Atomkraft in Deutschland
#1
Nach langem Überlegen habe ich mich entschlossen, zu diesem doch recht wichtigen und auch sehr umstrittenen Thema Atomkraft einen auf Deutschland bezogenen Thread zu eröffnen. Zwar gibt es in anderen Unterforen Threads über Atomkraftwerke oder Energiefragen, aber speziell dieses Thema ist für Deutschland doch sehr interessant und auch separat zu betrachten, da es hierzulande doch viele Eigenheiten gibt, die im Gegensatz zur Atom-Politik anderer EU-Staaten stehen und die auch international verglichen sich in vielem unterscheiden.

Aktuell geistert, von der schwarz-gelben Regierung ins Gespräch gebracht, eine sogenannte Brennelemente-Steuer durch den Blätterwald, die von der Energiewirtschaft verständlicherweise scharf kritisiert wird - ja sogar ein Gang vor Gericht scheint nicht ausgeschlossen.
Zitat:Geplante Steuer für Brennelemente

AKW-Betreiber fordern Gegenleistung

Die Betreiber der Atomkraftwerke in Deutschland fordern im Gegenzug zu der geplanten Brennelementesteuer eine Verlängerung der Laufzeiten für ihre Meiler. "Wenn die Steuer kommen soll, muss es dafür einen Ausgleich geben", sagte ein Sprecher des Energiekonzerns E.ON. "Die Laufzeiten der Kernkraftwerke müssen im Gegenzug um mindestens ein Jahrzehnt verlängert werden." Auch aus Kreisen des Energiekonzerns RWE verlautete, dies sei das Mindeste, was es an Kompensation geben müsse. "Die Brennelementesteuer trifft uns massiv."
Link: http://www.tagesschau.de/inland/brennel ... er104.html

Derweilen sorgt die geplante Laufzeitverlängerung (teils bis 2022) für Ärger...
Zitat:NRW

Grüne drohen mit Verfassungsklage gegen längere Laufzeiten

Die rot-grüne Minderheitsregierung in NRW will notfalls auf juristischem Weg gegen die Verlängerung der AKW-Laufzeiten kämpfen. Grünen-Fraktionschefin Löhrmann drohte mit einer Verfassungsbeschwerde, falls die Bundesregierung den Bundesrat bei der Entscheidung übergehe.

Düsseldorf - Die schwarz-gelbe Bundesregierung prüft derzeit, ob sie den Bundesrat in die Entscheidung über die Verlängerung der Laufzeiten einbeziehen muss - die Grünen in NRW bereiten schon eine Reaktion auf den Beschluss vor. Sollte die Koalition in Berlin den Bundesrat bei der Entscheidung außen vor lassen, werde man Verfassungsklage einreichen, sagte die Grünen-Fraktionschefin in NRW, Sylvia Löhrmann, im WDR-Fernsehen.
Link: http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 12,00.html

Schneemann.
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#2
Ich halte wenig bis nichts von der Laufzeitverlängerung.

1.
Die Problematik des Endlagers ist immer noch ungelöst.
a)
Wohin mit dem Müll?
b)
Was kostet die Bewachung über hunderte und ggf. tausende von Jahre?
c)
Wer kann garantieren, dass dieser Müll auch heute ode in einigen Jahrzehnten wirklich nicht in die Hände von Terroristen fällt?
Ein stark verstrahltes Teil mitten auf dem Alexanderplatz ....

2.
Mit der Laufzeitverlängerung wird die Umstellung auf erneuerbare Energien behindert. Ich denke z.B. an viele kommunale Werke, die in Biogasanlagen, Windkraftanlagen bzw. Blockheizkraftwerken investieren wollten, wegen der Fragen um die Laufzeitverlängerung aber von diesen Investitionen zurück treten.

3.
Die Sicherheit von Atomkraftwerken scheint mir nicht gewährleistet.
a)
Wir haben insbesondere in den Alktraftwerken eine Technologie, wie sie ähnlich von den USA entwickelt wurde und auch dort (Thre Miles Island) wäre es fast zu einem Szenario wie in Terschnobyl gekommen.
b)
Sind die Kraftwerke wirklich sicher z.B. gegen einen "gezielten Flugzeugabsturk" (09-11)?
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#3
Tjo weltweit werden neue AKW gebaut.
Anstatt über Laufzeitverlängerungen nachzudenken, sollte tatsächlich darüber nachgedacht werden, ebenfalls ein paar wenige neue Kraftwerke zu bauen. Denn es wurden inzwischen Reaktoren entwickelt, die statistisch gesehen sicherer sind, als unsere alten Meiler.

Atomtechnik ist gefährlich, keine Frage, aber Autos sind auch gefährlich und die Meisten nutzen es fast täglich.

