Verhältnis von Gesellschaft und Armee
#1
Hallo,
da ich keinen Strang gefunden habe, der sich mit dem Verhältnis von Gesellschaft und Militär beschäftigt, erstelle ich einfach einen Strang.

Leitfragen:
Fehlt es nicht in Deutschland an einer strategischen Gemeinschaft, die sich mit der Gesamtstrategie unseres Landes beschäftigt?
Wie verhält es sich mit den Führungskräften in der Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Forschung und im Militär hinsichtlich dieser Frage?
Konkret sind die Ministerien und die parlamentarischen Gremien überhaupt so gestaltet und besetzt, dass sie den an sie gestelten Aufgaben bearbeiten können?

Wie steht der Durchschnittsbürger zur Armee und den Aufgaben des Militärs (Schutz, Interessenvertretung ausdrücklich auch zur Befriedigung wirtschaftlicher Interessen: Rohstoffe, Handelswege, Absatzmärkte)?

Warum wird in Deutschland jemand dafür beleidigt, dass er Wehrdienst leistet oder Berufssoldat geworden ist?

Wodurch wird ein solches unrealistisches Weltbild reproduziert?

Wie können wir dafür sorgen, dass die Sicherheit Deutschland erhalten werden kann bzw. wiederhergestellt wird?

Sollte die Aussetzung der Wehrpflicht aufgehoben werden und dafür ein freiwilliger Bürgerdienst (nur im Alter zwischen 18 und 30 ableistbar) eingeführt werden?

Brauchen wir z.B. ein Wehrkundefach vom Kindergarten bis zur Berufsschule/ Universität?

Wie können wir dafür sorgen, dass die Elite - die Führungskräfte - sich mit Fragen der Gesamtstrategie beschäftigt?
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#2
http://www.welt.de/politik/deutschland/a...swehr.html

Zitat:11:24 Deutsches Bildungswesen

Unis und Schulen machen mobil gegen die Bundeswehr

In Berlin wird ein Minister niedergebrüllt, die Bundeswehr bekommt Hausverbote. Aber nicht überall wird der Diskurs unterdrückt. Ein Besuch im Seminar eines vermeintlichen "Kriegstreibers".

Von Thorsten Jungholt

Ich halte diese Anti-Bundeswehr/Anti-Kriegs/Anti-Deutsche Bewegung führ sehr bedenklich. Woher diese kommt kann ich in der Gesamtheit nicht beurteilen, da muss man sich den jeweiligen Einzelfall anschauen.
Oberflächlich gesagt, würde ich behaupten den Konsumaffen hier geht es einfach viel zu gut und sie verstehen nicht ansatzweise wie dieser Wohlstand zustande gekommen ist/gehalten werden kann.

Die Entwicklung an Hochschulen ist traurig. Wobei hier natürlich die Geisteswissenschaften den Hauptteil dieser Bewegung stellen(mit Abstand).
Aus meiner Zeit als Student Maschinenbau/Fahrzeugbau weiss ich das diese Anti-Haltung dort kaum verbreitet ist. Jobs in der Rüstungsindustrie sind begehrt.
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#3
Juhu schrieb:http://www.welt.de/politik/deutschland/a...swehr.html

Zitat:11:24 Deutsches Bildungswesen

Unis und Schulen machen mobil gegen die Bundeswehr

In Berlin wird ein Minister niedergebrüllt, die Bundeswehr bekommt Hausverbote. Aber nicht überall wird der Diskurs unterdrückt. Ein Besuch im Seminar eines vermeintlichen "Kriegstreibers".

Von Thorsten Jungholt

Ich halte diese Anti-Bundeswehr/Anti-Kriegs/Anti-Deutsche Bewegung führ sehr bedenklich. Woher diese kommt kann ich in der Gesamtheit nicht beurteilen, da muss man sich den jeweiligen Einzelfall anschauen.
Oberflächlich gesagt, würde ich behaupten den Konsumaffen hier geht es einfach viel zu gut und sie verstehen nicht ansatzweise wie dieser Wohlstand zustande gekommen ist/gehalten werden kann.

