Arabische Liga - Eingreiftruppe
#1
Hier viewtopic.php?f=42&t=2101&start=435 haben wir (in Zusammenhang mit dem Jemen) bereits die politischen Hintergründe der neuen Eingreiftruppe der arabischen Liga angesprochen.
In diesem Thread soll es um die Ausrüstung und Taktik der Truppe gehen:
http://www.sueddeutsche.de/politik/kamp ... -1.2415044
Zitat:29. März 2015, 13:17 Uhr

Arabische Liga beschließt Gründung gemeinsamer Eingreiftruppe


Aufgrund der zahlreichen gewaltsamen Konflikte hat sich die Arabische Liga dazu entschlossen, eine eigene militärische Eingreiftruppe zu bilden.

Der Liga gehören viele Länder an, die derzeit mit radikalislamischen Rebellengruppen kämpfen müssen.

Eine Militärkoalition, angeführt von Saudi-Arabien, fliegt derzeit Angriffe gegen die Huthi-Rebellen im Jemen. Sie soll mehrere Waffendepots zerstört haben.

...
die TAGESSCHAU bringt mehr zur Truppe:
http://www.tagesschau.de/ausland/jemen-265.html
Zitat: Arabische Liga beschließt Eingreiftruppe

Stand: 29.03.2015 13:08 Uhr

... Ihr sollen nach Angaben ägyptischer Beamter etwa 40.000 Elitesoldaten angehören.

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Details zur Umsetzung nannte al-Sisi zunächst nicht. Ägyptische Beamte sagten aber, die gemeinsame Truppe solle etwa 40.000 Elitesoldaten umfassen und von Kampfflugzeugen und Kriegsschiffen unterstützt werden. Weitere Details sollen im April gemeinsam mit militärischen Entscheidungsträgern ausgearbeitet werden.
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#2
Man sollte die Bedeutung solcher Verlautbarungen sicher nicht überschätzen. Beschlüsse zu fassen ist sicher das eine, was dann real in irgendeiner Wüste aufrollt das andere.
Gerade wenn es um arabische Staaten geht herrscht schnell mehr Schein als Sein vor.

Gleichwohl ist diese Entwicklung ziemlich egal aus welchen Blickwinkel man sie betrachtet nicht gut.
Zunächst einmal ist es schon erstaunlich, dass sie überhaupt so viel zusammengebracht haben wie momentan stattfindet.

