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(13.01.2026, 16:51)Nightwatch schrieb: Iran hat offiziell 2000 Tote eingeräumt. Da muss man davon ausgehen, dass die tatsächlichen Opferzahlen weit höher liegen.
https://www.ynetnews.com/opinions-analys...bksk7oxrwx
Dröhnendes Schweigen. Vor allem von denen, die sich als um Gaza ging gar nicht mehr eingekriegt haben. Auch hier. wen meinst Du mit dem "dröhnenden Schweigen"?
Iran: Amnesty fordert Ermittlungen des Internationalen Strafgerichtshofs
Zitat:Irans Regime lässt die landesweiten Proteste mit Gewalt niederschlagen. Menschenrechtler sprechen von massenhaften Tötungen in »beispiellosem Ausmaß«.
15.01.2026, 17.59 Uhr
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Irans Wirtschaft zeigt sich erstaunlich widerstandsfähig, wie die Wirtschaftswoche dokumentiert:
Zitat:Hier floriert Irans Wirtschaft trotz Sanktionen
Die Proteste im Iran wurden durch eine Wirtschaftskrise ausgelöst. Doch Satellitenbilder zeigen eine gut laufende Produktion. Wie passt das zusammen? ...
---während sich große Teile der arbeitenden Gesellschaft wie etwa Händler oder Taxifahrer wegen der hohen Inflation kaum noch etwas für ihr Geld leisten können, scheinen Industrieproduktion und Exportgeschäfte munter weiterzulaufen.
Wie steht es also um die iranische Wirtschaft – und bei wem kommt das Geld am Ende an? ...
Konkret wird dann auch noch ein Beispiel für die Industrieproduktion genannt:
Zitat:Autobau im Iran
Hier baut der Iran trotz Sanktionen weiter Mercedes-Lkw
Donald Trump will Irans Handelspartner mit 25 Prozent Zoll belegen. Exklusive Satellitenbilder zeigen, dass sich daraus ein Risiko für die deutsche Autoindustrie ergibt. ....
... So zeigen neueste Aufnahmen, dass der iranische Auto- und Nutzfahrzeugehersteller Iran Khodro in seinen Werken nach wie vor große Mengen an Fahrzeugen europäischer Bauart baut.
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In einem Nutzfahrzeugewerk am südlichen Stadtrand von Teheran läuft noch immer ein schon 1958 vorgestellter Mercedes-Kurzhauber-Lkw vom Band – mit zwei oder drei Achsen. Die Fahrzeuge der sogenannten L-Baureihe sind allesamt orange lackiert, ihre prägnante Form ist auch aus dem All gut erkennbar. Tausende fertiger und halbfertiger Fahrzeuge dieses Typs standen am 6. Januar 2026 auf dem Werksgelände im Stadtteil Eslamabad. ...
Auf den Auslieferparkplätzen jenes Iran-Khodro-Diesel-Werkes stehen aber auch grau oder weiß lackierte moderne Lastwagen. Dabei handelt es sich offenbar ebenfalls um Modelle mit Mercedes-Bezug.
Iranischen Quellen zufolge sind dies Foton-Trucks der Baureihen Auman H4 und H5 aus einem Daimler-Joint-Venture in China, die im Iran montiert werden. Daimler ist dabei eigenen Angaben zufolge unter anderem in China in Technologie und Entwicklung involviert. Dabei handelt es sich praktisch um eine Art Billigmarke von Daimler Truck für den chinesischen Markt.
Niedriger aufgelöste Satellitenbilder aus den vergangenen Wochen zeigen zudem, dass es viel Bewegung auf den Auslieferparkplätzen des Werkes in Teheran gibt. Fertige Fahrzeuge werden abgeholt, neue Modelle zwischengeparkt. Das deutet auf eine solide laufende Produktion und Auslieferung hin.
Eigenen Angaben nach produziert der Nutzfahrzeugarm von Iran Khodro pro Jahr um die 15.000 Lastwagen. Iran Khodro Diesel baut dabei nicht nur für den iranischen Markt, sondern exportiert auch Fahrzeuge, etwa in zentralasiatische Staaten, in den Irak und nach Afrika.
