China - Russland - Iran: eine neue Militärallianz?
#1
Dass Staaten, die nicht miteinander verbündet sind, gemeinsame Manöver abhalten, ist ja nicht ungewöhnlich. So sei an die diversen Manöver indischer Jets mit z.B. europäischen NATO-Partnern erinnert.

In der gegenwärtigen politischen Situation sind die gemeinsamen Manöver aber schon mehr als ein "Vergleichsfliegen", sondern gleichen einem politischen Leuchtfeuer:
Russland, China und Iran planen gemeinsames Marinemanöver zur „Multilateralen Zusammenarbeit“ berichtet die WELT (Kopie hier):
Zitat: Teheran, Moskau und Peking wollen gemeinsam ein Gegengewicht zum globalen Einfluss der USA schaffen und bereits am Dienstag ihre militärische Stärke am Golf von Oman und im Indischen Ozean demonstrieren. Neun weitere Länder sollen als Beobachter zum Seemanöver eingeladen sein.

Der Iran, Russland und China wollen vor der iranischen Küste ein gemeinsames Marinemanöver abhalten. Wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim am Sonntag berichtete, sollen die Übungen am Dienstag in der iranischen Hafenstadt Tschahbahar am Golf von Oman beginnen. ....

Teilnehmen sollen demnach Kriegsschiffe der chinesischen, russischen und iranischen Marine sowie der iranischen Revolutionsgarden. Stattfinden sollen sie im „nördlichen Indischen Ozean“. Als Ziele gab Tasnim an, „die Sicherheit in der Region zu stärken und die multilaterale Zusammenarbeit zwischen den teilnehmenden Ländern auszuweiten“.

Oman, Aserbaidschan, Südafrika, Kasachstan, Pakistan, Katar, Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate und Sri Lanka sind den Angaben zufolge als Beobachter dabei.

Russland und China bestätigten ihre Teilnahme. Das Verteidigungsministerium in Moskau erklärte, Russland werde mit zwei Korvetten und einem Tankschiff der Pazifikflotte vertreten sein. Die Besatzungen sollen demnach etwa die Befreiung gekaperter Schiffe, Such- und Rettungseinsätze auf See sowie Artilleriefeuer auf Ziele auf See und in der Luft üben. Das Verteidigungsministerium in Peking erklärte, China werde mit einem Zerstörer und einem Versorgungsschiff teilnehmen.

Teheran, Moskau und Peking wollen gemeinsam ein Gegengewicht zum globalen Einfluss der USA schaffen. Die drei Länder haben schon mehrfach gemeinsame Militärmanöver abgehalten.

Bereits im November letzten Jahres hat die WELT gewarnt: Russland schmiedet neue „Achse des Bösen“ – „Ein sehr, sehr gefährliches Bündnis“ - aber vor dem aktuellen Hintergrund in der Debatte um DT und das - dem Iran unterstellte - iranische Atomprogramm wird diese Verbindung besonders brisant.
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#2
Am Iran könnte auch die "Männerfreundschaft" zwischen Putin und DT scheitern
Konflikt zwischen USA und Iran: Russland mischt sich ein – „Illegal und inakzeptabel“
(Frankfurter Rundschau
, Kopie hier)
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#3
Was das Manöver betrifft: Seit 3-4 Jahren findet ein gemeinsames Manöver stets im März im Persischen Golf und Golf von Oman statt. So war das auch in diesem Jahr ein geplanter, wiederkehrender Termin und kein gezieltes Leuchtfeuer aus meiner Sicht, auch wenn man versucht sein könnte, das vielleicht anders einzuordnen. Abgesagt wurde es jedenfalls nicht extra für Donald.
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#4
Vor einem Jahr: Prophetische Worte?
Russische Drohnen, iranische Raketen, chinesische Chips: Trumps Iran-Krieg erzeugt neue Achse
Zitat:Stand:26.03.2026, 10:56 Uhr

