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Zitat:Die Beziehungen zwischen den USA und Polen sind angespannt.
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Ein weiterer Beamter der Trump-Regierung ist in einen öffentlichen Streit mit einer ausländischen Regierung geraten, nachdem ein Online-Streit zu einer diplomatischen Krise eskaliert war. Die Situation ist seither außer Kontrolle geraten und wirft einige besorgniserregende Fragen auf.
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Euronews analysiert Europas Trümpfe gegen Trump: So verwundbar sind die USA im Hinblick auf die wirtschaftlichen Abhängigkeiten
Zitat: ...
Ein neues Forschungspapier argumentiert nun, dass Europas Ausgangslage weniger schwach ist, als sie oft wirkt. Unter dem Titel "Europas Trümpfe gegen Trump" beschreiben die Ökonomen Philippa Sigl-Glöckner und Maximilian Paleschke von der Denkfabrik "Dezernat Zukunft" mehrere Bereiche, in denen die USA von Europa abhängen. Das Institut beschäftigt sich mit Geld-, Finanz- und Wirtschaftspolitik.
Amerikanische Techkonzerne brauchen EU-Binnenmarkt
Der Ausgangspunkt der Autoren ist eine wichtige Unterscheidung: Größe ist nicht automatisch ein Druckmittel. Wirksam wird Macht erst dann, wenn es einen "Hebel" gibt, also die glaubhafte Möglichkeit, der Gegenseite im Streitfall mehr zu schaden, als man selbst getroffen wird. Um solche Hebel zu identifizieren, prüfen die Ökonomen die Beziehungen zwischen EU und USA in fünf Dimensionen: gesamtwirtschaftlich, im Finanzmarkt, in der Digitalwirtschaft, im Energiesektor und bei einzelnen Produkten.
Ein zentraler Punkt ist der Zugang zum europäischen Markt. Ohne den Binnenmarkt könnten US-Techkonzerne ihre Wachstumserwartungen nicht in gleicher Weise aufrechterhalten, schreiben die Autoren. Würden diese Erwartungen enttäuscht, könnten Aktienkurse fallen, mit Folgen auch für breite Teile der US-Bevölkerung.
Das Papier verknüpft den Aktienmarkt ausdrücklich mit sozialer Wirkung. In den USA hängt die Altersvorsorge vieler Menschen an sogenannten 401(k)-Plänen, die stark vom Börsengeschehen beeinflusst werden. Fallen Kurse, kann das laut Forschungspapier die spätere Rente reduzieren.
Europas Spielraum beim Flüssiggas
Auch beim Flüssiggas (LNG) sehen die Autoren Spielraum für Europa: Wenn durch neue US-Anlagen viel LNG auf den Markt kommt, mehr Gas kurzfristig über Spotmärkte (Käufe zum aktuellen Tagespreis statt über langfristig festgelegte Verträge) gehandelt wird und US-Anbieter weiter auf Europas zahlungskräftigen Markt angewiesen sind, können europäische Käufer eher beim Preis und bei den Bedingungen mitreden. Der Befund ist nicht, dass Europa in jedem Szenario überlegen ist, sondern dass sich Marktmacht verschieben kann, wenn Anbieter dauerhaft auf einen Absatzmarkt angewiesen bleiben.
Schlüsselprodukte: Uran und Turbinen
Besonders konkret wird das Papier bei strategischen Gütern. Für den Ausbau der Kernenergie benötigen die USA schwach angereichertes Uran, sie hätten aber kaum Kapazitäten zur eigenen Herstellung. Steigender Bedarf werde daher durch Europa und weiterhin auch Russland gedeckt.
Außerdem verweisen die Autoren auf europäische Technik bei Gas-Turbinen. Turbinen seien für Rechenzentren wichtig, weil diese nach Darstellung des Papiers derzeit schneller wachsen als das Stromnetz. Damit verbinden sie den Zollkonflikt mit dem KI-Ausbau, der nicht nur an Software, sondern auch an Infrastruktur hängt.
