Anti Submarine Warfare im 21. Jhr.
#1
Ich bin mal so frei.

Dieses Thema hier soll primär dazu dienen, die ganzen Grundsatzdiskussionen um ASW zu bündeln um sie aus den jeweiligen Fachthemen konkreter Vorhaben fernzuhalten. Soweit ich das beurteilen kann gibt es hier im Forum noch keinen Sammelthread für technische und doktrinale Ansätze des ASW in allen drei Dimensionen, diese Lücke soll hiermit gefüllt werden.
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aus: MEKO A-200DEU
Milspec_1967 schrieb:Kurz zum Gold Standard :
- Bugsonar (Hat F-126 nicht aber fast alle NATO Fregatten und Zerstörer)
- Schleppsonar fest eingebaut und nicht nur Container Option. (F-126 hat nur Container, feste haben fast alle NATO Fregatten und Zerstörer.)
- 2x ASW Helikopter PLUS UAV Drohnen (hat F-126... Aktuelle EU Fregatten oft nur einen Heli plus Drohne... USA und Rest der Welt fast immer 2 plus Drohne)
- Torpedo Rohre am Bord (fast alle, außer F-126)
- VLS mit Subrocs (ernsthafte Raketen am Markt haben vermutlich nur CHN und Indien)
- Anti Torpedo Torpedo (hat ggf noch gar keine Nation,... wenn, dann CHN wie immer)
- zukünftig : Platz für ASW UUV
Kokovi79 schrieb:Da fehlen noch entscheidende konstruktive Merkmale für eine leise akustische Signatur:
- für geräuscharme Strömung optimierter Rumpf
- schiffstechnische Systeme vom Rumpf akustisch entkoppelt
- E-Fahrmotoren für niedrige und mittlere Geschwindigkeiten.
ASW präsentiert sich in verschiedensten Formen und Farben und ist von so vielen verschiedenen Faktoren abhängig, dass das einen universal anwendbaren Standard meiner Ansicht nach inhärent negiert. Viel mehr muss man sich zunächst damit konfrontieren, welche ASW-Leistung man in welchem Kontext anstrebt und warum und anschließend ob xyz-Ausrüstung dem gerecht werden kann.
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Um mal bei der Sonarthematik zu bleiben.
Ich glaube allgemein wird der Effekt eines Rumpfsonars in diesem Forum ein wenig überschätzt. Für das klassische "blue water" ASW in weitläufigen und tiefen Seegebieten geht der Leistungsmehrwert solcher Systeme inzwischen defacto gen 0. Der Leistungsunterschied durch moderne tiefenvariable Schleppsonarsysteme ist inzwischen so groß, dass die Präsenz eines Rumpfsonars so gut wie keinen positiven Einfluss mehr auf eine ASW-Leistung hat. Besonders in Seegebieten mit starker Strömung und ausgeprägten Thermoklinen, wie bspw in Gebieten um den Golfstrom oder den Kuroshio.

Rumpfsonare sind vor allem für Aufgaben relevant, die nicht ASW sind aber Sonarleistung beanspruchen, bspw im MCM.

