EU vs. USA
The Case for an American Greenland - aus Europäischer Sicht

Hier mal ein Versuch kurz und grob zu skizzieren, welche Vorteile es für Europa hätte wenn man Grönland an die Amerikaner abgeben würde:

1. Amerikanische Konzessionen

Trump sieht sich als der ultimative Dealmaker, und Grönland ist ein ziemlich ultimativer Preis für ihn. Entsprechend dürfte er bereit sein, für Grönland auch einen hohen Preis zu bezahlen – buchstäblich wie im übertragenen Sinne. Hier wäre europäische Kreativität gefragt. Die Grönländer über Nacht zu Millionären zu machen und die Staatsverschuldung Dänemarks auf null zu reduzieren (zurzeit läppische 140 Milliarden Euro) ist das eine. Trump noch weitere Milliarden aus der Tasche zu ziehen würde in dieselbe Kerbe schlagen.
Was ist daneben noch möglich? Eine Angleichung der amerikanischen Haltung im Ukraine-Krieg? Eine Intensivierung der Unterstützung? Kleinkram wie: Die Amerikaner lassen uns arktische Bodenstationen für militärische Satelliten vollumfänglich mitnutzen?
Oder wie wäre es mit einer dauerhaft in Polen stationierten US-Division? Oder gleich im Baltikum? Vielleicht ein Air-Force-Geschwader mit dazu? Europa könnte sich mit einem Schlag seiner Horrorszenarien an der Ostflanke entledigen und die Amerikaner in der NATO zementieren.

2. Wirtschaftliche Ausbeutung

Ja, natürlich: Das Schürfen von Seltenen Erden kann eine ziemlich belastende Angelegenheit sein. Stellen wir eine Kerze für die grönländischen Eisbären auf oder so. In der Welt, in der wir leben, kommen wir an zwei Wahrheiten nicht vorbei:
Sowohl die Amerikaner als auch wir Europäer benötigen dringend eigene sichere Bezugsquellen für Seltene Erden, wenn wir nicht komplett gegenüber China erpressbar sein wollen.
Die Seltenen Erden in Grönland zu schürfen wird mit europäischer Bürokratie und Naturschutzauflagen sowie bestens kuratierten politischen Widerständen in Grönland weiterhin nicht stattfinden.
Unter amerikanischer Verwaltung bestehen hingegen noch viel eher realistische Chancen, dass man unbeliebte Projekte durchboxen kann. Auch hier wäre dann seitens der Europäer bei den Verhandlungen Kreativität gefragt: Man könnte festschreiben lassen, dass ein Teil der Gewinne an die Grönländer zurückfließt. Oder gleich in Ursulas Brüsseler Kriegskasse. Und natürlich kann man europäischen Unternehmen auch Schürfrechte herausverhandeln.

3. Die offene Nordflanke

Ich verstehe offen gesagt nicht, dass das kaum jemand sieht. Grönland ist für die Dänen und damit Europa viel Verantwortung ohne Nutzen. Weit weg, kalt, ohne Infrastruktur, irrsinnig groß und angesichts der Klimaveränderungen in einer immer wichtiger werdenden Weltgegend. Ein einziger Klotz am Bein, ein (auch nach Trump) Reibungspunkt mit jeder europaskeptischen US-Administration und Russen und Chinesen vor der Tür, die in den kommenden Jahren und Jahrzehnten schauen und testen werden, was so geht.
Warum will Europa sich das eigentlich antun? Die Nordflanke wenigstens der Europäischen Union ist schon an und für sich ein riesiges Problem. Norwegen ist nicht in der EU. Das Vereinigte Königreich nicht mehr. Island ist nach wie vor ein Fragezeichen, aber keine militärische Hilfe. Eher der nächste Klotz am Bein. Vor diesem Hintergrund ist Grönland keine europäische Bastion im Nordmeer, sondern ein einziges schwarzes Loch, das kümmerliche militärische Expeditionsfähigkeiten aufsaugen wird.
Eigentlich sollte man meinen, dass die Europäer den Amerikanern dankbar wären, wenn sie sich dieses Problems entledigen können und die nördlichen Ambitionen auf die Nordsee beschränken könnten.
Freilich, wer meint, dass die Amerikaner im Rahmen der NATO weiterhin und für den Rest des Jahrhunderts die militärischen Aufgaben Europas übernehmen und bezahlen werden, während man sich selbst fein zurücklehnt, kommt auf solche Überlegungen nicht. Nur wie wahrscheinlich ist, dass das Spiel die nächsten Jahrzehnte so weiter läuft?

