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Normale Version: Zukunft des Irak
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Zitat:Iranischen Bastharde

Es ist erstaunlich wie weit manche User gehen können, ohne befürchten zu müssen eine Ermahnung/Verwarnung zu kassieren. Revan, halte dich besser mit deiner horrenden Gesinnung zurück, sie interessiert keinen hier!
Der Ausdruck Bastharde kann nicht mal in geringsten das aussagen was ich von denen halte und was sie auch sind aber eine Verwarnung ist es mir nicht wert daher lösche ich es. Aber was sind eure Prognosen zum Irak.

Die Truppen sollen reduziert werden. :x

http://www.faz.net/s/RubDDBDABB9457A437 ... googlefeed
Wie beurteilt ihr die jetzige Situation im Irak?
Aktuell lässt sich feststellen, das die Gefahr eines Bürgerkrieges zwischen Schiiten und Sunniten gebannt erscheint, und Al Qaida im Irak viel an Stärke verloren hat.
Angeblich soll der irakische Zweig von Al Qaida derzeit versuchen, einen Konflikt zwischen Kurden und Arabern zu provozieren.
Zudem hat inzwischen der Abzug der US-Truppen, der 2011 abgeschlossen sein soll, begonnen.
In welchem Maße könnte dieser Abzug den Irak innenpolitisch wieder destabilisieren? Könnte der Einfluss des Iran im Irak zunehmen, oder droht gar ein Konflikt zwischen dem neuen Irak und dem Iran?
Zitat:Salehi seeks Iran-Iraq-Turkey-Syria alliance for regional security

TEHRAN, Jan. 5 (MNA) – A top Iranian diplomat says it hopes that Tehran, Baghdad, Ankara, and Damascus form an alliance to take major steps for promotion of regional peace and security.

Iranian Acting Foreign Minister Ali Akbar Salehi made the proposal in a meeting with Iraqi Parliament Speaker Osama al-Najafi in Baghdad on Wednesday.
...
http://www.mehrnews.com/en/newsdetail.a ... ID=1226006
Eine "Iran-Iraq-Turkey-Syria alliance" schließe ich eigentlich aus. Dazu sind trotz aller Wirtschaftsbeziehungen die Rivalitäten zwischen dem schiiitischen Iran mit dem Anspruch eienr "Regionalmacht", der sunnitischen Türkei (mit neoosmanischen Tendenzen) und den "Störfaktoren" Kurden und wahabitisches Saudi Arabien zu stark.

Und die Religion ist in der gesamten Region zu sehr verwurzelt, als dass man mit anderen Staaten "gegen die eigenen Glaubensbrüder" zusammen arbeiten würde. Vielmehr versuchen gerae Türkei und Syrien das "Vehikel Religion" auszunützen, um sich Einfluss zumindest auf Teile des Irak und Syriens zu sichern.
Die Kooperation zwischen dem alawitisch regierten Syrien und dem schiitischen Iran ist ja bekannt - und (was zu erwarten war) der schiitische Irak scheint sich zu einem Bindeglied zu entwickeln;
jedenfalls kooperieren Iraner und Iraker inzwischen in einem anderen Bereich:
http://www.n-tv.de/politik/Irak-leistet ... 02886.html
Zitat:Sonntag, 19. August 2012

Umgehung von Wirtschaftssanktionen
Irak leistet Iran "Schützenhilfe"


Der Iran soll Wege gefunden haben, wie das Land direkten Zugang zum internationalen Finanzsystem erhält, von dem es eigentlich abgeschnittenn werden sollte. Nach Berichten aus den USA soll der Irak der Führung in Teheran dabei "Schützenhilfe" leisten.
.....
das bringt mich zum Thema "Zukunft des Irak" und wahrscheinlich auch "Zukunft Syrien": die Kantonisierung (nach dem Vorbild der Schweiz) des einstigen Zentralstaates Irak (und auch Syriens) schreitet offenbar voran. Damit geht zwangsläufig eine "Neutralisierung" einher, weil sich die Staaten gegen die inneren Widerstände nicht mehr "als Ganzes" auf eine Seite schlagen können.
Dies dürfte mittel- und langfristig dazu führen, dass Syrien und der Irak selbst als "aktive Akteure" ausscheiden, was letztendlich zur einer friedlicheren Entwicklung der "Kantone" in diesen beiden Staaten unter wirtschaftlicher und bildungspolitischen Förderung der konkurrierenden Gruppierungen aus der Nachbarschaft führen könnte.

