Russland vs. Ukraine
Zur Situation in der Oblast Saporischschja:

Die ukrainische Gegenoffensive hat nun 300 km² zurückerobert. (Quelle)

Zur Lage der Ukraine:

Der vormalige ukrainische Generalstabschef Walerij Saluschnyj hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in einem Interview mit 'Associated Press' scharf angegriffen und die Regierung erstmals für das Scheitern der Sommeroffensive 2023 verantwortlich gemacht. (Quelle) Saluschnyj habe damals seine Kräfte in der Oblast Saporischschja konzentrieren und einen einzigen Stoß mit Richtung auf das Asowsche Meer führen wollen, um Russland den Landzugang zur Krim zu nehmen. Die Regierung habe auf mehrere Stoßrichtungen bestanden.

Westliche Unter zwei-Quellen haben 'AP' zufolge bestätigt, dass Kyjiw die Strategie gegen seinen Willen geändert habe. Er berichtete in dem Interview auch, sich schon 2022 oft mit Selenskyj und anderen Offiziellen um die richtige Strategie gestritten zu haben. Seiner Darstellung nach kam es dabei zu Einschüchterungsversuchen, die Saluschnyj dem mittlerweile geschassten Präsidialamtschef Andrij Jermak zur Last legt.

Nach einem Streit mit Kyjiw hätten im September 2022 Beamte des Inlandsgeheimdiensts SBU versucht, sich Zutritt zu einem Gefechtsstand zu verschaffen, den Saluschnyj in einem ehemaligen Nachtclub eingerichtet hatte. Es sei unklar gewesen, was sie überhaupt wollten, doch habe er die Beamten davon abhalten müssen, auf Computer zuzugreifen. Saluschnyj will Jermak telefonisch damit gedroht haben, dass er bereit sei, das Militär einzusetzen, um den Gefechtsstand zu schützen. Ein Dutzend britischer Offiziere sei bei dem Vorfall zugegen gewesen. Saluschnyj bestätigt damit erstmals die Beteiligung ausländischer Offiziere an der Arbeit des ukrainischen Generalstabs.

Der SBU stellt die Episode jedoch anders dar. Demnach hätten Beamte im Zuge einer Ermittlung gegen die organisierte Kriminalität einen Durchsuchungsbefehl gegen den Nachtclub vollstrecken wollen. Sie hätten nichts von Saluschnyjs Anwesenheit dort gewusst und die Aktion sofort abgebrochen, als sie merkten, dass sie an der falschen Adresse waren. (Quelle) Der Vorgang hat insofern viel politische Brisanz, als Saluschnyj Ambitionen auf eine Präsidentschaftskandidatur nachgesagt werden.

Kriegsverbrechen/zur Lage der russischen Armee:

Investigativjournalisten haben Zugang zu Verläufen einer Chatgruppe erlangt, der auch der russische Generalmajor Roman Demurtschiew angehörte, stellvertretender Kommandeur der 20. Garde-Armee [steht im Raum Lyman, muck]. Die Chats legen zahlreiche russische Kriegsverbrechen offen, an denen Demurtschiew selbst beteiligt war, enthalten aber auch viele Beispiele für institutionelle Korruption. (Quelle)

In einem Foto, das Demurtschiew an Kameraden und auch an seine Frau verschickte, ist eine Kette mit abgeschnittenen menschlichen Ohren zu sehen. Ein Kamerad im Generalsrang witzelt zur Antwort, dass er das noch aus Tschetschenien kenne. Andere Fotos zeigen Vivisektionen an Tieren. An vielen Stellen schildert Demurtschiew die Folterung und Ermordung ukrainischer Kriegsgefangener als alltägliches Ereignis. Gegenüber Vorgesetzten und Kameraden brüstet er sich damit, keine Gefangenen zu machen.

Mehrere Gespräche deuten darauf hin, dass Gefangene, für die man keine Verwendung hat, tatsächlich sofort hingerichtet werden. In mindestens zwei Fällen wird Demurtschiew von seinem FSB-Verbindungsoffizier gefragt, ob er noch Verwendung für bestimmte Gefangene habe, oder man sie "entsorgen" solle. In einem Gespräch bezahlt Demurtschiew mit Kaviar für die Überlassung einiger Gefangener als Arbeitskräfte.