Die Entwicklung an Hochschulen ist traurig. Wobei hier natürlich die Geisteswissenschaften den Hauptteil dieser Bewegung stellen(mit Abstand).
Aus meiner Zeit als Student Maschinenbau/Fahrzeugbau weiss ich das diese Anti-Haltung dort kaum verbreitet ist. Jobs in der Rüstungsindustrie sind begehrt.

Hier muss ich Dir leider zustimmen.

Als ich im letzten Jahr angefangen habe Habermas zu lesen, konnte ich endlich eine Erklärungshypothese finden. In Habermas’ Hauptwerk der Theorie des kommunikativen Handelns (TKH) äußert sich wie folgt, hier paraphrasiert.
Die nachwachsende Generation sehne sich jedoch nach Sinn, um diesen Sinn zu erlangen, entwickeln sich neue Lebenswelten, die entkoppelt sind von den Systemen. Diese von Habermas als Bewegung der „neuen Politik“ bezeichnete Strömung ist geprägt von Problemen der Lebensqualität, Partizipation, Menschenrechten und individueller Selbstverwirklichung. In der Regel Personen, die dem Produktionsprozess ferner stehen bzw. nicht auf ihn angewiesen sind und daher besser gebildet und mehr Zeit haben Teilphänomene kritisch zu begleiten. Eins ist diesen Bewegungen gemeinsam, sie stoßen sich an Problemen, die nur ihre eigene Lebenswelt bedrohen, nicht aber an Problemen, die durch den Kapitalismus hervorgerufen werden und die ganze Gesellschaft bedrohen. Hierzu einige Beispiele von Habermas: „[…] Antikernkraft- und Ökologiebewegung; Friedensbewegung […]; Bürgerinitiativbewegung; Alternativbewegung […]; Minderheiten […]; die Psychoszene mit Lebenshilfegruppen und Jugendsekten; religiöser Fundamentalismus […]“ (TKH Bd. 2 S. 578). Als Problemfelder skizziert Habermas, „grüne“ Probleme, das „Problem der Überkomplexität“, der sprachlich auch zum Ausdruck kommt durch den Oberflächendiskurs und „Überlastung der kommunikativen Infrastruktur“ – „das Leiden an den Entzugserscheinungen einer kulturell verarmten und einseitig rationalisierten Alltagspraxis.“ (TKH Bd. 2 S. 580).

Auf dem ersten Blick denkt jeder kritische Geist zu allererst, die Kritische Theorie das seien alles Kommunisten. Doch ist dieser Vorwurf so nicht haltbar, vielmehr sind Adorno/ Horkheimer Linkshegelianer und Habermas ist eigentlich ein idealistischer Pragmatist (also eine Mischung aus Kant und Dewey/ Pierce).

Ich als Student der Geisteswissenschaften muss Dir auch leider hierin ebenfalls zustimmen. Selbst die Militärgeschichte, wo doch das Militär im Mittelpunkt stehen sollte, war zunächst geächtet, hat nun aber in den letzten beiden Jahrzehnten einen quantitativen Aufschwung genommen, doch die Qualität ist grauenhaft.
Denn den meisten Forschern in diesem Bereich fehlt das notwendige Handwerkszeug, um die Sachverhalte, die sie erforschen wollen, beurteilen zu können. So kennen sie nicht den Zusammenhang von Außen- und Sicherheitspolitik im Großen und den Zusammenhang von Waffensystemen und Einheiten und den daraus erwachsenden Möglichkeiten des militärischen Handelns, z.B.: wenn keine Panzerabwehrmittel in einem Infanteriezug vorhanden sind, im Kleinen. Folglich kann auch keine Verbindung zwischen Ausrüstungsplanung und der Strategie gesehen werden, um hier nur eine Kohärenz zu zeigen.

Dazu kommt noch, dass selbst im MGFA (Militärgeschichtliches Forschungsamt), welches nun mit dem Sozialwissenschaftlichen Institut zum ZMS BW (Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr) in Folge der Guttenberg/ de Maiziere-Reform verschmolzen wird, Forscher sitzen, die Militär ablehnen oder zumindestens kritisch gegenüber stehen. Eine affirmative Militärgeschichte ist völlig verpönt.