Sobald sich der sunnitisch - schiitische Konflikt entschärft, etwa in dem er sich in einer Stabilisierung der "Kantone" erschöpft, dürfte vielmehr eine ganz andere "Konkurrenz" auf den Plan treten, eine Konkurrenz, die wir in Ägypten (auch in Syrien und im Irak) schon mehr oder weniger deutlich sehen:
die zwischen den sunnitischen "Muslimbrüdern" und den saudi-arabisch geförderten Salafisten. Ich kann mir vorstellen, dass in diesem Konflikt zwischen den "klassischen sunnitischen Eliten" in der Türkei und Ägypten und den fundamentalistischen Anhängern der eigentliche Konflikt der Zukunft liegt
Eine "Iran-Iraq-Turkey-Syria alliance" schließe ich eigentlich aus. Dazu sind trotz aller Wirtschaftsbeziehungen die Rivalitäten zwischen dem schiiitischen Iran mit dem Anspruch eienr "Regionalmacht", der sunnitischen Türkei (mit neoosmanischen Tendenzen) und den "Störfaktoren" Kurden und wahabitisches Saudi Arabien zu stark.

Und die Religion ist in der gesamten Region zu sehr verwurzelt, als dass man mit anderen Staaten "gegen die eigenen Glaubensbrüder" zusammen arbeiten würde. Vielmehr versuchen gerae Türkei und Syrien das "Vehikel Religion" auszunützen, um sich Einfluss zumindest auf Teile des Irak und Syriens zu sichern.
Die Kooperation zwischen dem alawitisch regierten Syrien und dem schiitischen Iran ist ja bekannt - und (was zu erwarten war) der schiitische Irak scheint sich zu einem Bindeglied zu entwickeln;
jedenfalls kooperieren Iraner und Iraker inzwischen in einem anderen Bereich:
http://www.n-tv.de/politik/Irak-leistet ... 02886.html
Zitat:Sonntag, 19. August 2012

Umgehung von Wirtschaftssanktionen
Irak leistet Iran "Schützenhilfe"


Der Iran soll Wege gefunden haben, wie das Land direkten Zugang zum internationalen Finanzsystem erhält, von dem es eigentlich abgeschnittenn werden sollte. Nach Berichten aus den USA soll der Irak der Führung in Teheran dabei "Schützenhilfe" leisten.
.....
das bringt mich zum Thema "Zukunft des Irak" und wahrscheinlich auch "Zukunft Syrien": die Kantonisierung (nach dem Vorbild der Schweiz) des einstigen Zentralstaates Irak (und auch Syriens) schreitet offenbar voran. Damit geht zwangsläufig eine "Neutralisierung" einher, weil sich die Staaten gegen die inneren Widerstände nicht mehr "als Ganzes" auf eine Seite schlagen können.
Dies dürfte mittel- und langfristig dazu führen, dass Syrien und der Irak selbst als "aktive Akteure" ausscheiden, was letztendlich zur einer friedlicheren Entwicklung der "Kantone" in diesen beiden Staaten unter wirtschaftlicher und bildungspolitischen Förderung der konkurrierenden Gruppierungen aus der Nachbarschaft führen könnte.

Sobald sich der sunnitisch - schiitische Konflikt entschärft, etwa in dem er sich in einer Stabilisierung der "Kantone" erschöpft, dürfte vielmehr eine ganz andere "Konkurrenz" auf den Plan treten, eine Konkurrenz, die wir in Ägypten (auch in Syrien und im Irak) schon mehr oder weniger deutlich sehen:
die zwischen den sunnitischen "Muslimbrüdern" und den saudi-arabisch geförderten Salafisten. Ich kann mir vorstellen, dass in diesem Konflikt zwischen den "klassischen sunnitischen Eliten" in der Türkei und Ägypten und den fundamentalistischen Anhängern der eigentliche Konflikt der Zukunft liegt
inzwischen hat sich auch Michael Wolffsohn, Historiker und Publizist, und von 1981 bis 2912 Prof für "neuere Geschichte" an der Bundeswehr Uni in München in einer Kommentierung in der Süddeutschen Zeitung geäussert:
http://www.sueddeutsche.de/politik/umbr ... -1.1446065
Zitat:Umbruch im Nahen Osten
Syrien ist nur der Anfang


21.08.2012, 14:55 Ein Gastbeitrag von Michael Wolffsohn

"Assad, ja oder nein?", das ist im syrischen Bürgerkrieg nicht mehr die entscheidende Frage. Sie lautet: Wie sieht die Landkarte des Nahen Ostens aus, wenn der Arabische Frühling beendet ist? Frieden wird erst herrschen, wenn die kolonialen Grenzen eingerissen sind.