Demurtschiew äußert sich an vielen Stellen abfällig über seine Vorgesetzten, und greift auch Generalstabschef Waleri Gerassimow direkt an ("zieht sich seine eigenen Schlüsse aus seinem aufgeblasenen Kopf"). Russlands Heer charakterisiert er als "Armee von Idioten, Speichelleckern und feigen Verrätern". Er steht merklich General Iwan Popow nahe, ehemals Kommandeur der 58. Armee, der 2023 nach einem kritischen Bericht an Gerassimow strafversetzt wurde und nun eine fünfjährige Haftstrafe wegen Korruption verbüßt.

Auch nach dessen Versetzung nach Syrien chattete Demurtschiew regelmäßig mit ihm. Im Herbst 2023 berichtete er Popow, dass seine Verbände in Robotyne (Saporischschja) "gestern" 17 Gefallene, 27 Verwundete und 165 Vermisste zu beklagen gehabt hätten, wobei er davon ausgeht, dass 99% der Vermissten tot seien. Popow reagiert ungläubig, Demurtschiew antwortet: "Ja, es war die Hölle."

Demurtschiew scheint Teil des Systems gewesen zu sein, bei dem Popow Gelder für sich abzweigte, die zum Aufbau von Grenzbefestigungen gedacht waren. Schulden gegenüber Popow beglich er mit Geldern, die er von Untergebenen erpresst hatte, wie er selber angibt. Die Chatprotokolle zeigen auch, wie er andere Beteiligte auf ihre Verhöre in Moskau "vorbereitete", damit sie sich gegenseitig decken könnten.

Andere Gespräche und Chats zeigen die Denkweise Demurtschiews und seinesgleichen. Über Fotos kenianischer Söldner in seinen Reihen witzelten er und andere Generäle, man müsse sie sich nur genau anschauen, dann werde man schon weiße Gesichtszüge entdecken. Obwohl er an anderer Stelle von einem Orden schwärmt, den ihm der tschetschenische Diktator Ramsan Kadyrow verliehen hat, lästert Demurtschiew über die tschetschenische Truppen, die völlig nutzlos sein und poltert, man solle ihm Slawen schicken, nur Slawen würden Resultate bringen.

Bemerkenswert ist auch die Beobachtung, dass selbst hochrangige Generäle Russlands sich in ihrer Korrespondenz des Mat bedienen.

Kriegsverbrechen, part deux/zur Lage der ukrainischen Armee:

Der 'Kyiv Independent' hat massive Straftaten und Missbrauch innerhalb einer brasilianischen Freiwilligenkompanie der ukrainischen Internationalen Legion aufgedeckt. Dem Bericht zufolge wurde kurz vor Neujahr ein Soldat der Advanced Company von Kameraden regelrecht zu Tode gefoltert, nachdem er die Einheit hatte verlassen wollen. Aktive und ehemalige Mitglieder geben an, dass in der Einheit eine "Mafia-Kultur" herrsche.

Idealisten würden auf hartgesottene Söldner aus den Favelas treffen, die die Neuankömmlinge beim geringsten Anlass verprügeln. Quälereien, teils auch mit sexuellem Hintergrund, seien häufig. Auf die Fälle angesprochen, sicherte der formal zuständige ukrainische Militärgeheimdienst eine Untersuchung zu, gestand aber auch ein, dass die Legion, anders als die reguläre Armee, keine Beschwerdestelle für Dienstvergehen hat. (Quelle)

Netzfundstücke:

Der frühere Vize-Vorsitzende der Tories, Jack Lopresti, hat sich der ukrainischen Armee angeschlossen. Das gab Lopresti auf 'X' bekannt. Lopresti war von 2010 bis 2024 Mitglied des britischen Unterhauses und dort als Fürsprecher der Ukraine bekannt. (Quelle)
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Zitat:Ein Ifo-Bericht zeigt, dass die indirekten Exporte nach Russland in den Jahren 2022-2024 etwa 13 bis 24 % des Vorkriegsdurchschnitts betrugen und sich auf 20 bis etwa 50 Millionen Euro pro Monat beliefen.