EU als wichtiger Lieferant für die USA
Auch das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) kommt in einer Auswertung von US-Handelsdaten im vergangenen Jahr zu dem Schluss, dass Washington bei vielen Importen stärker auf Europa angewiesen ist, als es im Zollstreit oft dargestellt wird.
Demnach gab es 2024 insgesamt 3.120 Warengruppen, bei denen mindestens die Hälfte der US-Importe aus der EU stammte, das entspricht rund 17,5 Prozent aller erfassten Warengruppen. Der kumulierte Importwert dieser Warengruppen lag laut IW bei rund 290 Milliarden US-Dollar; zum Vergleich nennt die IW-Studie für China 2.925 Warengruppen im Wert von 247 Milliarden US-Dollar. Besonders häufig betreffe die EU-Dominanz chemische Produkte, außerdem Maschinen, Geräte und elektrotechnische Waren sowie unedle Metalle; die Bandbreite reiche laut Berichten über die Studie von speziellen Hormonen und Insulinpräparaten bis zu Baumaschinen und Röntgenröhren.
Die Studie, die durch das Auswärtige Amt gefördert wurde, zeigt zudem: die US-Abhängigkeit von EU-Importen habe seit 2010 stark zugenommen, während sich die Importabhängigkeit von China im Zeitverlauf verringert habe, auch im Zuge eines De-Risking-Ansatzes.
Ein zentrales EU-Werkzeug
Damit solche Abhängigkeiten politisch nutzbar werden, braucht es handlungsfähige Entscheidungen. Das aktuelle Forschungspapier verweist auf das 2023 eingeführte Anti-Coercion-Instrument, mit dem Mitgliedstaaten der EU-Kommission ermöglichen können, handelspolitische Restriktionen zu ergreifen. Der Katalog reicht laut den Autoren von Import- und Exportbeschränkungen bis zu Kapitalmarktkontrollen und Maßnahmen im Bereich öffentlicher Beschaffung.
Ob die EU-Regierungen das Instrument im Streitfall aktivieren, hängt laut Philippa Sigl-Glöckner und Maximilian Paleschke von Vertrauen und internen Ausgleichsmechanismen ab. Sie sprechen von "transparente Kuhhandel", also offenen Kompensationsabsprachen zwischen Mitgliedstaaten, um gemeinsame Entscheidungen abzusichern.
Ein weiterer Hebel: US-Staatsanleihen
Die Autoren sehen auch beim US-Schuldenmarkt einen möglichen Druckpunkt: Seit 2014 werden US-Staatsanleihen ihrer Darstellung nach weniger für Währungsreserven gekauft, sondern zunehmend von Hedgefonds, die damit Geld verdienen wollen. Weil viele dieser Fonds in London sitzen und die Bank of England die Geschäfte für riskant hält, halten sie strengere Regeln für denkbar, was die Kreditaufnahme der USA verteuern und damit politischen Druck in Washington erhöhen könnte.
Langfristig plädieren die WIrtschaftsexperten dafür, den Euro als Reservewährung zu stärken. Dafür brauche es mehr "sichere" Anleihen, also Papiere, denen Investoren weltweit vertrauen. Sie verweisen in diesem Zusammenhang auf die Idee von Eurobonds. Gemeint sind Anleihen, die nicht ein einzelner Staat ausgibt, sondern die Eurozone oder die EU gemeinsam, sodass Investoren ein großes, als besonders verlässlich gedachtes Wertpapier bekommen und die beteiligten Staaten gemeinsam für Zins und Rückzahlung geradestehen.
viele Punkte davon haben wir hier auch schon unter anderen Strängen diskutiert, die Idee von Eurobonds zum Beispiel.
Ich möchte bei diesen Punkten dann auch ausdrücklich auf die jeweiligen Threads verweisen, und ggf. dort um weitere Diskussionen bitten.