Der Drohnenangriff in Dubai war schon erschreckend genug, doch am unheilvollsten war, was auf den Trümmern eingraviert war, die nahe dem Hafen von Jebel Ali zu Boden stürzten. Die Markierungen auf dem Fragment waren nicht persisch, sondern kyrillisch – ein Hinweis darauf, dass der Drohnenkrieg einen vollständigen Kreis vollzogen hatte. Die Shahed-Drohne, vom Mullah-Regime im Iran entwickelt, aber nach vier Jahren mörderischer Erprobung in ukrainischen Städten von Russland tödlicher und ausgeklügelter gemacht, war soeben an den Absender zurückgeschickt worden.

Der Angriff in Dubai war nicht der einzige Vorfall, der düstere Echos des ukrainischen Schlachtfelds trug. Auf einem Luftwaffenstützpunkt nahe dem internationalen Flughafen von Bagdad schwebte eine First-Person-View-Drohne kurz, bevor sie in einen HH-60M-Casevac-Hubschrauber der US-Armee krachte, der zum Abtransport verwundeter Soldaten eingesetzt wird. Eine andere soll beim Sammeln von Informationen im US-Botschaftskomplex in der irakischen Hauptstadt ein Glasfaserkabel abgewickelt haben – eine Anlehnung an eine russische Innovation auf dem Schlachtfeld.
...
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#5
Wie der Golfkrieg zeigt, ist da wohl durchaus Leben in diesem Bündnis.
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#6
(05.05.2026, 16:33)Broensen schrieb: ....

Ich habe jetzt nicht jede deiner verlinkten Quellen gelesen, aber in dem Beitrag zeigst du lediglich mögliche alternativ-Handelsrouten auf, ohne deren Leistungsfähigkeit und konkreten Anschlüsse zu benennen. Kann der Iran den üblicherweise durch den Golf abgehandelten Rohstoffexport aktuell in ähnlicher Größenordnung und ohne erheblichen Mehraufwand weiterhin abwickeln? Ich denke nicht.

Öl und Gas benötigen unterschiedliche Pipelines und lassen sich auch nur wenig effizient per Tanklaster von den Quellen am Golf quer durchs Gebirge zur entgegengesetzten Grenze transportieren. Ein leistungsstarkes Pipelinenetz für diesen Anschluss konnte ich deinen Beiträgen bisher auch nicht entnehmen, zumal das vorhandene Netz landeinwärts mWn vor allem der Versorgung der Raffinerien dient und vmtl. nicht über erhebliche Kapazitätsreserven verfügt, um den Export zusätzlich transportieren zu können.

Wir hatten auch neulich schon die Debatte darüber, wie wenig effizient Bahntransport im Vergleich zum Schiff ist und bei Volumengütern wie Öl zeigt sich das ganz besonders.
Dazu kommt, dass sowohl die Transportmittel (Tankwagen, Lokomotiven), als auch die Verladeeinrichtungen vorhanden sein müssen. Und dabei genügt es auch nicht, den Transportweg nur bis zur Grenze zu betrachten, die Mehrkosten müssen bis zum Abnehmer kalkuliert werden und die Transportwege müssen durchgehend die erforderlichen Kapazitäten bereithalten.

Also dass die Iraner "auf die Passage der Straße von Hormus nicht angewiesen" sein, kann ich so erstmal nicht erkennen, wenn man eben Mengen und Kosten mit in die Betrachtung einbezieht, statt nur theoretisch vorhandener Alternativrouten.
nachdem Chefe für eine Antwort eine klare Absage erteilt hat ...
(05.05.2026, 17:55)Helios schrieb: Das Thema gehört nicht hier in den Strang.
könnte die Diskussion vielleicht hier geführt werden - schließlich geht es um die Verbindung Irans mit Russland und - explizit - China.