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Iran-Geschäfte von Peugeot Citroën
15 Kilometer nordwestlich liegt ein weiteres Iran-Khodro-Werk. Hier baut das Unternehmen Pkw. Die riesigen Auslieferparkplätze sind gefüllt mit Abertausenden Fahrzeugen, schwarz oder weiß lackiert. Dabei handelt es sich offenbar auch um Autos, die auf einer gemeinsamen Plattform von Peugeot und Citroën basieren. Denn auch die französischen Hersteller hatten in der Vergangenheit Interesse am Iran gezeigt.
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@Kongo Erich
Zitat:Irans Wirtschaft zeigt sich erstaunlich widerstandsfähig, wie die Wirtschaftswoche dokumentiert:
Ich wäre hier etwas vorsichtiger. Irans Wirtschaft leidet sehr stark unter den Sanktionen, es fehlt teils an nötigstem Kleinkram.
Wenn die WiWo hier von Lastwagenfabriken schreibt, dann muss bedacht werden, dass diese Fabrikation strategisch wichtig ist. Einerseits dienen diese Laster auf den Routen nach Zentralasien und Aserbaidschan als wichtigsten Transportmittel - auf sie zu verzichten oder sie zu vernachlässigen, wäre kaum entschuldbar. Hinzu kommt, dass diese Lastwagen andererseits auch militärisch betrachtet wichtig sind, entweder in der Logistik oder als TEL-Schlepper. Dass der Iran also diese Fabrikation massiv am Laufen hält, notfalls unter Vernachlässigung anderer Produktionseinrichtungen, ist aus Teherans Sicht nur logisch. Es ist aber kein Beleg für eine Resilienz gegenüber Sanktionen.
Schneemann
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Man sollte zwischen Exportwirtschaft, Importwirtschaft und heimischer Produktion für den eigenen Markt unterscheiden und bei Import und heimischem Markt die Entwicklung der Kaufkraft berücksichtigen.
Natürlich kann ein Zerfall der eigenen Währung ein Exportvorteil sein, weil das Ausland spottbillig einkaufen kann (wenn die Produktion mit heimischen Rohstoffen erfolgt) entsprechend gibt das der Exportwirtschaft Auftrieb, während die Bevölkerung unter Rückgang der Kaufkraft Hunger leidet.
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(18.01.2026, 09:50)Schneemann schrieb: @Kongo Erich
Ich wäre hier etwas vorsichtiger. Irans Wirtschaft leidet sehr stark unter den Sanktionen, es fehlt teils an nötigstem Kleinkram.
Wenn die WiWo hier von Lastwagenfabriken schreibt, dann muss bedacht werden, dass diese Fabrikation strategisch wichtig ist. Einerseits dienen diese Laster auf den Routen nach Zentralasien und Aserbaidschan als wichtigsten Transportmittel - auf sie zu verzichten oder sie zu vernachlässigen, wäre kaum entschuldbar. Hinzu kommt, dass diese Lastwagen andererseits auch militärisch betrachtet wichtig sind, entweder in der Logistik oder als TEL-Schlepper. Dass der Iran also diese Fabrikation massiv am Laufen hält, notfalls unter Vernachlässigung anderer Produktionseinrichtungen, ist aus Teherans Sicht nur logisch. Es ist aber kein Beleg für eine Resilienz gegenüber Sanktionen.
Schneemann
In den letzten 10 Jahren ist das reale BIP (inflationsbereinigt) um ca. 28% gewachsen, das ist nicht enorm aber immerhin etwas (Deutschland im Vergleichszeitraum nur um 11%). Der Massenaufstand findet nicht aus wirtschaftlichen Gründen statt, sondern weil immer mehr Iraner die Nase voll davon haben sich von Islamisten unterdrücken lassen zu müssen. In den letzten 20 Jahren wurden zwei Drittel aller iranischen Moscheen geschlossen, weil sie fast niemand mehr besucht hat. Nach Schätzungen sind inzwischen über die Hälfte der Iraner in Wahrheit Atheisten oder Christen geworden, nur dürfen sie dies nicht öffentlich äußern, weil auf "Abfall vom Glauben" im Iran immer noch die Todesstrafe droht. Diese Zustände wollen eben immer weniger Iraner, vor allem Jugendliche, akzeptieren.
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Allgemein:
Man spricht immer nur über die Toten, und macht die Anzahl der Toten zur Messgröße. Aber was ist mit den Verletzten? Den betroffenen Familien?
Laut iranischen Ärzten liegt die Zahl der bei den Demonstrationen Verletzten Menschen inzwischen im Bereich um die 300.000.
