Afghanistan
Die Taliban wurden in Russland per Gerichtsbeschluss von der Liste der Terrororganisationen gestrichen und werden von Russland als Regierung von Afghanistan anerkannt. Damit dürfte eine weitreichende Normalisierung der Beziehung der Taliban mit der russischen Föderation folgen.

Zielsetzung ist anscheinend vor allem anderen der gemeinsame Feind in Zentralasien in Form des IS-K.

https://www.rbc.ru/politics/17/04/2025/6...rom_main_1
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Pakistan scheint wohl verstärkt Abschiebungen nach Afghanistan vorzunehmen:
Zitat:Mehr als 120.000 Afghanen verlassen Pakistan

Pakistan will langfristig die Ausreise von drei Millionen Menschen nach Afghanistan erreichen. Nach Massenabschiebungen und Drohungen sind seit Monatsbeginn mehr als 120.000 ins Nachbarland ausgereist. Pakistan hat erneut mit umstrittenen Massenabschiebungen afghanischer Flüchtlinge begonnen. Seit Beginn der jüngsten Abschiebewelle Anfang April haben nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) etwa 127.000 Afghanen das Land verlassen. Der Großteil sei unter dem Druck der drohenden Abschiebung eigenständig ausgereist, so die UN-Organisation. Rund 26.000 Menschen seien abgeschoben worden. [...]

Seit Jahrzehnten suchen Millionen Afghanen Schutz vor Krieg und Konflikten im benachbarten Pakistan. Nach der erneuten Machtübernahme der Taliban in Afghanistan im Sommer 2021 flohen Zehntausende aus Angst vor Racheakten der Islamisten in das Nachbarland.
https://www.tagesschau.de/ausland/asien/...n-100.html

Schneemann
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Eine Randnotiz:

https://www.youtube.com/watch?v=v6OCcM5DoyE

Wer da glaubt, dass die Afghanen welche hierher nach Deutschland kommen querschnittlich anders denken, der irrt. Das ist dort eine Mehrheitsmeinung.

Dem folgend einfach aus Spaß hier mal den offiziellen Youtube-Kanal der Taliban:

https://www.youtube.com/@MODAfghanistan1/videos

Was für Zeiten. In denen die Taliban nun einen eigenen tatsächlich von ihnen betriebenen Youtubekanal haben.
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Zitat:Wer da glaubt, dass die Afghanen welche hierher nach Deutschland kommen querschnittlich anders denken, der irrt. Das ist dort eine Mehrheitsmeinung.

Vermute mal die Thesen stützen sich weniger darauf was der Malergeselle Hitler in Deutschland vor bald 100 Jahren literarisch festgehalten haben will, sondern die Frage ist doch, inwieweit die Sichtweisen dieses Afghanen von den beiderseitigen Realitäten zumindest im Nahen Osten über die Jahrzehnte geprägt sind. Da könntest Du einen beliebigen Israeli daneben stellen, der wird Dir das selbe aus anderer Perspektive erzählen. Die Aussage: "Die bösen Araber/Juden hassen uns alle von Natur aus, oder weil ihnen das von Kindesbein systematisch eingetrichtert wird von irgendwelchen Imamen/Zionisten" ist doch beliebig austauschbar. Dabei ist das nicht einmal wahr, weil auch Strömung gerade des radikalen Islam mit Strömungen des radikalen Judentums durchaus zurecht kommen. Auch kommen gemäßigte Araber mit gemäßigten Israelis zurecht. Nur gibt es da die zentrale geographisch, ethnische Konfliktlinien, die sind durch Realitäten getrieben aus meiner Sicht.
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Vor fünf Tagen war es soweit:
Zitat:Russland erkennt als erster Staat Taliban an
Stand: 04.07.2025 00:40 Uhr