Dazu erst einmal die konkret angefragten Punkte:
1. Pipeline-Kapazität:
Genaue Angaben über die Kapazität von Öl- und Gaspipelines, die vom Iran über Zentralasien bis nach China führen, konnte ich noch nicht finden.
Sicher ist, dass das Pipeline-Netz zwischen Zentralasien (Kasachstan) und China recht leistungsfähig ist. Schließlich ist das Netz darauf ausgelegt, auch noch die russischen Exporte aufzunehmen - und China weitestgehend unabhängig vom See-Transport zu machen.
Meine informativen Schwachpunkte ist die Kapazität der Leitungen an bzw. über die iranische Grenze. Ein Teil davon ist sicher "nur" zur Versorgung örtlicher Raffinerien. Diese Pipelines sind aber auch von Anfang an zum Transport von Gas und Öl zwischen Iran und China angelegt worden, gerade auch als Alternative zu Tankschiffen. Sie müssten also durchaus auch so angelegt sein, dass entsprechende Kapazitätsreserven bestehen.
Nur ... wie hoch diese Reserven sind, und inwieweit die Kapazität schon hochgefahren wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Aus den Meldungen im Zusammenhang mit der Hormus-Passage weiß ich nur, dass China seine Reserven für mehrere Monate angelegt hat, und angeblich sowohl China wie auch der Iran eine Sperre noch einige Monate "aussitzen können".

2. Eisenbahn-Alternative:
Da gibt es eine aktuelle Meldung:
Zitat: Irans Antwort auf die US-Blockade rollt auf Schienen

Die US-Blockade trifft Iran hart – doch Teheran hat eine überraschende Ausweichroute gefunden, die Peking eine neue Machtposition verschafft.


Der Iran gibt im Konflikt mit den USA nicht klein bei. Seit fast einem Monat blockiert die US-Marine iranische Häfen und kapert Schiffe. Doch die Iraner haben einen Weg gefunden, die Blockade zu umgehen.

Offenbar hat Teheran seinen Handel zum Teil auf die Schiene verlagert. Das legt jedenfalls ein Bericht von Bloomberg nahe. Der Handel über diesen Weg verharrt dennoch auf einem geringen Level.

Dem Bericht zufolge hat sich die Frequenz der Güterzüge zwischen der nordwestchinesischen Stadt Xi'an und Teheran von etwa einem Zug pro Woche auf einen Zug alle drei bis vier Tage erhöht. Jeder Zug transportiert rund 50 Standard-Container mit etwa 12 Metern Länge (40 Fuß) über eine Route durch Kasachstan und Turkmenistan.
...
da besteht also durchaus noch "Luft nach oben", bis hin zu mehreren Zügen täglich - allerdings stehen da durchaus auch Kostenüberlegungen zu Buche:
Zitat: ...
Die Kosten für den Transport eines 40-Fuß-Containers auf der Strecke Xi'an–Teheran liegen derzeit bei bis zu 7.000 US-Dollar – rund 40 Prozent über dem üblichen Niveau.

Im Vergleich zur Seefracht, die laut Bloomberg normalerweise zwischen 2.000 und 3.500 US-Dollar kostet, ist der Schienenweg deutlich teurer, dafür aber in etwa 15 Tagen Transitzeit erheblich schneller als die 30 bis 40 Tage per Schiff.

"Früher fuhren diese Züge in manchen Wochen überhaupt nicht; jetzt sind sie für Mai ausgebucht", sagte Altan Dursun, Geschäftsführer des türkischen Logistikunternehmens Silkroad-Avrasya Multimodal Logistics, gegenüber Bloomberg.

Für Juni seien weitere Kapazitätsausweitungen geplant.

Der Vorsitzende des iranischen Containerausschusses, Kambiz Etemadi, schätzte laut der halbstaatlichen Nachrichtenagentur Fars, dass Iran maximal 40 Prozent seines üblichen Seehandels auf Landwege verlagern könne.

