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Der Artikel gibt diese Deutung meines Erachtens nicht her. Hier wird zum Aufstand gegen das Regime aufgerufen, nicht zum Kampf gegen andere Ethnien oder Gruppen innerhalb des Iran.
Klar scheint mir, dass zumindest die Trump-Administration diesen Krieg aus rein innenpolitischem Kalkül begonnen hat. Nach den Massakern im Winter dachten die, der ganze Iran würde sich beim Klang der ersten Explosionen vor Dankbarkeit überschlagen und spontan erheben, um Washington einen schnellen, glorreichen Sieg zu bescheren.
Dass selbst oppositionelle Iraner eine Heidenangst davor haben, wie der Irak zu enden, und deswegen die Füße stillhalten, geht über Uncle Sam's Vorstellungskraft. Außerdem erinnert man sich in der Region gut daran, wie die Amerikaner z.B. die Kurden gleich zweimal ins offene Messer laufen ließen.
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(20.03.2026, 21:46)Schneemann schrieb: Nach aktuellem Stand - und da greife ich auf meine Einschätzung von letzter Woche gerne zurück - dürfte Hormuz recht schnell wieder frei sein.
Der ganze Iran wird in kürze wieder frei sein.
Es gibt im Iran keinen Dschungel und keinen überwiegenden Teil der Bevölkerung, die gegen die USA ist.
Natürlich ist Trump ein Stümper.
Aber das Kriegsziel ist doch klar, auch wenn es nicht permanent formuliert wird: Die Mullahs müssen weg.
Jetzt mehr denn je. Und sie werden wegkommen. So oder so.
Dauert halt einige Wochen.
Mal schauen, wie schnell die Söldner der Revolutions- und sonstigen Garden Fersengeld geben, wenn die Mullahs den Sold (besser: Bestechungsgeld) nicht mehr bezahlen können und jedem Gardisten eine Begegnung mit 72 Jungfrauen droht.
(21.03.2026, 04:16)muck schrieb: Dass selbst oppositionelle Iraner eine Heidenangst davor haben, wie der Irak zu enden, und deswegen die Füße stillhalten, geht über Uncle Sam's Vorstellungskraft.
Wenn ich die ARD-Korrespondentin Isabel Schayani, gebürtige Essenerin mit iranischen Wurzeln, im letzten Presseclub richtig interpretiert habe, geht es den Iranern so wie den Juden in Auschwitz:
Sie sehnen sich das Bombardement regelrecht herbei, auch wenn sie natürlich dabei Angst haben.
Wichtig ist ihnen, dass die Mullahs wegkommen, und die Tyrannei und das Sterben endet.
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muck:
Zitat:Hier wird zum Aufstand gegen das Regime aufgerufen, nicht zum Kampf gegen andere Ethnien oder Gruppen innerhalb des Iran.
Das Regime ist eine Gruppe innerhalb des Iran. Darüber hinaus stehen bedeutende Anteile der Bevölkerung durchaus hinter dem Regime (eine große Minderheit). Und was sollte ein Aufstand gegen die aktuelle Regierung demzufolge anderes sein als ein Bürgerkrieg?
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(21.03.2026, 04:19)Schwabo Elite schrieb: Der ganze Iran wird in kürze wieder frei sein.
Es gibt im Iran keinen Dschungel und keinen überwiegenden Teil der Bevölkerung, die gegen die USA ist.
Natürlich ist Trump ein Stümper.
Aber das Kriegsziel ist doch klar, auch wenn es nicht permanent formuliert wird: Die Mullahs müssen weg.
Jetzt mehr denn je. Und sie werden wegkommen. So oder so.
Dauert halt einige Wochen.
... daraus werden wohl voraussichtlich mindestens einige Jahre. Ohne Bodentruppen hat das - in der Rückschau betrachtet - noch nie geklappt.
Und ansonsten sagt der Konfliktforscher Jeffrey Lewis (Direktor des Programms zu Nichtverbreitung von Nuklearwaffen in Ostasien am Middlebury Institute of International Studies in Monterrey, Kalifornien) zum Iran-Krieg (nachdem er die unterschiedlichen Begründungen analysiert und bewertet hat): „Sehe keinen Weg zum Erfolg für die USA und Israel“
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Israel hat bereits einen Erfolg erzielt. Der ganze Krieg ist selbst wenn jetzt sofort vollständig mit dem Status Quo enden würde ein gigantischer Erfolg für Israel.