Oder ein anderes Beispiel so werten einige Politikwissenschaftler, die reine Rhetorik von Obama bzgl. der Nuklearwaffen – Global Zero – als ernst gemeint, zu allererst ist anzumerken, dass die USA ihre Atomwaffen modernisieren und zum Anderen zeigt sich bei näherer Betrachtung, dass wenn dieses Ziel erreicht würde, die USA davon massiv profitieren würde, denn die USA verfügen über einen großen Vorsprung in der konventionellen Rüstung.

Oder wenn man die Berichterstattung des Spiegels vergleicht, hier erinnere ich an den Artikel von Ahlers: „Bedingt abwehrbereit“ aus den 60er Jahren, der die Spiegel-Affäre auslöste und der jetzigen Berichterstattung über die Drohnen, hierbei schließe ich ausdrücklich die letzten drei Wochen aus, die unter dem Eindruck der Fehler bei der Beschaffung standen, sondern die Diskussion darüber, dass Drohnen militärisches Handeln ermöglichen würden, welches außerhalb des Grundgesetzes stünde.

Alles im allem mangelt es in Deutschland an einer wirklich weitsichtigen Gruppe von Personen, die strategisch planen und denken können, vielleicht waren Franz Josef Strauß und Helmut Schmidt die letzten wirklichen Strategen, es fehlt eine Gemeinschaft von Strategen.
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#4
Ich denke, das Problem ist die Weltflucht vor allem ängstlicher Intellektueller.
Krieg und Militär ist sowieso böse, schon weil es die Ruhe stört, also ist man dagegen. Wenn man im Fernsehen, also nicht der Realität damit konfrontiert wird guckt man allerdings gerne hin.
Man zieht sich zurück auf eine Insel der Glückseligkeit und blendet alles aus, was nicht ins Weltbild passen könnte, etwa das auch Solarenergie umweltschädlich sein könnte oder das die Güter die man konsumiert unter menschenunwürdigsten Bedingungen geerntet oder hergestellt wurden.
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#5
Juhu schrieb:Woher diese kommt kann ich in der Gesamtheit nicht beurteilen, da muss man sich den jeweiligen Einzelfall anschauen.

Nun, dafür gibt es mehrere Gründe.

a) Zunächst einmal hat man natürlich mit Militär in Deutschland aufgrund der zwei Weltkriege nicht sonderlich gute Erfahrungen gemacht. Aus dem Grund ist man hier generell skeptisch eingestellt.

b) Sind die meisten Leute die Lügen einfach leid. Wenn die Bundeswehr Geopolitik macht oder den USA einfach in den Hintern kriecht, dann muss das auch offen auf den Tisch. Siehe die Debatte um Afghanistan und auch die Propaganda bzgl. Kosovo damals. "Menschenrechte schützen und Brunnen bauen" glaubt eben nicht mal mehr meine Oma.

c) Ist es wohl auch richtig, das viele verdrängen, dass die Welt nicht immer nur rosa ist und das es ganz ohne Armee eben nicht geht.

Ich persönlich war nicht bei der Armee und würde auch nicht hingehen. Ich halte nichts von dem, wie es dort zugeht und auch wenig von den Leuten, die dort sind. Ich brauche weder spartanische Betten, noch den ganzen "Stillgestanden"-Shit und die (so hört man) in der Regel wenig intellektuellen Kameraden brauche ich schon gar nicht.

Und dieses Land hier zu verteidigen - das für mich eins symbolisiert: Es den Leuten unnötig und grundlos schwer zu machen - darauf bin ich nun schon gar nicht scharf.

Und selbst wer das Land liebt.... Wer will sich denn für Geopolitik "am Hindukusch" verheizen lassen?
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#6
Ich liebe nicht dieses Land, sondern diese Nation. Ein kleiner aber feiner Unterschied. Für die Deutsche Nation bin ich bereit alles zu tun oder zu erleiden. Damit bin ich aber ziemlich allein in diesem Land, und dass ist eine Frage der sozialkulturellen Grundströmung (was Delbrück ja schon angerissen hatte).