Zum einen geopolitisch, nicht viele Beobachter hätten auch nur am Anfang des Jahres vorausgesagt, dass eine Panarabische Koalition sich binnen weniger Tage/Wochen zu Angriffen auf ein arabisches Land zusammenfinden kann. Und das ohne eine größere Rolle geschweige denn Federführung der USA.
Das zeigt wie angespannt das Verhältnis zwischen Sunniten und Schiitischen, Arabern und Persern, zwischen Saudi-Arabien und dem Iran ist. Hier ist in den letzten Jahren vieles in Rutschen geraten und man gewinnt nach Syrien und ISIS langsam den Eindruck, dass die Lage nicht beherrschbar ist und das direkte Aufeinanderprallen der großen nichtwestlichen Player in der Region immer näher rückt.
Es zeigt auch wie weit Amerika unter Barak Obama schon von seinem Führungsanspruch in der Region abgerückt ist.
Amerika nimmt sich unter Obama weit zurück, nimmt maximal eine unterstützende Rolle und lehnt Federführung aktiv ab.
Das begann mit dem überhasteten und kopflosen Totalrückzug aus dem Irak Ende 2011 und setzte sich über die Zurückhaltung in der europäischen Libyenintervention und dem Nichteingreifen in den Syrischen Bürgerkrieg fort. Als ISIS aufkam wurde man notgedrungen nochmal aktiver (weil die Araber noch nicht bereit und sich uneins waren in Bezug auf durch ISIS bedrohte Minderheiten?) aber hier hält man sich wieder vornehm zurück.
Logischerweise muss man annehmen, dass diese Eingreiftruppe jetzt eine Reaktion auf das amerikanische Verhalten ist. Das ist nicht gut (für uns). Oberflächlich mag man es manch Friedensbewegter begrüßen, dass man nach den Clinton und Bush Jahren deutlich weniger aktiv ist in der Region. Wie wir jetzt aber sehen bedeutet weniger Aktivität auch einen deutlichen Kontrollverlust.
Über den Angriff auf Jemen wurde nicht in Washington oder zwischen Washington und Riad entschieden sondern zwischen Riad und Kairo. Und Washington war da wahrscheinlich ebenso weit eingebunden wie Jerusalem.
Ich weiß nicht ob es in unserem Interesse sein kann, dass die Staaten in der Region ihre eigene Geopolitik machen ohne sich um uns zu kümmern und ohne uns zu brauchen.
Man muss sich jetzt schon fragen, wie viel ein Atomabkommen zwischen Iran, westlichen Mächten und Russland noch wert ist, wenn sich in der Region eine panarabische Allianz formt, die ihre ganz eigenen Ansichten bezüglich des persisch-schiitischen Vormarsches hat.
Da geht es dann nicht nur um das Geopolitische sondern auch um militärisches Potential.
Als man ISIS bombardierte konnte man noch mit Fug und Recht sagen, dass die gewaltigen Luftflotten der Golfanrainer nicht viel zu Stande bekommen, vor allem nicht ohne die USA. Das hat sich jetzt sicher nicht über Nacht komplett gewandelt, aber es ist doch unverkennbar, dass sie Fortschritte machen.
Wenn das so weiter geht und die Araber das endlich mal gebacken bekommen würden, wäre es durchaus möglich, dass sie eine Streitmacht formen die in dieser Region ganz vorne mitspielt.