Als erster Staat hat Russland die in Afghanistan herrschenden radikal-islamistischen Taliban anerkannt. Der afghanische Außenminister Muttaki spricht von einem "mutigen Schritt". Zuletzt hatten beide Länder ihre Handelsbeziehungen verstärkt.
...
ein Schritt, der einer inneren Logik folgt.
1.
Russland und die Taliban brauchen aktuell "Freunde" - und nachdem Russland schon Nordkoreas Kim hofiert ...
2.
Für Russland liegt es nahe, neben dem Iran auch weitere Staaten in der Region an sich zu binden, ohne dabei den Chinesen zu sehr ins Gehege zu kommen.
3.
Die Taliban scheinen mir eher der paschtunischen Bevölkerungsschicht zu entstammen.
Innerafghanisch waren das ab ca. 1995 bis zuletzt die erbitterten Gegner der "Nordallianz" mit dem Usbeken Dostum usw.
Das waren aber - erinnere ich mich falsch? - die wesentlichen Mudschaheddin-Gruppen, die 1979 - 1989 den Kampf gegen die sowjetischen Invasoren getragen haben.

Es ist ein bemerkenswerter Zufall, dass der IStGH einige Tage später ...
Zitat: Haftbefehle gegen Taliban-Anführer wegen Unterdrückung von Frauen
erlässt (Kopie hier)

Taliban-Führer, Putin und Netanjahu als Angeklagte vor dem IStGH; wenn das nicht bemerkenswert ist ...
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Kabul, immerhin mit geschätzt rund 4,5 Mio. Einwohnern, könnte bald das Wasser ausgehen, was bedeuten würde, dass die Stadt faktisch nicht mehr bewohnbar ist. Die Faktoren sind vielfältig: Quasi ein unkontrolliertes Bevölkerungswachstum, massive Grundwasserentnahmen, fortschreitender Klimawandel und Missmanagement. Hinzu kommt, dass es in dem kriegsgeschädigten Land keine Wasseraufbereitung gibt und Abwasser einfach abgeleitet wird, was die theoretisch noch nutzbaren Wasserressourcen mehr und mehr verseucht...
Zitat:For the first time in modern history a capital city is on the verge of running dry [...]

Kabul is inching toward catastrophe. It could soon become the first modern capital in the world to run completely dry according to a recent report by Mercy Corps, a non-government organization that warns the crisis could lead to economic collapse.

Population growth, the climate crisis, and relentless over-extraction have depleted groundwater levels, experts say, and nearly half the city’s boreholes have already gone dry. [...] Kabul relies almost entirely on groundwater, replenished by snow and glacier melt from the nearby Hindu Kush mountains. But years of mismanagement and over-extraction have caused those levels to drop by up to 30 meters over the last decade, according to Mercy Corps. Kabul now extracts 44 million cubic meters more groundwater each year than nature can replenish, Mercy Corps said, a staggering imbalance that’s steadily draining the city’s reserves and its residents’ finances. [...]

Up to 80% of Kabul’s groundwater is contaminated, according to Mercy Corps, a consequence of widespread pit latrine use and industrial waste pollution. [...] The crisis is further compounded by Kabul’s vulnerability to climate change.
https://edition.cnn.com/2025/07/19/asia/...t-intl-hnk

Schneemann
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Nachdem sich Afghanistan (mit wohlwollender Kommentierung aus Indien) und Pakistan "in die Wolle geraten" sind ist es nocht uninteressant, wer noch seine Augen auf auf Afghanistan geworfen hat:
Zitat: Machtpoker um Bagram: Wenn US-Interessen auf chinesische Dominanz treffen

US-Präsident Trump kokettiert mit Aussagen zur ehemaligen US-Basis in Afghanistan. Was hat der Schachzug mit China und den US-Wirtschaftsinteressen zu tun? Eine Analyse.


Afghanistan würden "schlechte Dinge" passieren, wenn die Taliban den US-Luftwaffenstützpunkt Bagram nicht "zurückgeben". Dies verlautete US-Präsident Donald Trump unter dem Verweis, auch eine Truppenentsendung nicht auszuschließen.

Aus dem Mund eines der mächtigsten Männer der Welt ist man mittlerweile viel heiße Luft gewohnt: ...
...
Könnte das im Falle Afghanistans anders sein?