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(15.02.2026, 10:00)Schneemann schrieb: Die Rede von Marco Rubio auf der Münchner Sicherheitskonferenz war mit einer gewissen Spannung erwartet worden, zumal ja Vance letztes Jahr mit einigen Formulierungen ziemlich daneben gegriffen hatte. Und es war dann auch so, dass Rubio sich deutlich konzilianter und diplomatischer gab und (nach meinem Empfinden) auch so etwas wie eine Wiederannäherung suchte und zerbrochenes Geschirr wieder zusammenfegen wollte.
Das, was er sagte, gerade in Bezug auf die (im Grunde schon lange bekannte bzw. sich abzeichnende) strategische Umorientierung der USA bzgl. Asien, aber auch den Wunsch nach einem starken Europa, war nicht allzu neu, aber vielleicht hilft es auch den Eiferern - und ja, auch solche gibt es - in Europa etwas den Wind aus den Segeln zu nehmen, die ja in allem was die gegenwärtige US-Administration macht reflexhaft ein Werk des Leibhaftigen sehen wollen.
https://esut.de/2026/02/meldungen/68011/...enz-rubio/
Schneemann Deine Einschätzung wird nicht überall geteilt.
Es stimmt, schon seit mehreren "Amtsperioden" orientieren die US-Präsidenten ihr Hauptaugenmerk auf China und nicht mehr auf Russland. Das soll primär europäisches "Problem" werden. Insoweit stimme ich Dir zu. Allerdings wurde es meist sehr diplomatisch formuliert und verklausuliert in der Öffentlichkeit übermittelt.
Und was Vance und auch Donald der Leibhaftige (danke für die Anregung ) praktizieren ist der völlige Abbruch der verbindenden Brücken über den Atlantik - und zugleich das einschleimen oder einschmeicheln beim Zaren.
Ergänzend also zum politischen Desaster:
Zitat:Trump auf Anti-Europa-Kurs: Vance legt nach, Merz ist irritiert – und ein Historiker schlägt Alarm
Die Debatte über eine Entfremdung zwischen den Vereinigten Staaten und Europa dauert auch nach der von vielen als moderat aufgefassten Rede des amerikanischen Außenministers Marco Rubio bei der Münchner Sicherheitskonferenz an. Im Vorjahr hatte US-Vizepräsident JD Vance bei der jährlichen Veranstaltung noch für Entsetzen in Europa gesorgt.
Nicht Russland oder China seien die größte Gefahr für Europa, sondern die angeblich bedrohte Meinungsfreiheit, hatte Vance erklärt. Gleichzeitig intensivierte die Regierung um US-Präsident Donald Trump ihre Unterstützung für rechtsradikale und rechtspopulistische Parteien in Europa, auch für die AfD in Deutschland.
Merz über Rubio: „Trump in freundlicherer Verpackung“
Aufgegeben dürfte man diesen Kurs in Washington nicht haben. Dass Rubios Rede derart viel Zuspruch bekommen habe, sei irritierend, erklärte nun Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU). „Also ich war nicht im Saal und ich hätte mich auch, wenn ich da gewesen wäre, schwergetan, dann aufzustehen“, sagte Merz dem Politik-Podcast „Machtwechsel“ angesichts der stehenden Ovationen für Rubio in München.
Die Rede sei zwar nicht so konfrontativ gewesen wie die von US-Vizepräsident JD Vance im Vorjahr, erklärte Merz, der jedoch sofort einschränkend hinzufügte: „Es ist halt Trump in einer freundlicheren Verpackung.“
...
„In Wahrheit ein gigantischer Mittelfinger gegen Europa“
In der Debatte über eine Entfremdung der transatlantischen Alliierten gibt es jedoch auch andere Stimmen aus den USA. So warf etwa der ehemalige US-General Ben Hodges der Trump-Regierung in der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ am Dienstag (17. Februar) vor, die Sicherheitsarchitektur weltweit durcheinanderzubringen und „auf der Seite des Kremls“ zu stehen.
