswidrig handelt, denn dass ist in Wahrheit die faktische Realität. Indem Juristen einfach nach belieben Wörter elegant anordnen.

Und genau deshalb würde ich es anstelle der Chinesen einfach darauf ankommen lassen. Verbunden mit der vorherigen Androhung massivster Konsequenzen.
Was die Blockade betrifft ist es doch egal, ob der Krieg völkerrechtswidrig ist (er muss es eigentlich immer sein, da immer mindestens eine Seite im Unrecht ist).

Zitat:BLOCKADE IN TIME OF WAR
Article 1. A blockade must not extend beyond the ports and coasts belonging to or occupied
by the enemy.
Art. 2. In accordance with the Declaration of Paris of 1856, a blockade, in order to be binding,
must be effective-- that is to say, it must be maintained by a force sufficient really to prevent
access to the enemy coastline.
Art. 3. The question whether a blockade is effective is a question of fact.
Art. 4. A blockade is not regarded as raised if the blockading force is temporarily withdrawn
on account of stress of weather.
Art. 5. A blockade must be applied impartially to the ships of all nations.
Art. 6. The commander of a blockading force may give permission to a warship to enter, and
subsequently to leave, a blockaded port.

https://ihl-databases.icrc.org/assets/tr...-31-EN.pdf

In dem Moment, wo der Rest der Strasse frei navigierbar ist, und nur das Anlaufen von iranischen Häfen bzw. der Aufenthalt in iranischen Gewässern Teil der Blockade ist, würde nach meinem Verständnis ein chinesischer Tanker, der die Blockade bricht oder versucht zu brechen, einen privaten Rechtsbruch begehen (der zur Beschlagnahmung des Schiffes führen kann), aber ein chinesisches Kriegsschiff welches selbst aktiv die Blockade bricht würde dagegen einen Kriegsakt gegen den Blockade-erklärenden Staat begehen, zumindest wenn tatsächlich ausreichend Militärpräsenz vor Ort vorhanden ist, um einen Blockadedurchbruch mit hoher Wahrscheinlichkeit mit militärischen Mitteln verhindern zu können.

Oder was meinen die Experten dazu?
@Kongo Erich
Zitat:Wie gestern Abend mit der verlinkten Seekarte dargestellt, erklärt der Iran den südlichen Teil der Straße von Hormus (der zu etwa 2/3 in omanischen Hoheitsgewässern und zu etwa 1/3 in iranischem Hoheitsgewässer liegt) zu einem Gefährdungsgebiet (mögliche Kampfzone, Seeminen ....).
Alternativ bietet er für die freie Schifffahrt eine weiter nördlich gelegene, direkt an iranischen Inseln vorbei führende "freie Route" an.
Diese Vorgehensweise gibt es aber sanktioniert in diesem Sinne nicht. Folgt man der Logik, sind alle Weltmeere mögliche Gefährdungsgebiete, was keinen Sinn ergäbe. Zudem ist die vorgeblich ausgewiesene Route nicht frei.
Zitat:Insoweit ist es keine allgemeine Sperrung, wie Du schreibst, sondern lediglich die Erklärung eines Gefährdungsgebietes. Diese "Warnhinweise" sind auch in Friedenszeiten durchaus üblich (z.B. Manövergebiete).
Der Iran hat selbst erklärt, dass er die Straße gesperrt habe, so ließ es das IRGC am 5. März verlauten. Du meintest ja auch selbst schon, dass der Iran die Straße gesperrt habe. Ob das nun stimmt sei dahingestellt.
Zitat:Auch die unter I a) genannte "freie Passage" nach dem Beispiel des freien Korridors nach Griechenland liegt also vor.
Nein. Denn eine solche Passage muss frei sein.
Zitat:Ob dagegen der Iran unter I b) entgegen der Blockaderegeln tatsächlich - wie Du ausführst - wahllos irgendwelche Schiffe angegriffen hat, müssten wir näher eruieren.
Nein. Es wurden rund zwei Dutzend Schiffe aus aller Herren Länder wahllos beschossen, bevor irgendwelche "Sperren" oder "Gefährdungsgebiete" benannt wurden. Rund ein halbes Dutzend Schiffe wurde aufgegeben oder ist wohl irreparabel beschädigt. Und damit hatte man das psychologische Ziel erreicht, denn die Schiffe verstecken sich nun wie die Lemminge in ihrer Höhle und warten ab.
Zitat:Der Iran nimmt sich das Recht heraus, Schiffe aus nichtiranischen Häfen beim Verdacht auf Konterbande zu durchsuchen. Und das nicht nur auf hoher See sondern auf der genannten "freien Route" direkt vor seiner Küste.
Das Untersuchen auf Konterbande wäre im Rahmen einer Blockade zulässig, diese hat der Iran aber gerade nicht erklärt. Zudem hast du einen Denkfehler hier: Die "freie Route" unterliegt nicht den Blockaderichtlinien oder der Prisenordnung. Wenn der Iran Schiffe kontrollieren wöllte, müsste es in einem deklarierten Blockadegebiet geschehen bzw. wenn bestimmte Häfen angesteuert werden, aber nicht auf einer "freien Route", denn diese ist ja ausgenommen.
Zitat:gilt das dann aber genauso für den Iran - auch er darf durchaus eine Blockade nichtiranischer (feindlicher) Häfen am Golf erklären. Auch er darf ebenso keine generelle Sperrung der Straße verhängen. Das hat er aber auch gar nicht, sondern er hat vielmehr ausdrücklich eine Ausweichroute ausgewiesen.
Es ist durchaus richtig, dass der Iran eine Blockade nichtiranischer Häfen am Golf erklären dürfte.