Geschichte, Vergangenheit rächt sich in der Gegenwart. Das beweist der syrische Bürgerkrieg. Er ist Vorbote großer Umgestaltungen innerhalb und außerhalb des Nahen Ostens. Längst geht es nicht mehr um "Assad, ja oder nein?". Über kurz oder lang ist mit einer völligen Umformung der nahöstlichen und teils auch außernahöstlichen Staatenwelt zu rechnen. Auseinanderbrechen wird, was auseinanderbrechen will. Zusammenwachsen wird, was zusammengehört und will, doch nach dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg nicht durfte.
...
Wolffsohn teilt in vielen Dingen meine Ansicht von der nötigen "Kantonisierung" der ethnisch und religös unterschiedlichen Regionen, auch wenn ich seine Ausweitung des Ansatzes nicht überall für aktuell halte.
Allerdings möchte ich einige seiner Beiträge einfach wiedergeben:
Zitat:...
Syrien entstand nach dem Ersten Weltkrieg als Folge der Zerschlagung des osmanisch-türkischen Reichs, das bekanntlich ein Vielvölkerstaat war. "Selbstbestimmung der Völker", hier der Araber, hieß die Etikette. Es war meistens ein Etikettenschwindel. In Nahost führten dabei Großbritannien und Frankreich die Regie.
...

In einen Syrien genannten Rahmen wurde die sunnitische Mehrheit mit quasi-schiitischen Alawiten, Christen und Kurden zusammengebracht. Nur eine Sache einte sie: Sie wollten nicht in einem staatlichen Verbund zusammenleben. So wenig wie die Christen im nun ebenfalls von Frankreich formierten und gelenkten Libanon mit Sunniten, Drusen und Schiiten.

Seit der Entstehung der Kunststaaten gärt es

Großbritannien presste Schiiten, Sunniten, Kurden und Christen zum Kunststaat Irak zusammen. Die jeweiligen Bevölkerungsgruppen waren über diese fremdgesteuerte "Selbstbestimmung" so begeistert wie ihre arabischen Brüder in Syrien, Libanon und Palästina,
....

Seit der Entstehung dieser Kunststaaten gärt es. Konflikte wurden mehrfach ausgefochten, nicht nur mit Worten, oft auch mit Gewalt. Doch nie war das Binnengefüge der Kunststaaten so fragil wie jetzt. Ihr Zusammenbruch ist nur noch eine Frage der Zeit. Die Staatenkarte des Nahen Ostens wird dann ganz anders aussehen. Das ist durch Demografie, Ethnologie und Theologie der Region programmiert.
...


So könnte der Nahe Osten aussehen 21.08.2012, 14:55

Wie könnte die neue Nahost-Staatenwelt aussehen? Sie wird nicht mehr zentralistisch, sondern eher föderativ, bundesstaatlich, teils auch konföderativ sein. Die syrischen, libanesischen und irakischen Sunniten formen einen neuen Staat. Die quasi-schiitischen Alawiten Syriens bilden mit den Schiiten Libanons eine Föderation. Die in Irak autonomen, fast schon unabhängigen Kurden werden sich mit den syrischen und über kurz oder lang türkischen sowie iranischen Kurden zu einer Kurdischen Bundesrepublik oder Konföderation zusammenschließen.
...

Föderale Strukturen wird auch Libyen aufbauen müssen. Andernfalls zerbricht dieser Kunststaat, wie Sudan bereits in Nord und Süd und Mali zerbrochen ist. Gleiches steht den meisten Kunststaaten Nordwestafrikas bevor. Längst hat die Arabische Revolution auch Bahrain und Saudi-Arabien erfasst. Nur zur Explosion ist es noch nicht gekommen. Das ist nur eine Frage der Zeit.

