Linksradikalismus und -extremismus in Deutschland
#61
(20.09.2021, 17:43)Quintus Fabius schrieb: Wie geschrieben: Gib der Polizei den Befehl diese Demos auf der Stelle vollständig zu zerschlagen und du würdest staunen wie schnell da nichts mehr übrig wäre und hunderte in Haft gehen würden. Das ganze hakt nur an der medienhörigen Politik und an der Justiz. Die Polizei ist ja nur der Ausführende.

Als Beweis meiner These nimmt mal den Fakt, dass letztes Jahr in Bayern (!) 25.000 Menschen de facto ohne jede Regulierung für Black Lives Matter demonstrieren durften trotz der Pandemie während man zugleich stattfindende Demonstrationen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen entweder verboten hat - oder allenfalls 100 oder 200 Demonstranten teilnehmen durften, natürlich nur unter Bewachung hunderter Polizeibeamter und mit dutzenden Anzeigen pro Demo weil kurzfristig mal irgendwo der Mindestabstand nicht eingehalten wurde. Das ganze ist also nur eine politische Frage.

Scheint ja leider wirklich so zu sein, dass da nicht gleiches Recht für alle gilt. Da ist es ja in Polen nicht einmal so restriktiv.
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#62
In Polen ist es im Prinzip nicht unähnlich, nur halt in Bezug auf andere Themen: da wird dann eine LGBTQ+ Demo verboten oder mit dem Vorwand der Pandemie auf wenige Teilnehmer beschränkt während die katholische Prozession nach Belieben stattfinden darf.

Wenn wir Ländern wie Polen vorwerfen, dass dort die Freiheit immer mehr eingeschränkt wird sollte man halt realisieren, dass dies in Wahrheit bei uns auch der Fall ist, nur die Zielsetzung ist eine andere, die Methoden aber und die praktischen Einschränkungen sind nicht weit auseinander. Der deutsche Nanny-Staat tritt zunehmend genau so autoritär auf wie es in anderen Ländern nur eine echte Autokratie tun könnte, aber alles natürlich nur zum Wohl der Menschis und um die Menschis zu beschützen und vor Schaden zu bewahren. Dieser Neo-Sozialismus ist in Bezug auf die alltäglichen und persönlichen Freiheiten meiner Ansicht nach aber noch erstickender als die Unfreiheit in einer ganz normalen regulären Autokratie.

Naturgemäß haben Linke mit dieser Form des Neo-Sozialismus weniger Probleme.
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#63
@Quintus
Zitat:Als Beweis meiner These nimmt mal den Fakt, dass letztes Jahr in Bayern (!) 25.000 Menschen de facto ohne jede Regulierung für Black Lives Matter demonstrieren durften trotz der Pandemie während man zugleich stattfindende Demonstrationen gegen die Corona-Schutzmaßnahmen entweder verboten hat - oder allenfalls 100 oder 200 Demonstranten teilnehmen durften...
Ja und Nein. Sicherlich muss man fragen, wieso eine derartige Großdemo trotz Auflagen erlaubt wurde, aber es war im Juni 2020, als die Zahlen sehr niedrig waren (ca. 400+), genau genommen waren die Infektionszahlen im Juni und bis Ende Juli 2020 insg. sehr niedrig. Das mag insofern auch eine Rolle gespielt haben. Weiterhin muss angemerkt werden, dass zur Hochphase der zweiten Welle im November, als die Zahlen wieder durch die Decke gingen bzw. es neue Fälle im fünfstelligen Bereich gab, rund 10.000 Menschen gegen die Pandemiebestimmungen demonstriert haben, wobei es hier zu heftigen Ausschreitungen und Angriffen auf die Polizei kam; die Feststellung also, dass nur wenige hundert hätten demonstrieren dürfen, ist nicht ganz richtig.
Zitat:In Polen ist es im Prinzip nicht unähnlich, nur halt in Bezug auf andere Themen: da wird dann eine LGBTQ+ Demo verboten oder mit dem Vorwand der Pandemie auf wenige Teilnehmer beschränkt während die katholische Prozession nach Belieben stattfinden darf.

Wenn wir Ländern wie Polen vorwerfen, dass dort die Freiheit immer mehr eingeschränkt wird sollte man halt realisieren, dass dies in Wahrheit bei uns auch der Fall ist, nur die Zielsetzung ist eine andere, die Methoden aber und die praktischen Einschränkungen sind nicht weit auseinander.
Du übertreibst. Wie sieht es denn aus in der Realität? Hier im Süden bei mir - und dies sage ich mal als relativ konservativer "Südstaatler" (Achtung, Lokalpatriotismus ... Big Grin) - gibt es die Donaueschinger Passionsspiele einerseits und Richtung Oberschwaben sogar erzkonservative Flecken mit Prozessionen zu Ostern bzw. fast an jedem Sonntag, aber andererseits eben auch den recht gut besuchten CSD in Stuttgart. Mir ist schon klar, dass beide Veranstaltungen ihre Teilnehmer mit großer Wahrscheinlichkeit nicht durchtauschen werden, aber wo soll nun das Problem liegen? Und wo bitte sollen wir Polen nun ähnlich sein? Insofern: Der Vgl. mit Polen hinkt doch sehr.

Schneemann.
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#64
Ich schrieb: während man zugleich. Also im gleichen Zeitraum. Das man später dann noch ganz andere Demonstationen genehmigt und/oder einfach zugelassen hat, ändert nichts daran, dass zu diesem Zeitpunkt mit Verweis auf die niedrigen Zahlen eine Black Lives Matter Demo genehmigt wurde und zeitgleich viel kleinere Demos trotz der niedrigen Zahlen gerade eben mit dem Hinweis auf die Pandemie nicht genehmigt wurden.

