Israel vs Türkei
#46
Wir müssen doch ohnehin damit rechnen, dass es unter dem derzeit agierenden cholerischen Egomanen - ähh - GröPaZ die NATO zerreißt und die gegenseitige Beistandspflicht nur eine Papierhypothese bleibt.

Was passiert dann?
Die EU-Beistandsverpflichtung wird für eine europäische Säule greifen.
Nicht-EU-Mitglieder zwischen Nordamerika (Kanada) und Schwarzem Meer (Türkei) werden dann selbst entscheiden, ob sie sich weiterhin in der NATO-Bündnispflicht sehen.

Möglicherweise tritt anstelle oder zusätzlich zu der NATO-Verpflichtung ein gegenseitiger Beistandspakt mit der EU. Das würde der Türkei die Möglichkeit geben, die eigene Einflusssphäre auch formal mit weiteren Beistandsvereinbarungen auf Zentralasien (angefangen mit Aserbaidschan über das Kaspische Meer hinaus - Turan) und arabische Staaten (Neo-Osmanen) auszudehnen.
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#47
Warum sollte die EU einen gegenseitigen Beistandspakt mit der Türkei schließen? Das wäre genau so nachteilhaft wie eine Stärkung der Türkei durch Ausdehnung ihrer Einflusspähre.
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#48
Worin lägen die Nachteile ? Ich sehe auf den ersten Blick nur Vorteile:

1,
Die Türkei beherrscht militärisch die Südflanke und sperrt das Schwarze Meer. Sie bildet einen "Sicherheitspuffer" gegenüber Unwägbarkeiten aus dem Nahen und Mittleren Osten.

2.
Die Türkei bildet wirtschaftlich die Brücke nach Zentralasien und dem Nahen Osten.

3.
Die Türkei vermittelt gesellschaftlich-kulturelle europäische Werte in diese Regionen.

4.
Die Türkei bildet mit den Zentralasiatischen Staaten einen Riegel zwischen dem Iran und Russland, die beide derzeit nicht besonders "Europafreundlich" sind.

5,
Die Türkei entlastet Europa von eigenem Engagement in diesen Regionen.
....
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#49
Nachteil gibt es schon durch die Verbindung Griechenland - Zypern -Israel . Sollte es zu einem Konflikt zwischen Türkei und diesem Bündniss kommen ist automatisch die usa auf Seite Israels. Das es zu einem Konflikt zwischen Israel /usa und der Türkei kommt halte ich eh für sehr wahrscheinlich.
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#50
(20.04.2026, 17:52)Kongo Erich schrieb: Worin lägen die Nachteile ?
In der Gegenseitigkeit eines solchen Beistandspakts.

Es ist noch nicht allzu lange her, da haben wir noch drüber diskutiert, ob man Erdogan nicht aus der NATO ausschließen könnte.
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#51
(20.04.2026, 18:41)alphall31 schrieb: Nachteil gibt es schon durch die Verbindung Griechenland - Zypern - Israel . ...
Griechenland und Zypern sind EU-Mitglieder. Und die Bande zwischen der EU und Israel sind nicht ganz so eng - man denke an die Differenzen zur "Zwei-Staaten-Lösung".
Die Türkei hat (als einziger Staat der Welt, soweit ich reflektieren kann) Nordzypern als selbstständigen Staat anerkannt und ist auch unterstützend tätig. Da sind EU und Türkei deutlich konträr.
Nun kann eine Einbindung in ein formales Bündnis auch befriedigend und stabilisierend wirken, weil es die Bündnispartner (ich weiß - Grönland) im Normalfall zur gegenseitigen Rücksichtnahme anhält. Allerdings hat da schon das NATO-Bündnis bei der Teilung von Zypern jämmerlich versagt.
(20.04.2026, 18:41)alphall31 schrieb: ...Sollte es zu einem Konflikt zwischen Türkei und diesem Bündniss kommen ist automatisch die usa auf Seite Israels. Das es zu einem Konflikt zwischen Israel /usa und der Türkei kommt halte ich eh für sehr wahrscheinlich.
Es könnte sich also ein Konflikt Israel / USA vrs. Türkei anbahnen. Der Sultan ätzt jedenfalls sehr deutlich gegen Israel - während andererseits Donald der Leibhaftige immer wieder deutlich macht, dass er den Sultan eigentlich bewundert und schätzt - Autokraten unter sich halt.

