17.05.2026, 11:19
(17.05.2026, 10:34)Pmichael schrieb: Aber die Tatsache, dass Diehl ihre IRIS-T Familie in Massen produzieren kann ist ein 'no brainer'.
Echt, ok, Diehl produziert zwar derzeit nicht mal alle IRIS-T Varianten für den Markt vollständig selber, aber was soll's?
(17.05.2026, 10:34)Pmichael schrieb: Auch ist CAMM nur in der Royal Navy und Schweden für die Visby Boote in Zukunft im Einsatz in Europa.
MICA hat eine noch schlechtere Exportrate in Europa mit nur Bulgarien.
Rechnen wir mal:
- Anzahl Marinen in Europa die IRIS-T verwenden: 0
- Anzahl Marinen in Europa die CAMM verwenden: 4 (Großbritannien, Italien, Polen, Schweden)
VL-Mica ist eine Low-End-Lösung, die fährt in Europa keiner, weil es bessere Lösungen gibt.
(17.05.2026, 10:34)Pmichael schrieb: Scheint mir irgendwie kein so überfüllter Markt zu sein, vor allem da IRIS-T mit SLX und HYDEF einem enormen großen Bereich abdecken wird.
Ja, irgendwann mal abdecken wird - dummerweise hilft uns das im hier und heute nicht weiter. Bis dahin haben wir leider nur das Mk 41-Ökosystem oder halt das Sylver-Ökosystem, was faktisch für alle derzeitigen Bedrohungen im Kontext der Marine ausreichend ist.
(17.05.2026, 10:34)Pmichael schrieb: Aber wir sollten an die armen Franzosen und Briten denken und einfach das Potenzial nicht nutzen...
Und das IRIS-T ein pragmatischer Ansatz für multinationale Entwicklungen ist, ist jetzt ein negativer Punkt? Wäre es sensibler wenn man den Firmensitz nach Toulouse verlegt damit es wirklich nach richtiger europäischer Entwicklung aussieht?
Deine Argumentation ist schon interessent. Wenn Frankreich sein politisches Gewicht nutzt, um französische Produkte in den Markt zu drücken ist das "böse", wenn Deutschland das bei IRIS-T SLM macht, ist das aber ok?
Wieviele Kaufverträge für IRIS-T SLM gab es nochmal vor 2022 und unter welchem Deckmantel kommen jetzt die ganzen neuen Nutzerstaaten dazu?

Oder noch mal auf den Punkt gebracht: Selbst wenn deine Bewertung der französischen Position korrekt wäre, ist es nicht hilftreich, dass Deutschland sich dann wie ein Kleinkind auf den Boden wirft, mit den Fäusten trommelt und schreit "Dann mir wir das alles jetzt auch selber! Viel besser als ihr! So!".
Hilfreich wäre es, wenn Deutschland mit seinem politischen Gewicht auf Ebene der EU eine Konsolidierung herbeiführt und klar geregelt wird, welches Produkt in Zukunft was leisten soll! Klare Vorgaben, damit diese Verschwendung kritischer wirtschaftlicher Ressourcen mal aufhört.
Mir ist es völlig egal, ob der neue "Standard" in Europa CAMM, Aster, IRIS-T oder sonstwie heißt - solange er die operativen Anforderungen erfüllt und auf Ebene der EU querschnittlich genutzt wird.
So eine Konsolidierung der europäischen Streitkräfte überlässt man doch nicht dem Markt.
Zum Abschluss mal ganz persönlich von mir eine Anmerkung: Die deutsche Rüstungsindustrie liefert regelmäßig genauso schlecht ab, wie alle anderen auch bzw. hinkt in manchen Bereichen massiv hinterher, weil Deutschland halt alles kaputt gespart hat.
Ich habe hier manchmal das Gefühl, dass jeder Rüstungsgüter mit Spielzeugautos verwechselt, die man mal eben so zusammen schraubt. So eine Flugkörperfamilie zu entwickeln dauert Jahrzehnte, wenn man die richtigen Leute dafür hat - und oh Wunder, die sind in Europa nun auch nicht verfügbar wie Sand am Meer und die Rüstungsfirmen zahlen teils horrende Gehälter und Prämien, um solche Leute anzuwerben.
Und in dieses Feuer gießen wir jetzt noch überall Benzin? Weil die anderen so "gemein" waren? Echt jetzt?
Was derzeit in der Rüstungsindustrie abläuft ist reinste Goldgräberstimmung! Jeder versucht das Maximum an Aufträgen und Geld für sich zu kassieren - ob auch nur ein Bruchteil davon termingerecht geliefert wird, steht doch aktuell in den Sternen.
IRIS-T ist als Flugkörper doch ein Paradebeispiel: Der braucht erstmal ordentlich Elektronik und somit sind wir wieder beim Problem seltene Erden und wo die Chips herkommen.
Solche Themen wie ein IRIS-T navalisiert müssen ganzheitlich betrachtet und bewertet werden. Ansonsten läuft es wie immer: Der Sales Manager für Produkt A findet einen "Entscheider beim Kunden", erzählt wie toll das Produkt ist und was der Kunde an Geld spart, der Vertrag wird unterschrieben und hinterher wundert sich der Kunde, was da alles für Zusatzkosten und Personalaufwand für die Einführung des Produktes auf ihn zukommen. Dann rutscht der Terminplan und alle sind wieder am Maulen.
Diese Debatte hier ist ein Paradebeispiel dafür, was gerade falsch läuft: Es wird mit Namen, Buzzwords und Befindlichkeiten argumentiert und der fachliche Teil kommt halt irgendwann später.
Sorry, aber dafür ist mir meine Zeit zu Schade.
