Roma in Europa
#1
Es geht in den verschiedenen Threads immer wieder um Angehörige dieser Volksgruppe - die in allen europäischen Staaten leben, aber eigene Sitten und Gebräuche haben.
Ich denke, es kann nicht schaden, diesen Nachbarn einen eigenen Strang zu widmen - sie sind uns manchmal näher als Esten oder Portugiesen. Dabei geht es mir nicht um lokale oder nationale Fragen in Zusammenhang mit dieser Volksgruppe, sondern um die gesamteuropäische Ebene einerseits und die eigenen Sitten und Gebräuche des Volkes andererseits.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/r ... 30841.html
Zitat:Debatte über Roma: Ohnmächtiges Europa

Ein Kommentar von Özlem Gezer

In Europa ist es salonfähig, eine Gruppe aufgrund ihrer ethnischen Herkunft zu stigmatisieren: die Roma. Sie werden von skrupellosen Geschäftemachern ausgebeutet und von Rechtsextremen terrorisiert - weil die Politik die Roma und ihre Armut ignoriert.
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#2
Die Stigmatisierung der Roma geht sogar so weit, das man Hitlers Völkermord an ihnen weitgehend ignoriert!
Man weiß von ihm, um Sebastian Haffner zu zitieren, "auch heute nicht viel mehr davon als eben, das er stattgefunden hat." Haffner selbst führte dies auf die Heimlichkeit, mit der er geschah zurück.
Fest steht aber, das dieser Porajmos ein gezielter Genozid war.
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#3
Zur Zeit kommen massiv "Zigeuner" aus Rumänien, Serbien und Mazedonien (aber auch aus der Süd-Slowakei und aus Ungarn) nach Deutschland, weil die Lebensumstände in den Herkunftsländern so schlecht sind. In Bezug auf die Asylbewerber stellen "Zigeuner" vom Balkan zur Zeit sogar den größten Anteil von allen Volksgruppen. Seitdem steigen die Zahlen der durch "Zigeuner" begangenen Straftaten massivst an.

Die Geschichte und Herkunft der Zigeuner ist eigentlich höchst interessant: die ursprünglichen Zigeuner stammen tatsächlich nachweisbar aus Indien und wanderten dort im Frühmittelalter (10 bis 11 Jahrhundert) zur Zeit der islamischen Eroberung Nord-Indiens nach Westen aus (bzw wurden von den Muslimen dorthin umgesiedelt) und gelangten so als Flüchtlinge aus dem Islamisch/Seldschukischen Raum in das Gebiet des byzantinischen Reiches (daher übrigens der Name Roma (Roma bzw Romäer war der Eigenname der Byzantiner).

In der Endzeit des oströmischen Reiches flohen die Zigeuner dann vor den vordringenden Osmanen nach Europa und tauchten dann hier in Mitteleuropa erstmals im 15 Jahrhundert auf.

Interessant ist ein Vergleich mit der Gruppe der Inaden (Schmiede) im Sahara-Raum und in der Sahel-Zone. Wie diese waren die Zigeuner in ihrem Ursprung vor allem Schmiede und wanderten wie die Inaden herum und boten ihre Arbeit (Schmiedearbeit) den verschiedenen Völkern an. Es ist anzunehmen, dass die Roma schon in ihrem Ursprung in Indien herumziehende Schmiede waren, sehr vergleichbar den Inaden in Nordafrika.

Das Handwerker (in prekären Verhältnissen) herum ziehen war vor der Entstehung der Nationalstaaten völlig normal (siehe Jenische, die bis heute praktizierte Walz deutscher Handwerker usw) Die Zigeuner waren früher also nicht die einzigen, die als Handwerker herum zogen und ihre Arbeit anboten. Aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, ihrer Armut und der mangelnden Möglichkeit an der Gesellschaft zu partizipieren wurden all diese Gruppen auffallend oft kriminiell, rekrutierten sich Räuber und Diebe systematisch aus diesen Gruppen bzw sozialen Randgruppen.

Daran hat sich eben bis heute nichts geändert, außer dass die anderen früher verbreiteten Gruppen heute eben nicht mehr existent sind (das Jenische ist am Aussterben etc) - so dass die Zigeuner eben alleine übrige geblieben sind.
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#4
http://www.sueddeutsche.de/panorama/rom ... -1.1852263
Zitat:29. Dezember 2013 13:17

Roma in Deutschland
Menschen, auf die niemand wartet

Sie suchen einen Job und ein besseres Leben. Aber wollen sie sich wirklich integrieren? Am 1. Januar 2014 fallen in der EU die letzten Arbeitsmarkt-Beschränkungen für Rumänen und Bulgaren. Zehntausende weitere Roma werden in Deutschland erwartet. Eine Spurensuche im Ruhrgebiet.
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#5
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft ... 47571.html
Zitat:Zuwanderung aus Südosteuropa
Die Roma von Neukölln

11.01.2014 · Die Ablehnung gegenüber Rumänen und Bulgaren ist enorm, auch im Berliner Bezirk Neukölln. Das Arnold-Fortuin-Haus, in dem 600 Menschen wohnen, ist aber ein Positivbeispiel für den kommunalen Umgang mit den Zuwanderern.
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#6
Und was ist mit den Sinti?
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#7
Betreffender Artikel könnte auch in den Ungarn-Strang, da aber Erich das Thema in einen eigenen, umfassenderen Europa-Strang gefasst hat und die Diskriminierung der Roma nicht nur alleine ein ungarisches Problem ist, stelle ich es hier ein. Die Roma in Ungarn, eine ausgegrenzte und weitgehend rechtlose Minderheit, sehen sich seit dem Machtantritt der rechtskonservativen Regierung um Viktor Orbán zunehmend Übergriffen ausgesetzt. Dabei sieht man bei der Fidesz zumeist geflissentlich weg, wenn Rechtsextremisten, etwa von der Jobbik, die neonazistischen Täter, die die Roma vertreiben und teils schlicht ermorden, mit Hetze zu ihren Übergriffen motivieren.
Zitat:Roma-Morde in Ungarn: Das Elend der Éva Kóka

Vor fünf Jahren ermordeten Rechtsterroristen in Ungarn sechs Roma und verletzten Dutzende schwer. Die Überlebenden und Angehörigen der Opfer leben bis heute in bitterster Armut. Die Regierung versprach Entschädigungen - doch bei den Betroffenen kam bisher nichts an. [...]

Die 51-Jährige ist die Witwe von Jenö Kóka. Er wurde vor fünf Jahren, am Abend des 22. April 2009, in der Kleinstadt Tiszalök erschossen, als er vor die Haustür trat, um zur Nachtschicht im Pharmawerk zu fahren, wo er seit 38 Jahren gearbeitet hatte. Ein Schuss aus einem Gewehr traf den 54-Jährigen direkt ins Herz, der Mörder hatte in einem Gebüsch gelauert. Kóka war das fünfte Todesopfer der rechtsextremen Roma-Mörder, die 2008 und 2009 in Ungarn sechs Roma ermordeten, darunter einen vierjährigen Jungen. [...] Bereits im Oktober 2013, so sah es ein Regierungsbeschluss vor, sollten die ersten Entschädigungen gezahlt werden. Doch es blieb bei der Ankündigung.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/r ... 52505.html

Schneemann.
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