4. Die USA als Verbündeten im Großraum halten

Es ist mittlerweile eine Binse, dass Amerika sich in den pazifischen Raum orientiert und es am liebsten hätte, wenn die Europäer selbst und eigenverantwortlich ihre Sicherheitsinteressen gegenüber va Russland wahren könnten. Es steht angesichts der notgedrungenen europäischen Aufrüstung zu befürchten, dass die Amerikaner sich perspektivisch angesichts des militärisch stärkeren Europas und der immer größer werdenden Herausforderung im pazifischen Raum schneller und umfangreicher aus dem europäischen Raum zurückziehen, als uns lieb sein kann.
Im ganz großen strategischen Rahmen gedacht kommt auch noch die Gefahr hinzu, dass die Amerikaner Russland aus der Allianz mit China herausbrechen, indem man auf ihre Forderungen und Interessen gegenüber Europa mehr eingeht als bislang.
Eine Übernahme Grönlands durch die USA würde diesen Entwicklungen und Bestrebungen dahingehend einen Riegel vorschieben, dass ein amerikanisches Grönland sich sicherheitspolitisch zwingend gegen Russland richtet. Es hält die Amerikaner und insbesondere die US Navy mit relevanten Kräften im Nordatlantik und bildet ein sicherheitspolitisches Band der USA zur NATO und zu Europa. Anders gesagt: Mit Grönland haben die USA plötzlich wieder dauerhaft handfeste Interessen, und Europa kann sie weiterhin im eigenen Sinne einspannen.
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Gegenvorschlag: Ausreichend Milliarden für Grönland und für Dänemark. Und mit Abschluss des Verkaufs müssen Grönland, Puerto Rico, Virgin Islands, American-Samoa, usw. und natürlich D.C. vollwertige US Staaten mit voller Repräsentation im Kongress werden. Unverzüglich. Das wäre doch ein toller Deal. Da würde ich sogar unterschreiben, dass das großartig für uns wäre. Wink
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Die USA können bereits jetzt (wie schon seit Jahrzehnten) weitreichend auf Grönland agieren. Sollte es militärische Aspekte geben, die dadurch evtl. noch nicht abgedeckt sind, dürfte niemand etwas dagegen haben, diese nachzuverhandeln.

Sollten die USA tatsächlich den "Golden Dome" bauen wollen und sich dieser auch realisieren lässt, wäre eine Station auf Grönland gemäß Absatz 1 möglich. Dessen ungeachtet zeigen amerikanische Untersuchungen, dass ein Stützpunkt auf US-Festland ebenfalls geeignet wäre. (Und sicher besser zu versorgen wäre.)

Die Darstellung von NATO-Verpflichtungen als ausschließlichen Belastungen für die USA, dazu noch auf Kosten der Europäer, ist zu einseitig. Eine US-Engagement im Rahmen bestehender Verträge würde sowohl US- also auch (Rest-)NATO-Interessen bedienen.

Es wäre US-Unternehmen bereits jetzt möglich, in den Rohstoffabbau einzusteigen, aber es gibt dort kein Interesse. Das mag sich in der Zukunft ändern. Aber auch hier ist die Frage, warum die jetzigen Angebote dann nicht mehr gelten sollten.