Ein Langstrecken-Containerschiff transportiert mehrere Tausend Container – die 50 Container pro Zug können den Seehandel daher nur in geringem Maße kompensieren.
...
man kann also grob überschlägig 20 Züge für 1000 Container, 40 Züge für 2000 Container oder 60 Züge für 3000 Container rechnen. Nun könnten mehrere Züge hintereinander natürlich auch mehr Container transportieren.
Wenn man maximal etwa stündlich einen Zug auf die Reise schickt, sind das abgerundet 20 Züge an einem Kalendertag - oder an drei Kalendertagen ~ 60 Züge für 3.000 Container.
Die sogenannten Megamax-Schiffe sind etwa 400 Meter lang und 61-62 Meter breit. Die Kapazität wird in TEU (Twenty-foot Equivalent Unit) gemessen, wobei ein 40-Fuß-Container zwei TEU entspricht. Auf die größten Containerschiffe der Welt passen mittlerweile über 24.000 Standardcontainer (TEU). Das ist tatsächlich mit Zügen nicht zu ersetzen.
Dann berücksichtige man noch die Zeitersparnis (15 Tage per Bahn gegenüber 30 Tagen per Schiff) und könnte so rein theoretisch eine beachtliche Transportkapazität entwickeln.

Eine sehr theoretisierende Überlegung:
Ein Megamax-Schiff könnte maximal 24.000 Standartcontainer in 30 Tagen von Iran nach China bringen und in weiteren 30 Tagen (zuzüglich der Be- und Entladezeiten) auch wieder zurück bringen.
In diesen 30 Tagen mit bis zu 20 Zügen täglich (was sehr dicht und optimistisch wäre) hätten wir 600 Zugverbindungen, oder ebenso rund 30.000 Container.

Mit anderen Worten:
Man bräuchte täglich 20 Container-Züge, um in 30 Tagen eine vergleichbare Transportkapazität wie ein Megamax-Schiff zu erreichen.

Das ist dann aber auch nur ein Teil der Strecken, die als Ausweichwege genutzt werden könnten:
Zitat: ...
Ausbau der Landkorridore als langfristige Strategie
Die China-Route fügt sich in ein breiteres Netz alternativer Handelskorridore ein, das Teheran seit Jahren ausbaut. Im Oktober 2025 begann Iran erstmals mit dem Export von Diesel per Bahn nach Afghanistan über die 225 Kilometer lange Khaf-Herat-Strecke.

Parallel investiert das Land Milliarden in den Internationalen Nord-Süd-Transportkorridor (INSTC), der Iran mit Russland verbinden soll. Die 164 Kilometer lange Bahnstrecke Rasht–Astara schließt dabei das letzte fehlende Teilstück des 7.200 Kilometer langen multimodalen Netzes.

Die iranischen Eisenbahnprojekte sind Teil eines regionalen Infrastrukturbooms, bei dem neue Schienenkorridore zwischen dem Persischen Golf, der Levante und Europa entstehen. ...
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#7
(09.05.2026, 21:12)Kongo Erich schrieb: 1. Pipeline-Kapazität:
Genaue Angaben über die Kapazität von Öl- und Gaspipelines, die vom Iran über Zentralasien bis nach China führen, konnte ich noch nicht finden.
Ich konnte noch nicht mal überhaupt eine nutzbare Verbindung von den iranischen Quellen nach China finden, weder für Öl, noch für Gas. Allenfalls wäre es denkbar, dass die östlichen Gas-Import-Anschlüsse theoretisch auch für den Export geeignet sein könnten. Aber das spielt auch keine Rolle, weil Gas mWn vom Iran gar nicht per Schiff exportiert wird und somit in dem Zusammenhang gar keine Rolle spielt, weil die regulären Exportwege, insbesondere per Pipeline nach Nordwesten (Türkei) weiter bestehen.