Auch hat sich auf der doktrinalen Seite des ASW seit Ende des kalten Krieges einiges getan. War passives Sonar lange Zeit das A&O der U-Jagd für Überwasserplattformen, gewinnt aktives Sonar heute immer stärker an Bedeutung. Sonaranlagen werden immer Leistungsfähiger, Schiffe aber nicht wirklich leiser, womit sich der Fokus zunehmend auf die Langstreckenaufklärung ausrichtet um weiterhin von einem Reichweitenvorteil zu profitieren. Das geht auch parallel mit dem Aussterben des Lightweight-Torpedowerfers einher, der zunehmend durch Helikopter oder Schwergewichtstorpedos ersetzt wird. Obgleich die Distanzen von ASW-Gefechten stark von den lokalen Bedingungen abhängt, kann man heute meist durchaus von BVR-ähnlichen Verhältnissen ausgehen.
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Zum Thema F126 und Rumpfsonar.
Bekanntlich ist das ja einer der größten Kritikpunkte an dieser Klasse und das kann ich persönlich auch nachvollziehen, allerdings nicht aus den üblicherweise genannten Gründen.
Obgleich das Fehlen eines solchen Systems durchaus auch finanziell begründet sein wird, stehen dort auch doktrinale Gründe dahinter die in diesem Kontext nicht nur einer Art "Trend" folgen sondern auch tatsächlich einen gewissen Mehrwert bieten.
Ein Sonardom verursacht auch bei tiefer Integration in den Rumpf hydrodynamische Turbolenzen und Wiederstände und trägt aktiv zur Bildung von Blasen und Schleppen bei. Das sorgt für Vibrationen sowie einen unebenen Wasserfluss, was die akustische Signatur der Einheit zum einen erhöht und zum anderen die Leistungsfähigkeit von Rumpf- wie auch Schleppsonar situationsabhängig senkt, je schlechter das Wetter bzw je stärker die Strömung desto mehr.
Hingegen ist es durch die nicht-Existenz eines solchen Systems möglich, das hydrodynamische Profil einer Einheit zu optimieren und die bedingten Eigenemissionen somit zu minimieren, dessen Effekt man nicht unterschätzen sollte.

Entsprechende Realbeispiele dieses Ansatzes sehen wir inzwischen immer öfter. Rumpfsonare werden kleiner und verlieren in Planungsprozessen an Priorität. Obgleich sich die Marinewelt als ganzes noch nicht von diesen Systemen lösen will sehen wir immer mehr Einheiten, auf denen dieses "kann aber muss nicht"-Prinzip Anwendung findet.
  • So war die Constellation FFGX bspw ursprünglich mit einem Rumpfsonar vorgesehen, dem wurde allerdings so geringe Priorität eingeräumt, dass dieses System mit als erstes abgeschrieben wurde als man versucht hat, Kosten zu senken. Somit erhalten die noch zulaufenden Typvertreter kein Rumpfsonar.
  • Ein weiteres Beispiel ist die Mogami Klasse der JMSDF, die ebenfalls nicht über ein ASW-Rumpfsonar verfügt. Hier setzt man stattdessen auf ein Schleppsonarsystem und ein rumpfseitiges MCM-Sonar, was selber allerdings nicht für die U-Jagd geeignet ist.
  • Einen ähnlichen Ansatz verfolgt der Schiffbauer Fincantieri, dessen Korvetten alle mit Schleppsonarsystemen sowie MCM/Obstacle Avoidance Sonaren ausgestattet sind, aber kein ASW-fähiges Rumpfsonar vorhalten, siehe bspw die PPAs und Al Zubarahs.
Entgegen der Meinung hier im Forum ist das Fehlen eines Rumfpsonars auf der F126 weder ungewöhnlich, noch eine große Einschränkung im ASW.
Es entspricht erstmal nur nicht dem bisher gängigen Ansatz, der selber aber ebenfalls in diese Richtung tendiert.

Die Einschränkungen durch das Fehlen eines solchen Systems beziehen sich hauptsächlich auf den Bereich MCM. VDS können in geringen Wassertiefen teilweise nicht oder nur eingeschränkt verwendet werden und aktuell wissen wir nicht, ob ACTAS zu MCM-Zwecken verwendet werden kann, somit kann es hier zu Einschränkungen kommen wenn ein Gebiet vermint ist.
Hier wäre eine Lösung im Stil der Mogami, also Schleppsonar + MCM/OA Sonar vermutlich effektiver.
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Man kann sich also durchaus die Frage stellen, ob Rumpfsonar auf ASW-Einheiten ein muss sind oder langsam aus der Zeit fallen.