Von einer Brennstabsteuer halte ich nix, denn die bezahlen am Ende nicht die Konzerne sondern deren Kunden.

Ansonsten Kraftwerke und Deutschland ...
Windkraft verschandelt die Landschaft, beeinträchtigt den Vogelzug und was da nicht alles hochgezogen wird.
Biogas erzeugt Geruchsbelästigung, Heizkraftwerke Feinstaub und CO2 usw. und etc. Wasserkraft ist auch ganz schlimm.
Gegen Sonnenenergie hat noch keiner wirklich was, aber da findet sicher noch einer irgendwas die Tage.
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#4
Applaus für die Steuer, Streit um die Laufzeiten

http://www.tagesschau.de/inland/atomkraft168.html

Zitat:Die Brennelemente-Steuer für die Atomwirtschaft hat im Bundestag die Unterstützung aller fünf Parteien gefunden. Umstritten ist allerdings der Plan der Bundesregierung, diese Steuer mit einer Verlängerung der Lauftzeiten der Atomkraftwerke zu verknüpfen. (...)

Ja das ist aber toll. Die nächste Strompreiserhöhung ist damit ja nur noch eine Frage der Zeit. :twisted:
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#5
War doch klar. Kommt eine Laufzeitverlängerung mit der versprochenen "Gewinnteilung" wird sich die Industrie die entgangenen Gewinne über eine Preiserhöhung zurückholen. Bleibt es beim Ausstieg, wird man die Preise mit der Begründung erhöhen, man müsse ja nun in die ach so teureren Alternativen investieren (und die gewaltigen Subventionen in dem Bereich dezent verschweigen).

So oder so - der private Endverbraucher ist und bleibt der Zahlesel. Aber das ist ja nun nicht unbedingt eine Neuigkeit.
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#6
Rein theoretisch kann man Atomstrom bei der Wahl der Tarifs aus dem Weg gehen. Hängt also bei orgendtlicher Preisberechnung davon ab. Wie nachvollziehbar hier seitens der Energiekonzerne gerechnet wird, muss das Kartellamt eben im Zweifel prüfen und dann aber ausnahmsweise wirklich mal auf die Finger hauen. Da der Staat und seine Kontrollorgane insbesondere dafür da sind, seine Bürger, die Verbraucher, zu schützen, ... :?:lol: ....habe ich da üüüüberhaupt keine Bedenken.
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#7
Ich auch nicht. *nocheinliterkornaufdieantidepressivakipp* Big Grin

Ich persönlich warte nur noch darauf. daß unsere Volksvertreter den fetten und faulen Hartzlern empfehlen sich doch ihren Strom mittels überdimensionalen Hamsterrädern selbst zu erzeugen. :twisted:
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#8
Zitat:Deutschland und China vereinbaren Nuklearzusammenarbeit

Peking (Reuters) - Deutschland und China wollen auch im Nuklearbereich enger zusammenarbeiten.

Die Umweltministerien beider Länder erklärten am Freitag, in einer Reihe von Feldern die Kooperation auszubauen. Ausdrücklich wird dabei die Nuklearsicherheit genannt. "Insbesondere die Zusammenarbeit in den Bereichen Außerbetriebnahme von Kernkraftwerken (inklusive sonstiger Nuklearanlagen), radioaktive Abfälle, der Messung von radioaktiver Strahlung" sowie Überwachung von Nuklearanlagen solle verstärkt werden, hieß es. China ist eine der fünf offiziellen Atommächte und baut derzeit die zivile Nutzung der Kernenergie massiv aus.
Link: http://de.reuters.com/article/worldNews ... 9Q20100716

Schneemann.
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#9
Zitat:Verhärtete Fronten im Streit über längere Atomlaufzeiten

Berlin (Reuters) - Im Streit über längere Laufzeiten von Atomkraftwerken verhärten sich die Fronten innerhalb der Regierungskoalition.

Das Magazin "Spiegel" berichtete am Samstag über ein angebliches Bündnis aus schwarz-gelben Bundestagsabgeordneten, süddeutschen Ländern und dem Bundeswirtschaftsministerium, das die Reaktoren im Schnitt um 14 Jahre länger laufen lassen wolle. Dagegen unterstützten mehrere Unions-Ministerpräsidenten Bundesumweltminister Norbert Röttgen, der kürzere Fristen anstrebt. SPD-Chef Sigmar Gabriel bezeichnete eine lange Laufzeitverlängerung als "super-gefährlich". Die Grünen kündigten an, den Ausstieg aus dem Atomausstieg nach der Wahl wieder kippen zu wollen.
Link: http://de.reuters.com/article/domesticN ... 6Z20100808