Nicht die Daoistische Weltflucht der Intellektuellen, sondern die gesamte sozialkulturelle Grundströmung in diesem Land ist Antimilitärisch, von Grund auf. Die Indoktrination fängt dabei schon im Kindergarten an, setzt sich verstärkt in der Schule fort (geleitet und geführt von Alt-68er Lehrern die in ihrer Studienzeit noch: Lieber Rot statt Tot skandierten!) und setzt sich dann an die Unis und in den Arbeitsalltag über die Medien usw fort.

Man wird ja nicht nur bereits schief angesehen, weil man Soldat ist. Alleine schon eine Diskussion über Waffen in der Öffentlichkeit kann zu extrem negativen Reaktionen führen. Während ich umgekehrt echte Pazfisten sehr gut leiden kann, also Leute die bereit wären für Ihre Überzeugungen zu leiden und zu sterben, kann ich vor allem anderen aber diese Feige Doppelgesichtige Heuchelei, diese kleingeistige kleinliche Kleinbürgerliche Einstellung der absoluten Mehrheit der Deutschen heute kaum mehr ertragen.

Denn es ist ja nicht so, dass hier eine verquaste Elfenbeinturmbewohner sich in daostischen Träumereien ergehen, sondern dass eine absolute Mehrheit der Menschen in diesem Land eine wiederwärtige Einstellung, eine von Grund auf wiederwärtige Lebenshaltung und Sozialkultur haben.

Das wahre Problem zeigt sich dabei weit über die Ablehnung des Militärischen an sich hinaus. Die Klagesucht, die Kleinlichkeiten, die völlige Erstarrung der Gesellschaft sind eine Gesamtentwicklung die alle Lebensbereiche durchdringt und die sich überall negativ auf die Nation auswirkt.

Verkörpert ist Deutschland zur Zeit meiner Meinung nach am besten durch: Bernd das Brot, diese Maschendrahtzaunfrau die Raab mal eine zeit im Programm hatte und irgendeinen schmierigen Anwalt (egal welchen, die sind alle austauschbar).

Ein Primärproblem ist meiner Überzeugung nach die Überlegalisieriung, der extreme Legalismus der Sozialkultur in diesem Land. Alles dreht sich nur noch um die Frage, ob etwas Legal ist, nicht aber ob etwas legitim ist. Die Überbetonung der Formen vor den Inhalten, die zu starke Gewichtung der Justiz, des Legalismus und in der Folge dessen der Anwälte zerstört die Nation. Aber was für eine Geselllschaft wendet sich dem Legalismus den zu?

Eine schwache! Eine elend schwache und feige Gesellschaft, die aus Mangel an Idealen, aus Mangel an Mythen und aus Mangel an Glauben an die Nation ihre Innere Leere durch seelenlose Gier nach Materiellem zu übertünchen versucht. Die Innere Leere der Deutschen, die weltweit inzwischen zum Witz gewordene "German Angst" sind ein Resultat des Absterbens der Nation in den meisten Herzen der in diesem Land lebenden Menschen.

Feige klammert man sich an das eigene wertlose Leben, sucht im I-Phone 5 sein Heil und strapaziert seine Rechtsschutzversicherung im Streit mit dem Nachbarn/Vermieter/Arbeitgeber !!

Das ist das wahre Problem.

marcoB:

Zitat:noch den ganzen "Stillgestanden"-Shit

Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Das gehört alles weg. Militärs sind aber leider extrem strukturkonserativ, obwohl wir heute weder Helme mit Visieren haben, noch mit Piken in Formation marschieren, hängt man immer noch an diesem Schwachsinn.

