(See) Next Generation Frigate F127 (F124 Nachfolger)
(04.05.2026, 22:36)DopePopeUrban schrieb: Ich versuchs mal nach bestem Gewissen zu erklären.
Auch um eine Grundlage für den zukünftigen Diskurs rund um das CMS-330 zu schaffen.
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Warum bringt uns das CMS-330 in das selbe (politische) Abhängigkeitsverhältnis, wie AEGIS?

Vereinfacht gesagt liegt das an der Herkunft des Systems, denn der definierende Faktor in diesem Sachverhalt ist nicht die AEGIS-„Anbindung“ (die keine Anbindung ist da das CMS lediglich als Interface Anwendung findet aber das sind jetzt Details), sondern der Hersteller.

Das CMS-330 ist ein von Lockheed Martin Canada entwickeltes Combat Management System, soweit so gut.
Was ist Lockheed Martin Canada?

Lockheed Martin Canada (fortwährend LMC) ist eines von insgesamt 3x „International Units“ des US-Konzerns Lockheed Martin (fortwährend LM), ansässig in Ottawa und geführt von Kristen Leroux in der Rolle des CEO. LMC ist eine unter kanadisches Recht fallende Tochterfirma LMs und befindet zu 100% in dessen Besitz. In Kanada ist es verantwortlich für den Vertrieb und den Unterhalt von Produkten des Mutterkonzerns an und in den kanadischen Streitkräften, sowie (teilweise) außerhalb Kanadas.
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Jetzt zu dem Punkt, den du (und auch andere hier) glaube ich nicht verstehen.

Nehmen wir mal folgenden Fall an:
Im Status Quo sind X-Einheiten der deutschen Marine mit dem CMS-330 ausgerüstet, andere mit AEGIS und dem CMS-330 Interface. Die Marine ist (wie beim Export eines CMS üblich) mit einigen grundlegenden Fähigkeiten für den Unterhalt ausgestattet worden und kooperiert mit LMC der als Support-Dienstleister agiert (was ebenfalls üblich ist). Eine 100%-ige Öffnung des Quellcodes findet nicht statt, was in 100% der Fälle auch üblich ist, damit das System vom Kunden nicht reproduziert oder geschäftsschädigend analysiert werden kann.

Nach Monaten des Streits zerwerfen sich Washington und Berlin endgültig. Von amerikanischer Seite aus wird, vielleicht als Druckmittel, vielleicht als Kurzschlussreaktion, vielleicht auch aus Laune, die Unterstützung der Bundeswehr von politischer und wirtschaftlicher Seite eingestellt. Bestellungen werden gestrichen, Verträge laufen aus, lokale Dienstleister geben ihre Standorte in Deutschland auf.

Lockheed Martin erhält ebenfalls diese Anweisung und leistet dem Folge. Die Bestellungen für weitere F-35 gestrichen, der Lockheed Martin Workshop in Wilhelmshaven stellt die Wartungs- und Unterhaltsarbeiten an Schiffen der Marine ein. Und das schließt das CMS-330 mit ein.

Warum ist das so, schließlich ist das doch ein „kanadisches“ CMS?
Rein rechtlich stimmt das auch, Washington hat auf der rechtlichen Ebene keine Möglichkeit, die Supportleistungen für das CMS-330 zu unterbinden… aber Lockheed Martin kann das.
Denn obgleich sie rechtlich gesehen zu nichts gezwungen sind, steht es dem Lockheed Martin Konzern völlig frei, im Rahmen einer Firmeninternen Entscheidung die Dienstleistungen für den Kunden Deutschland einzustellen. Exit-Klausel in Anspruch nehmen und auf nimmer Wiedersehen. Und dabei ist vollkommen egal, ob LMC das will oder nicht, da es sich in 100%igen Besitz LMs befindet. Wenn das lokale Management nicht so will wie der Mutterkonzern, geht der Vorstand am nächsten Tag völlig unerwartet in den Frühruhestand und wird durch „geeignetere“ (linientreue) Alternativen ersetzt, denn LMC ist nicht Kanada gegenüber sondern nur LM gegenüber verpflichtet. Das gilt im übrigen für so gut wie jedes Mutterkonzern-Tochterfirma-Gefüge, willkommen im Grundkurs Kapitalismus und Unternehmensstruktur.

Und Lockheed Martin hat in diesem Szenario jeden Grund, diesen Schritt zu gehen, denn sonst ist Washington böse mit ihnen. Und man will nicht, dass Washington böse auf Lockheed Martin ist denn Washington, präziser das MoW, verantwortet über 75% des Unternehemnsumsatzes.

Deswegen ist das CMS-330 in unserem Kontext kein kanadisches CMS.
Es ist das CMS einer in Kanada ansässigen Tochterfirma eines amerikanischen Unternehmens.
Großer Unterschied.
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Soweit einleuchtend?
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In Anbetracht dessen, dass das CMS-330 auf den CSC lediglich als Interface Anwendung findet, dass wie das Saab 9LV in Australien einfach nur Optik und Bedienung des AWS ändert, verstehe ich diesen Punkt nicht.
Ich glaube es bis kein einziges Schiff auf dieser Welt, dass verschiedene Sensorik über zwei verschiedene aber paralle arbeitende CMS verwendet. Sowas dürfte technisch defacto unmöglich sein, alleine schon weil es keine Grenze zwischen „Alles außer BMD“ und BMD gibt,

Die Wartung von in Dienst stehenden waffen Systemem wird also ohne jegliche Dokumentation und Streitkräfte Wartung irgendwelchen kanadischen LM Mitarbeitrrn überlassen, diesomit im Krieg mit einschiffen mit 30 anderen von Hendsoldt, Leonardoo, Thales etc... Pro schiff wohlgemerkt.. AngelBig Grin
(Nach pearl harbour gab es das mal wegen der Dringlichkeit... Sondt nie wieder abseits der werft Inbetriebnahme Fahrten)

Du merkst hoffentlich schon, wie weltfremd dss von dir geschildertec Szenario auf See ist.
Die USA haben uns nicht mehr lieb und selbst ohne kill switch geht keine ESSM mehr raus?

Software Updates könnte USA ggf verweigern...
Wenn der kill switch nicht existiert aber nicht die bereits eingebaute Funktion.
Alles steht und fällt somit mit den vertraglich eingekauften Hardware Komponenten... Denn die können ausfallen.
Bei Software in einem geschlossenen System eher weniger... Da gibt es bugs, keine frage, aber immer mitgelieferte entstör routinen....dss ist teil des Pakets, dsss man kauft.

Ein Kriegsschiff ist im krieg wochenlang autark.
Die Wartungshotline für waffen wird im Einsatz dann zumindest nach parow ins assessment center eröffnet... nicht in die USA.
(wurde mir in parow explizit bestätigt)

Aber auch das, werde ich explizit nachfragen, wenn ich in WHV Gelegenheit dazu habe.
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RE: Next Generation Frigate F127 (F124 Nachfolger) - von Milspec_1967 - 04.05.2026, 22:55
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