Denn die Frage ob man erfolgreich ist oder nicht, hängt von der Frage der Zielsetzung ab. Israel hat bereits gewonnen.
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(21.03.2026, 15:11)Kongo Erich schrieb: daraus werden wohl voraussichtlich mindestens einige Jahre. Ohne Bodentruppen hat das - in der Rückschau betrachtet - noch nie geklappt.
Es gab schon Regimechanges ohne Bodentruppen.
Ja es gab sogar welche ohne Krieg.
Wieviel Männer in den Revolutionsgarden sind religiöse Überzeugungstäter?
Wieviele Männer in der SA waren echte Nazis?
Ich vermute, sobald den Mullahs das Geld ausgeht, beginnt der innere Zersetzungsprozess des Regimes.
So ist das bei Mafiosi.
Ohne Geld keine Gefolgschaft.
Und die Söldner in den diversen Garden wollen Sold.
Ich vermute, sobald der Geldstrom, versiegt, schwindet auch die Macht und die Machtprojektion.
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(21.03.2026, 04:16)muck schrieb: Klar scheint mir, dass zumindest die Trump-Administration diesen Krieg aus rein innenpolitischem Kalkül begonnen hat. Nach den Massakern im Winter dachten die, der ganze Iran würde sich beim Klang der ersten Explosionen vor Dankbarkeit überschlagen und spontan erheben, um Washington einen schnellen, glorreichen Sieg zu bescheren. Wie kommt man auf so eine Interpretation? Alle Beteiligten verweisen stehts auf die eingegrenzt militärischen Zielsetzungen und sprechen dezidiert davon, lediglich die Bedingungen für einen Umsturz kreieren zu wollen. Regime-Change sofern überhaupt erwähnt ist höchstens ein Best-Case Szenario, dass nicht garantiert ist und in der Verantwortung des iranischen Volkes liegt.
Bei Lichte betrachtet wird Regime-Change ausschließlich die durch Medien und vermeintliche Experten gepusht Einerseits weil man es nicht besser weiß und die eigenen Erwartungen/Träume/Hoffnungen auf die Beteiligten projiziert, andererseits weil man sich weigert Trump und Netanyahu überhaupt nur zuzuhören und ihnen eh alles maximal negativ auslegen will. Und natürlich ganz bewusst um hinterher behaupten zu können, dass sie die gesetzten Ziele nicht erreicht haben und das alles ein großer Fehlerschlag sein.
In der Realität ist freilich das Gegenteil richtig, alle gesetzten militärischen Ziele sind effektiv bereits und das Regime wird vor nicht zu bewältigenden Herausforderungen stehen, egal wie dieser Krieg jetzt zu Ende geht.
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Man kann das nur betonen:
Dieser Krieg hat bereits einen bedeutenden israelischen Sieg herbei geführt. Bereits der Status Quo ist für Israel eine gigantische Verbesserung was die strategische Sicherheit angeht. Sogar die Beziehungen zu den Ölarabern hat man verbessern können, und Israel steht heute so gut dar, wie man es noch vor einigen Jahren nicht hätte erträumen können (als Israeli).
Israel hat diesen Krieg bereits gewonnen. Es ist ein spektakulärer israelischer Sieg !
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Naja, Israel hat mal wieder "das Gras gemäht", diesmal besonders kurz. Mehr nicht. "Nur" in Libanon und Gaza könnten die Erfolge von längerer Dauer sein. Ich würde den Krieg so beschreiben: "Wir machen mal was und schauen was dann passiert."
(21.03.2026, 17:07)Nightwatch schrieb: das Regime wird vor nicht zu bewältigenden Herausforderungen stehen Welche genau?
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Alle Faktoren die vor dem Krieg bereits zu Massenaufständen geführt haben sie nach wie vor vorhanden.
Die iranische Wirtschaft ist effektiv tot, die Folgen für die Bevölkerung sind substantiell und direkt. Die Inflation liegt bei 50%, der Rial ist gegenüber harten Währungen effektiv wertlos, die Wirtschaft steckt in einer klaren Rezession, ausländische Investitionen finden nicht statt, die Arbeitslosigkeit steigt und auch diejenigen die noch Arbeit haben verarmen rapide. Immer mehr Haushalte können ihre Grundbedürfnisse durch die enorm steigenden Lebensmittelpreise nicht mehr decken, die Mittelschicht verschwindet. Unnötig zu erwähnen, dass der Krieg nicht förderlich für die Wirtschaft ist.