Ich weiß nun nicht, wie stabil die Beziehung zwischen DT und Netanjahu noch ist. Angeblich soll Donald sich von Netanjahu in eine ausweglose Position gebracht fühlen. Und man soll ja auch Beziehungen zwischen Staaten nicht "Personenabhängig" sehen.
Insoweit könnten Israel und die Türkei gleichermaßen enge Beziehungen zur EU haben - wenn denn die Streitpunkte zwischen diesen und der EU nicht wärem.
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#52
(20.04.2026, 20:18)Broensen schrieb: ...

Es ist noch nicht allzu lange her, da haben wir noch drüber diskutiert, ob man Erdogan nicht aus der NATO ausschließen könnte.
aktuell zeigt sich, wie wichtig ein Transitweg nach Zentralasien ist, der gerade nicht über Russland führt und von Russland nach Gutdünken unterbrochen werden kann.
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#53
(23.04.2026, 09:40)Kongo Erich schrieb: aktuell zeigt sich, wie wichtig ein Transitweg nach Zentralasien ist, der gerade nicht über Russland führt und von Russland nach Gutdünken unterbrochen werden kann.

Die Alternative führt aber durch Aserbaidschan sowie Armenien und/oder Georgien. Auch deshalb glaube ich dass Rußland sich nach dem Ukrainekrieg nicht weiter auf Europa konzentriert, sondern Richtung Aserbaidschan aktiv werden wird.
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#54
Georgien ist nach einem Blitzkrieg teilweise von Russland besetzt.
Aserbaidschan hatte bereits türkische F-16 (im letzten Krieg gegen Armenien) auf den eigenen Basen.
Russlands einzige verbliebener Partner, Armenien, hat sich infolge dieses Krieges von Russland abgewendet.
Die "russische Aera" im Kaukasus ist vorbei und dürfte auch nach dem Ende des Ukraine-Krieges schwer wieder herstellbar sein.
Was dann?

Aserbaidschan und die Türkei umarmen sich noch recht locker, sind aber dabei, direkte Verbindungen zu schaffen.

In Georgien und Armenien gibt es starke Kräfte, die nach Europa schauen. Und auch die EU sucht neue Partner, um Handelsrouten auszubauen und Einfluss zu stärken. Der (leider etwas eingeschlafene) Verkehrskorridor Europa-Kaukasus-Asien (deutsch für Transport Corridor Europe-Caucasus-Asia, kurz TRACECA) ist ein Verkehrs- und Kommunikationsprojekt, das Europa und Mittelasien verbinden soll. Er war eigentlich Vorläufer der chinesischen "Seidenstraße"-Initiative.

Georgien knüpft auch Verbindungen in die Ukraine, die in einem erneuten Waffengang mit Russland hilfreich sein könnten. Das sieht letztendlich nach einer EU-Orientierung aus. Und das würde die "Turan-Schiene" zwischen Türkei, Aserbaidschan und Zentralasien durchaus ergänzen.
Armenien schaut zudem nach Teheran, aber mehr notgedrungen als aus großer Liebe.

Was hat das nun mit dem Thema "Israel vs. Türkei" zu tun?
Möglicherweise wäre - zumindest für die Armenier und Georgier - auch Israel ein interessanterer Partner als Russland.
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#55
Wobei man anmerken sollte, dass es israelische Kontakte nach Georgien und auch Armenien bereits gibt. Erst kürzlich haben bspw. in Israel Juristen den Völkermord an den Armeniern 1915 als solchen benannt - was in Armenien sehr wohlwollend aufgenommen wurde. Seitdem vermelden armenische Newsagenturen ständig, dass sich beide Länder noch mehr annähern würden.

Unabhängig davon schätze ich auch, dass die derzeit etwas kriselnden türkisch-israelischen Beziehungen sich wieder normalisieren werden, sobald es eine "Nach-Erdogan-Zeit" gibt und sich der laizistische Teil der Gesellschaft in der Türkei wieder mehr durchsetzen wird. Das ganze schrille Theater rührt ja zu einem erheblichen Teil von Erdogans teils fundamentalistischer Rhetorik her.

Schneemann
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