Und theoretisch/perspektivisch herstellbare Anschlüsse spielen natürlich aktuell ebenfalls keine Rolle.
Zitat:Sicher ist, dass das Pipeline-Netz zwischen Zentralasien (Kasachstan) und China recht leistungsfähig ist. Schließlich ist das Netz darauf ausgelegt, auch noch die russischen Exporte aufzunehmen - und China weitestgehend unabhängig vom See-Transport zu machen.
D.h., selbst wenn der Iran in dieses Netz zusätzlich einspeisen könnte, stünde er dabei in direkter Konkurrenz mit Russland, das bekanntermaßen auch nicht die besten Voraussetzungen für den Seehandel hat und entsprechend dringend diese Pipeline-Kapazitäten benötigt.
Zitat:2. Eisenbahn-Alternative:...
Es geht ja primär um Öl als relevantestes Exportgut. Der Iran exportierte 2025 im Schnitt 1,68 Mio. Barrel Öl pro Tag, davon allein ca. 92% über Charg. Gehen wir also grob von 1,5 Mio. Barrel aus, die täglich auf anderem Wege außer Landes gebracht werden müssen, um die Exportraten aufrecht zu erhalten. (Tatsächlich müssten es natürlich eigentlich noch mehr sein, um die Mehrkosten beim Bahntransport auszugleichen.)

Ein Zug für 50 TEU würde mit Kesselwagen ausgestattet bei gleicher Länge grob 12,5 Tsd. Barrel Öl transportieren können. Das wären dann 120 Züge am Tag. Bei 15 Tagen Transitzeit zzgl. Leerfahrt zurück, wäre also ein Bestand von 3.600 Lokomotiven (inkl. Personal) mit über 75Tsd. Kesselwagen erforderlich. Natürlich gerechnet ohne Wartungs- und Verladezeiten.

Apropos Verladung: Der Aufwand zur Befüllung von jeweils 2.500 Tankwagen täglich an beiden Enden des Transportwegs dürfte auch nicht ganz ohne sein, von den dafür erforderlichen Einrichtungen ganz zu schweigen.

Und dann wäre noch das Problem mit den in weiten Abschnitten noch nicht zweispurig ausgebauten Bahnstrecken, auf denen sich dann täglich 120 Züge je Fahrtrichtung begegnen würden. Zusätzlich zum dort ohnehin vorherrschenden Verkehr.
Zitat:Das ist dann aber auch nur ein Teil der Strecken, die als Ausweichwege genutzt werden könnten:
Weitere Bahnstrecken werden die vorhergehende Berechnung nicht verändern. Sie machen es allenfalls weniger unrealistisch, dass die erforderlichen Mengen zumindest theoretisch über die zur Verfügung stehenden Gleise abgewickelt werden könnten.


Ich will gar nicht unbedingt deine Grundaussage torpedieren, dass der Iran auch Alternativen zum Seehandel hat und weiter ausbaut. Aber du hattest in den Raum gestellt, dass sich deswegen kein relevanter Schaden für den Iran aus der Sperrung von Hormus ergeben würde:
(05.05.2026, 12:21)Kongo Erich schrieb: Die ... Iraner sind auf die Passage der Straße von Hormus nicht angewiesen. Das habe ich für den Iran mit dem kritisierten Beitrag am 03.05.2026, 21:20 belegt.
Und das ist halt einfach nicht korrekt angesichts der erheblichen Leistungs- und Effizienzunterschiede zwischen See- und Bahntransport und den bestenfalls als unzureichend anzusehenden Pipelinekapazitäten.
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#8
(09.05.2026, 23:16)Broensen schrieb: Ich konnte noch nicht mal überhaupt eine nutzbare Verbindung von den iranischen Quellen nach China finden, weder für Öl, noch für Gas. Allenfalls wäre es denkbar, dass die östlichen Gas-Import-Anschlüsse theoretisch auch für den Export geeignet sein könnten. Aber das spielt auch keine Rolle, weil Gas mWn vom Iran gar nicht per Schiff exportiert wird und somit in dem Zusammenhang gar keine Rolle spielt, weil die regulären Exportwege, insbesondere per Pipeline nach Nordwesten (Türkei) weiter bestehen.