Wasserversorgung. Vor allem dieser Punkt wird vollkommen unterschätzt. Das Land leidet seit vielen Jahren und einer ausgeprägten Dürre, die natürlichen Wasserressourcen sind durch die Überbesiedlung und Nahrungsmittelproduktion in verschiedenen Regionen erschöpft, Stauseen sind nur noch zu einem Bruchteil gefüllt. Weiter Wasserabschaltungen und -rationierungen sind unausweichlich und haben schon in der jüngsten Vergangenheit zu massiven Protesten geführt. Die Krise ist so gravierend, dass es nur eine Frage von wenigen Jahren sein wird, bis der Großraum Teheran nicht mehr bewohnbar sein wird. Wenigsten nicht in der heutigen Besiedlungsdichte.
Energieversorgung. Dem Iran mangelt es massiv an elektrischer Energie. Aktuell können sie den Bedarf der heimischen Industrie nicht decken, rollende Stromabschaltungen sind an der Tagesordnung. Vor dem Krieg hatten sie eine Unterdeckung von 20%, und tägliche mehrstündige Stromausfälle in vielen Regionen. Die Infrastruktur ist uralt und entsprechend ineffizient, schnelle Abhilfe ist nicht möglich aufgrund fehlender Mittel und Sanktionen. Durch den akuten Wassermangel ist schon die Stromproduktion durch Wasserkraft effektiv weggebrochen, den Rest deckt der Iran hauptsächlich durch Gaskraftwerke (oder versucht es).
Das ist vielleicht auch grundsätzlich ein Punkt den die wenigsten auf dem Schirm haben: Der Iran exportiert kein LNG, die verstromen das fast vollständig. Entsprechend ging das Regime an die Decke, als die Israelis diese Woche mal die Gasinfrastruktur bombardiert haben. Würde man das durchziehen gingen bei denen binnen Stunden buchstäblich die Lichter aus und das Land würde schlicht und einfach kollabieren.
Entsprechend: Selbst, wenn das Regime sich Jetz in den nächsten Wochen noch dahingehend aus der Affäre ziehen kann und man noch an der Macht ist, wenn die Waffen schweigen - was wollen sie mittelfristig noch tun? Die Einnahmen aus dem Ölexport reichen nicht das Land zusammenzuhalten. Es wären in so vielen Bereichen massive Investitionen nötig um den Verfall aufzuhalten und die Lage irgendwie zu stabilisieren, das geht deutlich über die Möglichkeiten des Regimes hinaus, erst recht, wenn die Sanktionen weiterhin bestehen bleiben.
Hinzu kommen dann noch die Kriegsschäden. Die Schäden an der zivilen Infrastruktur sind aktuell zwar (noch) übersichtlich, aber das Militär und Rüstungsindustrie hat massiv gelitten. Eigentlich besteht hier jetzt (aus Sicht eines Fanatikers) wieder massiver Investitionsbedarf im mindestens hohen zweistelligen Milliardenbereich. Das Geld haben sie nicht (die Staatseinnahmen sinken deutlich) und jede Million Rial die in das Militär fließt wird zwangsläufig im zivilen Bereich doppelt und dreifach fehlen.
Für die Unterdrückung des Volkes sollte es schon noch reichen, aber die werden an den Punkt kommen, an dem sie ihre Sicherheitskräfte nicht mehr bezahlen können. Jedenfalls nicht, wenn sie gleichzeitig Energie und Grundnahrungsmittel massiv subventionieren um die Bevölkerung ruhig zu halten.
Und dann haben wir noch gar nicht damit angefangen, dass wenigstens ein Drittel des Volkes einfach die Schnauze voll von den Mullahs und ihrem religiösen Wahn hat und es genügend Minderheiten gibt, denen angesichts der Schwäche der Zentralregierung der Finger juckt.
Das wird alles ein wenig Zeit benötigen, aber solange alles auch nur bleibt wie es vor dem Krieg gewesen ist, sind die Tage des Regimes gezählt.
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Ottone:
Zitat:Naja, Israel hat mal wieder "das Gras gemäht", diesmal besonders kurz. Mehr nicht.
