06.05.2026, 17:38
(06.05.2026, 14:42)DopePopeUrban schrieb: Da steht "Lernkurve", nicht "hohe Anforderungen an Lernprofile".
ANCS ist sehr auf den Nutzer zugeschnitten, heißt guter und intuitiver Workflow, gewisse Anpassbarkeit und Flexibilität für denjenigen, der an der Konsole sitzt. Aber es funktioniert sehr anders als andere CMS, daher ist die Lernkurve für das ausführende Personal hoch, da man sozusagen das Laufen neu lernen muss. Für Jemand der an Tacticos ausgebildet wurde, ist es sehr schwierig und zeitaufwendig in ANCS Fuß zu fassen, was die Ausbildung grundsätzlich verlängert und auch verteuert.
In der IT Welt wäre das Linux OS hier vermutlich das näheste Äquivalent. Es bietet unglaubliche Flexibilität und einen fantastischen Workflow wenn man damit klarkommt, aber es funktioniert eben grundlegend anders (und deutlich komplexer) als Windows oder MAC, weshalb der Weg bis zum fließenden Arbeiten in Linux für die meisten Nutzer einfach eine gigantische Hürde ist. Deshalb geben sich Nutzer und Unternehmen mit anderen OS zufrieden, die zwar objektiv betrachtet weniger ermöglichen aber einfacher und günstiger im Unterhalt sind. Mit CMS ist es nicht anders, idealerweise sollen die OPZ-O/M ja keinen Doktor machen müssen um ihre Konsolen bedienen zu können.
Wie gesagt ist das keinesfalls der einzige Grund, warum man ANCS nicht flottenweit einführt aber es gehört eben auch dazu.
Die Lernkurve für das Personal ist identisch, aber im Gegensatz zu uns unterhalten die auch kein Standard-CMS. ANCS kommt dort nur auf den A-200 und A-100MB zum Einsatz, weshalb die ganzen Kopfschmerzen hinsichtlich der Integration von fremden Systemen wegfallen. Aus dem selben Grund können Kleinmarinen auch bspw Schiffe mit SETIS unterhalten.
Wir hingegen müssten neben der Neuausbildung auf ANCS jeden Furz und Feuerstein den wir aktuell im Bestand haben in ANCS nutzbar machen. Alleine auf den Surface Combatants sind in der DM aktuell 7x verschiedene Radarsysteme in Verwendung von denen glaube ich nur ein einziges bislang in ANCS integriert ist. Während das bei einem Saab 9LV oder einem Tacticos nicht so problematisch wäre, bei ANCS ist es das hingegen schon.
Wieso das denn? AEGIS verkauft sich doch Wunderbar, SETIS genauso, Athena auch.
Nicht jeder Exportkunde hat Willen oder Bedarf an großen Sonderwünschen was die Ausstattung seiner Einheiten betrifft. Das Problem der deutschen Goldrandlösung trifft auf viele Marinen einfach so nicht zu, weshalb die Flexibilität oder Systemoffenheit eines CMS dort keine so große Rolle spielt.
Wozu braucht ein Exportkunde ein möglichst Anpassungsfähiges CMS, wenn er sich so oder so nur in einem sehr eng abgesteckten Ausrüstungsrahmen bewegt. Bspw ist SETIS speziell für den französischen Marineschiffbau (nicht für die MN, für den Schiffbau generell) entstanden, der sich immer in relativ stringenten Ökosystemen bewegt was Sensoren und Effektoren betrifft. Daher muss SETIS auch nicht sonderlich anpassbar sein, weil es einfach nicht mit viel Diversität konfrontiert wird. Die paar Neuerungen die alle paar Jahre aufkommen, sind dann zwar etwas kostspieliger und zeitaufwändiger in der Integration in SETIS, dafür ist das System aber auch äußerst Leistungsstark.
Auch die DM würde von einem ähnlichen System profitieren, selbst wenn man dadurch Flexibilität einbüßt. Vorausgesetzt die Systembestände der DM werden standartisiert, bei dem aktuellen kuddelmuddel wird das nichts.
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Ansonsten wäre ich jetzt aber dafür, die CMS-Diskussion in den Deutsche Marine Thread auszulagern.
Danke, meien Fragezeichen wurden gut beantwortet ...OT off.