Es geht Trump letztlich um Besitz, die Vergrößerung des Staatsgebiets, um Emotionen (der Triumph, die Beute erkämpft zu haben) und sein Ego.

(Und warum braucht er eigentlich auch noch Kanada?)

Trump meldet ein Rahmenabkommen zu Grönland (wie immer auch ausgestaltet). Unsere Bestrafung durch Zölle wird daher abgeblasen.
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(21.01.2026, 18:12)lime schrieb: Inwiefern muss man sich als Deutscher für Grönland interessieren? Beruht das auf Gegenseitigkeit?


Da die territoriale Integrität mittlerweile keine Sau mehr zu interessieren scheint wird die Welt zunehmend ungemütlich. In einer Welt, in welcher allein das Recht des stärkeren zählt (das war zwar schon immer so, wurde aber lange nichtmehr derart skrupellos und eigenmächtig praktiziert), wird kein Land der EU noch irgendetwas zu melden haben, sofern wir es nicht schaffen uns untereinander zu solidarisieren und mit einer Stimme zu sprechen. Ich bin dahingehend zwar (leider) pessimistisch (unter anderem aufgrund solcher Aussagen wie du sie tätigst), aber man sollte es wohl auf jeden Fall versuchen.
Vielleicht führt der äußere Druck langfristig doch noch zu einem geeinte(re)n Europa, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Schaffen wir das nicht, droht uns die Bedeutungslosigkeit. Merkt man schon allein daran, dass die Stimme von einzelnen EU-Staaten für die Großmächte quasi nonexistent ist.

Die Grönländer möchten nicht zur USA gehören, das muss schlicht und ergreifend respektiert und akzeptiert werden.
Genausowenig, wie die Ukrainer zu Russland gehören möchten oder die Taiwaner zur VR China.
Natürlich sind das unterschiedliche Situationen, aber dennoch gibt es auch erschreckende Überschneidungen in der Argumentationsweise bezüglich der Gebietsansprüche.

Auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker zu bestehen ist der einzig gangbare Weg für uns. Fangen wir an uns bei diesem Affenzirkus auf einen Kuhhandel einzulassen öffnen wir die Büchse der Pandora.
Dann dauert es nicht mehr lange bis immer mehr Länder Gebietsansprüche erheben und in ihren "Einflusszonen" völlig außerhalb jeder Rechtssprechung zu agieren. Unstimmigkeiten gibt es seit jeher genug, ich befürchte jedoch, dass aus Worten zunehmend Taten folgen. Dass der Überfall Russlands auf die Ukraine diese Hemmschwelle senken wird, da war ich mir sicher. Das es so schnell gehen würde und diese Entwicklung selbst bei einem versagen der russischen Streitkräfte zügig voranschreitet, das habe ich nicht gedacht.

Natürlich kann man bezüglich Grönland verhandeln. Über stärkere Präsenz vor Ort, Ausbau der militärischen Fähigkeiten, größere Investitionen in Stützpunkte oder vermehrte gemeinsame Übungen im Rahmen der Nato. Alles gerne auch ganz konkret im Namen der amerikanischen Sicherheit.

Nicht verhandeln kann man allerdings über die territoriale Integrität und das Selbstbestimmungsrecht der Völker.
Das sind grundlegende Prinzipien des Völkerrechts, und darüber darf im 21. Jahrhundert nicht mehr verhandelt werden. Auch wenn es naiv klingt, alles andere wird langfristig unschön enden. Nicht nur für uns selbst.
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Und wie es niemanden überraschen wird der Trump versteht - die Zölle sind schon wieder vom Tisch:

Donald Trump schrieb:Based upon a very productive meeting that I have had with the Secretary General of NATO, Mark Rutte, we have formed the framework of a future deal with respect to Greenland and, in fact, the entire Arctic Region. This solution, if consummated, will be a great one for the United States of America, and all NATO Nations.

