23.01.2006, 23:00
Zitat:...Dem letzten Satz muss ich widersprechen, ansonsten ist es schon ganz richtig, was du weiter oben schriebst, an sich.
Ich ordne den aktuellen Streit daher wesentlich realistischer ins Gesamtbild ein, als Du das tust und vor allem bereit bist, mir das zuzutrauen.
Nur, jetzt muss man eben wieder mit dem richtigen Politikverständnis kommen.
All diese Punkte, all diese Variablen bedenke ich mit Sicherheit (das garantiere ich dir gerne

Aber, es reicht eben nicht zu sagen: Alles hängt einfach mit allem zusammen.
Man muss schon den Ansatzpunkt finden und das ist nunmal die Atomfrage! Alles übrige ist eben der Hintergrund, die diese Frage näher definiert und in ihrem Fortgang bestimmt.
Ich kram mal in der Wissenschaftsmethodik:
Da besteht das Explanans ( das erklärende) nunmal auch aus dem Gesetz (bezogen auf eine Sache, eine Situation u.ä.) und die Rahmenbedingungen.
Daher verteidige ich durchaus auch meinen Ansatz, der absolut nicht unrealistischer ist als der deinige.
Beide sind möglich, rein methodisch ist deiner etwas unübersichtlicher...
Zitat:...da reichen den US-Falken im Grunde schon die Hälfte der aufgezählten Punkte um einen Krieg, oder Regimechange ganz oben auf die Agenda zu setzen.Naja, zwischen sie würden es so gern haben und es sich wünschen und oben auf die Agenda setzen bestehen schon große Differenzen.
Will heißen: Natürlich ist der Iran für Washington der bad Boy, natürlich will ihn man aus einigen aus den vor dir benannten Gründen gerne weg haben, aber es geht nunmal um einen Realitäts- und Verwirklichungsbezug in Sachen Politik, um die Möglichkeiten der Realisierung. Und da ist die Atomfrage wieder mal der Kritallationspunkt, der Katalysator und das Konzentrat zugleich.
Alles andere steht da zurück oder in sekundärer, nachfolgender Verbindung.
Außerdem, ganz realistisch die Agenda der amerik. Foreign Policy sieht auch de facto einen Iran change im Iran kaum als prioritativ oder als so einfach umsetzbar an. Da gibst du zu viel auf iranische Paranoia.
Zitat:aber man muss diesen Konflikt nunmal anhand dr abhängigen Variablen betrachten.Rein von der Methodik: Wenn du hier von abhängigen Variabeln sprichst (was so nicht der Fall ist), würdest du den Atomstreit aber als zentrales Element, sein Ausgang als unabhängige, entscheidende Variabel ansehern. Würde also deiner agnazen Argumentation widersprechen.
Zitat:Den iranischen Vorschlag einer von Europäern, oder Amerikanern betriebenen Anreicherungsanlage im Iran, fand ich auch nicht schlecht und wäre vermutlich auch die objektiv beste Lösung gewesen. Nur würden diese einen Teufel tun, als in die iranische Atomindustrie zu investieren. Das wäre medial wohl kaum zu vermarkten.Naja, ich denke, dass man da nicht nur die Investition scherlich vermarkten könnte, sondern auch die westliche Dummheit und Gutgläubigkeit. Sorry, aber so dumm ist man von Seiten des Westens definitiv nicht.Man setzt doch dne Iranern kaum ne betriebebereite Anlage hin und läßt die Iraner auf den nächst-besten Moment warten, um die Amis und die Europäer aus dem Land zu
jagen...
Solch eine Lösung wird man wohl kaum gerne sehen seitens der EU und der USA.
Zitat:Nun das sagst Du, das sagen die Europäer >heute<. Bei Verhandlungsbeginn sah das noch anders aus : ...The suspension will be sustained while negotiations proceed on a mutually acceptable agreement on long-term arrangements. ... The E3/EU recognize that this suspension is a voluntary confidence building measure and not a legal obligation...Zunächst, dank Ahmedneschad hat sich das Klima definitiv verschlechtert. Jetzt ist man auch von Seiten der Eu nicht mehr so gut auf den Iran zu sprechen. Desweiteren wurde diese confidence building measure eben unterbrochen. Und eigentlich sollte eien tragfähige Lösung erarbeitet werden. Es war nix festgelegt, was nun letztlich das Ziel bzw.der Status bei sowas sein soll.
Zitat:Bei einem >echten Kompromiss< wird man den Iranern aber auch Sicherheitsgarantien geben müssen!Wenn du das so siehst... Bißchen entlarvend ist deine Argumentation schon... Der Kompromiss wäre, dass der Iran Atomenergie hätte (und darum ging es angeblich) und dass aber die komplette Technik nicht in seinen Händen liegt und so die Gefahr der Nuklearwaffen gebannt wäre....
Denn da besteht derzeit eine sehr einseitige Drohkulisse angesicht der Umzingelung mit US-Streitkräften und 200-300 israelischen Atomsprengköpfen auf der einen und Pakistanischen und Indischen Sprengköpfen zu anderen Seite.
Will man einen *echten* Kompromiss muss man auch dem dringenden Sicherheitsbedrüfnis der Iraner nachkommen.
Das was Du Dir und die EU3 und USA unter Kompromiss vorstellen, ist dem Iran die Pistole an den Kopf zu halten.
"Echte Kompromisse" kommen auf diese Weise nur sehr begrenzt bis garnicht zustande.
Welche Sicherheitsgarantien soll der schon erhalten und wofür mal ganz provokativ?? Ich dächte es ging doch immer nur um die Atomenergie und eben nicht um erhöhte Sicherheit für den Iran durch die Atombombe oder die Drohung damit.. Sorry, aber mit sowas entlarvt man sich nur selbst.
Ginge es dem Iran wirklich nur um Atomenergie, so könnte man sich eben schon einigen. Aber es geht hier um die Bombe, um die Drohung damit und die damit verbundenen Rahmenbedingungen, die der Iran ziemlich paranoid wahrnimmt.
Zitat:Nur braucht mir dann auch keiner damit zu kommen, der Iran würde Spielchen treiben und solle doch einem achso "dollen und fairen" Kompromiss zustimmen.Natürlich treibt der Iran sein Spielchen mit der Drohung eine Atombombe zu bauen. es ist fast dasselbe wie beo Nordkorea. Plumpe, offensichtliche Erpressung aus westlicher Sicht. Nur bleibt die Frage, wie hier verfahren werden kann und wird...
Zitat:Somit habe ich eben nunmal meine begründeten Zweifel, ob man überhaupt ernsthaft an einem Kompromiss interessiert ist, oder ob man den Iran nicht schlichtweg seine eigene Vorstellungen aufzwingen möchte.naja, Frage: Welche Ebene beziehst du dich da jetzt? Die Atomfrage oder den Hintergrund? In Sachen Atomfrage kann nach offiziellem iran. Ziel (Atomenergie bei sich zu Haus) durchaus ein Komrpomiß erreicht werden, in den Fragen der geopolitischen Machtbalance sicher nicht!