1. Genau das hat er aber nicht getan. Und das wohl auch mit Bedacht, denn eine solche Erklärung wäre faktisch eine direkte Kriegshandlung. Und in Teheran will man tunlichst vermeiden, dass die VAE oder die Saudis direkt als Kriegspartei in den Konflikt eintreten. Deswegen hat man keine Blockade von deren Häfen erklärt, sondern schwammig eine Sperrung von Hormuz verkündet, was aber eben nicht zulässig ist.

2. Hinzu käme, dass der Iran, wenn er eine Blockade der z. B. VAE-Häfen erklären würde, diese auch umsetzen müsste. D. h. er müsste herumfahren und Schiffe nach Konterbande überprüfen. Da er aber dazu keine maritimen Kapazitäten mehr hat, verkündet er eben die betreffende Sperrung und lässt nebulös die Drohung im Hintergrund mitschwingen, dass vielleicht irgendwo Minen liegen oder ein TEL an der Küste herumsteht.
Zitat:Die Ausweichroute verursacht Kosten zur Sicherung - Leuchtfeuer und Seezeichen wie Bojen, Lotsen, Freihaltung vor feindlichen Eingriffen ... dafür erhebt der Iran von den Schiffen, die diese Ausweichroute nutzen, ein "Wegegeld", ähnlich wie das die Türkei beim Transit zwischen Schwarzem Meer und Mittelmeer macht.
Ist das rechtswidrig?
Nein, wenn die Ausweichroute zwangsläufig eröffnet werden muss.

Bsp.: Wenn Godzilla boshaft Hormuz blockiert und alle Tanker anknabbert und die armen Perser extra einen Kanal durch den Oman buddeln müssen, um die Schifffahrt zu ermöglichen, dann dürften sie dafür eine Gebühr erheben. In betreffendem Fall hat der Iran aber selbst das Chaos verursacht und deswegen darf er keine Gebühr verlangen, zumal die Ursache des Chaos' von ihm selbst verursacht wurde ("Sperrung").

@Quintus
Zitat:Der Iran sperrt nicht allgemein.
Natürlich tut er dies bzw. er suggeriert, dass er es getan hat. Dass natürlich dann in den heutigen Zeiten der Mumm fehlt, einfach dennoch durch die Straße zu fahren, sei dahingestellt - vermutlich wäre dies mit minimalen Verlusten machbar - und das ist hier auch nicht entscheidend.
Zitat:Und die USA "dürfen" überhaupt alles, denn für alles kann man irgendwelche rechtlichen Konstruke bemühen und dann so tun, als wäre das geltendes Recht.
Das habe ich nicht gesagt. Zudem habe ich oben auch umrissen, dass das Recht auf eine Blockade auch dem Iran zustehen würde. Aber genau das tut er ja nicht.
Zitat:In diesem Kontext möchte ich dir die Frage stellen, inwiefern eigentlich eine Blockade rechtmäßig sein kann, wenn schon der zugrunde liegende Krieg rechtswidrig ist?!
Darum geht es allerdings nicht. Ob der Krieg nun legal, illegal, halblegal etc. ist, spielt keine Rolle beim Beurteilen des Seerechtes oder der Prisenordnung. Genau genommen kann ein Krieg als solcher sogar nicht legal sein, aber die Handlungen in einem Krieg können dennoch geltendem Recht unterliegen. Zumal das hier auch der Fall ist, denn der aktuelle Konflikt, unabhängig von den Ursachen oder wer nun wann den ersten Stein geworfen hat, findet ja definitiv nicht in einem rechtsfreien Raum statt.
Zitat:Und genau deshalb würde ich es anstelle der Chinesen einfach darauf ankommen lassen.
Was heißt das genau? Man müsste faktisch als erster schießen, wenn z. B. ein Boarding eines Blockadebrechers vorgenommen werden soll und wenn man diesen eskortiert und wenn man dieses verhindern will. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das geschehen wird.