Rein persönlich gehe ich zudem sehr sicher von einer niedrigen fünfstelligen Anzahl von Toten aus.
Dazu kommen noch Massenverhaftungen, Massenfolterungen, Hinrichtungen. Reihenweise wurden Frauen wie Männer verschleppt um gefoltert zu werden.
Und da hier über die iranische Wirtschaft geschrieben wurde, ein wesentlicher Grund für die aktuellen Proteste etc. ist gerade eben die schlechte Wirtschaftslage. Wenn das Regmie es hinkriegen würde, dass die Wirtschaft nicht derart kollabiert, würden die Iraner die Unterdrückung durchaus hinnehmen.
https://www.aljazeera.com/features/2026/...y-protests
Kurz und einfach:
Der Iran ist aktuell überrreif für einen Umsturz bzw. Bürgerkrieg.
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Die Welt berichtet mittlerweile von bis zu 30.000 Toten
Bis zu 30.000 Tote an zwei Protesttagen im Iran
https://www.welt.de/politik/ausland/arti...richt.html?
Gibt auch noch Zahlen die noch nochmal deutlich höher liegen. Weiterhin keine Reaktion der Berufsempörten.
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(18.01.2026, 12:09)Quintus Fabius schrieb: ...
Kurz und einfach:
Der Iran ist aktuell überrreif für einen Umsturz bzw. Bürgerkrieg. das ist wohl vergebliche Erwartung. Anlässlich des Schahsturzes waren deutlich mehr Menschen demonstrierend auf den Straßen und das über einen deutlich längeren Zeitraum.
Heute sieht man, dass zwar einzelne Straßen durch Demonstranten blockiert sind - aber in der Parallelstraße läuft der Verkehr normal weiter.
Und seinerzeit war der Bazar über Wochen, wenn nicht gar Monate hin zu. Das können isch heute kaum mehr Händler wirklich leisten.
Dazu kommt die stark religiöse Einstellung, die - entgegen unserem westlichen Ideal - dem Koran und den Theologen die Gestaltungshoheit auch für die staatliche (Rechts-)Ordnung zuspricht.
Von innen heraus wird das Regime also kaum gestürzt werden. Bleibt die Hoffnung von aussen?
Ein Eingreifen etwa der USA ???
Träumt wer? Der Iran ist nicht Venezuela. Da hilft weder eine Blitzentführung noch ein längeres Bombardement. Die islamische Miliz wird treu zu dem Staatsgebilde stehen, das ihr nicht nur Machtsondern auch Bereicherung ermöglicht hat.
(25.01.2026, 15:22)Nightwatch schrieb: .... Weiterhin keine Reaktion der Berufsempörten. Der Herr hat mir nicht die Gabe geschenkt, zu erkennen, wo ich etwas bewirken kann und mich nur dort zu echauffieren. Aber sogar in meiner Beschränktheit verstehe ich, dass Empörung allenfalls mein schlechtes Gefühl erleichtert (da hast jetzt doch was getan) und nicht im Geringsten irgendjemand echte Hoffnung geben kann.
Insofern ist es in den USA und sogar bei Israel etwas anders. Da schwingt wenigstens noch die unterschwellige Hoffnung mit, gemeinsam mit anderen "Berufsempörten" (nein, ich werde für mein Engagment nicht bezahlt, auch nicht aus Moskau oder China) etwas bewirken zu können.
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Nicht schlecht die Argumentation, man behauptet einfach das die Mullahs nicht gestürzt werden können und begründet dann damit, dass man die tatsächlichen - um eine Vokabel von heute zu verwenden - Exzesse auch igorieren kann.
Aber wenn Israel in Gaza einen sehr normalen Krieg führt oder in den USA wegen zwei bedauerlichen Vorfällen 1933 hervorkriecht steppt der Bär und die dazu gäußerte Empörung hilft ganz bestimmt, die Dinge zu ändern.
Zitat:From trusted source in Tehran: Tell all of your friends [abroad], everyone you know: there is absolutely nothing else we can do here inside Iran. Nothing. They are killing people in such ways, they’ve descended upon people so brutally, they're attacking us in such ways... We’ve lost so many lives that no one dares go out anymore. They shoot directly with bullets. They kill outright. And even after killing, they come and behead you, and do countless other violent things to you.
