Ungarn
@Kongo Erich

Ich kann es schon verstehen, worauf du hinaus möchtest, dennoch ist meiner Ansicht nach die Lage nicht so rosig wie deinerseits dargestellt. Das hat zwei Gründe:

1. Es ist richtig, dass wir (auch) viele Pflegekräfte aus Osteuropa haben. Aber ich selbst beobachte, wie diese - sofern ich es mitbekomme - bezahlt werden. Und da gibt es zwei Varianten - erstens sitzt die die Pflege anbietende Firma in Deutschland, dann gehen Zahlungen an eine deutsche DE-IBAN (und solche Zahlungen kommen sicherlich den deutschen Renten- und Sozialkassen zugute), zweitens gibt es aber auch die Situation, wonach die Kunden die Pflegekräfte direkt bezahlen und die Gehaltsforderungen an IBAN-Verbindungen von Firmen mit dem Beginn PL (Polen), SK (Slowakei) oder HU (Ungarn) überweisen. Ich bin nun kein Jurist, aber meines Wissens darf keine Doppeltbesteuerung in der EU stattfinden - wenn der betreffende Arbeitnehmer sich richtig angemeldet hat bzw. korrekt gemeldet wurde -, d. h. hierbei ist von auszugehen, dass das Bruttogehalt ins europäische Ausland geht und im jeweiligen Heimatland der Pflegekraft dann versteuert wird. Das betrifft ca. 30-40% aller Überweisungen. Insofern nehme ich an, dass das Heranziehen von Pflegekräften aus dem Ausland keineswegs immer nur den deutschen Renten- und Sozialkassen zugute kommt.

2. Die deutsche Bevölkerung ist seit 2015 um grob bzw. beinahe 2 Mio. Menschen angewachsen, 2024 haben wir sogar die 84 Mio.-Grenze überschritten (derzeit wieder leicht rückläufig). Dennoch hört man u. a. aus der Industrie ein ständiges Jammern darüber, dass der Fachkräftemangel immer noch zunehmen würde. Wenn aber die Behauptung stimmen würde, wonach die Zuwanderung unser Fachkräfteproblem mindern würde, so müsste der Mangel jedoch sinken. Dies ist aber nicht der Fall. Bleibt also die Frage, wieso es so ist und wer hier, entweder bewusst oder unbewusst, die Unwahrheit spricht? Und diese Frage sollten wir übrigens auch dringend klären, wenn wir das Erstarken von rechten Parteien zukünftig einhegen wollen.

Schneemann
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(24.02.2026, 22:37)Kongo Erich schrieb: Das (linksgrün versiffte?) Handelsblatt nimmt Orbans Wirtschaftspolitik aufs Korn:
Das ist inhaltlich in vielen Punkten ein mit der US-Regierung (MAGA) übereinstimmender wirtschaftspoliitischer Ansatz.
Aber es gilt das alte Sprichwort:
Niemand ist unnütz. Er kann immer noch als schlechtes Vorbild dienen.

Setzt man das Wirtschaftswachstum ins Verhältnis zum Bevölkerungswachstum dann ist ganz schnell Deutschland absolutes Schlusslicht in der EU während Ungarn um einige Plätze hochrutscht.
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Das verstehe ich nicht:
egal ob 100.000 Einwohner oder 100 Millionen:
ein Wachstum von - sagen wir mal 1 % - bleibt prozentual ein Prozent, unabhängig von der Zahl der Einwohner.
Was sich ändert ist lediglich der in Währung ausgedrückte Betrag ...
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(26.02.2026, 12:14)Kongo Erich schrieb: Das verstehe ich nicht:
egal ob 100.000 Einwohner oder 100 Millionen:
ein Wachstum von - sagen wir mal 1 % - bleibt prozentual ein Prozent, unabhängig von der Zahl der Einwohner.
Was sich ändert ist lediglich der in Währung ausgedrückte Betrag ...
Wenn die Summe der Menschen bei gleicher Leistung/Kopf größer wird, dann wird der Betrag der Wirtschaftsleistung im gleichen Zeitraum stärker steigen als ohne diesen Bevölkerungsaufwuchs, die Wachstumsraten sind also schon beeinflusst davon, wie leistungsstark die Zuwandernden sind. Kommen Personen hinzu, die mit ihrer Tätigkeit (oder Nichttätigkeit) unterdurchschnittlich zum Wachstum beitragen, dann sinkt dieses Wachstum. Tragen sie überdurchschnittlich bei, erhöhen sie es.

Diese Logik setzt allerdings die Wirtschaftskraft als allein maßgebliches Kriterium. Wenn wir z.B. davon ausgehen, dass die Zuwanderung nicht unerheblich geprägt wird von "billigen" Pflegekräften, die unterdurchschnittlich auf die Wirtschaftskraft einzahlen, dann dämpft diese Zuwanderung das Wachstum.

Man kann also schon etwas aus der Verknüpfung von Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum ableiten, jedoch muss ein dämpfender Effekt nicht zwingend negativ für die Gesellschaft sein.

Mangelhafte Pflegeversorgung führt ja bspw. auch zu unfreiwilliger Minderarbeitszeit von Fach- u.a. Kräften, weil sie familiäre Pflege selbst übernehmen und dadurch weniger arbeiten können. Insofern könnte bspw. die o.g. Zuwanderung von Billig-Pflegekräften zwar selbst das BIP-Wachstum drücken, zugleich aber auch stabilisieren, weil ihre Arbeit indirekt auf das BIP einzahlt, da ohne sie der Fachkräftemangel noch weiter steigen würde.

