Geschichte Israels
#14
Zitat:Allerdings habe ich zu Deir Yassin auch auf die Angabe der Bundeszentrale für politische Bildung verwiesen, welche die Angabe von IRIB bestätigt - will sagen: auch nicht ganz seriöse Quellen können richtige Angaben machen ...
Jein, sie stützt sich auf Christopher Sykes, der indessen aber nicht beim Konflikt anwesend war. Zudem war dieser bekennender Arabist und Gegner der jüdischen Einwanderung. Zweifel will ich also angemerkt haben. Aber ich lasse es mal fairerweise so stehen.
Zitat:damals waren aber die Trennungen nicht so scharf - die israelischen Streitkräfte sind aus den irregulären Einheiten hervorgegangen, bzw. diese irregulären Einheiten sind sukzessive in den israelischen Streitkräften integriert worden.
Israel wurde am 14. Mai 1948 als parlamentarische Republik proklamiert - Deir Yassin war vorher, auch die Vertreibung der Bewohner von Al-Scheich Muwanni am 30. März 1948 - das konnten seinerzeit nur "irreguläre" Einheiten sein, und das waren keine "regulären Kämpfe".
Sie war vor der Staatsgründung i. d. T. nicht so scharf, aber dennoch haben alle anderen, nichtextremistischen jüdischen Gruppen und auch jüdische Persönlichkeiten des Zeitgeschehens (Hannah Arendt, Einstein, Ben Gurion) die Ereignisse in Deir Yassin verurteilt. Das ist wichtig. Sowas gab es bei vergleichbaren arabischen Massakern nicht. Da wurde höchstens geklatscht auf arabischer Seite...leider...
Zitat:Bemerkenswert ist auch, dass ehemalige Führer der Irgun später zu hohen politischen Ämtern aufgestiegen sind und die Likud geprägt haben, z.B. Menachem Begin - das heißt nicht, dass auch ehemalige Terroristen nicht lernfähig wären, aber die Gedankenwelt wird doch in einem bestimmten Maß auch in das politische Leben mitgenommen.
Die Tendenz, dass vormals extremistische und radikale Personen nach einer Staatsneu- oder Staatsgründung mit in die Politik dieses neuen Staates eingebunden werden und in den sich entwickelnden neuen Staat integriert werden, ist indessen kein typisch israelisches Gespinst. Das findest du in vielen Staaten weltweit – und in Israel teils eben (leider) auch. Wobei ich indessen a) dies nicht gutheiße, b) aber auch keinem Staat einen Strick daraus im Grundsatz drehe, solange er sich (danach) demokratisch formiert.
Zitat:Vielleicht könnten wir uns auf Grundlage der Aussagen der Bundeszentrale f. politische Bildung auf folgende Grundaussagen einigen:
1882 bis 1903 - erste jüdische Einwanderungswelle mit ~ 30 000 Einwanderern bei 350.000 arab. Bewohnern

bis 1915 - zweite jüdische Einwanderungswelle mit zusätzlich ~ 55 000 Einwanderern, das Verhältnis der jüdischen Einwanderer zu den Palästinensern stieg auf 1:4, steigende Angst der Araber vor Überfremdung (ich erinnere hier an die Diskussion im Migrations- und Integrationsstrang über die "nicht verkraftbare Zuwanderung); die bleibenden Migranten der 2. Einwanderungswelle wie David Ben
Gurion waren maßgebliche Akteure in der Forderung nach einem eigenen jüdischen Staat auf (noch) palästinensischen Boden;
Das ist historisch weitgehend richtig. Okay, aber ich weiß immer noch nicht genau, welchen Vorwurf du daraus ableiten willst bezüglich Israel.
Zitat:die dritte jüdische Einwanderungswelle führte dann 1920 und 1921 zu gegenseitigen Ausschreitungen - von Arabern gegen weitere jüdische "Überfremdung" - und radikaler Zionisten zur Vertreibung der Araber
Nein. Es gab da keine Vertreibungen. Die gegenseitigen Fluchtbewegungen fanden erst ab 1948 statt.
Zitat:1931 - 1939 fand dann schon (nun auch aufgrund der Judenverfolgung) die fünfte (!) Einwanderungswelle jüdischer Zuwanderer statt, mit 265 000 Zuwanderern war dann auch von der Bevölkerung her "Parität" erreicht ....
Nein. Eine bevölkerungstechnische "Parität" gab es zu diesem Zeitpunkt so nicht. Grob war das etwa die Konstellation 1:2, wobei die Araber aber rund 80% des Bodens kontrollierten (und diesen indessen teils nicht mal nutzten). Die jüdische Bevölkerung forderte sogar nicht mal den eigentlich (rechnerisch) logischen Anteil, sie wollte nur einfach einen kleinen Platz, aber nicht einmal dazu war die arabische Seite bereit...
Zitat:1939 wollten die Briten die jüdische Zuwanderung erneut begrenzen (auf 75 000 Personen auf 5 Jahre hin),

Korrekt.
Zitat:...und das war die Antwort auf einen Beitrag von Nightwatch im Israel - Iran Strang, wonach Israel 48, 67 und 73 angegriffen wurde. Mir ist immer noch nicht klar, was an dieser Aussage falsch gewesen sein soll.
An ihr ist ja auch nichts falsch. Er hat hier schlicht recht. Soll er aber bei Bedarf selbst was zu sagen, falls du das weiter ausgeführt haben möchten würdest.
Zitat:Nicht der am 14. Mai 1948 proklamierte Staat Israel ist "unschuldig" angegriffen worden,
Entschuldigung, aber sicher doch! Einigungsmöglichkeiten gab es genügend. Nur die arabische Seite wollte dies nicht. Kann man in jedem Geschichtswerk nachlesen.

Schneemann.
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