Schneemann.
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#10
Zitat:Atomwirtschaft macht mit Warnung an Merkel mobil

Berlin/Düsseldorf (Reuters) - Die Atomlobby in Deutschland sammelt ihre Unterstützer und verstärkt damit den Druck auf Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Mehr als 40 deutsche Top-Manager und Prominente machten mit einer gemeinsamen Anzeige Front gegen die Regierungspläne für neue Energiesteuern und warnten vor einem vorzeitigen Abschalten von Atomanlagen. Merkel reagierte gelassen auf die Anzeige, die auch CDU-Vertreter unterzeichnet haben. Sie will darin keinen Warnschuss gegen ihre Regierung sehen. Die Koalition bleibt dabei: Sie will am 1. September eine Abgabe für die Atomkonzerne beschließen, die 2,3 Milliarden Euro zur Haushaltssanierung bringen soll. Ob noch eine zweite Abgabe kommt, darüber streitet die Koalition.
Link: http://de.reuters.com/article/domesticN ... 9320100820

...und so schnell wird eine Reuters-Meldung denn auch (vielleicht) hinfällig...
Zitat:Energiepolitik

Schwarz-Gelb rückt von Atomsteuer ab

Die Atomindustrie macht mobil gegen die Brennelementesteuer - und hat einige schwarz-gelbe Koalitionäre rasch überzeugt. Politiker von Union und FDP distanzieren sich nun von der Abgabe und plädieren für einen Vertrag mit den Konzernen. Jetzt streiten Ministerien über die Verwendung der Milliardenerlöse.

Berlin - Die Energiekonzerne sollen künftig zahlen. Aber in welcher Form und wie die Milliarden verwendet werden sollen, das ist offener denn je. Auslöser des Wirrwarrs ist der "energiepolitische Appell" von rund 40 Wirtschaftsbossen an die Regierung. Tenor des öffentlichen Denkzettels per Anzeigenkampagne: weg mit der Brennelementesteuer, Verlängerung der Laufzeit von Atomkraftwerken und mehr Unterstützung für Energiekonzerne zum Beispiel beim Bau von Kohlekraftwerken und dem Betrieb der Stromnetze generell.
Link: http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 94,00.html

Schneemann.
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#11
http://www.faz.net/s/Rub0E9EEF84AC1E4A3 ... ntent.html
Zitat:Kommentar
Von der Atom- zur Ökowirtschaft

Das Energiekonzept der Regierung ist nur eine Ableitung aus dem überaus ehrgeizigen Klimaziel. Die schwarz-gelbe Koalition treibt den Umbau der deutschen Industrie zur ökologischen Musterwirtschaft ohne Rücksicht auf die Kosten voran, kommentiert Holger Steltzner.

Von Holger Steltzner

06. September 2010 ....
edit:
die - durchaus seriöse - Süddeutsche sieht das etwas differenzierter:
http://www.sueddeutsche.de/politik/ener ... n-1.996587
Zitat:Koalition pro Atomstaat
Die Öko-Propaganda der Angela Merkel

07.09.2010, 08:58

Ein Kommentar von Michael Bauchmüller

Die Öko-Propaganda der Koalition von Kanzlerin Merkel ist geradezu unverfroren. Nach den AKW-Entscheidungen zu längeren Laufzeiten steht fest: Saubere Energien leiden, Stromkonzerne profitieren, Minister Röttgen scheitert. So kann Deutschland seinen Frieden mit der Kernenergie nicht schließen.
...
und belegt das auch gleich http://www.sueddeutsche.de/politik/atom ... e-1.996609
Zitat:Atomkompromiss
Stadtwerke erwarten Milliardenverluste

07.09.2010, 08:29

Durch die Einigung auf längere Laufzeiten für Atomkraftwerke erwarten die Stadtwerke massive Einbußen und fordern deshalb Entschädigungen.
...
und auch die Tagesschau hat diesen Tenor:
http://www.tagesschau.de/inland/faqlaufzeiten100.html
Zitat:Fragen und Antworten
Milliarden für die Atomindustrie

Im Schnitt zwölf Jahre länger als bisher geplant sollen die deutschen Atomkraftwerke am Netz bleiben. Im Gegenzug soll die Atomwirtschaft Milliarden zahlen - kann aber noch immer mit kräftigen Gewinnen rechnen. tagesschau.de hat Fragen und Antworten zum Thema zusammengestellt
...

Stand: 06.09.2010 15:47 Uhr
und http://www.tagesschau.de/inland/atompolitik128.html

Zitat:Kritik an Laufzeitverlängerung
Stadtwerke befürchten Milliardenverluste

Nach der Einigung auf längere Laufzeiten für Atomkraftwerke sehen die kommunalen Versorger ihre Existenz bedroht. Der Kompromiss der Regierung werde die städtischen Versorger mit 4,5 Milliarden Euro belasten, sagte der Vorsitzende der Stadtwerkevereinigung 8KU, Albert Filbert. Er forderte daher Ausgleichszahlungen.
...