Based upon this understanding, I will not be imposing the Tariffs that were scheduled to go into effect on February 1st. Additional discussions are being held concerning The Golden Dome as it pertains to Greenland. Further information will be made available as discussions progress. Vice President JD Vance, Secretary of State Marco Rubio, Special Envoy Steve Witkoff, and various others, as needed, will be responsible for the negotiations - They will report directly to me. Thank you for your attention to this matter!
https://x.com/Osint613/status/2014058505569706086

Falls jemand noch Orientierung sucht:
President Trump's EXACT Tariff Playbook, A Step-by-Step Guide
https://x.com/KobeissiLetter/status/2012608685462220879
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Die Tatsache das nur kurz zuvor das für die USA extrem vorteilhafte Handelsabkommen auf Eis gestellt wurde hatte damit bestimmt absolut gar nichts zu tun. Wink
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Es wird sich wie immer jeder nach seiner persönliochen Weltsicht ein Begründung zusammenzimmern.
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(21.01.2026, 22:08)DrKartoffelsalat schrieb: Die Tatsache das nur kurz zuvor das für die USA extrem vorteilhafte Handelsabkommen auf Eis gestellt wurde hatte damit bestimmt absolut gar nichts zu tun. Wink

Ich glaube tatsächlich, dass Trumps gedämpftes Verhalten damit nichts zu tun hat.

Er ist auf einem fremden Kontinent, in einem fremden Land, auf 1.500 Meter Höhe, ungewohnte Umgebung, um ihn - abgesehen von Secret Service - Menschen, die ihm alle nicht wohlgesonnen sind.
Das geht auch an Trump nicht vorbei.

Sobald er wieder in den USA zurück ist, wird er wieder frei drehen.
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(21.01.2026, 22:11)Nightwatch schrieb: Es wird sich wie immer jeder nach seiner persönliochen Weltsicht ein Begründung zusammenzimmern.

Anzumerken sei, dass solche Aktionen auch Märkte bewegen, *hust*. So wie im Frühjahr 2025, als Trump die 90 Tage Zollpause verkündete, und kurz vorher zum Kaufen aufrief und auch die Aktien seiner Firma sowie die seines Umfeldes in der Folge stark stiegen. Eine Untersuchung blieb aus.
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(21.01.2026, 22:49)Schwabo Elite schrieb: Er ist auf einem fremden Kontinent, in einem fremden Land, auf 1.500 Meter Höhe, ungewohnte Umgebung, um ihn - abgesehen von Secret Service - Menschen, die ihm alle nicht wohlgesonnen sind.

Sowohl Bessent als auch Lutnick sind mit in Davos. Letzterer war wesentlich an dem Handelsabkommen beteiligt und hat gestern noch getönt, dass er nicht glaubt, dass der Deal zum stocken kommt. Zugegeben, dass die EU heute in schon fast einer Nacht-und-Nebelaktion erstmal auf Pause drückt beim Abkommen, hab ich jetzt so schnell auch nicht erwartet.
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(21.01.2026, 11:08)Nightwatch schrieb: Der US-Treasury Markt hat ein Volumen von 27 (deutschen) Billionen US-$. Das Handelsvolumen beläuft sich regelmäßig auf 600 bis 900 Milliarden US-$ - pro Tag.
Nun soll deiner Meinung nach ein EU-Konstrukt gebaut werden, dass 65 Milliarden US-$ pro Jahr umlenkt? Joha.

Natürlich ist die US-Verschuldung desaströs (genauso wie unsere) und wird in der nächsten oder spätestens übernächsten Dekade mitverantwortlich für eine völlig Neuordnung unseres Finanzsystems sein.
Aber das schiere Volumen, dass man da angehäuft hat bzw. mit dem man arbeitet bedeutet halt auch, dass nichts was die EU hier realistischerweise (!) tun könnte ins Gewicht fällt.