Es gibt da definitiv keine Pipeline-Verbindungen. Öl- und Gas werden nur über Tanker geliefert.

Zitat:Ein Zug für 50 TEU würde mit Kesselwagen ausgestattet bei gleicher Länge grob 12,5 Tsd. Barrel Öl transportieren können. Das wären dann 120 Züge am Tag. Bei 15 Tagen Transitzeit zzgl. Leerfahrt zurück, wäre also ein Bestand von 3.600 Lokomotiven (inkl. Personal) mit über 75Tsd. Kesselwagen erforderlich. Natürlich gerechnet ohne Wartungs- und Verladezeiten.

Apropos Verladung: Der Aufwand zur Befüllung von jeweils 2.500 Tankwagen täglich an beiden Enden des Transportwegs dürfte auch nicht ganz ohne sein, von den dafür erforderlichen Einrichtungen ganz zu schweigen.

Und dann wäre noch das Problem mit den in weiten Abschnitten noch nicht zweispurig ausgebauten Bahnstrecken, auf denen sich dann täglich 120 Züge je Fahrtrichtung begegnen würden. Zusätzlich zum dort ohnehin vorherrschenden Verkehr.
Weitere Bahnstrecken werden die vorhergehende Berechnung nicht verändern. Sie machen es allenfalls weniger unrealistisch, dass die erforderlichen Mengen zumindest theoretisch über die zur Verfügung stehenden Gleise abgewickelt werden könnten.

In der Realität fährt nicht einmal ein Zug pro Tag, wobei die üblichen Züge ca. 50 Container mitführen. Frachtschiffe hingegen können je nach Kapazität bis über 20.000 dieser Container befördern. Selbst für ein kleineres Frachtschiff bräuchte es dann 50-100 Züge um die Lieferung zu kompensieren, wobei Schiffe meines Wissens doppelt so lange unterwegs sind.
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#9
(10.05.2026, 00:22)lime schrieb: Es gibt da definitiv keine Pipeline-Verbindungen. Öl- und Gas werden nur über Tanker geliefert.
Nicht nach Osten, aber zumindest für Gas nach Nordwesten.
Zitat:In der Realität fährt nicht einmal ein Zug pro Tag, wobei die üblichen Züge ca. 50 Container mitführen. Frachtschiffe hingegen können je nach Kapazität bis über 20.000 dieser Container befördern. Selbst für ein kleineres Frachtschiff bräuchte es dann 50-100 Züge um die Lieferung zu kompensieren, wobei Schiffe meines Wissens doppelt so lange unterwegs sind.
Ja, das hat Erich alles auch schon so ausgeführt.
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#10
Die Rechnung wird nicht aufgehen. Selbst leistungsstarke Containerterminals im Bahnverkehr benötigen, wenn sie sehr schnell sind, ca. 1-2 Minuten bis ein Container erfasst, entsichert, abgehoben und abgestellt wurde. D. h. die Entladegeschwindigkeit eines Zuges beträgt günstigstenfalls ca. 30-60 Container in der Stunde. Da muss aber dann wirklich alles zueinander passen.

Das bedeutet, dass bei der hiesigen Kalkulation vor Ort, egal ob bei Ent- oder Beladung, ein totales Chaos entstehen würde, wenn tatsächlich jede Stunde ein Zug eintreffen können soll. (Unabhängig davon, dass die Iraner die Züge selbst im Akkord gar nicht so schnell beladen könnten, wenn die Züge wie Tausendfüßler hintereinander zwecks Beladung in der Schlange stünden; aber das Thema "Infrastruktur und Iran" ist ein Thema für sich.) Die anderen Hinweise, auch auf die "normale" Frequentierung der betreffenden Bahnstrecken bezogen, wurden schon angesprochen.