Stand: 07.09.2010 07:39 Uhr
- und die Tagesschau spricht noch ein weteres Problem an:
http://www.tagesschau.de/inland/atommuell116.html
Zitat:Angst der Kernkraftgegner
Längere Laufzeiten - mehr Atommüll

Kernkraftgegner lehnen den neuen Atomkompromiss ab. Sie misstrauen der Sicherheit der Reaktoren. Vor allem aber gibt es noch immer kein Endlager für radioaktive Abfälle. Doch längere Laufzeiten bedeuten mehr Atommüll. Umweltschützer fürchten nun, dass dieser nach Gorleben soll.
(Video)
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#12
http://www.ftd.de/unternehmen/industrie ... 66716.html
Zitat:08.09.2010, 09:24
Energiekompromiss
Der Geheimvertrag mit den Konzernen



Bislang schwiegen die Beteiligten darüber, ob es einen schriftlichen Laufzeitendeal gibt. Nun hat sich ein RWE-Vorstand verplappert.
...
tango korrupti ? Was und wieviel haben die Atom-Konzerne gezahlt, damit die alternativen Energien und vor allem die Stadtwerke ausgebremst werden??
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#13
Die Wahlkämpfe der kommenden Dekade? :lol:
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#14
Wahlkämpfe mit den alten Themen von Vorgestern:
http://www.ftd.de/politik/deutschland/: ... 66619.html
Zitat:08.09.2010, 08:00
Nach Laufzeitverlängerung
Wohin bloß mit dem Atommüll?

Mit dem Beschluss zur Verlängerung der AKW-Laufzeiten ist der Streit um ein geeignetes Endlager für hochradioaktiven Atommüll erneut entbrannt. Längere Laufzeiten bescheren uns 4400 Tonnen mehr hochradioaktiven Nuklearschrott.
...
(nur, dass die Themen nicht von irgendwelchen grünen Anarchisten und Spontanfuzzis eingebracht werden, sondern von den seriösen Wirtschaftsblättern der Republik)
ergänzend http://www.tagesschau.de/inland/atomver ... ng100.html
Zitat:Regierungsvertrag mit Stromkonzernen
Geschenke für die AKW-Betreiber

"Sicherheit geht vor", hatte Kanzlerin Angela Merkel nach der Marathonsitzung im Kanzleramt zur Verlängerung der Laufzeiten der 17 deutschen Atomkraftwerke gesagt. Die Konzerne müssten Milliardensummen in die Sicherheit investieren. Doch nun zeigt sich, dass die Regierung den Kraftwerksbetreibern zahlreiche Zugeständnisse gemacht hat. ....

Stand: 09.09.2010 21:14 Uhr
http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 78,00.html
Zitat: 09.09.2010

Geheimabsprache mit AKW-Betreibern
Atom-Deal enthält Schutzklausel für Regierungswechsel


Der Geheimvertrag zwischen Regierung und Energieriesen enthält mehr Schutzklauseln als bisher bekannt. Die Konzerne sichern sich darin gegen eine höhere Brennelementesteuer und einen Regierungswechsel ab. Ausgaben für Sicherheit werden auf einen Maximalbetrag begrenzt.
...
für die Opposition stellt sich die Frage: "wird es Zeit für ein konstruktives Misstrauensvotum"
dazu http://www.bpb.de/wissen/0TYA35,0,Sitzv ... estag.html
http://www.bundestag.de/bundestag/plenu ... ilung.html
Zitat:Direktmandate und Landeslisten Fraktion Direktmandate Landeslisten gesamt
24 Überhangmandate für die CDU/CSU
CDU/CSU 218 21 239
SPD 64 82 146
FDP 0 93 93
DIE LINKE. 16 60 76
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 1 67 68
Bundestag gesamt 299 323 622
239 + 93 = 332
146 + 76 + 58 = 280
reicht zwar nicht, wäre aber 'ne politische Demonstration ....
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#15
des a nu
http://www.sueddeutsche.de/politik/maro ... r-1.998556
Zitat:Marodes Atomlager in Niedersachsen
Asse, die unterschätzte Gefahr

10.09.2010, 18:38
Von Michael Bauchmüller und Jens Schneider

Die Situation im maroden Atomlager Asse ist dramatischer als bisher angenommen: Laut einem Gutachten, das der SZ vorliegt, lagern in dem früheren Salzbergwerk zehnmal mehr mittelradioaktive Abfälle als vermutet.
....
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