https://euractiv.de/news/die-tuerkei-als...-entlarvt/
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Heute Nacht jährt sich der Überfall auf die Ukraine zum vierten Mal. Die blutige Bilanz dieser vier Jahre:
[Sofern nicht gesondert angegeben, dienen hier 'Mediazona' und 'Oryx' als Quellen]

Menschliche Verluste an Kombattanten

Ukraine

Gefallen (Minimum): 55.000 (Quelle)
Gefallen (Maximum): 86.142
Verwundet (Minimum): keine Angabe möglich*
Verwundet (Maximum): keine Angabe möglich*
Vermisst (Minimum): 89.324
Vermisst (Maximum): keine Angabe möglich*

Russland

Gefallen (Minimum): 177.433
Gefallen (Maximum): 219.000
Verwundet (Minimum): keine Angabe möglich*
Verwundet (Maximum): keine Angabe möglich*
Vermisst (Minimum): 90.000
Vermisst (Maximum): 177.108

*) Gesamtverluste laut CSIS, einschließlich Verwundete: 2 Mio. Kombattanten (Quelle)

Menschliche Verluste an Zivilisten

Ukraine (Quelle)

Getötet (Minimum): 14.999
Getötet (Maximum): "bis zu 100.000", unter der Annahme, dass alle vermissten Zivilpersonen tot wären
Verwundet (Minimum): 40.601
Verwundet (Maximum): keine Angabe möglich

Russland (Quelle)

Getötet (Minimum): 394
Getötet (Maximum): keine Angabe möglich
Verwundet (Minimum): keine Angabe möglich
Verwundet (Maximum): keine Angabe möglich

Bildlich bestätigte Verluste an Kriegsmaterial (Russland)

Landsysteme

Kampfpanzer: 4.341
Schützenpanzer: 6.380
Transportpanzer: 722
Gepanzerte Gefechtsfahrzeuge (übrige): 2.388
Geschützte Infanteriefahrzeuge: 477
Führungs- und Fernmeldefahrzeuge: 315
Pioniergerät: 714
Gezogene Artillerie: 549
Selbstfahrlafetten: 998
Raketenartillerie: 557
Flakpanzer: 28
Flugabwehrraketensysteme: 383
Radargeräte: 117
Lkw, Geländewagen, Kleinbusse etc.: 4.539
Unbemannte Bodenfahrzeuge: 65

Flugzeuge und Hubschrauber

Jagdflugzeuge, Jagdbomber, Mehrzweckkampfflugzeuge: 139
Strategische Bomber: 21
Transportflugzeuge: 14
Funktionsflugzeuge, insb. Frühwarnflugzeuge: 7
Kampf- und bewaffnete Transporthubschrauber: 166
Transporthubschrauber (Mi-26): 2
Aufklärungsdrohnen: 762
Kampfdrohnen (nur Mehrweg): 21

Seestreitkräfte

Lenkwaffenkreuzer: 1
Korvetten: 3
U-Boote: 2
Übrige (insb. Landungsschiffe und Patrouillenboote): 24

Bildlich bestätigte Materialverluste (Ukraine)

Landsysteme:

Kampfpanzer: 1.389
Schützenpanzer: 1.546
Transportpanzer: 1.291
Gepanzerte Gefechtsfahrzeuge (übrige): 510
Geschützte Infanteriefahrzeuge: 2.434
Führungs- und Fernmeldefahrzeuge: 87
Pioniergerät: 272
Gezogene Artillerie: 261
Selbstfahrlafetten: 791
Raketenartillerie: 104
Flakpanzer: 48
Flugabwehrraketensysteme: 178
Radargeräte: 144
Lkw, Geländewagen, Kleinbusse etc.: 1.330
Unbemannte Bodenfahrzeuge: 188

Flugzeuge und Hubschrauber:

Jagdflugzeuge, Jagdbomber, Mehrzweckkampfflugzeuge: 109
Transportflugzeuge: 4
Kampf- und bewaffnete Transporthubschrauber: 54
Transporthubschrauber: 1
Aufklärungsdrohnen: 558
Kampfdrohnen (nur Mehrweg): 29

Seestreitkräfte:

Fregatte: 1
Übrige (insb. Landungsschiffe und Patrouillenboote): 41
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Für vier Jahre eines großen konventionellen Krieges sind die Verluste für beide Seiten eigentlich moderat. Um diese revisionistische Sichtweise mal mit Zahlen zu unterlegen: Im Zweiten Weltkrieg verloren die Russen ein Minimum von ca. 80.000 Kampfpanzern. Lassen wir es heute mal 5.000 sein, also mehr als die Zahl welche bildlich bestätigt ist.