Grob werden durch den Bahn-Container-Transit wohl geschätzt etwa 10% der Ausfälle durch die US-Blockade kompensiert werden können.

Schneemann
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#11
(10.05.2026, 00:22)lime schrieb: Es gibt da definitiv keine Pipeline-Verbindungen. Öl- und Gas werden nur über Tanker geliefert.
Es gibt definitiv ein ganzes Netz an Pipeline-Verbindungen (Quelle):
[Bild: https://www.cedigaz.org/wp-content/uploa...1.png.webp]
Existing (in red) and planned (in green) gas pipeline infrastructure linking the Caspian region and Europe. Map of the region is adapted from Global Gas Infrastructure Tracker, Global Energy Monitor, November 2025 ©. All Global Energy Monitor tracker data are freely available under a Creative Commons Attribution 4.0 International Public License

wie beispielsweise die Dauletabad–Sarakhs–Khangiran pipeline

- nur ist mir
a) nicht bekannt, welche Pipelines gegenüber dem Kartenstand neu geschaffen wurden oder in Bau sind, und
b) die Kapazität aller Pipelines in Summe ist mir auch noch nicht klar. Bekannt ist: die zentralasiatische Pipeline wurde im vergangenen Jahrzehnt ausgebaut und transportiert nun etwa 40 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr von Turkmenistan nach China.

Der Thread steht aber unter dem Titel "eine neue Militärallianz" - und daher ist für diesen Thread das Bahnnetz, das insbesondere in den sowjetischen Nachfolgestaaten zum Transport militärischer Güter dient, wesentlich wichtiger als der - aus wirtschaftlichen Gründen erfolgende - Transport von Gas und Öl über Pipelines.
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#12
(10.05.2026, 20:58)Kongo Erich schrieb: die Kapazität aller Pipelines in Summe ist mir auch noch nicht klar.
Die Summe sollte unerheblich sein, relevant ist, welche Kapazitäten in welche Richtung verfügbar sind. Eine Pipeline, die bspw. nur im Nachbarland eine einzelne Raffinerie anbindet, kann keinen zusätzlichen Exportweg darstellen.
Zitat:Der Thread steht aber unter dem Titel "eine neue Militärallianz" - und daher ist für diesen Thread das Bahnnetz, das insbesondere in den sowjetischen Nachfolgestaaten zum Transport militärischer Güter dient, wesentlich wichtiger als der - aus wirtschaftlichen Gründen erfolgende - Transport von Gas und Öl über Pipelines.
Du selbst hast doch die Diskussion über die alternativen Exportwege für den Öl- und Gasexport hierher verlagert. Tongue
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#13
(10.05.2026, 21:21)Broensen schrieb: Die Summe sollte unerheblich sein, relevant ist, welche Kapazitäten in welche Richtung verfügbar sind. Eine Pipeline, die bspw. nur im Nachbarland eine einzelne Raffinerie anbindet, kann keinen zusätzlichen Exportweg darstellen.
Und da weiß ich zwar, dass leistungsfähige Pipelinverbindungen zwischen Iran und Turkmenistan bestehen (die waren ursprünglich für turkmenische Exporte vorgesehen, aber eine Pumpstation kann auch in die andere Richtung pumpen), nur ist mir wie gesagt nicht klar, welche Kapazität diese Röhren haben. *) Edit
Die zentralasiatische Pipeline im Anschluss von Turkmenistan nach China wurde im vergangenen Jahrzehnt ausgebaut und transportiert nun etwa 40 Milliarden Kubikmeter pro Jahr.
(10.05.2026, 21:21)Broensen schrieb: Du selbst hast doch die Diskussion über die alternativen Exportwege für den Öl- und Gasexport hierher verlagert. Tongue
ja, als Nebenaspekt - der Bahnverbindung habe ich in der Diskussion hier immer den Vorrang eingeräumt