Wieder sollten wir uns fragen ob eine solche militärische panarabische Koalition in unserem Interesse sein kann.
Nichts garantiert, dass eine solche Allianz immer im Sinne unserer Interessen handelt. Nichts garantiert, dass sie sich nicht eines Tages gegen uns wendet. Angesichts der gigantischen weltanschaulichen Differenzen zwischen dem Westen und den Arabern ist das sogar gesteigert wahrscheinlich.
Was wird dann sein? Wir im Sinne von hauptsächlich Amerika haben die Region von Kairo bis Kuwait City die letzten drei Jahrzehnte mit modernster Militärtechnik zugemüllt. Dafür gab es gute Gründe und sicherlich auf viele Gründe die dagegen sprachen.
Entscheidend ist aber viel mehr, dass Amerika unter Obama vergessen hat, warum man die arabischen Player überhaupt aufgerüstet hat und warum diese Aufrüstung einigermaßen gefahrlos möglich war:
Amerika war die Führungsnation und nicht der Back Seat Driver. Amerika kontrollierte die Region und setzte die Akzente. Ohne Amerika sorgte dafür, dass nicht ohne und erst recht nicht gegen sie in der Region etwas lief. Bevor die Mächtigen in Riad nach Kairo telefonierten, telefonierten sie nach Washington. Und umgekehrt.
Diese Zeiten scheinen sich dem Ende zu nähern oder schon vorbei zu sein. Und das ist problematisch. Für die Region, aber erst recht für uns.
Heute können sich alle (außer Obama) noch glücklich schätzen das sich die arabischen Länder gegen den Iran stellen. Aber wie viele Jahre werden vergehen bis sie sich gegen uns stellen und Amerikaner gegen Saudis fliegen werden?
Wir man sich dann an die jetzigen Monate und Jahre zurückerinnern und zu dem Schluss kommen, dass es keine gute Idee war die Mächtigen in Kairo und Riad mal alleine machen zu lassen während man mit dem Iran ein Atomabkommen schloss?
Ich befürchte das ist sehr wahrscheinlich.
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#3
danke für die politische Bewertung, die hätte ich ausdrücklich im Politik-Welt-Thread (unter "Arabische Liga") erbeten und auch einen Link dahin gesetzt.
Hier sollte es ausdrücklich um die militärische Bewertung gehen - angefangen von der Ausstattung (zigtausend Elitesoldaten sagt schon mal was) über die Taktik bin hin zur Analyse von Einsätzen.
Aber das bin ich ja gewohnt, dass Du eher nicht so differenzierst ....
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#4
Ägyptische Elitetruppen - dabei dürfte es sich um diese Einheiten handeln
http://en.wikipedia.org/wiki/Rapid_Depl ... ces_(Egypt)
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#5
@Erich
Auch militärisch hätte so eine arabische Eingreiftruppe nur einen zweifelhaften Wert.
Das fängt schon damit an, das man Waffensysteme aus unterschiedlichen Quellen hat, oft genug nur wegen seines Glamour-Faktors beschafft hat und häufig Probleme mit der Wartung von vorhandenen Systemen hat.
Aber auch politisch würde so eine arabische Eingreiftruppe wohl nur bedingt funktionieren.
Sieh doch mal, was aus den Kooperationsbestrebungen arabischer Staaten geworden ist!
Denke nur mal an die Koordination von Kriegsanstrengungen gegenüber Israel.
Imho ist diese arabische Eingreiftruppe nur eine temporäre Anstrengung, um im Jemen auf den Putz zu hauen, oder eine Fassade um die vielgelobte arabische Einigkeit aufrechtzuerhalten hinter der sich oft tiefe Rivalitäten und Streitigkeiten verbergen.
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#6
Ägypten hat seine erst aktuell erworbenen und von den Saudis gesponserten Rafale in diese Eingreiftruppe eingebracht - und Katar, das ebenfalls dem Bündnis angehört, hat soeben angekündigt, weitere 24 Rafale zu beschaffen http://www.defensenews.com/story/breaki ... /26622555/

Sollte die Rafale eine gemeinsame Plattform dieser Eingreiftruppe werden?
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#7
Zitat:Höchst bemerkenswert ist, was Saudi-Arabien damit verbindet. Das Haus Saud sieht darin den Anfang eines großen Projekts: "König Salman will eine Flotte aufbauen, die den Namen verdient, um eine maritime Streitkraft für den Schutz der Region im Roten Meer und im Mittelmeer aufzubauen", wird ein Diplomat zitiert. Verknüpft wird damit die Idee des Aufbaus einer gemeinsamen arabischen Streitmacht, die in Krisenzonen wie in Libyen eingreifen könnte.
http://www.heise.de/tp/artikel/45/45653/1.html

Das sind ja gleich drei Dinge in einem. Spannung, Spiel und Spaß.
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#8
Abschuss eines Apache über dem Yemen durch Houthirebellen

http://www.janes.com/article/53773/saud ... eni-border
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#9
Auf der Seite ist ein Leserkommentar:
Zitat:The inept Saudis have taken enormous losses in Yemen at the hands of Zaidi born warriors. 4 Apaches and at least 3 F-15S have been downed along with hundreds of tanks, APC and other vehicles destroyed by ATGM. .....

Wie stark dürfte das übertrieben sein ? Ich vermute man erfährt ohnehin nicht viel Einzelheiten.
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#10
Bei den Fahrzeugen wahrscheinlich mindestens um den Faktor 5. Soviel haben die Saudis&Co da auch wieder nicht im Einsatz.
Gleichwohl erleiden die Herren dort zweifellos deutliche Verluste. Gibt einiges an YouTube Videos mit der ganzen Palette vom Apache bis Abrams.
Das Sadu Arabien mindestens eine F-15 verloren hat findet sich im Jemen Thread. Eine marokanische F-16 ist ebenfalls verloren gegangen.
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