Was einen israelischen Sieg darstellt. Denn dass es so kurz gemäht werden kann, war noch vor wenigen Jahren nicht einmal vorstellbar. Niemand wird leugnen können, dass sich die Lage für Israel insgesamt jetzt deutlich verbessert hat. Und der Rest der Welt interessiert ja nicht. Israel und Israel allein.
Im übrigen ermöglicht es der gegenwertige Zustand praktisch immer weiter Luftangriffe auf geringem Niveau zu fliegen, so wie die Israelis das in Syrien seit Jahren praktizieren. Man kann also mit wenig Aufwand (die Luftwaffe hat man ja ohnehin und man hält sie damit in Übung) praktisch immer weiter machen und den Iran damit nachhaltig niederhalten. Das Gras wird nicht wieder wachsen.
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Falls Iran mit einer seiner Interkontinentalraketen den US-Stützpunkt Ramstein angreifen sollte, würde dies dann als Angriff auf "US Territory" gewertet und somit nicht als Angriff auf Deutschland? Immerhin haben sie versucht, Diego Garcia anzugreifen, was ähnlich weit weg ist.
https://www.youtube.com/watch?v=YTa6aYngADo
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(21.03.2026, 19:54)Nightwatch schrieb: Und dann haben wir noch gar nicht damit angefangen, dass wenigstens ein Drittel des Volkes einfach die Schnauze voll von den Mullahs und ihrem religiösen Wahn hat und es genügend Minderheiten gibt, denen angesichts der Schwäche der Zentralregierung der Finger juckt.
Das wird alles ein wenig Zeit benötigen, aber solange alles auch nur bleibt wie es vor dem Krieg gewesen ist, sind die Tage des Regimes gezählt.
Meine volle Zustimmung.
Der inofizielle Anteil der Bevölkerung, der von den Mullahs die Schnauze voll hat, dürfte so ca. bei 80% liegen.
Die restlichen 20% sind vermutlich wirtschaftliche Profiteure sowie einige wenige schiitische Fanatiker.
Im Iran beginnt diese Tage die Nachkriegsordnung, die natürlich eine gewisse Zeit eine Nachkriegsunordnung sein wird.
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Zitat:Der Irak versucht vergebens, sich dem Irankrieg zu entziehen. Es droht eine erneute Destabilisierung. Dabei wirkte das Land noch vor wenigen Monaten so stabil, sicher und eigenständig wie schon lange nicht mehr. Vom Zwölf-Tage-Krieg zwischen Israel und Iran im Juni 2025 war das Land kaum tangiert worden. Zwei Jahre zuvor hatte Bagdad im Konflikt zwischen Iran und Saudi-Arabien gar eine vermittelnde Rolle gespielt. Die Regierung von Mohammed Shia al-Sudani hatte zudem einigermaßen erfolgreich zwischen iranischen und amerikanischen Interessen im Irak navigiert.
https://www.ipg-journal.de/regionen/nahe...le-1-8941/
Zitat:Die aktuelle Eskalation ist für die Herrscher am Golf ein Super-GAU.
Deswegen stellt die aktuelle Eskalation für die Herrscher am Golf einen Super-GAU dar. Sie fühlen sich verraten – nicht nur von Iran, der sie trotz aller Annäherungsversuche unter Feuer nimmt, sondern auch von Israel und den USA. Weder US-Präsident Donald Trump und schon gar nicht Israels Premierminister Benjamin Netanjahu werden als verlässliche Partner betrachtet – ganz im Gegenteil. Saudi-Arabien fühlte sich bereits nach den Anschlägen auf die saudischen Ölraffinerien 2019 von Trump im Stich gelassen – weil er in seiner ersten Amtszeit nicht massiv gegen Iran vorging. Nun fühlt sich die Führung in Riad wieder im Stich gelassen, diesmal weil er massiv gegen Iran vorgeht.
Zitat:Iran galt zeitweise als kleineres Übel im Vergleich zu Israel, das wegen seines verheerenden Gaza-Kriegs als neuer Hegemon in der Region wahrgenommen wird. Den aktuellen Konflikt betrachten viele Herrscher am Golf als existenzielle Bedrohung ihrer Sowohl-als-auch-Politik, die darauf angelegt ist, sich keinem Lager zuordnen zu lassen und Allianzen flexibel anzupassen.
https://www.ipg-journal.de/regionen/nahe...luss-8918/
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