(Afrika) Algerische Luftwaffe
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Algeriens Su-57-Deal: Unabhängigkeit um jeden Preis
Zitat:Algerien erhält als weltweit erstes Land russische Tarnkappenjäger der fünften Generation. Warum der Deal mehr ist als ein teurer Waffenkauf. Eine Analyse.

Algerien wird nach Angaben staatlicher Medien in Algier der erste ausländische Käufer des russischen Kampfjets Su-57. Die algerische Luftwaffe kündigte laut Military Watch Magazine im Februar an, dass Piloten derzeit in Russland ausgebildet werden und die Auslieferung der Flugzeuge noch 2026 beginnen soll.

Zuvor hatte Alexander Michejew, Chef des russischen Staatskonzerns Rosoboronexport, bestätigt, dass der erste ausländische Kunde die Su-57 erhalten werde.

Die Entscheidung markiert einen Wendepunkt: Wie The Cradle betont, wird damit weltweit erstmals ein Kampfflugzeug der fünften Generation exportiert, das nicht aus den USA kommt. Für Algerien ist es der vorläufige Höhepunkt einer jahrzehntelangen Strategie, militärische Unabhängigkeit durch russische Waffensysteme zu sichern.

Unabhängigkeit durch russische Waffen
Algerien verfolgt seit dem Kalten Krieg eine konsequente Linie: Das Land kauft gezielt Spitzentechnologie aus Russland, um sich von westlichem politischen Druck freizuhalten. Bereits 1978 war Algier der erste ausländische Abnehmer des MiG-25-Abfangjägers. Nun soll die Su-57 sie ersetzen.

er Grund für diese Kontinuität liegt auf der Hand: Wer amerikanische oder europäische Kampfjets kauft, importiert nicht nur Hardware, sondern auch politische Abhängigkeit. In Krisenzeiten können Ersatzteile verzögert, Munitionslieferungen blockiert oder Wartungsverträge eingefroren werden.

Diese Erfahrung haben etwa Länder wie Ägypten oder die Türkei machen müssen. Der politische Preis für russische Systeme wird dagegen vor allem in langfristiger Bindung und Markttreue bezahlt, nicht in offenen Abstimmungen bei den Vereinten Nationen oder in der Duldung ausländischer Militärbasen.

Bei der Konstruktion der Su-57 standen niedrige Betriebskosten und Wartungsfreundlichkeit im Vordergrund, wodurch der Kampfflieger vergleichsweise äußerst erschwinglich ist. Zudem verfügt Algerien über eine jahrzehntelang gewachsene Infrastruktur für sowjetische und russische Flugzeuge – Luftwaffenstützpunkte, Simulatoren, Wartungsdepots, Ausbildungsprogramme.

Schuldenfreiheit als Voraussetzung
Die Fähigkeit Algeriens, hochmoderne Militärplattformen ohne externe Zustimmung zu beschaffen, beruht jedoch auf bedeutenden politökonomischen Anstrengungen: Nachdem das Land in den 1990er Jahren unter dem Druck von Auslandsschulden und einem Strukturanpassungsprogramm des Internationalen Währungsfonds (IWF) fast kollabiert war, nutzte Algier den Rohstoffboom der 2000er Jahre dafür, seine Schulden zurückzuzahlen.

Mitte der 2000er Jahre hatte Algerien seine IWF-Verpflichtungen beglichen und seine Schulden beim Pariser Club der privaten Gläubiger vorzeitig getilgt. Statt alte Kredite in neue umzuschulden, baute es Reserven auf und hielt internationale Geldgeber auf Distanz.

Algerien hat seine Rüstungsausgaben seit 2020 mehr als verdoppelt und plant, nächstes Jahr umgerechnet 25 Mrd. US-Dollar für das Militär aufzuwenden.

Marokkanische Aufrüstung
Politisch ist der Su-57-Deal vor allem als Antwort auf die Aufrüstung des Erzrivalen Marokko zu verstehen. Schon 2019 hatten die USA Marokko 25 Exemplare der modernisierten F-16C/D Block 72 zugesichert und Upgrades seiner bestehenden F-16-Flotte auf den F-16V-Standard eingeleitet.

Dazu kommen israelische Drohnen und Lenkflugkörper, die über der völkerrechtswidrig annektierten Westsahara eingesetzt werden, sowie neue Luftabwehr- und Satellitenverträge mit Israel. Zudem ist sogar die Rede davon, dass Marokko 32 F-35-Kampfflugzeuge aus den USA kaufen will.

Damit würde Rabat sich noch weitreichender in das amerikanisch-israelische Sicherheitssystem einordnen, sondern auch seine Nachbarn beunruhigen, wie Military Africa mahnt. Doch bereits die NATO-Intervention in Libyen 2011, die nicht nur von den Nachbarländern als unprovozierter Angriffskrieg angesehen wird, gilt als Faktor, der Algier zu weiteren Investitionen in seine Luftwaffe bewegt hat.

Allerdings ist unklar, wie Rabat bei einem Stückpreis von mindestens 100 Mrd. US-Dollar das nötige Kleingeld für die Kampfflieger aufbringen will, auch wenn das Königtum plant, seinen Rüstungshaushalt für 2026 auf umgerechnet 15,7 Mrd. Euro um weitere zehn Prozent aufzustocken.

Exportchancen und -hindernisse
Im Wettbewerb steht die Su-57 mit dem chinesischen FC-31, einem rivalisierenden Kampfflugzeug der fünften Generation, das jedoch deutlich fortschrittlichere Tarnkappen-Technologien und Avionik aufweist. Der Eurasian Times zufolge sollen die ersten dieser Kampfflieger demnächst an Pakistan ausgeliefert werden.

China verkauft aber auch immer mehr Waffen nach Algerien, wozu CH-4- und WJ-700-Drohnen, WM-80-Raketenartilleriesysteme, PLZ-45-Selbstfahrhaubitzen, HJ-12-Panzerabwehrraketensysteme, CHL-906-Systeme zur elektronischen Kriegsführung und sogar Tarnkappenkorvetten gehören.

Weiterhin liefert Peking mit dem VT-4 den ersten Panzer an Algier, der nicht aus Russland kommt und gleichzeitig auch der erste Panzer in Algerien mit einem aktiven Schutzsystem sein wird.

US-amerikanischen Berichten zufolge leidet Russlands Fähigkeit zur Fortsetzung der Entwicklung seiner fortschrittlichen Kampfjets wie der Su-57 allerdings aufgrund der wegen des Krieges in der Ukraine gegen Moskau verhängten Sanktionen. Derlei Berichte können durchaus zutreffen, denn Lieferschwierigkeiten Moskaus beim S 400 Luftabwehrsystem sind belegt.
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#2
Möglicherweise steht dieser Bericht damit in Zusammenhang:
Zitat:Neues Triebwerk für Suchoi Su-57 im Flugtest
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