Ich würde sogar jede Art von Uniform außer dem Tarnanzug (einheitliches Tarnmuster) abschaffen, den ganzen Soldatenquatsch, für ein Neues Kriegertum ! Den die militärische Zukunft gehört Kriegern, nicht Soldaten. Umkehrschluss: Erhebliche Zweifel an dem Überleben der Deutschen Nation sind meiner Ansicht nach absolut berechtigt.
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#7
Quintus Fabius schrieb:aus Mangel an Glauben an die Nation ihre Innere Leere durch seelenlose Gier nach Materiellem zu übertünchen versucht. Die Innere Leere der Deutschen, die weltweit inzwischen zum Witz gewordene "German Angst" sind ein Resultat des Absterbens der Nation in den meisten Herzen der in diesem Land lebenden Menschen.

Glaubst du denn wirklich das "Glaube an die Nation" die geeignete Sache ist, die "Innere Leere" zu füllen?
Wie genau soll dieser Glaube überhaupt aussehen?
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#8
Ich will versuchen es dir zu erklären, davor aber muß ich erst mal mein Verständnis
von Nation erläutern (ich kopiere dazu mal als Einleitung etwas was ich hier im Forum schon mal dazu geschrieben habe - leider habe ich einen erheblichen Zeitmangel) :

Vereinfacht: Die Nation ist eine Meta-Idee, in Form eines Mem bzw. eines
Bündels von Memen.

Als solches Mem ist sie mehr oder weniger Teil des Gesamtbewusstsein eines
Menschen. Meme sind vereinfach ausgedrückt Bündel von Informationen die
jeweils einen Bewusstseinsinhalt bilden. Dieser Bewusstseinsinhalt kann von Mensch
zu Mensch übertragen werden, und kann auch ebenso wieder verschwinden.

Manche Meme nun schließen sich gegenseitig aus, in diesem Fall kann also entweder
das eine oder das andere Mem vorhanden sein. Manche Meme können koexistieren,
aber nicht ineinander aufgehen, andere können auch ineinander aufgehen und dadurch
neue Meme bilden. Vergleichbar wie bei Genen in der biologischen Evolution unterliegen
Meme daher einer Evolution, sie breiten sich aus, oder werden weniger, sie überleben oder sterben aus, oder sie verändern sich.

Manche Meme sind nützlich für das Überleben, andere sind dem Überleben abträglich. Manche
Meme nützen einem selbst als Individum nicht direkt, aber sie nützen dem Einzelnen indirekt,
indem sie die Gesellschaft stärken.

Ein solches Mem bzw. Bündel von Memen stellt der Bewusstseinsinhalt der Nation dar. Eine Nation
ist also keine Flagge, kein Land, und auch kein Volk. Eine Nation ist also ein Mem, dass mehr oder
weniger innerhalb einer bestimmten Gruppe von Menschen vorhanden ist oder nicht.

Der Bewusstseinsinhalt der gemeinsamen Nation ist nun aber für eine Gruppe nützlich. Je stärker dieser Bewusstseinsinhalt innerhalb dieser Gruppe ist, je stärker er verankert ist, je stärker
er das Bewusstsein der Individuen innerhalb dieser Gruppe dominiert, beherrscht, desto besser
ist dies für die Gruppe, für ihr physisches Überleben ! Denn kein anderes Mem fördert so sehr altruistisches Verhalten. Gruppen mit einem Altruistischem Verhalten der Individuen sind aber eben Gruppen mit einem überwiegend egoistischen Verhalten überlegen. Sie setzen sich gegenüber vergleichbar großen/starken Gruppen die aber egoistisch geprägt sind durch. Sie verdrängen solche egoistischen Gruppen auf Dauer.

Im Gegensatz zu vielen Religionen, insbesondere im Gegensatz zum Christentum das ja hier im Abendland noch vorherrschend ist, befördert das Mem der Nation aber auch in besonderem
Ausmaß die Möglichkeit der Gruppe, organisierte Gewalt auszuüben. Und auch dies ist ein Vorteil für die Gruppe insgesamt, auch wenn es für das Individum in der jeweiligen Einzelsituation eventuell ein Nachteil ist.

Es zählt nur der Mythos, nicht die Wahrheit. Nur die Aktion, nicht der Gedanke !
Politische Mythen sind deshalb überlegen, weil sie funktionieren. Sie müssen nicht wahr sein
und funktionieren gerade deshalb besser als jedes andere Mem, weil sie selbst in ihrem Kern irrational sind und daher sich rationalen Argumenten entziehen können.
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#9
@Quintus Fabius

Nun, das ist sehr schön geschrieben und dass eine Gruppe oder eine Nation sich verteidigen können sollte - nun da bin ich ganz bei dir.