Rückkehr nach überhasteter Flucht?
Die Bilder aus dem Sommer 2021 sind unvergessen. Nach dem Vormarsch der Taliban, den seit Jahrzehnten fanatisch-sunnitischen Widerstandskämpfern, mussten die US-amerikanischen Besatzer und ihre Entourage überstürzt das Land verlassen. Nach mehr als 20 Jahren hinterließen sie Chaos, Zerstörung, Korruption.

Vorwärts in die Vergangenheit unter Trump? Zunächst umrahmte Donald Trump seinen erwähnten Truth-Social-Post mit weiteren Aussagen vor Reportern. Während einer gemeinsamen Pressekonferenz aus Anlass seines London-Besuchs mit dem britischen Premier Starmer, sagte er: "Wir wollen diese Basis zurück."

Al-Jazeera zufolge teilte Trump den Reportern außerdem mit, dass man sich mit den Taliban wegen der Causa Bagram in Gesprächen befinde – "we are talking to them" sein Tenor.

Die Taliban wiesen die Aussagen zurück und betonten, dass Afghanistan seine territoriale Integrität niemals kompromittieren werde. Der Stabschef des afghanischen Verteidigungsministeriums, Fasihuddin Fitrat, wurde indes noch deutlicher: Ein Deal über "selbst einen Zentimeter afghanischen Bodens" sei nicht möglich.

Erbaut von Amerikanern?
In seinem ersten Truth-Social-Posting zum Thema suggerierte Trump mit der Aussage "man gab Ihnen (den Taliban) die Basis für nichts", dass die USA die Anlage gebaut hätten und damit ein Anrecht auf die weitere Inbetriebnahme hätten. Das ist schlicht falsch: Die Luftwaffenbasis, welche 40 Kilometer nördlich der afghanischen Hauptstadt Kabul liegt, wurde in den 1950er Jahren mit Hilfe des damaligen US-Hauptfeindes, der Sowjetunion, erbaut.

Nach dem Abzug der Sowjetarmee wechselte der Besitzer häufig: Nord-Allianz, Taliban, Nationalarmee. Mit dem 11. September übernahmen nach dem ersten Sturz der Taliban die USA die Basis.

Das US-Militär baute den Stützpunkt zu einer militärischen Großfestung aus. Er beherbergte eine über drei Kilometer lange Landebahn, ein berüchtigtes US-Gefängnis sowie Platz für mehrere Zehntausend US-Soldaten.

Am 2. Juli 2021, also knapp sechs Wochen vor dem endgültigen Abzug aus Kabul, verließen die US- und Nato-Truppen Bagram.

Nicht übersehen werden sollte der blanke Zynismus: Unter dem Decknamen "Cyclone" baute die CIA mit finanziellen Hilfen und Waffenlieferungen die Taliban, die afghanischen Mudschaheddin, im Krieg gegen die Sowjetunion auf. Man wollte Moskau "ein Vietnam" bescheren.

Die Mission war rückblickend betrachtet erfolgreich, doch nicht erst seit 2021 wuchs den USA ihr einstiger Zögling über den Kopf.

"Wegen China-Nähe"
Die aktuelle Begründung für ein mögliches neues US-Abenteuer in Afghanistan erscheint allzu durchschaubar. Wie der Tagesspiegel titelt, geht es um "China-Nähe und Rohstoffe".

Würde die US-Armee tatsächlich wieder Zugriff auf Bagram erhalten, wäre dies ein militärisch-geopolitischer Trumpf. Die Basis liegt weniger als eine Stunde von Chinas Kerngebieten entfernt, in denen Atom- und Raketenprogramme betrieben werden.

Bagram könnte eine erste Schneise in die Seidenstraßen-Initiative Beijings schlagen. In Afghanistan und der gesamten Region kulminieren die handelspolitischen Interessen Russlands, Chinas und der USA. Aktuell scheint Beijing deutlich die Nase vorne zu haben, da man Afghanistan allein wegen des uigurischen Unsicherheitsfaktors als prioritär betrachtet.

Bagram würde den USA jedoch auch weitere Spielfelder eröffnen: militärische Logistik, schnelle Verlegungen, Luftoperationen und Aufklärung – nicht nur gegenüber China, sondern auch gegenüber Russland und dem Iran. So deutet die im Iran erscheinende Tehran Times Bagram als potenzielle Bedrohung für das Land.