For God’s sake, whatever can be done, you are the ones who can do it. You must not abandon these gatherings. All of you must keep these protests going. We cannot do anything inside Iran. Going out into the streets is literally suicide. It’s not about bravery anymore. It’s madness. You go out and they shoot you point blank. They don’t even ask why you came. They just kill you.
There is absolutely no way for us to gather unless we had weapons, unless we were armed like them. Otherwise they have weapons everywhere. There has been so much killing. So much.
So whatever is to happen now is up to you. You are the ones who can somehow save us. [Breaks down into a sob. Crying, the caller continues...] When you see what’s happening, when you hear what’s happening… I’ve done so much yelling and choked on so much teargas, my voice is bad.
We follow what you're doing. When we see you gather in protest in front of an embassy it brings us joy. It still gives us a lingering hope that we can do something. It's your responsibility now. We did absolutely everything we could. As our fellow Iranians it's your responsibility. You can influence foreign policy. You can tell the world what's happening. The placards you hold. The YouTube videos. Distributing images and video. Gathering in front of embassies. Even if you have just the weekends. Please do something for us on Saturdays and Sundays. Please don't let your gatherings get smaller as the weeks go on. No one will stop you there. No one will kill you. No one is singling you out. We don't even have the freedom to walk about in our own town. We no longer even know who is friend or foe.
We don’t even know who we’re speaking to anymore. We no longer know if those recounting what's happening is an enemy. Because if one wrong word slips from our mouths, they turn us into a corpse even before we've had a chance to return home.
For God’s sake, I beg of you, don’t abandon these gatherings. Our only hope now is you. What’s now obvious is that America won’t do anything. You’re our only hope. Please tell your friends. You’ve seen how many young people have been killed. So many, so many young people. For the sake of the youth.
I know that based on the videos that have reached Iran International [satellite station] since yesterday, now that the internet has come back briefly, they will probably cut the internet again and people will go into silence, the country will go back into a blackout.
For God’s sake, please help us. Help us save our country from these people. Stand together so we can live in a flourishing country. For God’s sake, help us.
We are in Tehran. What I saw in Tehran, and what they’re saying about the provinces and small towns... They couldn’t fully control Tehran’s gatherings with the forces they had, but in the small towns it was killing after killing. Towns with populations of only 20 or 30 thousand people truly had many deaths. Thousands, hundreds…
The things we’ve heard, the things we’ve seen go far beyond mass killing. It was horrific. Truly horrific.
I beg you. I beg you. Don’t abandon these gatherings. Please. #Iran #IranMassacre
https://x.com/TehranBureau/status/2015801964538298835
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Nachdem die EU nach langem Zögern, etwa Italien und Frankreich waren teils dagegen, um die Atomverhandlungen nicht zu gefährden, die IRGC auf die Terrorliste gesetzt hatte - ausschlaggebend waren die zehntausenden Toten bei den jüngsten Protesten...
Zitat:EU designates Iran's Revolutionary Guard a terror group
The bloc's foreign ministers made the symbolic move in response to the brutal clampdown on protests in Iran. Meanwhile, Brussels has also imposed sanctions on 15 Iranian officials and six "entities." [...]
"This was long overdue," EU chief Ursula von der Leyen said, praising the decision. "'Terrorist' is indeed how you call a regime that crushes its own people's protests in blood," von der Leyen added. Tehran criticized the move, calling it a "major strategic mistake." [...] Europe is instead busy fanning the flames," said Iranian Foreign Minister Abbas Araghchi in a post on X. Araghchi said the EU is "now making another major strategic mistake by designating our National Military as a supposed 'terrorist organization'."
https://www.dw.com/en/eu-expected-to-des...a-75709293
...hat Teheran nun mehrere europäische Streitkräfte, darunter auch die Bundeswehr (sic!), auf eine eigene Terrorliste gesetzt:
Zitat:Iran stuft EU-Streitkräfte als Terrororganisationen ein [...]
Der Iran stuft nun alle Streitkräfte von EU-Ländern als Terrorgruppen ein. Dies teilte der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Kalibaf am Sonntag mit. Damit reagierte Teheran auf einen jüngsten Beschluss von EU-Außenministern, die paramilitärische Revolutionsgarde der Islamischen Republik wegen ihres blutigen Vorgehens gegen regierungskritische Proteste als Terrororganisation einzustufen.
https://www.handelsblatt.com/politik/int...36895.html
Schneemann
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