Ich persönlich tendiere dazu, die ASW-seitigen Funktionen bzw Unfunktionen eines Rumpfsonars zu streichen und sich stattdessen auf den MCM/OA sowie self defence Bereich zu konzentrieren. Dafür braucht es mMn aber kein eigenständiges exponiertes Array. Viel mehr sehe ich großes Potenzial in Flank Arrays die bereits auf U-Booten Anwendung finden und deutlich besser in optimierte Rumpfstrukturen eingearbeitet werden können. Das dürfte auch auf der F126 relativ unkompliziert umsetzbar sein, wenn man dafür ein wenig Doppelhülle opfert.
Im Nachbereich dürften diese Systeme aufgrund von Triangulation und besserer rundum-Abdeckung dem herkömmlichen Rumpfsonar vermutlich sogar überlegen sein. Gleichzeitig kann man die Vorteile eines hydrodynamisch optimierten Rumpfprofils nutzen und muss sich zudem noch weniger Gedanken über den Tiefgang machen.
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#2
(Vor 11 Stunden)DopePopeUrban schrieb: Viel mehr muss man sich zunächst damit konfrontieren, welche ASW-Leistung man in welchem Kontext anstrebt und warum und anschließend ob xyz-Ausrüstung dem gerecht werden kann.
Was dabei in den Diskussionen auch etwas untergeht, ist mMn die Unterscheidung zwischen generellen und Missions-spezifischen Anforderungen.

Also z.B., wie von Delta bereits thematisiert, die akustische Signalreduzierung, die für sämtliche Einheiten relevant sein sollte, die potentiell durch feindliche Sonaraufklärung gefährdet sind, nicht ausschließlich für im ASW-Einsatz stehende. Das ASW-spezifische daran ist dann das Zusammenwirken von Schleppsonar und Eigengeräusch, das ist dann aber eine Frage der Systemabstimmung, nicht der generellen Signaturreduzierung.
Zitat:Um mal bei der Sonarthematik zu bleiben....
Auch da: Ein Festsonar ist unabhängig vom U-Jagd-Einsatz eines Schiffes zu bewerten, da es in diesem nur noch eine begrenzte Funktion einnimmt, während es sehr viel relevanter ist im Rahmen des Selbstschutzes eines jeden Kriegsschiffs.
Zitat:Bekanntlich ist das ja einer der größten Kritikpunkte an dieser Klasse und das kann ich persönlich auch nachvollziehen, allerdings nicht aus den üblicherweise genannten Gründen.
Tatsächlich halte ich das Fehlen eines HMS im IKM-Kontext dieser Schiffe (ohne Schleppsonar) für sehr viel problematischer als im U-Jagd-Einsatz. Zumal Letzterer ohnehin nur im Verband mit F124/F127 geplant ist, die beide über solche Sonare verfügen und damit deren Funktion in der U-Jagd bereitstellen können. Etwas anders wäre die Bewertung, wenn die F126 als ASW-Zerstörer geplant wäre, der als Einzelfahrer U-Jagd betreiben soll. Und selbst dann müsste man erst etwas mehr über das MM ASW von Atlas wissen, um sagen zu können, ob ein zusätzliches Festsonar für die Hochsee-U-Jagd selbst relevante Bedeutung hätte.
Zitat:Ich persönlich tendiere dazu, die ASW-seitigen Funktionen bzw Unfunktionen eines Rumpfsonars zu streichen und sich stattdessen auf den MCM/OA sowie self defence Bereich zu konzentrieren. Dafür braucht es mMn aber kein eigenständiges exponiertes Array. Viel mehr sehe ich großes Potenzial in Flank Arrays die bereits auf U-Booten Anwendung finden und deutlich besser in optimierte Rumpfstrukturen eingearbeitet werden können.
Das würde ich (mit meinem zugegebenermaßen geringen Fachwissen zur Sonartechnik) auch so sehen. Hat jemand fundierte Gegenargumente, also explizit gegen den Einsatz von Flank Arrays statt Bugsonaren?
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