Man kann also in dem Kontext grob unterscheiden zwischen 3 Zwanderungskategorien:
1. wirtschaftlich relevante Fachkräfte Arrow steigert BIP-Wachstum
2. gesellschaftlich relevante Arbeitskräfte Arrow stabilisiert BIP-Wachstum
3. wirtschaftlich und gesellschaftlich irrelevante Zuwanderung Arrow dämpft BIP-Wachstum
und der Sonderfall:
4. dauerhafte Zuwanderung von ausbildungsfähigen Minderjährigen Arrow zeitlich versetzte Auswirkung auf das BIP-Wachstum, weil der Beitrag zum BIP-Wachstum vorläufig negativ, langfristig aber positiv ausfällt
Insofern hilft der Blick auf diese Korrelation nur dann, wenn man auch andere Faktoren mit betrachtet, wie bspw. die Teilzeitquote von Fachkräften aufgrund familiärer Pflegetätigkeiten oder die Altersstruktur in der Zuwanderung.


Mit Blick auf den Vergleich Deutschland-Ungarn, oder allgemein Südosteuropa, spielen dann noch viele weitere Faktoren mit hinein, bspw. die Tatsache, dass diese Gesellschaften auch eine stärkere Abwanderung von insbesondere dort nicht auf das BIP-Wachstum einzahlenden Personen verzeichnen, u.a. nach Deutschland, während sie umgekehrt keine erhebliche Zuwanderung dieser Art erfahren oder zulassen.


Ganz so schwarz/weiß ist es dann halt doch nicht.
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@Broensen
Danke, Du hast präzise ausgeführt, warum platte Zahlen nicht alleine stehen können sondern interpretiert werden müssen.

Und manchmal kann man froh sein, dass Ungarn noch zum Verband gehört, auch wenn es einen anderen Kurs fährt:
EuGH verurteilt Ungarn nach Lizenzentzug für Radio
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@Broensen
Zitat:Man kann also in dem Kontext grob unterscheiden zwischen 3 Zwanderungskategorien:
1. wirtschaftlich relevante Fachkräfte Arrow steigert BIP-Wachstum
2. gesellschaftlich relevante Arbeitskräfte Arrow stabilisiert BIP-Wachstum
3. wirtschaftlich und gesellschaftlich irrelevante Zuwanderung Arrow dämpft BIP-Wachstum
und der Sonderfall:
4. dauerhafte Zuwanderung von ausbildungsfähigen Minderjährigen Arrow zeitlich versetzte Auswirkung auf das BIP-Wachstum, weil der Beitrag zum BIP-Wachstum vorläufig negativ, langfristig aber positiv ausfällt
Insofern hilft der Blick auf diese Korrelation nur dann, wenn man auch andere Faktoren mit betrachtet, wie bspw. die Teilzeitquote von Fachkräften aufgrund familiärer Pflegetätigkeiten oder die Altersstruktur in der Zuwanderung.
Das ist im Kern gut zusammengefasst - und doch bist du etwas "unvollständig". Wink

Denn du unterschlägst in deiner Listung den Punkt 5: Zuwanderung von illegalen Volljährigen, die keinerlei Nutzen für die Mehrheitsgesellschaft bieten, ja eher sogar von dieser profitieren wollen, die die Kommunen und die Kassen übermäßig belasten und deren Entwicklungsoptionen gelinde gesagt sich auf sehr suboptimalem Niveau bewegen.

Schneemann
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@Schneemann:
(Vor 1 Stunde)Schneemann schrieb: ... du unterschlägst in deiner Listung den Punkt 5: Zuwanderung von illegalen Volljährigen, die keinerlei Nutzen für die Mehrheitsgesellschaft bieten, ja eher sogar von dieser profitieren wollen, die die Kommunen und die Kassen übermäßig belasten und deren Entwicklungsoptionen gelinde gesagt sich auf sehr suboptimalem Niveau bewegen.

Schneemann
Wie groß ist dieses Problem - abgesehen von diversen Dampfwolken über den Stammtischen - wirklich?
Erst einmal - wenn die illegal zugewanderten Volljährigen tatsächlich Sozialleistungen abgreifen wollen, müssen sie sich anmelden und registrieren lassen. Damit werden sie - im Gegensatz zu denen, die von Schwarzarbeit und anderen "unsauberen Einkommen" leben - "statistisch greifbar".

Im Jahr 2025 wurden bis Ende September rund 47.600 unerlaubte Einreisen nach Deutschland polizeilich erfasst. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr (ohne Berücksichtigung saisonaler Unterschiede) wäre mit circa 63.400 illegalen Migrationen zu rechnen;
Zu beachten ist dann, dass von diesen ca, (abgerundet) 63.000 Personen sicher ein großer Teil lieber heute als morgen etwas verdienen möchte, um aus den Sammelunterkünften mit ihren jämmerlichen Lebensbedingungen heraus zu kommen.
Der verbleibende Rest ist - im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung wie auch im Verhältnis zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund - ein verschwindend geringer Anteil. Und das auch vor dem Hintergrund, dass es wohl deutlich mehr sogenannte "Sozialschmarotzer" mit deutschem Pass gibt, die von vorneherein "von Stütze" leben wollen (wohlweislich von denen zu trennen, die nicht am Erwerbsleben teilnehmen können).

Nur um die Größenordnung einzutüten:
Zum Stichtag 31.12.2025 waren insgesamt 14 070 225 Personen im Ausländerzentralregister erfasst. Das sind dann auch EU-Bürger mit Aufenthaltsrecht, wirtschaftlich oder gesellschaftlich relevante Fach- und Arbeitskräfte, Flüchtlinge und Vertriebene aus Kriegsgebieten wie der Ukraine oder Bewerber mit anerkannten Asylgründen.
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