Zuerst dürfte Bahrain kippen. Hier wird die schiitische Mehrheit die Macht übernehmen und einen wie auch immer gearteten Verbund mit dem schiitischen Iran und den Schiiten Saudi-Arabiens bilden. Diese leben im Osten des ölreichen Königreichs, wo das schwarze Gold der Saudis liegt.
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inzwischen hat sich auch Michael Wolffsohn, Historiker und Publizist, und von 1981 bis 2912 Prof für "neuere Geschichte" an der Bundeswehr Uni in München in einer Kommentierung in der Süddeutschen Zeitung geäussert:
http://www.sueddeutsche.de/politik/umbr ... -1.1446065
Zitat:Umbruch im Nahen Osten
Syrien ist nur der Anfang


21.08.2012, 14:55 Ein Gastbeitrag von Michael Wolffsohn

"Assad, ja oder nein?", das ist im syrischen Bürgerkrieg nicht mehr die entscheidende Frage. Sie lautet: Wie sieht die Landkarte des Nahen Ostens aus, wenn der Arabische Frühling beendet ist? Frieden wird erst herrschen, wenn die kolonialen Grenzen eingerissen sind.

Geschichte, Vergangenheit rächt sich in der Gegenwart. Das beweist der syrische Bürgerkrieg. Er ist Vorbote großer Umgestaltungen innerhalb und außerhalb des Nahen Ostens. Längst geht es nicht mehr um "Assad, ja oder nein?". Über kurz oder lang ist mit einer völligen Umformung der nahöstlichen und teils auch außernahöstlichen Staatenwelt zu rechnen. Auseinanderbrechen wird, was auseinanderbrechen will. Zusammenwachsen wird, was zusammengehört und will, doch nach dem Ersten oder Zweiten Weltkrieg nicht durfte.
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Wolffsohn teilt in vielen Dingen meine Ansicht von der nötigen "Kantonisierung" der ethnisch und religös unterschiedlichen Regionen, auch wenn ich seine Ausweitung des Ansatzes nicht überall für aktuell halte.
Allerdings möchte ich einige seiner Beiträge einfach wiedergeben:
Zitat:...
Syrien entstand nach dem Ersten Weltkrieg als Folge der Zerschlagung des osmanisch-türkischen Reichs, das bekanntlich ein Vielvölkerstaat war. "Selbstbestimmung der Völker", hier der Araber, hieß die Etikette. Es war meistens ein Etikettenschwindel. In Nahost führten dabei Großbritannien und Frankreich die Regie.
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In einen Syrien genannten Rahmen wurde die sunnitische Mehrheit mit quasi-schiitischen Alawiten, Christen und Kurden zusammengebracht. Nur eine Sache einte sie: Sie wollten nicht in einem staatlichen Verbund zusammenleben. So wenig wie die Christen im nun ebenfalls von Frankreich formierten und gelenkten Libanon mit Sunniten, Drusen und Schiiten.

Seit der Entstehung der Kunststaaten gärt es

Großbritannien presste Schiiten, Sunniten, Kurden und Christen zum Kunststaat Irak zusammen. Die jeweiligen Bevölkerungsgruppen waren über diese fremdgesteuerte "Selbstbestimmung" so begeistert wie ihre arabischen Brüder in Syrien, Libanon und Palästina,
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Seit der Entstehung dieser Kunststaaten gärt es. Konflikte wurden mehrfach ausgefochten, nicht nur mit Worten, oft auch mit Gewalt. Doch nie war das Binnengefüge der Kunststaaten so fragil wie jetzt. Ihr Zusammenbruch ist nur noch eine Frage der Zeit. Die Staatenkarte des Nahen Ostens wird dann ganz anders aussehen. Das ist durch Demografie, Ethnologie und Theologie der Region programmiert.
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So könnte der Nahe Osten aussehen 21.08.2012, 14:55

Wie könnte die neue Nahost-Staatenwelt aussehen? Sie wird nicht mehr zentralistisch, sondern eher föderativ, bundesstaatlich, teils auch konföderativ sein. Die syrischen, libanesischen und irakischen Sunniten formen einen neuen Staat. Die quasi-schiitischen Alawiten Syriens bilden mit den Schiiten Libanons eine Föderation. Die in Irak autonomen, fast schon unabhängigen Kurden werden sich mit den syrischen und über kurz oder lang türkischen sowie iranischen Kurden zu einer Kurdischen Bundesrepublik oder Konföderation zusammenschließen.
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Föderale Strukturen wird auch Libyen aufbauen müssen. Andernfalls zerbricht dieser Kunststaat, wie Sudan bereits in Nord und Süd und Mali zerbrochen ist. Gleiches steht den meisten Kunststaaten Nordwestafrikas bevor. Längst hat die Arabische Revolution auch Bahrain und Saudi-Arabien erfasst. Nur zur Explosion ist es noch nicht gekommen. Das ist nur eine Frage der Zeit.