Dann sind die russischen Verluste im Verhältnis zum 2WK nur noch 1/16 dessen was sie im 2WK waren. Interessant wird es dann, wenn man die Kosten für die Systeme betrachtet, da Kampfpanzer damals natürlich viel günstiger pro Stück waren. Heutige Kampfpanzer der Russen kosten aber kaufkraftbereinigt keineswegs 16x so viel, sondern (habe ich irgendwo mal gelesen vor drei Jahren) ungefähr 12x so viel. Entsprechend kämpfen die Russen praktisch gesehen effizienter / effektiver als im 2WK.

Noch darüber hinaus ist zu bedenken, dass der Gros des verlorenen Materials von der Sowjetunion beschafft wurde, veraltet ist und praktisch gesehen totes Kapital darstellt, dessen Wert nur immer noch weiter abgenommen hätte, bis zur völligen Wertlosigkeit. Dieses Kriegsmaterial in der Ukraine zu "entsorgen" indem man es verbraucht ist daher volkswirtschaftlich gesehen nicht sonderlich teuer.

Gerade die Verluste der Kampfpanzer sind daher (und noch aus anderen Gründen wie beispielsweise Veränderungen in der Kriegsführung usw.) gar nicht so relevant. Viel relevanter wäre die Frage nach den strategischen Systemen der Russen, der russischen Luftraumverteidigung und der russischen Luftwaffe. Die Verluste an veralteten Kampfpanzern sind demgegenüber völlig belanglos.

Und das was mich am meisten an diesem Krieg verblüfft und was für mich die größte Überraschung überhaupt war ist das Scheitern der russischen Luftwaffe und die Schwäche der russischen Luftstreitkräfte. Das verblüfft mich bis heute. Selbst heute haben die Russen den Luftraum über der Ukraine nicht unter Kontrolle und können dort nicht frei agieren. Das war und ist für mich das was ich am wenigsten erwartet habe.
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(Gestern, 09:10)Quintus Fabius schrieb: Für vier Jahre eines großen konventionellen Krieges sind die Verluste für beide Seiten eigentlich moderat. Um diese revisionistische Sichtweise mal mit Zahlen zu unterlegen: Im Zweiten Weltkrieg verloren die Russen ein Minimum von ca. 80.000 Kampfpanzern. Lassen wir es heute mal 5.000 sein, also mehr als die Zahl welche bildlich bestätigt ist.
Ich würde sagen: Jain. Denn die Frontlinie mag zwar deutlich über 1.000 km lang sein, doch 90% aller Feindberührungen geschehen laut den Ukrainern in den Oblasten Donezk, Charkiw und Saporischschja.

Mit anderen Worten, das Gros der Kämpfe (und der entsprechenden Verluste) ereignet sich an vergleichsweise kurzen, räumlich abgegrenzten Frontabschnitten, nicht auf breiter Front wie im Zweiten Weltkrieg. (Beispiel: Während der Operation Bagration stieß die Rote Armee auf fast 400 km Breite vor.)

Die Verlustrate pro Gebietseinheit dürfte zumindest bei den Schlachten um Bachmut, Tschassiw Jar, Awdijiwka und Pokrowsk den Verlusten im "Großen Vaterländischen" nahegekommen sein.
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Auch im zweiten Weltkrieg konzentrierten sich die Verluste in den meisten Fällen auf begrenzte Frontabschnitte. So verlor die Rote Armee allein bei der Schlacht um den Kursker Bogen mindestens 6000 Kampfpanzer.

Zu den von dir genannten Beispielen könnte man zudem noch anmerken, dass dort Kampfpanzer nicht vorherrschend waren.

Aber selbst wenn die Verlustraten pro Gebietseinheit einzelfallsweise ähnlich sind, dann ist trotzdem insgesamt, also querschnittlich - festzuhalten, dass die Verluste ganz normal sind für einen großen konventionellen Krieg und weder überraschend hoch noch sonderlich bemerkenswert.

Und insgesamt liegen sie gemittelt pro Gebietseinheit unter denen des 2WK.