Dafür ist der Markt für US-Staatsanleihen viel zu groß und auch der Umstand, dass Halter in europäischen Ländern zusammengenommen (das ist nicht (!) die EU) das Größte ausländische Volumen an US-Staatsanleihen halten ändert daran nichts. Die EU kann über diese Assets nicht verfügen, umlenken oder liquidieren und im (ausgeschlossenen) Extremfall würde die Fed intervenieren und das emittierte Volumen absorbieren.
...
in "normalen Zeiten" hättest Du Recht, aber - erleben wir gerade normale Zeiten?
Ein vergleichbar kleiner dänischer Pensionsfonds verkauft US-Staatsanleihen im Wert von 100 Millionen US-Dollar.
Auch ein schwedischer Pensionsfonds zieht nach.

Und die Märkte?
(21.01.2026, 22:56)Mitleser schrieb: Anzumerken sei, dass solche Aktionen auch Märkte bewegen, *hust*. ...

Die "stecken das nicht weg", sondern reagieren. Der Kurs der US-Staatsanleihen fällt, womit zugleich die Verzinsung bzw. Rendite (vom Nennwert aus berechnet) höher wird.
Je höhe dieser Rendite, desto höher schätzen die Märkte auch das Verlustrisiko ein.

Ich gehe mal auf die aktuelle Rendite (zwei Kommastellen) ein:
Nach dieser Quelle bei 10jährigen Anleihen von 4,13 % auf knapp 4,3 % innerhalb eines Tages. Das zeigt, wie nervös die Anleger sind - ein kleiner Verkauf kann einen Schneeball-Effekt auslösen und zu einer Lawine führen.
Und dabei ist die Rendite mit > 4 % ohnehin schon hoch, also mit eingepreistem Risiko. Normalerweise können wir in Deutschland derzeit Gelder bei den Banken kaum über 3 % Verzinsung anlegen.
Die Rendite von 10jährigen Bundesschatzbriefen liegt nach Auskunft der Bundesbank aktuell bei 2,86 %.
Das heißt, dass die Bundesschatzbriefe deutlich weniger "riskant" gesehen werden als die US Staatsanleihen gleicher Laufzeit.

Mit diesen Renditen der Anleger steigen natürlich umgekehrt auch die Ausgaben des US-Etats für die Staatsschulden. GröPaZ tut seinem Land also keinen Gefallen, wenn er Märkte in Unruhe versetzt. Wie jetzt wieder in seiner Gier, mit "Grönland" auch Schlagzeilen zu machen.
q.e.d.
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(21.01.2026, 22:11)Nightwatch schrieb: Es wird sich wie immer jeder nach seiner persönliochen Weltsicht ein Begründung zusammenzimmern.
Wer glaubt, dass dieser Mann nicht ständig seine Meinung ändere und zur Verfolgung langfristiger Strategien in der Lage sei, zimmert sich in der Tat ein ganz besonderes Weltbild zusammen. Man kann nicht jede Trump kritisierende Bemerkung von Ex-Wegbegleitern wie Kellogg, Mattis, Bolton et. al. einfach mit dem Argument wegwischen, dass sie Trump nicht wohlgesonnen seien und man ihnen deswegen keinen Glauben schenken dürfe.
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Das ist mal ein Artikel der Tagesschau, den ich persönlich für ausgewogen halte. Gerade auch in deutschen Medien wird sehr schnell und sehr heftig gegen Trump geschossen - einerseits ist er daran sicher auch selbst schuld, andererseits vermisse ich genau das, was der Tageschau-Beitrag nun benennt. In gewisser Weise etwas beruhigend, dass solche Artikel noch erscheinen, andererseits könnten es in der gegenwärtig aufgeheizten Stimmung durchaus mehr davon sein.
Zitat:Wie umgehen mit Trump?

"Verhandlungstechnisch gesehen ist das alles ganz normal"

Was ist die beste Taktik, um mit einem Politiker wie Trump zu einer Übereinkunft zu kommen? Der erfahrene Verhandler Matthias Schranner rät zur Gelassenheit. Im Interview erläutert er, wie man einem "Spieler-Typ" wie Trump begegnen kann.

tagesschau.de: Herr Schranner, wie verhandelt man denn mit einem Politiker vom Kaliber Donald Trump?