Aber inwieweit sollte das nun als Lebenssinn dienen? Die Barbaren mögen einen auf Trab halten können, so wie jemand der mit dem Krebs kämpft "auch keine anderen Sorgen" hat - aber denkst du nicht, dass es bessere - gerne ebenfalls mystische - Lebensinhalte geben kann? Vor allem dann, wenn gerade keine Barbaren da sind :wink:
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#10
Ein besserer Lebensinhalt als die Nation ist zwar theoretisch denkbar, praktisch aber ohne Nutzen.
Den die Welt ist nicht dergestalt, dass irgendwelche Utopien einen praktischen Nutzwert hätten. Wir könnten auch den Weltfrieden fordern, oder eine Kolonisierung des Weltalls durch eine geeinte Menschheit, Friede - Freude - Eierkuchen völlig egal was für Träumerein man andenkt, die Realität ist Anarchie, Krieg und Niedergang und das wird sich nicht ändern!

Die Frage ist also höchst einfach: Was nützt für das physische Überleben einer Gruppe von Menschen inn einer solchen Welt?

Die Welt ändern zu wollen, wäre heute eine reine Torheit, weil vergeblich. Also muß man sich selbst dieser Welt so gut wie möglich anpassen. Einen Lebensinhalt finden, der die Chance für das Überleben erhöht. Und unsere Gruppe wird die nächsten 100 Jahre ohne die Nation als Konzept sicher nicht überleben. Wir werden beseitigt werden.

Es sei denn wir versetzen uns in die Lage, für unser Überleben zu kämpfen. Organisierte Gewalt auszuüben und die Kohäsion unserer Gruppe wieder her zu stellen.

Und nur die Nation wird die Kohäsion unserer Gruppe wieder herstellen können, mir ist kein anderes Konzept dafür vorstellbar.
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#11
http://www.welt.de/politik/ausland/artic...Armee.html

Zitat:10:18Fehlende Anerkennung

Die Bundeswehr, Deutschlands ungeliebte Armee

An den Schulen unerwünscht, an den Unis verspottet. Nur bei Hochwasser können unsere Soldaten noch mit Sympathie rechnen. Image und Zustand der Bundeswehr sind auf einem Tiefpunkt. Was ist da los?

Von Ulrich Exner, Miriam Hollstein und Simone Meyer
...
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#12
Es sind gerade keine Barbaren da, aber was ist mit Morgen oder nächste Woche? Sind da auch keine Barberen in Sicht.
Und wie lange dauert es, wieder eine Verteidigungsorganisation aufzubauen?
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#13
Quintus Fabius schrieb:Ein besserer Lebensinhalt als die Nation ist zwar theoretisch denkbar, praktisch aber ohne Nutzen.

Also mein lieber - ohne dir da zu Nahe treten zu wollen - du hast dich da glaube ich ziemlich in etwas hineingesteigert. Der Primär-Nutzen allen Tuns ist zunächst erst einmal das Erreichen von Lebensglück, Freude und die Zufriedenheit. Denn etwas anderes gibt es im Leben nicht, was von "Nutzen" wäre. Wie man das erreicht ist jedem selbst überlassen - der eine legt sich in die Hängematte, der andere ist Abenteurer oder Unternehmer.

Nun, natürlich gibt es auch Feinde, darum muss die Hängematte hin und wieder ausfallen. Gerade um sich später wieder drauflegen zu können. Ist sie in Feindeshand, geht das nicht mehr. Hier kommt die Nation ins Spiel, sie ist ein Kollektiv, eine Gruppe, die es leichter macht, gegen diese Feinde anzutreten als mit einer Horde unorganisierter Einzelkämpfer. Sie ist ein Werkzeug -aber kein Selbstzweck. So wie Fische sich zu Schwärmen zusammentun, um besser gegen Feinde geschützt zu sein. Auch ein nettes Werkzeug.