Zuerst dürfte Bahrain kippen. Hier wird die schiitische Mehrheit die Macht übernehmen und einen wie auch immer gearteten Verbund mit dem schiitischen Iran und den Schiiten Saudi-Arabiens bilden. Diese leben im Osten des ölreichen Königreichs, wo das schwarze Gold der Saudis liegt.
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Dieser Artikel wurde ja heute bereits an anderer Stelle erwähnt und ist wirklich ein ausgesprochen gelungener.
Es wird sicher nicht alles auf einmal geschehen, aber wenn man sich umschaut, beschleunigen sich derartige Prozesse derzeit wie ein einstürzendes Kartenhaus.

Ich bezweifle zwar ganz stark separatistische Bewegungen in Richtung Gross-Aserbaidschan oder ein entstehen von Belutschistan in absehbarer Zeit. Alles andere kann ich mir aber durchaus in einem Bereich innerhalb 20 Jahren sehr gut vorstellen

@Erich: im Kurdistan-Bereich hast Du aber noch nicht an eine Zerschlagung Syriens geglaubt. Hat sich Deine Ansicht dazu inzwischen geändert?
Dieser Artikel wurde ja heute bereits an anderer Stelle erwähnt und ist wirklich ein ausgesprochen gelungener.
Es wird sicher nicht alles auf einmal geschehen, aber wenn man sich umschaut, beschleunigen sich derartige Prozesse derzeit wie ein einstürzendes Kartenhaus.

Ich bezweifle zwar ganz stark separatistische Bewegungen in Richtung Gross-Aserbaidschan oder ein entstehen von Belutschistan in absehbarer Zeit. Alles andere kann ich mir aber durchaus in einem Bereich innerhalb 20 Jahren sehr gut vorstellen

@Erich: im Kurdistan-Bereich hast Du aber noch nicht an eine Zerschlagung Syriens geglaubt. Hat sich Deine Ansicht dazu inzwischen geändert?
Abgesehen davon, dass eine Zerschlagung Syriens immer wahrscheinlicher wird, je länger (und brutaler) der Bürgerkrieg andauert - ich bin nicht sicher, wie "durchsetzbar" eine solche Zerschlagung wäre. Derzeit dürften die Interessen von "ausserhalb" noch zu sehr auf die Beibehaltung der kolonialen Grenzen abzielen.
Daher halte ich nach wie vor eine "Kantonisierung" sowohl des Irak (wie auch Syriens) für wahrscheinlicher, also die Entwicklung von bundesstaatlichen Strukturen entsprechend dem "Subsidiaritätsgrundsatz". Und eine zunehmende Zusammenarbeit zwischen den kurdischen Regionen in den unterschiedlichen Staaten (ähnlich wie zwischen Südtirol / Italien und Tirol / Österreich), etwa im Bildungssektor, über Partnerschaften zwischen Kommunen, Universitäten oder Krankenhäusern wird die logische Folge sein.

Mit einer solchen kulturellen und wirtschaftlichen Autonomie wird dann aber auch der Druck auf eine staatliche Selbstständigkeit nachlassen. Wenn sich das dann als positives Beispiel zeigt, könnte auch der kurdische Teil der Türkei entsprechende Autonomieregelungen erhalten. Und ich denke, auch für den kurdischen Teil des Iran könnte das eine Möglichkeit sein, wenn gleichzeitig die Kooperation des Iran mit dem schiitischen Teil des Irak zunimmt.

Das in dem Zusammenhang stehende Wolffsohn-Szenario
Zitat:Spätestens beim Zerfall Iraks bildet die schiitische Mehrheit des Landes eine Föderation mit Iran.
halte ich dagegen nicht für realistisch. Die arabisch-iranischen Gegensätze, also die Differenzen zwischen den Völkern, bleiben ja bestehen. Und "der Mensch denkt in Sprache". Ich nehme eher an, dass sich die schiitisch - arabischen Regionen (vom Libanon über Syrien und den Irak bis zu den Golfstaaten) insoweit "autonom etablieren", dass sie eine "Pufferzone" zwischen dem sunnitischen Arabien und dem schiitischen Iran bilden können. Und dann - denke ich - wäre auch der Weg zu einer friedlicheren Koexistenz geebnet. Bei der Gelegenheit - auch im Iran gibt es am Golf eine ethnisch-arabische Region.
Wenn der Iran einerseits die Selbstständigkeit und Autonomie der schiitischen Gebiete in den arabischen Ländern fördert, dann kann er sich nicht gleichzeitg einer ähnlichen Autonomieregelung in den Ländern verschließen, die von ethnisch anderssprachigen Völkern besiedelt werden.
Abgesehen davon, dass eine Zerschlagung Syriens immer wahrscheinlicher wird, je länger (und brutaler) der Bürgerkrieg andauert - ich bin nicht sicher, wie "durchsetzbar" eine solche Zerschlagung wäre. Derzeit dürften die Interessen von "ausserhalb" noch zu sehr auf die Beibehaltung der kolonialen Grenzen abzielen.
Daher halte ich nach wie vor eine "Kantonisierung" sowohl des Irak (wie auch Syriens) für wahrscheinlicher, also die Entwicklung von bundesstaatlichen Strukturen entsprechend dem "Subsidiaritätsgrundsatz". Und eine zunehmende Zusammenarbeit zwischen den kurdischen Regionen in den unterschiedlichen Staaten (ähnlich wie zwischen Südtirol / Italien und Tirol / Österreich), etwa im Bildungssektor, über Partnerschaften zwischen Kommunen, Universitäten oder Krankenhäusern wird die logische Folge sein.