Matthias Schranner: Es gibt zwei Elemente in der Verhandlung: die sichtbare Verhandlung, also das, was wir aus Medien oder auch als Zuschauer mitbekommen. Und es gibt die unsichtbare Verhandlung, die sogenannte Backchannel-Verhandlung, also die Diplomatie im Hintergrund. Die sichtbare Verhandlung ist natürlich dadurch geprägt, dass Trump sehr starke Forderungen stellt, unheimlich viel Lautstärke hineinbringt und dafür sorgt, dass wir uns von dieser Vorgehensweise mittlerweile auch ein bisschen eingeschüchtert fühlen. Die Gespräche hinter verschlossenen Türen hingegen sind sehr konzentriert. Da wird nicht herumgeschrien, nicht gedroht, sondern tatsächlich daran gearbeitet, eine Lösung zu finden. [...]

tagesschau.de: Oftmals stellt Trump seine Maximalforderung und rudert dann auch wieder etwas zurück. Kommt er so zum Ziel?

Schranner: Würden Sie Trump fragen, würde er nicht sagen, dass er zurückrudert, sondern, dass er mit einer Extremposition einsteigt, um eine bessere Verhandlungsposition zu haben. Das ist eine typische Trump-Strategie, also in einer extremen Situation mit extremen Forderungen an den Tisch zu kommen, um dann zu schauen, wie groß der Verhandlungsspielraum ist. Aus unserer deutschsprachigen Sicht ist das sehr ungewöhnlich. Wir finden das irgendwie komisch und auch unseriös. Verhandlungstechnisch ist das gut, um einfach mal auszuloten, was denn möglich wäre. [...]

tagesschau.de: Gehen wir mal davon aus, dass der US-Präsident eher als "Spielertyp" in die Verhandlungen geht, die Europäer als die "Rationalen", möglicherweise aus einer gewissen kulturellen Prägung heraus. Wer zieht denn dann von beiden am Ende den Kürzeren?

Schranner: Der Spieler hat überhaupt kein Problem damit, nachzugeben. Wir im Deutschen finden das natürlich unseriös und tun uns schwer damit. Aber fast wichtiger ist: Die Hintergrundverhandlungen mit den Amerikanern sind sehr vernünftig. [...]

tagesschau.de: Trotz der von Ihnen erwähnten Grautöne, die es in Bezug auf Trumps Forderung, Grönland kaufen zu wollen, geben mag: Wie soll die EU in Davos auf die von Trump betriebene Eskalation in Sachen Grönland reagieren?

Schranner: Es gibt zwei Möglichkeiten. Die eine ist zu sagen, "Wir haben unsere Prinzipien" und Trump darauf hinzuweisen, dass er zu weit geht, also rote Linien zu definieren. Bedeutet, Trump zu sagen, "Wenn du gegen politische Gegner vorgehst, also gegen China zum Beispiel, dann ist es das eine. Aber wenn du gegen Verbündete vorgehst, dann ist das nicht mehr akzeptabel. "Das Problem an der roten Linie ist nur, man muss sie auch durchziehen und nimmt sich selbst auch sehr viel Verhandlungsspielraum, weil man dann auch konsequent bleiben muss. Das andere wäre, zu sagen "Okay, lass uns reden". Wie könnte denn eine Möglichkeit aussehen, damit du bekommst, was du brauchst? [...]

tagesschau.de: Kann man einen Narzissten wie Trump durch Schmeicheleien besänftigen? Das beobachten wir ja immer wieder, etwa beim NATO-Generalsekretär, der ihn regelmäßig mit warmen Worten umwirbt.