US-nahe Kommentatoren machen zudem auf zwei Umstände aufmerksam: Zum einen steht Trump permanent unter innenpolitischem Ablenkungszwang, zum anderen ist die Region auch die Brutstätte neuer terroristischer Gruppen wie dem afghanisch-pakistanischen Ableger des Islamischen Staates (Isis-K oder Al-Qaida), welche nur vor Ort wirkungsvoll ausgeschaltet werden könnten.

It's the economy, stupid!
Einerseits verfügt Afghanistan über große Vorkommen seltener Mineralien wie Kupfer, Eisen und Lithium, andererseits stellt es einen entscheidenden Transitkorridor für Waren dar. Beides steht aktuell unter chinesischer Brics-Suprematie.

China befindet sich seit 2021 im Austausch mit der neuen Staatsspitze. So wurden Rohstoffe gesichert, die für Chinas Energienetz und die High-Tech-Industrie relevant sind. Erste Projekte des gemeinsamen Abbaus wie dem Amu-Darya-Ölprojekt oder dem Mes-Aynak-Kupferbergwerk wurden begonnen.

In Bezug auf Infrastruktur lockt Beijing: Afghanistan soll in die Belt and Road Initiative (BRI) integriert werden. Handelswege sollen ausgebaut, Transportverbindungen verbessert und die Zoll- und Grenzinfrastruktur modernisiert werden. Beispielsweise bestehen Gespräche über den Anschluss an den China-Pakistan Economic Corridor (CPEC). Dabei gilt es zu bedenken, dass die westlichen Regierungen seit Jahren die Taliban moralisch ächteten.

Jene vertrauenszerstörende Dünkel existieren auf chinesischer Seite nicht: Beijing betonte stets die Nichteinmischung in innere Angelegenheiten und schlug selbst bei der unangenehmen Frauenrechtsthematik leise Töne an.

China zeige sich "besorgt" über die Situation der Frauen, gleichwohl gingen damit keine Sanktionen einher. Angesichts eines mehr als einseitigen Handelsvolumens zwischen Afghanistan und der Volksrepublik in Höhe von 1,3 Milliarden US-Dollar 2023 herrscht in China ein politischer Realismus, gepaart mit einem wirtschaftlichen Pragmatismus.

Reden ist Silber
Die Zeit wird weisen, ob und wie ernst es Donald Trump mit seinen Äußerungen meint. Nichtsdestotrotz markiert seine Wortwahl einen rhetorischen Kurswechsel, hin zu einer deutlichen Zuspitzung. Da die Drohung sehr unspezifisch blieb, ist Platz für mögliche Szenarien.

Dabei beinhaltet eine tatsächliche militärische Rückkehr immense Risiken. Nicht nur, dass damit der US-Ansatz eines Rückzuges vom Amt des vermeintlichen "Weltpolizisten" unterlaufen werden würde, sondern auch weil internationale Reaktionen, der Widerstand der Taliban und etwaige Folgekosten unkalkulierbar hoch wären.

Nichtsdestotrotz belegt der rhetorische Seitenhieb zu Afghanistan die massive Relevanz der gesamten Region in den Strategien der USA. Kampflos ist man nicht gewillt, der chinesischen Dominanz zuzuschauen. Mit Israel und abgeschwächter mit Saudi-Arabien verfügen die USA über zwei potenzielle, militärisch-gerüstete regionale Statthalter.

Gleichwohl bietet die rhetorische Eskalation auch das Potenzial, dass sich die Taliban sowohl deutlicher in Richtung China, als auch gegenüber dem Iran und Russland öffnen werden. Mit einer Verstetigung des Weges der Taliban unter US-Druck bisher wäre das exakte Gegenteil der Ziele Trumps erreicht.
abgesehen davon, dass auch Indien seinem ostasiatischen Rivalen China zumindest in Afghanistan gerne einen Riegel vorschieben würde, schon um damit den Pakistani in deren Rücken treten zu können ...
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