„Die neue Sicherheitsstrategie der Amerikaner ist in Wahrheit ein gigantischer Mittelfinger gegen Europa“, erklärte Hodges und kritisierte den Kurs der US-Regierung scharf. „Wir brauchen zuverlässige Freunde wie die Kanadier, die Australier und die Europäer. Wir können nicht alle Bereiche abdecken. Wir brauchen Verbündete“, betonte der ehemalige Oberkommandierende der US-Truppen in Europa.
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US-Historiker warnt vor US-Diktatur und Schutzlosigkeit in Europa
Noch eindringlicher warnt derweil der US-Historiker Robert Kagan vor dem Kurs von Trump, Vance und Co. Der Vertreter der neokonservativen Denkschule verließ 2016 aus Protest gegen Trump die Republikanische Partei – und bezeichnete Trump nun im Gespräch mit dem „Spiegel“ als „Möchtegern-Diktator“. Die USA stünden „bereits mit einem Bein in der Diktatur“, warnte Kagan.
Die US-Regierung wolle die Rolle als Garant der globalen Sicherheit nicht mehr wahrnehmen, erklärt der Historiker. „Mehr noch, die Regierung Trump steht der Idee des Liberalismus feindlich gegenüber und benutzt die beträchtliche Macht der Vereinigten Staaten, um die seit 80 Jahren stabile liberale Weltordnung zu zerstören.“ So entstehe eine von Großmächten wie Russland, China und den USA dominierte „multipolare Welt“, prognostiziert der Historiker.
Europa werde in dieser Welt „schutzlos dastehen“ und müsse sich für dieses Szenario rüsten, so Kagan. „Deutschland ist die wichtigste Bastion des Liberalismus in der Welt, und daher hoffe ich, dass das Land aufrüstet, um den Liberalismus und nicht bloß die eigenen nationalen Interessen zu verteidigen“, führt der Historiker aus. Er hoffe jedoch, dass „Europa sich gemeinsam, als Einheit, wiederbewaffnen wird“ – ohne eine „neue nationalistische Rückbesinnung einzelner Mächte“.
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Ob die USA die Rolle als Garant der globalen Sicherheit nicht mehr wahrnehmen wollen oder nicht mehr wahrnehmen können ist zudem zu hinterfragen.
Ich behaupte, sie können es nicht mehr. Der "globale Süden" wird zunehmend zu stark, um ihn zu beherrschen.
Dann hilft aber die MAGE-Vorgehensweise, also die Anwendung oder Drohung mit Gewalt am aller wenigsten. Im Gegenteil - wenn man nicht mehr stark genug ist, alleine der große Zampano auf dem Schulhof zu sein, dann braucht man Verbündete. Wer die vergrault, isoliert sich selbst und wird noch schwächer.
Und das gilt auch für die bisherige rechte Hand des Schulhofrabauken. Europa muss sich ohne seinen großen Bruder neu orientieren - selbst stärker werden und vor allem nach Verbündeten suchen, ohne eigene Dominanz über diese anzustreben.
Die Freihandelsabkommen etwa mit MERCOSUR und Indien sind wichtige Schritte auf diesem Weg.
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(18.02.2026, 10:33)Kongo Erich schrieb: Euronews analysiert Europas Trümpfe gegen Trump: So verwundbar sind die USA im Hinblick auf die wirtschaftlichen Abhängigkeiten
... das Thema schien abgearbeitet und begraben - aber der "Deal" wackelt
Zitat:Trumps weitere Optionen – und Europas entscheidendes Druckmittel
Nach Trumps Erhöhung des neuen Basiszolls auf 15 Prozent ist in Brüssel die Rede von einem „Bruch des Deals“ mit der EU. Die selbstbewusste Sprache hat einen Grund: Der US-Präsident hat noch weitere Optionen, doch die EU sieht sich in einer besseren Position.