Schranner: Es ist ein Mittel, um in Kontakt zu bleiben, um Beziehungen und Vertrauen aufzubauen. Und ja, es ist nichts falsch dabei, das Verhandlungsgegenüber zu loben, ihm zu schmeicheln. Trump macht das ja auch sehr oft, das gehört einfach dazu. Was man aber nicht übersehen darf: Auch wenn in der Öffentlichkeit sehr positiv über den anderen gesprochen wird, heißt das natürlich nicht, dass man die Themen hinter verschlossenen Türen nicht trotzdem klar anspricht. [...]

tagesschau.de: Welchen Fehler kann man bei solchen Verhandlungen machen?

Schranner: Der größte Fehler ist es, sich zu ärgern und emotional zu werden, auf eigene Rechthaberei zu pochen und dem US-Präsidenten zu sagen, dass er falsch liegt, ihn zu belehren und zu berichtigen. Das hat noch nie geholfen. Deshalb ist eine gewisse Gelassenheit tatsächlich auch gut, und ratsam, nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen. Nur weil Trump sagt, Grönland kaufen zu wollen, ist das noch nicht gesetzt. So ein Kauf dauert doch ewig und ist wahnsinnig kompliziert. Trump hat einen großen Nachteil. Er hat nur noch zwei Jahre, dann beginnt der Wahlkampf und er kann nichts mehr umsetzen. Das erklärt auch diese Dynamik und diese Geschwindigkeit.
https://www.tagesschau.de/ausland/europa...w-100.html

Generell gibt es m. M. n. da wenig hinzuzufügen. Das Problem ist leider, dass so besonnene Artikel derzeit arg im Hintertreffen sind. Stattdessen wird gekreischt und werden Horrorgemälde an die Wand geworfen. Das hilft aber nicht weiter und zweitens vernebelt es, ja erschwert es auch selbst den eigenen Blick auf eine mögliche Lösung. Man bewegt sich irgendwann selbst in einem Labyrinth von vorgefertigten Anti-Trump-Stellwänden und bemerkt u. U. gar nicht, dass man entscheidende Faktoren übersehen hat.

Eine Anmerkung: Ich würde es gutheißen, wenn wir alle etwas ruhiger an die Thematik herangehen. Man kann sicherlich auch einmal eine Polemik platzieren, ich mache dies selbst durchaus ja auch gelegentlich, aber ich würde es sehr begrüßen, wenn wir mit polemischen Schmähungen etwas zurückhaltender sind - das bezieht sich z. B. auf GröPaz und irgendwo wurde Macron, glaube ich, auch als Diva bezeichnet. Sowas ist unnötig und verbessert die Diskussionskultur auch nicht, zumal ich keine große Lust habe, sowas inflationär und überall in allen möglichen Strängen zu lesen. Danke von wegen Beachtung.

Schneemann
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Das Rahmenabkommen hat lt. Welt vier Säulen: keine Zölle, Golden Dome-Aufbau, Mitsprache USA bei Investitionskontrolle und mehr europ. Engagement. Insgesamt also vage genug, damit wir noch einige Volten und weitere Zolldrohungen sehen könnten, bis es steht (oder auch nicht). Punkt 3 könnte auch so ausgelegt oder vereinbart werden, dass die USA nicht nur ein Vetorrecht gegen CN/RUS bekommen, sondern auch ein Vorzugsrecht. Mithin eine längere Vermutung von mir.
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Zitat:Grönland-Konflikt

Typischer Taco-Trump? Von wegen. Die wahren Gründe für die Kehrtwende

Auf Eskalation folgt Abrüstung: Unruhige Märkte, geschickte Diplomatie, miese Umfragen – der US-Präsident wurde regelrecht zum Einlenken gezwungen. Doch Euphorie ist unangebracht.

www.wiwo.de/politik/ausland/groenland-wie-donald-trump-zur-ploetzlichen-kehrtwende-in-der-groenland-krise-gebracht-wurde/100193739.html

(Vorsorglich der Hinweis, dass die Wirtschaftswoche gerne im Tagesverlauf ihre Artikel hinter die Bezahlschranke stellt.)
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