Schneemann
(15.04.2026, 05:57)Schneemann schrieb: [ -> ]....
Was heißt das genau? Man müsste faktisch als erster schießen, wenn z. B. ein Boarding eines Blockadebrechers vorgenommen werden soll und wenn man diesen eskortiert und wenn man dieses verhindern will. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das geschehen wird.

Schneemann
nur kurz (ich lieg mit Schüttelfrost darnieder)
Konvoi A mit Escorte C ist auf dem Weg.
Blockadeschiff U fordert das Schiff XY aus dem Konvoi auf, zu stoppen, ein Boarding-Team ab Bord zu nehmen und sich durchsuchen zu lassen.
Escorte C warnt vor Störung des Schiffsverkehrs.
Schiff XY bleibt im Konvoi und weigert sich auszuscheren.
Blockadeschiff U schießt vor den Bug oder auf die Ruderanlage von Schiff XY
=> wer hat den ersten Schuss abgegeben?

Nichts neues
Mission nach dem Krieg geplant
Europäer wollen offenbar Schifffahrt bei Hormus absichern
@Kongo Erich
Zitat:nur kurz (ich lieg mit Schüttelfrost darnieder)
Gute Besserung.
Zitat:Konvoi A mit Escorte C ist auf dem Weg.
Blockadeschiff U fordert das Schiff XY aus dem Konvoi auf, zu stoppen, ein Boarding-Team ab Bord zu nehmen und sich durchsuchen zu lassen.
Escorte C warnt vor Störung des Schiffsverkehrs.
Schiff XY bleibt im Konvoi und weigert sich auszuscheren.
Blockadeschiff U schießt vor den Bug oder auf die Ruderanlage von Schiff XY
=> wer hat den ersten Schuss abgegeben?
U würde nicht sofort ins Ruder schießen (dürfen), sondern würde nach Ankündigung ein Boarding-Team mit dem Hubschrauber herüberfliegen zu XY und das absetzen.

Schneemann
Auf dem Schiff welches der Heli anfliegt ist ein Zug Marineinfanterie. Man erklärt bereits vorher öffentlich, dass man das Boarding als Akt der Piraterie ansieht und es nicht akzeptieren wird. Wird dann das Boarding überhaupt stattfinden? Wird man versuchen ein Schiff zu boarden auf dem sich Infanterie befindet? Wohl kaum. Also was dann? Beschießt man dann das zivile Schiff? Schießt als erster? Zerstört die Ruderanlage? Während vorher schon klar angekündigt wurde, dass das Begleitkriegsschiff in diesem Fall das Feuerr aus gerechtfertigter Notwehr und Selbstverteidigung erwiedern wird?! Wird man also kriegerische Handlungen mit China für das bloße Boarding eines chinesischen Schiffes riskieren? Mit allen Konsequenzen die das nach sich zieht?

Absolut unglaubwürdig. Die ganze Sache ist eine rein psychologische, so wie auch die "Sperrung" der Straße durch die Iraner eine rein psychologische ist.

Anstelle der Chinesen käme es im weiteren gerade eben darauf an, hier einen Präzedenzfall zu schaffen.
(16.04.2026, 05:51)Schneemann schrieb: [ -> ]@Kongo Erich
Gute Besserung.
U würde nicht sofort ins Ruder schießen (dürfen), sondern würde nach Ankündigung ein Boarding-Team mit dem Hubschrauber herüberfliegen zu XY und das absetzen.
Wobei C dann wahrscheinlich drohen würde dies zu unterbinden, und allein diese Drohung würde den Vorgang abbrechen weil kein beinhartes “opposed boarding” mit vorherigem Kaltstellen von C. Mit einem Speedboat an Bord zu gehen wäre deutlich sicherer sofern C nicht zustimmt bzw. deutlich macht nicht eingreifen zu wollen.
Nur um das Ganze etwas abzukürzen: Eine Blockade gilt zwischen Kriegsparteien. Eine Partei darf nach engen Richtlinien blockieren bzw. eine Blockade erklären und verhängen. Die einzige Partei, die einen bewaffneten Aus- oder Durchbruch unternehmen darf, ist die blockierte Partei, d. h. die Iraner dürften (ohne Sympathien bekunden zu wollen) legitim die Blockadekräfte attackieren.

Jede andere, neutrale Nation, die wissentlich im Vorfeld einen bewaffneten Blockadedurchbruch planen würde (und das Verstecken von einem Bataillon Soldaten im Laderaum zählt dazu), würde direkt zur Kriegspartei werden. Das bleibt also nun dieser Nation überlassen, ob man dies riskieren will.

Schneemann
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