Vor 10 Stunden
@Tiger
Das war im Frühjahr 1946. Der Kalte Krieg war noch sehr jung und gerade erst im Entstehen. Angesichts der Krisen im zerbombten Europa, das Moskau faktisch militärisch nichts großartig entgegensetzen konnte, und dem Erstarken der Kommunisten, u. a. in Italien und Frankreich, sowie dem kommunistisch-royalistischen Bürgerkrieg in Griechenland und Stalins Drohungen gegen die Türkei und die Dardanellen, fragte Truman - nachdem er im Februar 1946 Kennans berühmtes "langes Telegramm" gelesen hatte - bei den Joint Chiefs of Staff nach, was man denn im Falle eines sowjetischen Überraschungsangriffes in Europa machen könne.
Die Antwort - u. a. von Leahy: Da die Masse der US-Truppen in Europa bereits wieder nach den Vereinigten Staaten zurückgebracht und demobilisiert worden war, und man allenfalls noch zehn teils unterbesetzte Divisionen (als schlagkräftigsten Verband die 2. US-Panzerdivision) habe, die aber ihr schweres Gerät überwiegend bereits ebenfalls abgegeben hatten und die sich mehr mit Fraternisierung und polizeilichem Kleinkram als mit Manövern beschäftigten, blieben nur die Atombomben.
Allerdings hatte man 1946 günstigstenfalls erst ein Dutzend Atombomben (vermutlich, die Schätzungen schwanken zwischen neun und zwölf). Um Zeit gewinnen schlug man vor, im Falle eines sowjetischen Angriffes diese Bomben einzusetzen, u. a. gegen Leningrad, Kiew, Moskau, Minsk und andere Großstädte. Die Generäle gaben Truman zu verstehen, dass man damit Zeit gewinnen würde, um die eigenen Truppen wieder auszuheben, zu reorganisieren und nach Europa zu schicken.
Ein sehr vakantes Spiel, wie das State Department dann einwarf, zumal nicht sicher wäre, ob die vorpreschenden Sowjettruppen von dem Spektakel im Hintergrund gebremst worden wären. Als Truman dann nachfragte, mit was für Folgen man rechnen müsse - es war zwar Truman, der den Atombombeneinsatz gegen Japan 1945 autorisiert hatte (freilich ohne die direkte Wirkung korrekt einschätzen zu können), aber es heißt, dass er später, als er der Folgen gewahr wurde, keine gute Laune hatte -, nannten sowohl das State Department als auch die JCS schwammig "wohl ein paar Millionen Tote".
Der Plan verschwand dann erst mal in der Versenkung und es hieß, dass Truman, der wohl blass geworden sei, nicht mehr darüber sprechen wollte. (Dass er später McArthur in den Arm fiel, als dieser 1950 am Yalu die anstürmenden chinesischen "Freiwilligenhorden" atomisieren wollte, soll nach unterschiedlichen Meinungen auch mit diesem Vorgang zusammenhängen.)
Schneemann
Zitat:Die USA haben übrigens Simulationen für den Fall, dass der Kalte Krieg heiß würde durchgeführt - auch unter Berücksichtigung des Einsatzes von Atomwaffen. Bei einem Fall setzte man in der Simulation auch Atomwaffen für einen Schlag gegen die Sowjetunion ein und meinte, das Planspiel sei damit beendet. Doch dagegen erhob das Team, das die Sowjetunion spielte und sich da wohl gut eingearbeitet hatte, Einspruch. Sie würden den Atomschlag als "Angriff auf ihre Ehre, territoriale Integrität und ihre Art zu leben" ansehen und mit einem eigenen Atomschlag antworten. Am Ende der Simulation wären große Teile der Nordhalbkugel nuklear verwüstet gewesen und der US-Präsident, der an der Simulation teilnahm, war so fertig dass alle Termine für den Rest des Tages abgesagt werden mussten.Wann war das genau? Ich frage deswegen, weil ich über eines der ersten Planspiele dieser Art kürzlich in einer Biographie von Truman gelesen habe. (Vielleicht beziehst du dich auch darauf?)
Das war im Frühjahr 1946. Der Kalte Krieg war noch sehr jung und gerade erst im Entstehen. Angesichts der Krisen im zerbombten Europa, das Moskau faktisch militärisch nichts großartig entgegensetzen konnte, und dem Erstarken der Kommunisten, u. a. in Italien und Frankreich, sowie dem kommunistisch-royalistischen Bürgerkrieg in Griechenland und Stalins Drohungen gegen die Türkei und die Dardanellen, fragte Truman - nachdem er im Februar 1946 Kennans berühmtes "langes Telegramm" gelesen hatte - bei den Joint Chiefs of Staff nach, was man denn im Falle eines sowjetischen Überraschungsangriffes in Europa machen könne.
Die Antwort - u. a. von Leahy: Da die Masse der US-Truppen in Europa bereits wieder nach den Vereinigten Staaten zurückgebracht und demobilisiert worden war, und man allenfalls noch zehn teils unterbesetzte Divisionen (als schlagkräftigsten Verband die 2. US-Panzerdivision) habe, die aber ihr schweres Gerät überwiegend bereits ebenfalls abgegeben hatten und die sich mehr mit Fraternisierung und polizeilichem Kleinkram als mit Manövern beschäftigten, blieben nur die Atombomben.
Allerdings hatte man 1946 günstigstenfalls erst ein Dutzend Atombomben (vermutlich, die Schätzungen schwanken zwischen neun und zwölf). Um Zeit gewinnen schlug man vor, im Falle eines sowjetischen Angriffes diese Bomben einzusetzen, u. a. gegen Leningrad, Kiew, Moskau, Minsk und andere Großstädte. Die Generäle gaben Truman zu verstehen, dass man damit Zeit gewinnen würde, um die eigenen Truppen wieder auszuheben, zu reorganisieren und nach Europa zu schicken.
Ein sehr vakantes Spiel, wie das State Department dann einwarf, zumal nicht sicher wäre, ob die vorpreschenden Sowjettruppen von dem Spektakel im Hintergrund gebremst worden wären. Als Truman dann nachfragte, mit was für Folgen man rechnen müsse - es war zwar Truman, der den Atombombeneinsatz gegen Japan 1945 autorisiert hatte (freilich ohne die direkte Wirkung korrekt einschätzen zu können), aber es heißt, dass er später, als er der Folgen gewahr wurde, keine gute Laune hatte -, nannten sowohl das State Department als auch die JCS schwammig "wohl ein paar Millionen Tote".
Der Plan verschwand dann erst mal in der Versenkung und es hieß, dass Truman, der wohl blass geworden sei, nicht mehr darüber sprechen wollte. (Dass er später McArthur in den Arm fiel, als dieser 1950 am Yalu die anstürmenden chinesischen "Freiwilligenhorden" atomisieren wollte, soll nach unterschiedlichen Meinungen auch mit diesem Vorgang zusammenhängen.)
Schneemann
