(Land) Main Ground Combat System (MGCS) // Leopard 3
(09.09.2023, 19:15)Fox1 schrieb: DEU wird nicht ein derartiges Programm auflegen, das durchaus auch ein Leopard 3 sein kann, nicht nur ein Leopard 2AX (wenn das nicht sowieso das Gleiche ist ...) und dann schon 2035 noch einen neuen Kampfpanzer einführen.

Ein "derartiges" Programm, was genau für eines ist es denn überhaupt?

(09.09.2023, 19:43)Broensen schrieb: Ich sehe da vor allem den Unterschied, dass von der Industrieseite her keine andere europäische Nation dem "Leopard2-Kosortium" ebenbürtig entgegentreten kann, außer eben Frankreich, sofern man das große Ganze betrachtet statt nur dem MBT. Dementsprechend wäre mMn jede andere Partnerschaft nicht bi-national gleichberechtigt, sondern die deutsche Projektführung wäre unumstritten. Es wäre ein deutsches Projekt, das im eigenen Interesse die militärischen Bedürfnisse der anderen Nationen berücksichtigt und deren Industrien nach ihren Fähigkeiten einbindet.

In meinen Augen ist das eine eher blauäugige Betrachtung. Alle Fähigkeiten zum Bau eines solchen Systems sind über deutsche Unternehmen zumindest in grundsätzlicher Form vorhanden, das hat zwei Konsequenzen. Zum einen wird es dadurch zu einem politischen Projekt, und entsprechende politische Interessen müssen berücksichtigt werden. Zum anderen entstehen dadurch Ansprüche, die wieder mit den industriellen und politischen Interessen anderer beteiligter Nationen kollidieren. Ich sehe keinen großen Unterschied darin, ob beispielsweise Frankreich oder Italien Projektpartner wird, und bei anderen Nationen mag die qualitative Ebene der Differenzen sich unterscheiden, das Grundpotenzial für einen Konflikt ist aber ebenso gegeben, und kann sich aufgrund der höheren Zahl an Nationen dann quantitativ niederschlagen.

Es muss in beiden Fällen eine politische Lösung gefunden und industriell mitgetragen werden. Und das ist in beiden Fällen eine größere Herausforderung, beides kann klappen, aber ich sehe weiterhin keinen grundsätzlichen Vorteil bei einem der beiden Wege. Vielleicht irre ich mich ja, das MGCS ist in zwei Wochen Geschichte, und es wird ein neues, konzeptionell ähnliches Projekt mit den kursierenden Nationen gestartet, dass dann wirklich weitgehend reibungslos verläuft. Der Zeitplan wäre zwar aus deutscher Sicht weiterhin quatsch, aber immerhin gäbe es eine Zukunftsperspektive. Dann habe ich mich gern geirrt. Allein mir fehlt der Glaube.

Am Ende wäre es auch ein typisch deutsches Resultat, wenn man in einer solchen Kooperation letztlich viel mehr Verzichten müsste oder viel höhere eigene Kostenanteile generiert (oder beides), ohne einen wirklichen Mehrwert gegenüber der ursprünglichen Alternative zu haben.

Zitat:Auf welche Ankündigung beziehst du dich?

Auf die vor ein paar Wochen erfolgte gemeinsame Pressekonferenz, in der eine Umorganisation angekündigt wurde, und die in zwei Wochen weiter besprochen werden soll. Lass mir meinen Strohhalm. Wink

Zitat:Das stimmt wohl, aber aus der Historie der dt. Rüstungskonsolidierung heraus haben sich gewisse Schwerpunkte gebildet, die sich mit der Konstellation beim Leo2 verfestigt und seitdem so fortgesetzt haben. Also bspw. Rheinmetall für Waffenanlagen, KMW fürs Kettenlaufwerk. Da gibt es dann einfach gute Argumente für eine entsprechende Aufgabenverteilung und man muss sich nur noch in den Übergangsbereichen einigen.

Es waren immer politische Entscheidungen, und keines der beiden Unternehmen hat ein wirkliches Interesse daran, dass diese Situation so bleibt. Sie werden auch weiterhin vor allem politisch auf Kurs gehalten, gäbe es beispielsweise eine offene Ausschreibung ohne Einflussnahme bezüglich der Ebenen der Zusammenarbeit, die beiden würden kein gemeinsames Angebot abgeben. Du selbst hast es doch meiner Erinnerung nach erwähnt, dass es KMW vermutlich völlig egal ist oder man sogar die Partnerschaft mit Nexter vorziehen würde, aufgrund der Differenzen mit Rheinmetall. Und die Antwort letzterer auf das MGCS war die Ankündigung einer kompletten Eigenentwicklung.
Von daher sehe ich da keinen grundsätzlichen Unterschied zu einer politisch genauso umgesetzten binationalen Kooperation, man muss es nur politisch festlegen.

Und gerade weil du das Thema ansprichst, Deutschland als Projektführer bedeutet keineswegs, dass man deshalb auch die komplette Projektintegration verantworten muss. "Können" und "müssen" sind in einer solchen Kooperation, völlig egal ob auf internationaler oder nationaler Ebene, nicht synonym und daher spielt es keine Rolle, welche elementaren Alleinstellungsmerkmale nun Nexter aufweist, sofern die Fähigkeiten prinzipiell integrierbar sind. Und weil das eine rein politische Entscheidung ist, ist das immer gegeben. Natürlich wird man auf diesem Weg nicht das bestmögliche Ergebnis erzielen, aber um ein solches Optimum geht es sowieso nie, sondern einzig und allein um die grundsätzliche Umsetzbarkeit.

Zitat:Die LaTribune-Version klingt für mich plausibler, aber die Annahme der SZ würde mMn dafür sprechen, dass es auf deutscher Seite ähnliche Bedenken hinsichtlich der französischen Industriebeteiligung gibt, wie ich sie gerade formuliert habe.

Wo wir gerade bei solchen Überlegungen sind, ich würde diesen Grundgedanken der La Tribune auch umgekehrt sehen. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass man sich damit gegenüber einer neuen Initiative Frankreichs absichern möchte. Denn wenn MGCS jetzt kippt, und Frankreich neue Partner (beispielsweise Italien) für eine schneller umzusetzende Kooperation findet, dann könnte das durchaus eine sehr ernste Bedrohung für die deutschen Panzerbauer werden. Diese sieht sich ja gern als Krone der Schöpfung, was von vielen Fans geteilt wird, aber Hybris war noch nie ein guter Berater, und das Unvorstellbare kann in meinen Augen gerade aufgrund der deutlich höheren Anforderungen an den elektronischen Bereich zu einem Problem werden.
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