Die Entwicklung der Landwirtschaft, des Staates und des Krieges
#18
Ein interessantes Fallbeispiel von Ackerbau, Sesshaftigkeit, Kriegsführung und ihren Folgen ist der Zerfall der Linearbandkeramischen Kultur die lange Zeit in weiten Teilen Mitteleuropas vorherrschend war.

Die linearbandkeramische Kultur war nun noch nie friedlich, schon von Anfang gab es Befestigungsanlagen, regelmäßige Kämpfe und Massaker sowie etwaig einige besonders kriegerische Gruppen die weitreichende Raubzüge unternahmen. Es gibt Hinweise auf systematischen Menschenraub, in einem Sonderfall anscheinend auch zum Zweck des Kannibalismus.

Nun kam es aber zum Ende der Linearbandkeramischen Kultur zu einem Klimaoptimum. Das ist konträr zu vielen anderen Zusammenbruchsphasen menschlicher Kulturen, die oft klimatischen negativen Veränderungen zum Opfer gefallen sind. Hier jedoch das Gegenteil. Das Klima wurde so hervorragend wie es nur sein konnte, die Bevölkerung explodierte (im Verhältnis der damaligen Zeit) und damit explodierte der Krieg. Zeitgleich tritt vermutlich die erste soziale Gliederung der Gesellschaften dieser Kultur auf, die vorher wahrscheinlich sehr weitgehend egalitär waren.

Besonders auffällig sind Veränderungen bei den Ritualen und den Begräbnissitten, was auf neue religiöse Vorstellungen schließen lässt und dass sich die Gruppen die vorher untereinander sehr ähnlich waren sich nun deutlicher unterscheiden (beispielsweise bei der Beerdigung der Toten).

Hochinteressant in diesem Kontext ist auch, dass früher bei dieser Kultur Frauen aus entfernten Gebieten geholt wurden oder einwanderten, was dann abreißt. Und dass es vorher weitreichende Handelsnetze gab, insbesondere für Feuerstein / Silex als wesentlichstem Rohstoff, welche dann zunehmend unterbrochen werden. Es kommt zu einem eindeutigen Zusammenbruch der Handelsnetze und damit zu Problemen mit der Rohstoffversorgung, aber warum? Es sind keine äußeren Umstände dafür ausmachbar, daher ist es meine These, dass proto-staatliche Strukturen, damit einhergehende religiöse Veränderungen, Xenophobie und Kriege ein wesentlicher Aspekt dafür waren. Die Distanzen für importierten Feuerstein wurden immer knapper während genau zeitgleich die Massaker drastisch zunehmen und die Befestigungsanlagen häufiger auftreten und stärker sind. Etwaig wollte man sogar gezielt feindlichen Gruppen die Versorgung mit Feuerstein kappen. Schließlich kollabierte die linerabandkeramische Kultur, an innergesellschaftlichen Problemen und meiner These nach aus verheerenden Kriegen.

Der Zusammenbruch ist im weiteren derart total, dass die Linerbandkeramische Kultur im Genpool der heutigen Europäer kaum Spuren hinterlassen hat. Es kommt schlussendlich zu einem richtigen Abriss. Und der Übernahme der vormaligen Siedlungsgebiete durch andere Gruppen. Selbst von den westeuropäischen Jäger und Sammlerkulturen ist praktisch gesehen genetisch mehr übrig, da diese in den steinzeitlichen Paralellgesellschaften ja noch 2000 Jahre lang zu den Ackerbauern parallel existierten.

Eine wesentliche Ursache für Kriege scheint zum Ende dieser Kultur der systematische Frauenraub gewesen zu sein. Interessant in diesem Kontext ist, dass Frauen der Jäger- und Sammlerkulturen in die Linearbandkeramische Kultur "einheirateten", aber umgekehrt praktisch niemals Frauen der Linerbandkeramiker in die Jäger- und Sammler der Parallelgesellschaften. Zudem weist eine Analyse der vielen Funde von Massakern darauf hin, dass der wesentliche Grund für Kriege wohl Frauenraub war. Wenige Männer hatten demzufolge viele Frauen, die sie sich mit Gewalt von anderen Männern nahmen. Das deutet meiner Meinung nach (These) auf eine Proto-Staatliche Struktur mit einer gesellschaftlichen Elite hin, welche sich über die Landwirtschaft (Erpressbarkeit wegen Ernte / Aufbewarhung) die Mehrheit der Menschen de facto versklavte.

Meine These ist zudem, dass die Linearbandkeramiker Sklaverei hatten und gezielt Sklaven jagten, auch dies ein Zeichen der ersten Proto-Staaten, welche die Folge des Ackerbaus waren. Wir müssen hierbei aber von unserem Verständnis von Staat lösen, damit sind keine modernen Staaten im heutigen Sinne gemeint, sondern die Herrschaft von Eliten über eine zunehmend rechtlose Kaste von Unfreien.

Der Kollaps dieser Kultur war von der Population her derart dramatisch, dass Europa danach für 1500 Jahre lang äußerst dünn besiedelt war.
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