Mit einer solchen kulturellen und wirtschaftlichen Autonomie wird dann aber auch der Druck auf eine staatliche Selbstständigkeit nachlassen. Wenn sich das dann als positives Beispiel zeigt, könnte auch der kurdische Teil der Türkei entsprechende Autonomieregelungen erhalten. Und ich denke, auch für den kurdischen Teil des Iran könnte das eine Möglichkeit sein, wenn gleichzeitig die Kooperation des Iran mit dem schiitischen Teil des Irak zunimmt.

Das in dem Zusammenhang stehende Wolffsohn-Szenario
Zitat:Spätestens beim Zerfall Iraks bildet die schiitische Mehrheit des Landes eine Föderation mit Iran.
halte ich dagegen nicht für realistisch. Die arabisch-iranischen Gegensätze, also die Differenzen zwischen den Völkern, bleiben ja bestehen. Und "der Mensch denkt in Sprache". Ich nehme eher an, dass sich die schiitisch - arabischen Regionen (vom Libanon über Syrien und den Irak bis zu den Golfstaaten) insoweit "autonom etablieren", dass sie eine "Pufferzone" zwischen dem sunnitischen Arabien und dem schiitischen Iran bilden können. Und dann - denke ich - wäre auch der Weg zu einer friedlicheren Koexistenz geebnet. Bei der Gelegenheit - auch im Iran gibt es am Golf eine ethnisch-arabische Region.
Wenn der Iran einerseits die Selbstständigkeit und Autonomie der schiitischen Gebiete in den arabischen Ländern fördert, dann kann er sich nicht gleichzeitg einer ähnlichen Autonomieregelung in den Ländern verschließen, die von ethnisch anderssprachigen Völkern besiedelt werden.
Heinsohn schrieb:Syrien entstand nach dem Ersten Weltkrieg als Folge der Zerschlagung des osmanisch-türkischen Reichs, das bekanntlich ein Vielvölkerstaat war. "Selbstbestimmung der Völker", hier der Araber, hieß die Etikette. Es war meistens ein Etikettenschwindel. In Nahost führten dabei Großbritannien und Frankreich die Regie.
...

In einen Syrien genannten Rahmen wurde die sunnitische Mehrheit mit quasi-schiitischen Alawiten, Christen und Kurden zusammengebracht. Nur eine Sache einte sie: Sie wollten nicht in einem staatlichen Verbund zusammenleben. So wenig wie die Christen im nun ebenfalls von Frankreich formierten und gelenkten Libanon mit Sunniten, Drusen und Schiiten.

Was Heinsohn schreibt, ist im Grundsatz absolut korrekt. Viele Konflikte, die wir heute in der Region haben wurden den Kolonialmächten geschaffen. Die Länder und ihre Grenzen wurden von den europäischen Kolonialmächten willkürlich erzeugt. Die "Führer/Statthalter" wurden nach dem Ende der Besatzungsphase nach Sympathie eingesetzt, kontrolliert und ausgetauscht. Der Wille der Bevölkerung war stets nur eine strategische Überlegung dabei.

