(Luft) Future Combat Air System (FCAS) und New Generation Fighter (NGF)
(26.04.2026, 18:08)Broensen schrieb: Diese Rahmenbedingungen sind auch mit daran schuld, dass wir es in Europa nicht schaffen, einen sinnvollen Flotten-Mix zu planen. Jeder Staat muss mit seinen eigenen Rüstungskäufen für seine eigene Industrie das beste raus holen. Würde man eine gemeinsame Planung vom europäischen Gesamtbedarf her planen, könnte man sicher mit zwei aufeinander abgestimmten und ggf. auch eng verwandten Mustern jedem Bedarf besser gerecht werden, als so wie sich derzeit die Entwicklungsstränge abzeichnen.

Das habe ich im Beitrag vor dem zitierten als Problem 2 benannt, wobei das nicht nur ein politisch-industrielles, sondern auch ein militärisches Problem ist. Trotz grundsätzlicher Richtungsentscheidungen beispielsweise durch die NATO gibt es weiterhin in allen europäischen Militärs eigene Schulen mit teilweise nur nuancierten, teilweise aber auch drastischen Unterschieden in Bezug auf die Einsatzdoktrin sowohl im multinationalen Verbund wie auch in nationaler Eigenregie. Dadurch beginnt jedes Projekt bereits auf der militärischen Ebene mit unterschiedlichen Anforderungen, die keineswegs objektiv und losgelöst von nationalen Eigenheiten, sondern subjektiv aus Basis eigener Tradition und Denkweise begründet sind. Abseits der Trägerfähigkeit ist bereits das ein Problem des NGF (und genauso ein Problem bei allen anderen gemeinschaftlichen Projekten auch). Dies unterstützt dann natürlich auch bestehende die politisch-industrielle Zerfaserung und verhindert deren eigentlich notwendige oder zumindest sinnvolle Konsolidierung. In Europa glauben wir, wir könnten uns den Luxus von fünf oder mehr (je nach Zählweise) Kampfflugzeugherstellern leisten, die mit vergleichsweise geringen Unterschieden das gleiche parallel entwickeln und noch dazu abseits der nationalen Märkte zueinander in Konkurrenz stehen, aber von der außereuropäischen Konkurrenz überflügelt werden. Gleichzeitig stärkt diese Diversifizierung nicht das Fähigkeitsspektrum, wie vielfach behauptet, sondern es schwächt ein solches aufgrund der nationalen Forderungen nach einer ganzheitlichen Aufstellung der eigenen Streitkräfte. Der auch hier im Forum teilweise vertretene Glaube, wenn das NGF scheitert wird Deutschland eben einen primären Luftüberlegenheitsjäger mit sekundären Jagdbomberfähigkeiten bauen, der langfristig konkurrenzfähig ist, und eine solche Komponente in einen europäischen Flottenmix einbringen, täuscht sich zwangsläufig gewaltig, weil es einen solchen Mix praktisch nicht gibt. Kein Land wird wegen deutscher Luftüberlegenheitsjäger auf den Ausbau der Luftkampffähigkeiten des eigenen Musters verzichten, umgekehrt wird auch Deutschland eben nicht die Maschinenin maximaler Stückzahl beschaffen, sondern einen eigenen nationalen Flottenmix aufbauen und beispielsweise weitere F-35 zukaufen.

Das ist wie bereits gesagt eine völlig unnötige Ressourcenverschwendung auf intellektueller, industrieller und finanzieller Ebene. Im Resultat wird die europäische Sicherheit daran nicht scheitern, zumindest nicht militärisch gegen Russland, was aber an dessen Schwächen und nicht unserer Stärke liegt. Wir (Europa) sind bereit, mit viel mehr Aufwand geringere Leistungen abzurufen, nur um stur an nationalen Wegen festzuhalten, was sich rein gesellschaftlich und gerade mit Blick in die Zukunft eigentlich völlig verbietet.
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RE: Future Combat Air System (FCAS) und New Generation Fighter (NGF) - von Helios - 27.04.2026, 09:16
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