*) Edit
Ich habs gefunden:
2024 wurde ein Vertrag von Turkmenistan mit Iran und Irak unterzeichnet:
"Turkmenistan has signed a swap deal with Iran under which Ashgabat will sell 10 billion cubic meters of natural gas a year to Iraq, the Turkmen government said on Wednesday."
Auch wenn man das als "Fiktive Lieferung" bezeichnen kann, weil Turkmenistan an den Iran liefern wollte und der Iran seinerseits in gleicher Menge und Qualität den Irak direkt bedienen - die Kapazität der grenzüberschreitenden Pipeline zwischen Turkmenistan und dem Iran ist damit erschließbar: "10 billion cubic meters of natural gas a year"
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#14
(10.05.2026, 21:28)Kongo Erich schrieb: Die zentralasiatische Pipeline im Anschluss von Turkmenistan nach China wurde im vergangenen Jahrzehnt ausgebaut und transportiert nun etwa 40 Milliarden Kubikmeter pro Jahr.
Erstmal irrelevant, so lange nicht klar ist, wie groß die mögliche Einspeisemenge aus dem iranischen Netz ins turkmenische ist.
Zitat:ja, als Nebenaspekt - der Bahnverbindung habe ich in der Diskussion hier immer den Vorrang eingeräumt
Dann ist genau das dein Fehler. Denn es ging ja um die Auswirkungen des wegfallenden Seetransports und dabei sind die Ölexporte um ein vielfaches relevanter als alles andere. Also müsste die Bahnanbindung auch gerade diese übernehmen können.

Aber dann stell' ich dir mal eine Gegenfrage: Welche Im- und Exportmengen abseits von Öl und Gas werden denn im Iran für gewöhnlich per Schiff abgewickelt und was sind dabei relevante Güter? Denn wenn die Bahnstrecken dafür die Ausweichroute sein sollen, stellt sich halt auch dafür die Frage der Kapazitäten sowie der grundsätzlichen Relevanz.
Zitat:"Turkmenistan has signed a swap deal with Iran under which Ashgabat will sell 10 billion cubic meters of natural gas a year to Iraq, the Turkmen government said on Wednesday."
Gas. Nicht Öl. Und somit nicht relevant, da es keinen Gasexport aus dem Iran per Schiff gibt, den man über diese Leitung kompensieren könnte. Gas exportiert der Iran per Pipeline, vor allem in die Türkei. Also vergiss doch endlich diese Gasleitung, sie hat keine Relevanz für den iranischen Export, weil es keine darüber zu exportierende Förderung gibt.
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#15
(10.05.2026, 23:22)Broensen schrieb: Welche Im- und Exportmengen abseits von Öl und Gas werden denn im Iran für gewöhnlich per Schiff abgewickelt und was sind dabei relevante Güter?
sämtliche militärisch nutzbaren Geräte - Sensoren und Effektoren bis hin zu Flugzeugtriebwerken - können über den Bahntransport verfrachtet werden.
Das gilt im Übrigen auch für Irans Exporte, zum Beispiel die LKW Produktion aus dem Werk bei Teheran.
...
(10.05.2026, 23:22)Broensen schrieb: ....
Gas. Nicht Öl. Und somit nicht relevant, da es keinen Gasexport aus dem Iran per Schiff gibt, den man über diese Leitung kompensieren könnte. Gas exportiert der Iran per Pipeline, vor allem in die Türkei. Also vergiss doch endlich diese Gasleitung, sie hat keine Relevanz für den iranischen Export, weil es keine darüber zu exportierende Förderung gibt.
Förderung gibt es doch am Golf - und von da führt eine Gaspipeline über Teheran zum kaspischen Meer . mit Anschlüssen sowohl über Aserbaidschan wie auch über Turkmenistan an das Pipeline-Netz im Bereich der ehemaligen Sowjetunion und dann weiter nach China
....guggst Du die Karten in paar Postings zurück.
Wieso soll das keine Relevanz haben?
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