Die Situation in Syrien ist dabei jedoch unzureichend beschrieben. Zunächst einmal halte ich es für bedenklich, die Alawiten als "Quasi-Schiiten" zu bezeichnen. Das zeugt nicht unbedingt von Feingefühl und die Einordnung hilft auch bei Überlegungen niemandem weiter. Die Alawiten bzw. Nusairier konnten die Herrschaft in Syrien durch einen geschickten Putsch erlangen. Dieser war überhaupt erst möglich, weil die Alawiten lange Zeit unter türkischer und französischer Herrschaft massiv verfolgt wurden und daher als Folge des Auftandes gegen die Türken und zum Selbstschutz gegenüber sunnitischen Milizen/Mob überdurchschnittlich militarisiert waren. Den von Frankreich zunächst versprochenen Staat hatten sie nicht bekommen und so haben sie gezielt den syrischen Sicherheitsapparat unterwandert. Seitdem war es praktisch unmöglich für Sunniten, einen höheren militärischen Rang in Syrien zu erlangen. Das garantierte den sich situativ nahe stehenden Christen und Alawiten eine recht sichere Existenz und der sunnitischen Mehrheit ein recht machtloses Dasein.

Weiten Teilen der arabischen Bevölkerung fehlt das Verständnis für Patriotismus oder andere nationalstaatliche Überzeugungen vollkommen. Das Einheitsgefühl ist über die eigene Familie hinweg kaum vorhanden. Über die Sprache/Ethnie lassen sich die Araber also nachweislich nicht vereinen. Die Bindung an die Tradition ihrer Clans/Großfamilie ist der bestimmende Faktor und eben neuerdings verstärkt der Islam als gemeinsame Massenbewegung. Wir sehen nun Menschenmassen von rund 200.000 Leuten und mehr im Jemen, die auf der Straße gemeinsam das Freitagsgebet abhalten und anschließend den Tod des Diktators fordern und Allah ist Groß rufen. Wir sehen Araber die an bewaffneten Konflikten teilnehmen oder anderweitig teilhaben, "nur" weil Glaubensbrüder betroffen sind. Man spricht insofern derzeit auch von einem "Islamischen Erwachen".

Vor dem "Islamischen Erwachen/ Arabischen Frühling" gab es nur eine nationalstaatliche Regierung die aus einer islamischen Massenbewegung bottom-up heraus enstanden ist und diese wurde genau deshalb so sehr gefürchtet. Das war -ironischerweise- gerade einer der ältesten Nationalstaaten der Welt, der Iran.
Heinsohn schrieb:Syrien entstand nach dem Ersten Weltkrieg als Folge der Zerschlagung des osmanisch-türkischen Reichs, das bekanntlich ein Vielvölkerstaat war. "Selbstbestimmung der Völker", hier der Araber, hieß die Etikette. Es war meistens ein Etikettenschwindel. In Nahost führten dabei Großbritannien und Frankreich die Regie.
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In einen Syrien genannten Rahmen wurde die sunnitische Mehrheit mit quasi-schiitischen Alawiten, Christen und Kurden zusammengebracht. Nur eine Sache einte sie: Sie wollten nicht in einem staatlichen Verbund zusammenleben. So wenig wie die Christen im nun ebenfalls von Frankreich formierten und gelenkten Libanon mit Sunniten, Drusen und Schiiten.

Was Heinsohn schreibt, ist im Grundsatz absolut korrekt. Viele Konflikte, die wir heute in der Region haben wurden den Kolonialmächten geschaffen. Die Länder und ihre Grenzen wurden von den europäischen Kolonialmächten willkürlich erzeugt. Die "Führer/Statthalter" wurden nach dem Ende der Besatzungsphase nach Sympathie eingesetzt, kontrolliert und ausgetauscht. Der Wille der Bevölkerung war stets nur eine strategische Überlegung dabei.

Die Situation in Syrien ist dabei jedoch unzureichend beschrieben. Zunächst einmal halte ich es für bedenklich, die Alawiten als "Quasi-Schiiten" zu bezeichnen. Das zeugt nicht unbedingt von Feingefühl und die Einordnung hilft auch bei Überlegungen niemandem weiter. Die Alawiten bzw. Nusairier konnten die Herrschaft in Syrien durch einen geschickten Putsch erlangen. Dieser war überhaupt erst möglich, weil die Alawiten lange Zeit unter türkischer und französischer Herrschaft massiv verfolgt wurden und daher als Folge des Auftandes gegen die Türken und zum Selbstschutz gegenüber sunnitischen Milizen/Mob überdurchschnittlich militarisiert waren. Den von Frankreich zunächst versprochenen Staat hatten sie nicht bekommen und so haben sie gezielt den syrischen Sicherheitsapparat unterwandert. Seitdem war es praktisch unmöglich für Sunniten, einen höheren militärischen Rang in Syrien zu erlangen. Das garantierte den sich situativ nahe stehenden Christen und Alawiten eine recht sichere Existenz und der sunnitischen Mehrheit ein recht machtloses Dasein.