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Nach Trumps Niederlage vor dem Supreme Court, der am Freitag seine bisherige Zollpolitik in Weiten Teilen für verfassungswidrig erklärte, suchte sich der US-Präsident eine neue Rechtsgrundlage, auf deren Basis er einen globalen Zoll von 15 Prozent erheben will. Individuelle Zollsätze für einzelne Länder wie bisher kann er nicht mehr festlegen. Brüssel, das bisher auf ein Abkommen mit den USA gesetzt hatte, steht nun vor der Frage, welche Möglichkeiten Europa hat, sich gegen diese universelle Handelspolitik zu wehren.
Keine 24 Stunden, nachdem Trump am Freitag wütend im Weißen Haus vor die Presse trat und einen globalen Basiszoll von zehn Prozent ankündigte, legte er nach. Nach einer „gründlichen“ Prüfung des Supreme Court Urteils, kam er zu der Erkenntnis, dass er unter der alternativen Rechtsgrundlage auch mehr verlangen kann. So erlaubt es der Trade Act von 1974 dem Präsidenten, für 150 Tage bis zu 15 Prozent Einfuhrzoll zu erheben. Das werde man nun tun, so Trump am Samstag.
In Europa wurde das mit Unmut aufgenommen, denn die neue Grundlage zieht einen höheren Zollsatz als den im vergangenen Jahr im europäisch-amerikanischen Handelsabkommen vereinbarten nach sich. Darin hatte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit Trump einen Einfuhrzoll auf europäische Waren von 15 Prozent ausgehandelt. Der am Samstag verhängte Zoll von 15 Prozent wird allerdings auf die ohnehin geltenden WTO-Zöllen, die die USA erheben, aufgeschlagen. Unter dem Strich wird auf EU-Waren also ein Zollsatz von mindestens 18,1 Prozent auf die meisten Güter und 20,1 Prozent auf Landwirtschaftsprodukte fällig.
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Aus Brüssel kamen zunächst zurückhaltende Statements, doch das änderte sich am Sonntag. „Ein Deal ist ein Deal“, hieß es in scharfem Ton von der EU-Kommission. Die derzeitige Situation sei „nicht dienlich“, die im Handelsabkommen des vergangenen Jahres vereinbarten Bedingungen zu erfüllen. „Die EU erwartet, dass die USA ihre Zusagen einhalten.“ Konkret hieße das, dass für europäische Produkte kein höherer Zollsatz gilt, als man vereinbart hatte.
Der Vorsitzende des mächtigen Handelsausschusses des EU-Parlaments, Bernd Lange (SPD), fand am Sonntag ebenfalls deutliche Worte. Die Bedingungen des geschlossenen Zollabkommens „haben sich geändert“, schrieb er auf X. Trumps neuer Basiszoll von 15 Prozent „stellt einen Bruch mit der Vereinbarung mit Europa dar“, sagte er zu Politico.
https://x.com/berndlange/status/2025524386879480295
Das trifft nicht nur auf die Handelsabkommen zwischen der EU und den USA zu. Auch die Deals, die Trump mit Großbritannien oder Japan geschlossen hat, seien dadurch verletzt, sagte Ed Gresser, Vizepräsident des Progressive Policy Institutes in Washington zu WELT.
EU-Politiker Lange will deshalb an diesem Montag dafür sorgen, dass das Gesetzgebungsverfahren zur Umsetzung des Handelsabkommens erneut ausgesetzt wird. Damit zieht er in letzter Minute die Notbremse, denn am Dienstag wollte der Handelsausschuss eigentlich final grünes Licht geben. Folgen seine Kollegen ihm, dann greift die EU erneut zu jenem scharfen Schwert, das es auch schon nach Trumps Grönland-Eskalation eingesetzt hat. Es war die Aussetzung des eigentlich für die USA vorteilhaften Handelsdeals und die Androhung von Gegenmaßnahmen – die der französische Handelsminister Nicolas Forissier bereits wieder ins Spiel brachte – die Trump zum Einlenken brachte.
