15.09.2006, 02:50
@Ingenieur

Der Wächterrat kann vielleicht in der Theorie aber nicht in der Praxis jedes Gesetz nach belieben blockieren. Irgendwann würde er sich unglaubwürdig machen. Interessant ist auch die Frage, was wie durchgesetzt und geahndet wird. Auch da muss man sich in der Regel einem ständigen gegensieitgen Kompromiss stellen.
"Die Mullahs" kennen sich mit Revolutionen aus. Niemand hat dort ein Interesse daran, das Volk gegen sich aufzuhetzen. Sagt der Wächterrat also 2 mal Nein, muss er auch zwangsläufig mal zähneknirschend zustimmen. Die Iraner sind zudem ein junges Volk (<30 im Schnitt). Selbst mit Zensur lassen sich 17Mio Internetnutzer nicht von der Welt und den internationalen Medien abschotten.
Die Konflikte/Machtkämpfe, sowie der stattfindende(!) interne Dialog zwischen Reformern und Konservativen sind durchaus belebende Elemente für einen gesellschaftlichen und politischen Findungsprozess. Das sind Fragen und Kompromisse mit denen sich die Iraner auseinandersetzen müssen. Die gesamte islamische Welt (vor allem Gesellschaft&Klerus) wird nur auf einem eigenen geigneten (Mittel-)Weg seine poltische und dauerhafte Selbstverwirklichung finden. Für diesen Weg dorthin war die islamische Revolution im Iran eine wundervolle Sache.
Zitat:Eine Frau als Vize-Präsident?? Wahnsinn! Über dieses Forum lernt man doch einiges dazu...Siehste mal. Auch wenn sie leider oft noch benachteiligt sind, kommt den Frauen im gesellschaftlichen Leben traditionell keine untergeordnete Rolle zu. Sowas musst Du eher in anderen Ländern suchen. Zum Beispiel in Saudi Arabien, oder vielleicht in der Pornosammlung Deiner Kumpels.
Zitat:Aja, wusste ich nicht. Bei Wiki wurde es anders formuliert:Das mag sein, dass es dort anders formuliert wurde. Gleichzeitig ist es aber vor allem auch so wundervoll verkürzend geschrieben.
Das Aufleben der Pressefreiheit dauerte allerdings nicht sehr lange an. Der Wächterrat macht die Gesetze mit Verweis auf Unverträglichkeit mit dem Islam rückgängig und blockierte fortan nahezu alle Reformversuche des Parlaments.
Seitdem sehen sich die Reformer mit großen Vertrauensverlusten in den reformwilligen Bevölkerungsgruppen konfrontiert. Die Enttäuschung über die Ohnmacht des Parlaments führte bei den letzten Kommunalwahlen (2003) zu sehr geringer Wahlbeteiligung (Landesschnitt 36 %, in Teheran 25 %) und zu einem klaren Sieg der konservativen Kräfte.

Der Wächterrat kann vielleicht in der Theorie aber nicht in der Praxis jedes Gesetz nach belieben blockieren. Irgendwann würde er sich unglaubwürdig machen. Interessant ist auch die Frage, was wie durchgesetzt und geahndet wird. Auch da muss man sich in der Regel einem ständigen gegensieitgen Kompromiss stellen.
"Die Mullahs" kennen sich mit Revolutionen aus. Niemand hat dort ein Interesse daran, das Volk gegen sich aufzuhetzen. Sagt der Wächterrat also 2 mal Nein, muss er auch zwangsläufig mal zähneknirschend zustimmen. Die Iraner sind zudem ein junges Volk (<30 im Schnitt). Selbst mit Zensur lassen sich 17Mio Internetnutzer nicht von der Welt und den internationalen Medien abschotten.
Die Konflikte/Machtkämpfe, sowie der stattfindende(!) interne Dialog zwischen Reformern und Konservativen sind durchaus belebende Elemente für einen gesellschaftlichen und politischen Findungsprozess. Das sind Fragen und Kompromisse mit denen sich die Iraner auseinandersetzen müssen. Die gesamte islamische Welt (vor allem Gesellschaft&Klerus) wird nur auf einem eigenen geigneten (Mittel-)Weg seine poltische und dauerhafte Selbstverwirklichung finden. Für diesen Weg dorthin war die islamische Revolution im Iran eine wundervolle Sache.
Zitat:Nein, ganz sicher kein Stillstand. Sondern ein Weg aus Fort- und Rückschritten. Das ist ein augenscheinlich kleiner, aber ganz entscheidender Unterschied.Zitat:Wenn diesem das Gesetz nicht gefällt, wird es abgelehnt. Letzterer kann blockieren, aber nicht agieren. Das führt zu dem von Patriot beschriebenen typischen Effekt im Iran: Zwei Schritte vor und einer zurück.Eher Stillstand.