Sicherlich ein wichtiges und keines welches ich als "Anführer" abschaffen würde, wäre ich in der Position. Aber auch keines welches man nun "anbeten" muss oder es sich gar als kleinen Götzen in die Vitrine stellen, um dann wie ein Schamane drumherum zu tanzen.

Um es mal an einem Beispiel deutlich zu machen:
Ich stimme dir zu, dass ohne Firewall ein PC schnell alt aussehen kann, genau wie ein Land, dass sich im Zweifel nicht verteidigen kann. Und es macht auch einiges an Arbeit, diese zu konfigurieren, an aktuelle Bedrohungen anzupassen usw. Aber ich kann die auch einsetzen ohne "mich dran aufzugeilen" oder diese Firewall nun zu einem "Lebensmythos" zu erheben, um es mal so zusagen.

Das heißt übrigens nicht, das man das alles "wie ein Roboter" machen muss. Nur weil die Firewall nicht mein Lebensinhalt ist, heißt das nicht, dass ich emotional total gleichgültig herangehe. Die Sicherheit meiner Daten ist mir wichtig und daher gehe ich auch mit dem nötigen "Pathos" an die Sache heran. In der Form spricht ja auch bei einem Land nichts gegen, dass man es zu schätzen weiß und die Dinge nicht vernarrt und götzenartig - aber ernst genug betrachtet.

Quintus Fabius schrieb:Den die Welt ist nicht dergestalt, dass irgendwelche Utopien einen praktischen Nutzwert hätten. Wir könnten auch den Weltfrieden fordern, oder eine Kolonisierung des Weltalls durch eine geeinte Menschheit, Friede - Freude - Eierkuchen völlig egal was für Träumerein man andenkt, die Realität ist Anarchie, Krieg und Niedergang und das wird sich nicht ändern!

Die Frage ist also höchst einfach: Was nützt für das physische Überleben einer Gruppe von Menschen inn einer solchen Welt?

Die Welt ändern zu wollen, wäre heute eine reine Torheit, weil vergeblich. Also muß man sich selbst dieser Welt so gut wie möglich anpassen. Einen Lebensinhalt finden, der die Chance für das Überleben erhöht. Und unsere Gruppe wird die nächsten 100 Jahre ohne die Nation als Konzept sicher nicht überleben. Wir werden beseitigt werden.

Das wir Deutschen die Welt nicht ändern können (angenommen wir wollten es), das bezweifel ich persönlich nicht. Und das wenn wir jetzt die Armee auflösen ziemlich blöd wären - nun das steht auch außer Frage.

Aber schauen wir doch mal nach innen: Also innerhalb Deutschlands kann man doch z.B. sehr friedlich leben (schaut man sich mal die Mordrate an) und ich würde nicht mit einem Syrer tauschen wollen. Wie man sieht: Ohne uns ständig die Hälse durchzuschneiden haben wir doch einiges erreicht oder? Natürlich kommt man auch innerhalb Deutschlands ganz ohne "Gewalt" (entweder von Seitens der Polizei gegen Verbrecher oder natürlich als Notwehr wenn man überfallen wird z.B.) nicht aus im Zweifelsfall, aber niemand will sie deswegen zum "Selbstzweck" oder "Lebensinhalt" erheben. Wir haben sie zu einem "Werkzeug" gemacht und in die Hände der Polizei geleget - die das Gewaltmonopol haben um andere eben genau davon abzuhalten. Damit sie z.B. in Ruhe eine Firma gründen können, anstatt sich ständig mit bewaffneten Banden bekriegen zu müssen.

Quintus Fabius schrieb:Es sei denn wir versetzen uns in die Lage, für unser Überleben zu kämpfen. Organisierte Gewalt auszuüben und die Kohäsion unserer Gruppe wieder her zu stellen.

Und nur die Nation wird die Kohäsion unserer Gruppe wieder herstellen können, mir ist kein anderes Konzept dafür vorstellbar.

Nun ja, als NATO-Mitglied sind wir in einem Bündnis und im Verteidigungsfall stehen wir nicht alleine da und man erwartet natürlich auch etwas von uns.