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... im Weißen Haus dürfte die Erkenntnis eingesetzt haben, dass man zwar alternative Wege finden kann, trotzdem Zölle zu erheben, die aber bei Weitem nicht so gut sind wie die bisherige Rechtsgrundlage des International Emergency Economic Powers Act.
Der globale Basiszoll von 15 Prozent verliert zum einen nach 150 Tagen seine Gültigkeit. Zum Zweiten muss er für alle Länder gleichermaßen gelten. Trump verliert also die Zolldrohung als Instrument, sich andere Länder gefügig zu machen, sei es in Handelsfragen oder bei ganz anderen Themen.
Hinzukommt, dass die von Trump nun herangezogene Section 122 des Trade Acts dem Präsidenten erlaubt, Zölle zu erheben, um Zahlungsbilanzdefizite auszugleichen, nicht Handelsbilanzdefizite. „Es ist also fraglich, ob der 15-Prozent-Zoll vor Gericht standhält“, so Wirtschaftsexperte Gresser.
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Bleiben also nur noch die angekündigten sektoralen Zölle auf Grundlage der Section 232 des Trade Expansion Acts. Dieses Gesetz dient bereits als Grundlage für die Stahl- und Aluminiumzölle. Hier kann Trump weitere Sektoren in den Blick nehmen, jedoch gelten die Zölle dann für alle Länder.
https://www.welt.de/oembed/?url=https%3A...alone.html
Auch die von Trump bereits genutzte Section 301 des Trade Acts dürfte sich nicht als Allheilmittel erweisen. Sie erlaubt dem Präsidenten, zur Bekämpfung unfairer Handelspraktiken Zölle gegen ein bestimmtes Land zu verhängen. So ist das gegen China bereits geschehen. Das geht aber nur nach intensiver Untersuchung.
Am ehesten schlagkräftig gegen Europa dürfte die Section 338 des Tariff Acts von 1930 werden, die dem Präsidenten erlaubt, Zölle von bis zu 50 Prozent gegen Länder zu erheben, die unfaire Handelspraktiken gegen die USA an den Tag legen. Damit gemeint sind nicht nur Zölle, sondern auch Regulierungen und andere Maßnahmen. Dieses Gesetz könnte also als Rechtsgrundlage dienen, wegen europäischen Regulierungen amerikanischer Firmen hohe Zölle gegen die EU zu verhängen. Angewandt wurde es in der Geschichte der USA noch nie – entsprechend gewagt wäre ein Einsatz.
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(16.02.2026, 11:21)Kongo Erich schrieb: ...
In den USA wird gerade erneut auf die einzelnen Nationalstaaten in Europa gesetzt - und eine Stärkung der nationalistisch geprägten Staatsspitzen gewünscht. Da finden nicht grundlos derzeit Besuche in der Slowakei und in Ungarn statt. Das hat natürlich neben dem politischen Aspekt (Teile und herrsche) auch wirtschaftliche Gründe. Denn diese Kleinstaaterei ist dann vollends auf die US-Rüstungsindustrie angewiesen, weil die Kleinstaaten für sich alleine genommen moderne Systeme gar nicht mehr alleine entwickeln können.
... ich möchte nicht behaupten, dass eine Folge des Besuches von Rubio in der Slowakei und Ungarn jetzt auf dem Tisch liegt.