In einem echten großen Krieg kommen halt massenhaft Menschen um und wird massenhaft Material zerstört.

Noch interessanter wird der Vergleich wenn man die Zivilen Verluste nimmt. Die Verluste der Ukrainer sind was Zivilisten angeht pro Gebietseinheit nichts im Vergleich zu den getöteten Zivilisten pro Gebietseinheit im 2WK. Für russische Verhältnisse ist der Krieg erstaunlich sauber. Selbst wenn man die Kriegsverbrechen der Russen, wie beispielsweise Vergwaltigungen her nimmt, ist den Leuten heute einfach nicht mehr klar was russische Truppen früher angerichtet haben. Nicht nur gegen deutsche Frauen, sondern auch gegen russiscche, weißrussische, ukrainische, baltische und polnische Frauen, die dem ganz genau so zu hunderrtausenden zum Opfer fielen.
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Im zweiten Weltkrieg haben auch beide Seiten keine Rücksicht auf die Zivilbevölkerung genommen .
Von deutscher Seite wurde er als ideologischer Vernichtungskrieg geführt , der explizit gegen die Zivilbevölkerung gerichtet war. Das NS-Regime stilisierte den Krieg als Kampf der „germanischen Rasse“ gegen die „slawische Untermenschentum“ und den Kommunismus. Schon das alleine forderte Millionen von Opfern und führte zu massivem Leid in den besetzten sowjetischen Gebieten.
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Die Rote Armee bestand im WK2 nicht nur aus Russen.
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Dass im historischen Maßstab vergleichsweise wenige Zivilisten ums Leben kommen und der Großteil der menschlichen Verluste aus Kombattanten besteht, ist eigentlich wenig verwunderlich, es zeigt nur, wie (räumlich) begrenzt die Kampfhandlungen tatsächlich sind, die in zum größten Teil entvölkerten Landstrichen stattfinden. Die Parallele zum Ersten Weltkrieg ist hier sinnvoller als die zum Zweiten.
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KBG32:

Die aktuelle russische Armee besteht auch nicht nur aus Russen. Und umgekehrt kämpften gar nicht wenige Ukrainer auf deutscher Seite.

alphall31:

Zustimmung, die Umstände waren andere, wegen der Ideologie des Lebensraum im Osten / Ausrottung der Slawen etc.

muck:

Die Russen hätten heute aber im Gegensatz zum 1WK durchaus die Möglichkeit, ukrainische Städte - auch weit im Hinterland - einfach flächendeckend anzugreifen, und sie könnten damit (rein theoretisch) wesentlich mehr Zivilisten töten als es geschehen ist.

Ich stimme dir trotzdem zu, dass die Parallelen zum 1WK größer sind. Ich führte den 2WK auch nur wegen der Panzerverluste an. Weil heute ja allenorten kolportiert wird, der Kampfpanzer sei wegen der hohen Verluste irrelevant geworden etc. dabei waren die Verluste an Kampfpanzern in ernsthaften Kriegen schon immer horrend hoch.

Aber nehmen wir mal den 1 WK. Erneut ist die Dauer vergleichbar, und der Kriegsraum war der gleiche (Osteuropa). Im 1 WK hatten die Russen ungefähr 2 Millionen Tote und Vermisste und ungefähr 4 Millionen Verwundete im gleichen Zeitraum. Dazu gingen noch 3 Millionen Russen in Kriegsgefangenschaft!

Sie hatten also im 1WK Verluste in Höhe von um die 6 Millionen + 3 Millionen Kriegsgefangene, während es heute Verluste um die 1 Millionen sind und verblüffenderweise nur eine niedrige fünfstellige Zahl an Kriegsgefangenen (wahrscheinlich irgendwas von 10.000 bis 20.000).

Die Diskrepanz was die Kriegsgefangenen angeht ist eigentlich am erstaunlichsten. Auch im 2WK ergaben sich Unmengen an Russen. Wahrscheinlich nahmen die Deutschen ungefähr 6 Millionen Russen als Kriegsgefangene. Und heute sind es nur wenige zehntausend.

Das ist eigentlich eine der am wenigsten beachteten Auffälligkeiten im Vergleich zu früheren Kriegen. Die Gründe dafür zu diskutieren wäre interessant.
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