Weiten Teilen der arabischen Bevölkerung fehlt das Verständnis für Patriotismus oder andere nationalstaatliche Überzeugungen vollkommen. Das Einheitsgefühl ist über die eigene Familie hinweg kaum vorhanden. Über die Sprache/Ethnie lassen sich die Araber also nachweislich nicht vereinen. Die Bindung an die Tradition ihrer Clans/Großfamilie ist der bestimmende Faktor und eben neuerdings verstärkt der Islam als gemeinsame Massenbewegung. Wir sehen nun Menschenmassen von rund 200.000 Leuten und mehr im Jemen, die auf der Straße gemeinsam das Freitagsgebet abhalten und anschließend den Tod des Diktators fordern und Allah ist Groß rufen. Wir sehen Araber die an bewaffneten Konflikten teilnehmen oder anderweitig teilhaben, "nur" weil Glaubensbrüder betroffen sind. Man spricht insofern derzeit auch von einem "Islamischen Erwachen".

Vor dem "Islamischen Erwachen/ Arabischen Frühling" gab es nur eine nationalstaatliche Regierung die aus einer islamischen Massenbewegung bottom-up heraus enstanden ist und diese wurde genau deshalb so sehr gefürchtet. Das war -ironischerweise- gerade einer der ältesten Nationalstaaten der Welt, der Iran.
Shahab3 schrieb:....
Weiten Teilen der arabischen Bevölkerung fehlt das Verständnis für Patriotismus oder andere nationalstaatliche Überzeugungen vollkommen. Das Einheitsgefühl ist über die eigene Familie hinweg kaum vorhanden. Über die Sprache/Ethnie lassen sich die Araber also nachweislich nicht vereinen. Die Bindung an die Tradition ihrer Clans/Großfamilie ist der bestimmende Faktor und eben neuerdings verstärkt der Islam als gemeinsame Massenbewegung. Wir sehen nun Menschenmassen von rund 200.000 Leuten und mehr im Jemen, die auf der Straße gemeinsam das Freitagsgebet abhalten und anschließend den Tod des Diktators fordern und Allah ist Groß rufen. Wir sehen Araber die an bewaffneten Konflikten teilnehmen oder anderweitig teilhaben, "nur" weil Glaubensbrüder betroffen sind. Man spricht insofern derzeit auch von einem "Islamischen Erwachen".

Vor dem "Islamischen Erwachen/ Arabischen Frühling" gab es nur eine nationalstaatliche Regierung die aus einer islamischen Massenbewegung bottom-up heraus enstanden ist und diese wurde genau deshalb so sehr gefürchtet. Das war -ironischerweise- gerade einer der ältesten Nationalstaaten der Welt, der Iran.
dass die (nach-)kolonialen Grenzen willkürlich und nur den Interessen der Kolonialstaaten geschuldet waren, hab ich ja nicht bestritten - und dass darin die Ursachen vieler Konflikte bis hin zu Bürgerkriegen ist, auch nicht. Im Gegenteil.

Aber bei den zitierten Ausführungen muss ich dann doch widersprechen:
Du übersiehst den Panarabismus - *klick mich* vollständig, blendest ihn aus.

Richtig ist, dass es um diesen "arabischen Nationalismus" ruhig geworden ist, seitdem solche (Maul-)Helden wie Nasser oder Gaddafi die Bewegung diskreditiert haben und die Bewegung durch Erfolglosigkeiteher zu einer Randerscheinung wurde, ändert nichts an der historischen Bedeutung.
Dazu kommt, dass mit der Arabischen Liga eine institutionalisierte Zusammenarbeit geschaffen wurde, die bisher an den unterschiedlichen Interessen der nationalen Führer zu beissen hatte. Dass aber mit der Ausbreitung des "arabischen Frühlings" von Tunesien bis Ägypten (und bald wohl auch zumindest in Teilen Syriens) eine gemeinsame und identitätsstiftende Revolte um sich greift, wird diese historischen Nachteile schnell ausbügeln.
Und jenseits aller Tagespolitik und Massenideologien:
durch gemeinsame Medien wie Sat-Sender usw. greift das das Verständnis als "gemeinsame arabischen Nation" viel tiefer in das Verständnis, in die "Gefühlswelt" der Bevölkerung ein.
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