Aber die Namen der Beteiligten und der zeitliche Zusammenhang sind dann doch ein bemerkenswerter Zufall:
Zitat:Reisners Blick auf die Front
"Die Ukrainer stoßen vor wie im Ersten Weltkrieg"
23.02.2026, 17:26 Uhr
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... Es kommt noch etwas dazu: Das europäische Hilfspaket wird gerade massiv in Frage gestellt. Ungarn und die Slowakei haben angekündigt, dass sie die Zusage für das 90-Milliarden-Paket verweigern werden. Ungarn befindet sich im Wahlkampf, am 15. April wird gewählt, und zum ersten Mal seit 15 Jahren wackelt die Position von Präsident Viktor Orbán. Der will die Blockade für das Hilfspaket erst aufheben, wenn wieder Öltransit nach Ungarn über die Druschba-Pipeline erfolgt. Orbán macht mit seiner Weigerung vor allem Innenpolitik. Die Ukraine gerät dadurch zusätzlich unter Druck, denn die Luftangriffe der Russen verursachen derzeit schwere Schäden.
...
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Das die beiden Länder trotz des ölmangels weiter über 50% der notstromlieferungen abdecken aus der EU findet man bei der heuchelei nicht erwähnenswert anscheinend. Es ist ja nicht so das aus genau diesem Öl der Strom produziert wird den die Ukraine so dringend braucht. Und anstatt die stromlieferungen einzustellen hat man in Ungarn schon die notreserven angezapft.
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Die Ukraine kann nichts dafür, dass Russland das Land überfallen hat, durch das die Pipeline führt, und das Russland offenbar auch die Pipeline bombardiert und so den Transport unterbrochen hat,
Abgehsehen davon - nach der "Badischen Zeitung" ist die Pipeline in Weißrussland und nicht der Ukraine unterbrochen
[Bild: https://ais.badische-zeitung.de/piece/0b...-w-980.gif]
die Ukraine kann also möglicherweise gar nichts für die Unterbrechung der Öltransporte (allerdings gab es auch Meldungen, dass die Ukraine die wichtigen Pumpstationen Nikolskoje im zentralrussischen Gebiet Tambow und die Pumpstation Unetscha in der Region Brjansk angegriffen hat.
Wobei es mich schon etwas wundert, dass nach Jahren immer noch Ungarn und "die Slowakei weitgehend von den durch ein Kriegsgebiet führenden Öllieferungen aus Russland abhängig" sind. Ich frage mich woran das liegt. Andere Staaten konnten sich doch auch von der Abhängigkeit von russischem Öl befreien.
Beide Staaten haben keinen Meereszugang. Derzeit (jetzt erst?) laufen technische Vorbereitungen dafür, dass Erdöl aus Kroatien über Ungarn in die Slowakei geliefert werden und zumindest einen Teil des Bedarfs decken kann.
Kann man da nicht wenigstens mit Tank-/Ölzügen von westeuropäischen Verladestationen aus einen Ausgleich schaffen?
Und - ja - die Slowakei stellt der Ukraine keinen Notstrom mehr bereit
Es müsste doch möglich sein, den bestehenden Pipeline-Strang über Rostock - Schwedt und Leuna zu nutzen, die Verbindung nach Prag (ggf. mit Bahntransporten) zu schließen und dann weiter die Slowakei und Ungarn zu vorsorgen?
[Bild: https://static.dw.com/image/48593264_7.png]
oder die Pipeline vom Omisaj in Kroatien für den "umgekehrten Transport" - also umgedrehter Pumprichtung - nach Ungarn und dann in die Slowakei zu nutzen.
Was ist in den Jahren seit Beginn des Krieges denn diesbezüglich getan worden?
Hier nochmal ein Überblick über die bestehenden Pipelines bzw. das Pipeline-Netz:
[Bild: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/c...Europe.png]
Quelle: Wikipedia
Die Adria-Pipeline führt vom Entladehafen Omisaj (Kroation) nach Ungarn und könnte wohl seit Jahren mit der Druschba-Pipleine verbunden werden,
und die Druschba-Pipeline ist von Prag über Ingolstadt bis Karlsruhe verlängert - also wenn die nicht genutzt werden können ...
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