Aber weil du diesen Gedanken so gerne durchzuspielen scheinst:
Würden wir mal aus der NATO austreten, hier alles demilitarisieren und aus Wut über den Euro würde ein Nachbarstaat sich das Land hier einverleiben. Was dann? Ich kann da nur für mich sprechen: Nun, die Liste der Staaten der Erde ist lang und Fachkräfte wie ich werden überall willkommen geheißen. Soll ich mich über die Deutschen aufregen? Pah!

Und auch wenn es so klingt: Ich bin kein feiger Opportunist. Wenn die Deutschen mich zu ihrem Kanzler wählen würde mit absoluter Mehrheit und es käme zu einem Verteidigungsfall dann wäre ich im Verteidigungsfall gerne bereit, bis zum bittern Ende für eine richtige Sache zu kämpfen. Und ich würde mich vom Gegner auch nicht mit einer Millionen und sicherem Exil kaufen lassen.

Aber aktuell (und auch früher) sind die Deutschen nichts, wofür es sich zu lohnt, etwas zu geben. Eine Bande kleinkarierter seelenloser Spießbürger mit Pickelhaube oder Vorgarten. Das sind sie und das waren sie.
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#14
marcoB schrieb:....
Aber aktuell (und auch früher) sind die Deutschen nichts, wofür es sich zu lohnt, etwas zu geben. Eine Bande kleinkarierter seelenloser Spießbürger mit Pickelhaube oder Vorgarten. Das sind sie und das waren sie.
hast Du mitbekommen, wie selbstlos der Einsatz auch und gerade junger Deutscher bei der aktuellen Flutkatastrophe war? Da schließt Du von einer minimalen Gruppe von "Spießbürgern" unzutreffend auf alle.
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#15
Erich schrieb:hast Du mitbekommen, wie selbstlos der Einsatz auch und gerade junger Deutscher bei der aktuellen Flutkatastrophe war? Da schließt Du von einer minimalen Gruppe von "Spießbürgern" unzutreffend auf alle.

Nun, mit Spießbürger meine ich eher sowas:

Zitat:Als Spießbürger oder Spießer werden in abwertender Weise engstirnige Personen bezeichnet, die sich durch geistige Unbeweglichkeit, ausgeprägte Konformität mit gesellschaftlichen Normen, Abneigung gegen Veränderungen der gewohnten Lebensumgebung auszeichnen.

Ein Land, in dem die Mehrheit Politiker für fähig hält, die behaupten, "mit 2 Maas Bier kann man noch problemlos Auto" fahren aber gleichzeitig jeden Klein-Kiffer zum Kriminellen abstempeln....Wie soll man das anders nennen als engstirnig und lächerlich?

Und das ist ja nicht das einzige:
Die Deutschen glauben, sie könnten die Jugend schützen, in dem sie einen völlig wirkungslosen Jugendschutz installieren, der nur für deutsche Webmaster gilt. Das gibt es in allen modernen Ländern einzig und allein und Deutschland. Wie hirnverbrannt ist es zu glauben, die Jugend ist dermaßen dämlich, dass sie nicht weiss, das es außer Deutschland auch noch hunderte andere Länder gibt, deren Webseiten man einfach durch das eintippen von .nl oder .com erreichen kann? Jeder deutsche Webmaster sieht sich aber mit diesem Nonsens konfrontiert und muss so tun, als gäbe es nur Deutschland. Sonst wird er kriminalisiert.

Man könnte jetzt wohl noch endlos weitermachen. Aber das sind nur rechtliche Aspekte, die den Leuten das Leben schwer machen.

Den "deutschen Menschen" an sich sollte man nicht vergessen. Seine Pedanterie, seine Doppelmoral, seine Verbohrtheit, seine Humorlosigkeit. Ich denke, folgendes Lied bringt es ganz gut auf den Punkt, auch wenn es sich mittlerweile geändert hat, aber der Kern ist irgendwo selbst bei der Jugend geblieben:
http://www.youtube.com/watch?v=HCyMBLuwOi4
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