Zu der Demo in Stuttgart auf welche du anscheinend mit der Nennung von 10.000 Teilnehmern hinaus willst sollte man zudem der Richtigkeit halber anmerken, dass dies nicht die genehmigte Zahl der Teilnehmer war, sondern dass die genehmigte Teilnehmerzahl hier weit überschritten wurde.

Zitat:Mir ist schon klar, dass beide Veranstaltungen ihre Teilnehmer mit großer Wahrscheinlichkeit nicht durchtauschen werden, aber wo soll nun das Problem liegen?

Das Problem liegt in der immer weiter gehenden Spaltung der Gesellschaft. Deutschland war früher deutlich homogener und hatte eine wesentlich größere Kohäsion. Das war ein erheblicher gesellschaftlicher Vorteil. Diesen hat man nun bewusst verspielt und die Gesellschaft spaltet sich immer weiter auf.

Zitat:Und wo bitte sollen wir Polen nun ähnlich sein?

Wir sind ähnlich darin, dass wir einen Verbotsstaat haben, der die Freiheit der Menschen immer extremer einschränkt und der sich von einer freiheitlichen Demokratie immer weiter wegentwickelt. Nur die Themen sind halt andere, die Zielsetzung ist eine andere, der zugrundeliegende Mechanismus aber ist derselbe.

Die persönliche direkte reale Freiheit der Menschen ist in dieser Bundesrepublik in vielen Bereichen meiner Einschätzung nach deutlich geringer als in Polen. Und der Staat dringt immer weiter in alle Bereiche überregulierend vor und versucht immer mehr Kontrolle über die Menschen in diesem Land auszuüben.

Der Grund dafür ist wie in Polen meiner Meinung nach eine zunehmende Verunsicherung gegenüber den Zuständen. Grundlegendes Motiv, Folgen, Auswirkungen, Methode, alles gleich, nur mit anderer Zielsetzung.

Linksradikale Positionen sind heute in dieser Bundesrepublik vermeintlich die politische Mitte. Und allgemein weit in der Gesellschaft verbreitet (worden). Intentional. Und diese grundsätzliche linksradikale Strömung in der Gesellschaft trägt daher dann auch den neosozialistischen Nanny-Staat der alles zerstört was dieses Land einmal ausgemacht hat.
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#65
(22.09.2021, 10:36)Quintus Fabius schrieb: der Staat dringt immer weiter in alle Bereiche überregulierend vor und versucht immer mehr Kontrolle über die Menschen in diesem Land auszuüben. ...
Linksradikale Positionen sind heute in dieser Bundesrepublik vermeintlich die politische Mitte. Und allgemein weit in der Gesellschaft verbreitet (worden). Intentional. Und diese grundsätzliche linksradikale Strömung in der Gesellschaft trägt daher dann auch den neosozialistischen Nanny-Staat der alles zerstört was dieses Land einmal ausgemacht hat.

Ich bin überzeugt davon, das die politische Mitte in Deutschland eigentlich eine linksliberal-bürgerliche Position wäre, würde nicht unsere verkorkste Parteienlandschaft dafür sorgen, dass seit der Wende von '82 die Begriffe links und liberal als Gegensätze wahrgenommen werden. Die FDP verfängt nur noch in einer wirtschaftsliberalen Klientel, während in der SPD jede Vernunfts-geleitete Führungskraft von der sozial-konservativen Basis die Agenda-Keule über die Rübe bekommt und die Union das alles immer schön anheizt, um sich ihr gemütliche Position dazwischen zu sichern und bloß nichts verändern zu müssen.
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#66
@Quintus

Habe dir mal hier (https://www.forum-sicherheitspolitik.org...p?tid=4447) geantwortet, weil wir sonst alle, nehme mich da nicht aus, zu arg vom Linksradikalismus abkommen.

Schneemann
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#67
Broensen:

Auch Rechts und Liberal wird meist als Gegensatz wahrgenommen, und vermutlich ist eine libertäre Auffassung die seltenste politische Ansicht in dieser Bundesrepublik, widerspricht sie doch auch sehr dem aktuell vorherrschenden Etatismus und der Sehnsucht der Feiglinge welche diese Bundesrepublik bevölkern nach dem kuscheligen Nanny-Staat. Die AfD nimmt zwar für sich in Anspruch rechts-liberal zu sein, aber genau genommen ist sie eine ganz normale konservative Partei. Es wird in diesem Land ja nicht einmal mehr verstanden was echte rechtsnationale Positionen sind.

Umgekehrt nimmt man selbst extremste linke Positionen nicht mehr als das war was sie sind. Man nimmt linksradikales und linksextremistisches Wesen zunehmend als normal oder gar wünschenswert an. Leute zucken auf der Straße zusammen wenn sie einen Afd Wahlstand sehen, aber sie sehen in
Anhängern der MLPD die eine stalinistische Sowjet-EU errichten wollen kein Problem und finden es gut dass die sich gegen den "Faschismus" engagieren.

Man wirft ja oft dem Staat vor auf dem rechten Auge blind zu sein, aber meiner Ansicht nach ist es genau umgekehrt: diese Bundesrepublik ist derart blind gegenüber astrein kommunistischen Umtrieben, welche diametral der freiheitlich demokratischen Grundordnung entgegen gesetzt sind, dass es schon weh tut. Um es an einer anekdotischen Evidenz festzumachen: Ein Staat dessen Bundespräsident und dessen Bundesjustizminister eine vom Verfassungsschutz wegen linksextremistischer Umtriebe und Gewaltbereitschaft beobachtete Punkband bewerben und öffentlich loben hat tatsächlich seine politische Mitte verloren.
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