@muck
Zitat:Drei Fälle von Green on Blue ist schon beachtlich. Weiß man, ob das wenigstens in einem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang geschah? Also etwas in der Art, dass die Kuwaiter drei Flugzeuge angriffen, die zusammen von einem Einsatz im Iran zurückkehrten?
Ich hatte mir gestern im Laufe des Tages im Zug allerlei Videos angeschaut, es geistert bekanntlich mittlerweile dazu einiges durchs Netz. Und dabei konnte man grob folgendes feststellen (das ist nun meine Einschätzung):
- die F-15 flogen offenkundig von Ost nach West, kamen also mutmaßlich von einem Einsatz zurück.
- die Flughöhe dürfte wohl bei ca. 4.000 Metern gelegen haben (ist aber schwer zu schätzen).
- die Geschwindigkeit lag im Unterschallbereich, vielleicht Mach 0,6 bis 0,7.
- es gab keine erkennbaren Ausweichmanöver, so als wenn die Crews sich sicher fühlten und keinen Angriff erwarteten.
- ich fand keine Bilder, die einen Flare-Ausstoß etc. zeigten, d. h. es gab da wohl keine Gegenmaßnahmen.
Bedeutet: Ich vermute, die Vögel kamen von einem Einsatz über Iran zurück. Vielleicht haben die Crews sich sogar sicher gefühlt über kuwaitischem Luftraum und darüber geredet, was sie abends in der Bar trinken. Gleichzeitig jedoch sollen...
- die Iraner die betreffende Ali Al Salem Air Base, wo die Abschüsse in der Nähe stattfanden, mit 15 (?) ballistischen Raketen attackiert haben. Diese Flugkörper waren sicher auch erfasst worden.
- vermutlich war die kuwaitische Luftverteidigung also hochgradig nervös und hat auf alles geschossen, was man erfassen konnte.
- und die F-15 flogen in dieses Szenario hinein.
Schaut man sich nun die Bilder und Filmchen an, dann wirkt es fast so, als wenn die Kuwaitis bei einem Waffentest im Rahmen eines Manövers eine Reihe von "Zieldrohnen" abgeschossen hätten.
- schaut man sich zudem an, wie detonierende SAMs aussehen, wenn sie Flugzeuge treffen (besonders auch, wo der Schaden klassischerweise eintritt), dann hat man, wenn man sich eine der Sprengwolken anschaut und diese vergrößert, fast das klassische SAM-Zerleger-Bild.
- vergleicht man dieses wiederum mit Tests von detonierenden MIM-104 bei Drohnen-Schießübungen, dann gibt es dahingehend sowie beim Schadensbild (Brand am Triebwerk, Abmontieren des Heckleitwerks) frappierende Übereinstimmungen.
Fazit: Da waren keine iranischen Jets irgendwie involviert (zumal die CAP denen via BVR schnell die Zähne gezogen hätte), das ist m. M. n. ziemlicher Unfug, sondern es war eben so, dass eine übernervöse Luftabwehr der Kuwaitis, die mit einfliegenden Raketen rechnete, auf drei F-15-Crews traf, die vielleicht etwas übermüdet waren und nach erfolgreichem
bombing run (oder ggf. auch einer CAP) zurückkehrten, sich sicher fühlten und vielleicht darüber redeten, dass man den Mullahs ja ordentlich einen mitgegeben habe. Man rechnete nicht mit einem Angriff, und als es dann urplötzlich doch geschah, konnte man nicht mehr reagieren und es schepperte eben. Die mit relativ niedriger Geschwindigkeit fliegenden Maschinen erhielten Treffer am Heck, legten sich auf den Rücken und zogen Halbschleifen, gerieten dann ins Flachtrudeln und verloren dabei ihre Seitenleitwerke.
Bitter. Aber sowas kann im Krieg leider passieren.
PS: Die Crews haben alle überlebt, allerdings sollen lt. greifbaren Bildern zwei verletzt sein.
Schneemann